Tempest 4000 im Test

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24 Jahre nach Jeff Minters Geniestreich Tempest 2000 für Ataris Jaguar und zwei Jahre nach einem saftigen Rechtsstreit mit Rechteinhaber Atari, ist der wolljackentragende Kultentwickler und Lamafreund mit Tempest 4000 zurück an der psychedelischen Arcadefront.

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Kein Review von Tempest wird ohne einen Rückblick auf den vergangenen Rechtstreit zwischen Minter und Atari auskommen. Flashback 2014: Jeff Minter veröffentlicht den Tempest-inspirierten Shooter TxK für PS Vita. Die Nähe zu seinem Erfolgstitel „Tempest 2000“ war unverkennbar. Spielprinzip und Aufmachung waren nahezu identisch zum Klassiker und der 2000er Neuauflage aus dem Jahre 1994. Übrigens wurde TxK selbst freundlicherweise von Sony unterstützt, indem Jeff Minter gratis Devkits erhielt. 2015 sollte der erfolgreich und von den Kritikern gefeierte Titel nun auf PS4 geportet werden. Kurz vor Release klagte jedoch Atari, Rechteinhaber der Tempest-Lizenz, gegen eine Veröffentlichung, Minter hätte mit „TxK“ „Tempest“ kopiert, zu nahe läge der Titel am Spielprinzip des Vector-Klassikers. Die Veröffentlichung wurde gestoppt, Minter selbst zeigte sich ausser sich über Ataris Vorgehen und Atari erntete im Social Web einen Shitstorm. Dann folgten zwei Jahre Ruhe.

 

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Ende 2017 wurde Tempest 4000 schließlich offiziell angekündigt, am 18.07.2018 ist es schließlich soweit. Das neueste Kapitel des trippigen Shooters erscheint für PS4, Xbox One und Steam PC. Ob Tempest 4000 nun das Werk einer partnerschaftlichen Kollaboration zwischen Minter und Atari ist, oder Minter schlicht zu Tempest 4000 genötigt wurde, um weiteren Klagen zu entgehen, ist nicht bekannt. Die stoische Ruhe des Entwicklers zu seinem neusten Werk, zusammen mit dem Kommentar „I‘m done with Tempest“, lassen Spekulationen zu.

 

Doch kommen wir zum Spiel.

 

Tempest 4000 lässt nach wenigen Minuten keinen Zweifel daran, dass es ein Port von TxK ist, mit einigen etwas psychedelischeren Farbverläufen und neuen Hintergründen. Menüs und Level sind ebenfalls identisch zur PS Vita Version. Der Spieler kann nun zwischen 3 Soundtracks wählen, auch wenn im Spiel nirgendwo ein Hinweis dazu zu finden ist. Ein Druck auf „Dreieck“ in der Levelauswahl wechselt den Soundtrack zwischen Tempest 2000 Chipsound, Tempest 2000 CD (default) und TxK Soundtrack. Leider kann weder gemixt, noch eigene Tracks gewählt werden, was nicht nur enttäuscht, sondern z.B. das erste Bonuslevel seltsam wirken lassen, da man dort den chilligen Bonustrack der 2000er Inkarnation nutzt .

 

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Das Spiel hat sich freilich kaum geändert. Weiterhin befindet man sich mit seinem Raumschiff „Claw“ am Rande einer geometischen Form und ballert in 100 spacigen Leveln alles ab, was aus der Tiefe auf einen zufliegt. Im Gegensatz zum 2000er Klassiker fühlt sich die Steuerung des Schiffes nicht mehr so direkt an, es zieht nach und reagiert träger, was ein wenig zu Frustrationen führt, will man einen Gegner präzise aufs Korn nehmen. Selbst wichtige Mechaniken des Klassikers fehlen, wie die Möglichkeit auch am Netzrand zu besiegen, solange man sich nicht bewegt. Bei Tempest 4000 bedeutet das Fehlen des Superzappers und des Jump-Power-Ups schlicht den Tod. Hier wäre etwas mehr Feintuning nötig gewesen. Das Bonusgame am Ende eines Levels, in dem der Spieler versucht sein Schiff durch Dreiecke zu lenken, wirkt mit Analogstick oder Bewegungssteuerung nahezu unmöglich zu kontrollieren, auf Sonys Handheld hat dies noch funktioniert. Man darf hoffen, dass es vielleicht noch Patches geben wird.

 

Generell wirkt Tempest 4000 etwas lieblos und nicht wie von Minter gewohnt. Auch eine zu erwartende VR-Implementierung, gerade nach dem hervorragenden Polybius, fehlt und wundert, gerade da das Spiel mit Anspielungen auf VR voll ist.

 

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Grafisch und akustisch wurden auch keine Bäume ausgerissen. Der cleane Vektorlook von TxK wurde mit psychedelischen Farbverläufen wie bei Tempest 3000 und Space Giraffe gemischt, was teilweise unbeholfen wirkt. Freunde von Minters Farbspielereien kommen zwar voll auf ihre Kosten, stilistisch sicher wirkt aber anders.

 

Der Soundtrack bietet ebenfalls nur Tracks aus vergangenen Episoden. Ein paar neue Tracks wären schön gewesen. Nichtsdestrotrotz ist der Soundtrack auch mit älteren Tracks immer noch ein Techno-Vorzeigestück und untermalt die Action ganz fabulös.

 

 

 

Heiko meint:

Heiko

Tempest 4000 ist weder Fisch noch Fleisch. Das Gameplay und die Aufmachung der Serie und Ihres Machers ist nach wie vor zeitlos. Leider lassen einige Mängel wie Steuerung, lieblose Portierung oder Soundtrack-Recycling den Verdacht aufkommen, dass für Tempest 4000 nur das Nötigste gemacht wurde. Was wiederrum die These stützt, dass der Titel nicht ganz freiwillig und mit voller Hingabe von Minter entwickelt wurde. Dazu kommt der doch sehr happige Preis von 29,99€ auf den Konsolen und 19,99€ auf Steam. Für die Hälfte des Preises kann man aber für ein paar Shootereinlagen in 4k zuschlagen.

Positiv

  • gewohnt trippige Präsentation
  • 100 Level
  • 4k Mode

Negativ

  • lieblos und ohne wenig Neuerungen
  • Soundtrack ohne neue Tracks
  • Steuerung teils nicht optimal an die Konsole angepasst
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8.1 4 Stimmen
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Forum
  • von Seegson:

    Wo am besten die PS4 Disc bestellen? ich brauche das, unbedingt!

  • von mjaap:

    Die Steuerung in den Leveln fand ich weniger problematisch, die Zwischenrunden sind allerdings furchtbar. Mir ist aber auch aufgefallen, dass die Gegner nicht bis an den Rand vordringen, wenn man dort (notgedrungen) auf sie wartet. Ist das in TxK auch so? Für mich ist das ein klarer Bug. Dazu kommt...

  • von Master DK:

    Im Gegensatz zum 2000er Klassiker fühlt sich die Steuerung des Schiffes nicht mehr so direkt an, es zieht nach und reagiert träger, was ein wenig zu Frustrationen führt, will man einen Gegner präzise aufs Korn nehmen Dem stimme ich voll zu, die Steuerung ist im vergleich...

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