8-Bit Hordes im Test

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Echtzeitstrategie: Einst eines DER Spielegenres auf PC. Später konnte man dank Warcraft 2 und der Command & Conquer Reihe auch auf Konsolen Fuß fassen. Doch im Wandel der Zeit geriet das Genre immer mehr ins Abseits. Zwar erscheinen noch immer neue Titel, Anzahl und Bedeutung derer kann aber längst nicht mehr mit früheren Glanzzeiten mithalten.

Bereits seit ein paar Jahren beglücken die Petroglyphs Studios PC Spieler mit neuen Titeln. 8-Bit Invaders, 8-Bit Armies und auch 8-Bit Hordes orientieren sich dabei offensichtlich bei ihren großen Vorfahren. Mit Armies bot man eine Hommage an Command & Conquer, Invaders versucht sich an Starcraft und Hordes schließlich bei Warcraft. In einem fast schon als dreist zu bezeichnendem Maße.

8_Bit_Hordes_Nexgam_1Orks und Menschen nennen sich hier „Lichtbringer“ (Menschen) und „Todesgeschworene“ ( Orks). Selbst die Farbgebung, blau und rot, wurde von Warcraft übernommen. In Sachen Einheiten Gestaltung bietet man eine Mischung der beiden ersten Episoden des großen Vorbilds. Ansonsten präsentiert sich 8-Bit Hordes aufgeräumt und überschaubar.

Zwei Parteien mit je acht verschiedenen Gebäuden plus Hauptquartier, sowie zehn Kampfeinheiten zuzüglich einem Sammler, hier Lore genannt. Das war es. Es gibt keine Helden und keine Items. Hinzu kommt für jede Seite im späteren Verlauf der Kampagne eine Spezialattacke. Weder die Einheiten, noch die Gebäude sind aufrüstbar. Einzig das Hauptquartier kann, einmalig, aufgewertet werden. Einen Technologiebaum oder sonstiges zur Erforschung gibt es nicht. Wirkliche Unterschiede bei den beiden Parteien gibt es, abgesehen von der Optik ebenfalls nicht. Die Lichtbringer führen menschliche Krieger, Bogenschützen, Heiler und Paladine gemeinsam mit Wasserelementaren und „Wolken“ in den Kampf. Die Todesgeschworenen selbiges in Orkform, gepaart mit Zeppelinen und Drachen statt Elementaren und Wolken. Ebenso verfügen beide Seiten über ein mobiles Katapult. Spielerisch gleichen sich alle überwiegend wie ein Ei dem anderen. An der Gebäudefront sieht es ähnlich aus. Hauptquartier, Farm, verschiedene Gebäude zur Einheitenproduktion sowie ein Abwehrturm. Mauern sucht ihr vergebens. Ein einigeln ist demnach nicht möglich.
 
8_Bit_Hordes_Nexgam_3Ob Neuling oder erfahrener Stratege, Spielprinzip und Steuerung sind schnell erlernt und intuitiv. Mit einem Druck auf LB öffnet ihr das übersichtliche Ringmenü zum Gebäudebau, mit RB den für die Einheiten. Grüne und rote Markierungen auf der Karte zeigen euch sodann wo ihr das neue Bauwerk errichten könnt. Mit X,Y oder B wählt ihr eure Truppen aus, mit A markiert ihr den Zielpunkt. In der Kampagne werdet ihr langsam an die begrenzten Möglichkeiten herangeführt und schaltet Mission für Mission neue Einheiten und Gebäude frei. Man erlernt schnell die Zusammenhänge und weiß nach kurzer Zeit welches Gebäude für welche Einheit benötigt wird. Ein besonderer Kniff gelang den Machern dennoch. So müsst ihr bei 8-Bit Hordes nicht erst mühselig eure Armeen zusammenklicken. Bereits bei der Produktion ordnet ihr sie einer Taste zu. Drückt ihr beim Produktionsauftrag beispielsweise X, wird die Einheit Armee X zugeordnet. Bei Y, Armee Y und so weiter. Im Spiel selbst wählt ihr  ebenso mit den unterschiedlichen Tasten die jeweilige Armee an und schickt sie über die Karte. Eine tolle Sache deren Nutzen  allerdings durch das Fehlen von Formationsbefehlen teilweise geschmälert wird. Habt ihr eine durchgemischte Armee und sendet diese Richtung Feind ist die Chance groß, das zum Beispiel eure Flugeinheiten lange vor den Fußtruppen am Zielort eintreffen. Wartet der Gegner dort mit Bogenschützen, sind eure Herren der Lüfte Geschichte, noch bevor der Rest der Armee eintrifft.

8_Bit_Hordes_Nexgam_4Generell ist die KI, höflich ausgedrückt, ebenfalls als klassisch zu bezeichnen. Wer sich bereits über die Ernter in früheren Command & Conquer Episoden ärgerte, kann hier gleich weiter machen. Die Loren sind zwar flott unterwegs und suchen sich eigenständig die rohstoffspendenden Minen. Im Gegenzug dafür nehmen sie aber immer den direkten Weg. Vollkommen egal ob sie dabei quer durch eine gegnerische Siedlung brettern oder nicht. Feindbeschuß wird ignoriert. Bereitwillig rollen sie ihrem Untergang entgegen. Nach welchem Schema sie die vorhandenen Rohstoffquellen anfahren, ist auch nicht ersichtlich. Ihr habt in weiser Voraussicht einen Pfad zur nächsten Mine mit Türmen gesichert? Toll, bringt nur nichts, wenn sich die Loren eine evtl. weiter entfernte als Ziel aussuchen. Ihr müsst sie schon einzeln manuell auswählen und zur gewünschten Miene schicken. Die Kampfeinheiten reagieren ebenfalls sehr spät, oftmals nie. Wird die Infantrie von Lufteinheiten, gegen welche sie wehrlos ist, attackiert, bleibt sie gerne stehen, bis auch der letzte Soldat vernichtet wurde. Schickt ihr eure Armee von A nach B und wird diese auf halbem Weg angegriffen, so ignorieren eure Mannen den Angriff. Wer nicht aufpasst, verliert also schon auf dem Weg zum Ziel die halbe Truppe. Ärgerlich. Aber selbst einstmalige Genregrößen wie Warcraft 2 und spätere Command & Conquer Kapitel litten unter dieser Prämisse. Kennt man die Probleme, kann man damit umgehen.

8_Bit_Hordes_Nexgam_5Ohnehin sind die Probleme nicht wirklich spielentscheidend. Denn auch beim spielerischen Ablauf bleibt 8-Bit Hordes stark eingeschränkt. Die beiden Kampagnen könnt ihr vollständig mit sogenannten „Rushes“ ziemlich einfach gewinnen. Es gilt der Spruch „Masse statt Klasse“. Sofern der Geldfluss sichergestellt ist, müsst ihr nur kontinuierlich neue Einheiten produzieren und diese in einem größeren Pulk Richtung Gegner hetzen. So „rusht“ ihr euch über alle Karten. Die KI hat dem bis zuletzt nichts entgegen zu setzen. Zumal sie selbst nach einem ähnlichen Schema spielt. Der Schwierigkeitsgrad der Kampagne wird nur dadurch geregelt, dass die KI von Beginn an mehr Truppen und Gebäude besitzt als der Spieler. Sie agiert nicht intelligenter. Im Multiplayerpart verhält es sich ähnlich. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, sprich: Wer am schnellsten Einheiten produziert, gewinnt das Ding.

Für Solisten bietet man eine Kampagne mit, für jede Seite, 24 Missionen. Allerdings lautet das Ziel immer gleich: vernichte XY Hauptquartiere. Darüber hinaus gibt es die sogenannten Scharmützel auf zehn unterschiedlichen Karten, einzelne Kämpfe gegen die KI. Selbstverständlich sind diese allerdings auch im Multiplayer mit und gegen andere Spieler zu bestreiten. Die Kampagne kann ebenfalls im Coop bestritten werden. Der Umfang hätte zwar größer ausfallen können, ist aber durchaus ausreichend.

8_Bit_Hordes_Nexgam_6Technisch ist 8-Bit Hordes eine runde Sache. Für den ein oder anderen dürfte die Grafik der Knack Punkt sein. Denn diese präsentiert sich im miniaturisierten Minecraft Style. Alles setzt sich aus kleinen Klötzchen zusammen was mehr oder minder dazu führt, alles als „niedlich“ oder „kindliche“ zu bezeichnen.  Dafür ist die Optik, egal wie viel auf der Mattscheibe los ist, flüssig. Kein Ruckeln oder Hängen trübt den Spielspaß. Der Soundtrack ist klar, trällert aber ziemlich uninspiriert aus den Boxen. Hier und da gibt es Sprachausgabe. Missionsbeschreibungen sind leider nicht vertont sondern werden als schnöder Text präsentiert. Eine richtige Story spart man sich ganz.

Womit wir beim letzten und einzig richtigen Kritikpunkt angekommen sind. Menüdarstellung und Texte wurden nicht oder nur unzureichend an die aktuellen TVs angepasst. Wer die Texte lesen möchte, der muss schon verdammt nah an seinen Fernseher rücken. Ansonsten sind sie leider kaum zu entziffern. Ein durchaus ärgerlicher und überflüssiger Faux Pas.



Alexander meint:

Alexander

8-Bit Hordes kann sich nicht mit den Genregrößen messen und tut sich auch bei einem Vergleich mit Halo Wars schwer. Allerdings bezweifle ich, dass die Macher das überhaupt wollen. Man erhält ein kleines, schnelles RTS. Wenig Einheiten, wenig Gebäude und wenig taktische Möglichkeiten. Die schnelle und unkomplizierte Action steht für mich klar im Vordergrund. Ein prima Zugänglichkeit und tolle Spielbarkeit machen das Ganze für mich zu einem netten Strategiehappen für zwischendurch. Die niedliche Grafik mit ihren zahlreichen Anspielungen auf Warcraft und Herr der Ringe tut ihr Übriges. Wer RTS mag, sollte dem Spiel unbedingt eine Chance geben.

Positiv

  • Unkomplizierte Old School Echtzeitstrategie
  • für jeden verständlich und leicht zu lernen

Negativ

  • gewöhnungsbedürfte Grafik
  • kaum Tiefgang
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Forum
  • von Azazel:

    Da es ab heute um Verkauf ist, hier noch schnell der Trailer ...

  • von Azazel:

    Klassische Echtzeitstrategie trifft Minecraft! Nexgam schrieb: Echtzeitstrategie: Einst eines DER Spielegenres auf PC. Später konnte man dank Warcraft 2 und der Command & Conquer Reihe auch auf Konsolen Fuß fassen. Doch im Wandel...

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