Late Shift im Test

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Full Motion Video Games. Nach einer Boomperiode in den 90ern aufgrund trashiger Qualität lange verschrien und beinahe vergessen geglaubt feiert das Genre in letzter Zeit ein kleines Revival. Mit Late Shift steuert Wales Interactive erneut einen Titel dieser Gattung bei.

late_shift_nexgam_02Nachtschichten. Die wenigsten mögen sie, versprechen sie doch in den meisten Jobs gepflegte Langeweile und Einsamkeit. Mathematikstudent Matt gehört zu den Unglücklichen, die sich mit einem monotonen Nachtjob das Geld fürs Studium zusammensparen müssen. Wenn er nicht gerade mit inneren Monologen beschäftigt ist, verbringt er seinen Job im Parkhaus zumeist mit dem Lernen. Eines Abends, kaum dass die Ödnis des Jobs Überhand zu nehmen scheint gibt es einen Lichtblick, als ihn eine heiße Blondine anspricht. Den Maserati ihres Freundes wolle sie ohne dessen Erlaubnis fahren. Einen kleinen Flirt später erweist sich ihre Anfrage als problematischer als gedacht, als ausgerechnet unter Matts Aufsicht ein Einbrecher eben jenen Maserati mit vorgehaltener Waffe stehlen will. Eins kommt zum anderen, und unser junger late_shift_nexgam_05Protagonist endet im Versteck einer vierköpfigen Bande, die einen großen Coup plant. Nämlich den Raub eines unbezahlbaren chinesischen Reisschälchens aus der Ming-Dynastie. Dummerweise hat sich sein Entführer beim Einbruch ins Parkhaus so schwer verletzt, dass er weder einen Fluchtwagen fahren, noch sonst behilflich sein kann. Also muss gezwungenermaßen Matt einspringen, ob er will oder nicht.

 

Der Überfall gelingt zwar, aber auf der Flucht gerät alles aus den Fugen. Plötzlich steht Matt mit der wertvollen Schale da, die allerlei zwielichtige Gestalten begehren. Die skrupellosen chinesischen Gewinner der Auktion sind nicht erfreut über den Diebstahl und senden ihre Häscher aus. Für die Polizei ist er ein Verbrecher. Und einige andere Ereignisse verkomplizieren die Situation noch weiter, so dass der Engländer sich bald denkt, dass eine ruhige Nacht im Parkhaus doch nicht so übel gewesen wäre.

late_shift_nexgam_08Soweit der relativ feste Einstieg in die Geschichte; ab diesem Punkt verzweigen sich die Pfade, die der Held gehen kann immer mehr. Denn was Late Shift ausmacht, ist, dass hier nicht nur oberflächliches Eingreifen des Spielers in eine eigentlich starre Handlung gewährt wird. Hier wird ein echtes interaktives Filmerlebnis geboten. Es erinnert ein wenig an die alten »Choose your own Adventure« Bücher. Über die Einblendung von zwei bis drei Optionen in vielen Situationen ändert sich der Verlauf der Geschichte. Das führt zu einer relativ großen Anzahl von Szenen, und es ist unmöglich, alle in einem Durchlauf zu erleben. Unterschiedliche Locations, Gegebenheiten, Charaktere und Ereignisse sind das Ergebnis. Wie man sich in einem frühen Kapitel einer Person gegenüber verhalten hat, vermag ihre Reaktion später variieren.

All dies führt zu insgesamt sieben verschiedenen Enden des Abenteuers und unzähligen kleineren Variationen auf dem Weg dorthin. Ein Durchlauf kann dabei eine gute Stunde dauern.

late_shift_nexgam_01Das Ganze wird sehr gut durch talentierte britische Schauspieler dargestellt. Tolle Locations in London, gut gefilmte Sequenzen, und ein nahtloser Übergang zwischen den variablen Szenen ohne Ladezeiten machen das Spiel zu einem spannenden Abenteuer, das einen nie aus dem Geschehen herausreißt. Eine deutsche Synchronisation hat das Game leider nicht zu bieten, aber zumindest ist alles gut untertitelt.
Die Gewalt hält sich in Grenzen. Der ein oder andere Tropfen Blut kann vorkommen, es sterben Leute, generell ist die Geschichte jedoch eher charaktergetrieben als durch Action und Brutalität geprägt. Tatsächlich wirkt Late Shift harmloser als moderne Krimiserien im Abendprogramm.

 

late_shift_nexgam_03Noch ein Hinweis für ungeduldige Naturen, solche die alle Enden sehen und Trophies bzw Achievements jagen wollen: Late Shift speichert zwischen den nicht für den Spieler ersichtlichen Kapiteln automatisch. Ein manuelles Speichern gibt es nicht. Man kann immer nur am Anfang des zuletzt gespielten Kapitels wieder einsteigen. Auch das Überspringen bekannter Szenen ist nicht möglich. Dies wäre auch schwierig umzusetzen, tauchen Entscheidungsmöglichkeiten doch sehr häufig auf und verändern sie die folgenden Szenen dezent. Das heißt, wer ein Ende gesehen hat, kann nicht einfach in einem x-beliebigen Kapitel erneut loslegen, sondern muss von ganze vorne beginnen spielen.

 

 

Daniel meint:

Daniel

Late Shift hat mich positiv überrascht. Ich habe sowieso etwas für FMV Adventures übrig, aber dieser Titel legt großen Wert auf wirkliche Interaktivität, die man bei den meisten "interaktiven Filmen" kaum findet. Nach dem ersten Durchspielen bin ich gerne dran geblieben, um alle Variationen der Story zu sehen und das bestmögliche Finale zu erleben. Die guten Schauspieler und schönen Londoner Settings tun ihr übriges, um hieraus ein Stück Software zu machen, das allen Fans der Kombination aus Film und Spiel gefallen dürfte.

Positiv

  • Große Entscheidungsfreiheit
  • Gute Schauspieler
  • Hoher Wiederspielwert

Negativ

  • Ein einzelner Durchgang kann relativ kurz sein
  • Letzten Endes immer noch mehr Film als Spiel
  • Keine deutsche Sprachausgabe
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8.0 1 Stimmen
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Forum
  • von 108 Sterne:

    Immerhin habe ich durch den Phill-Absatz noch Platz für nen weiteren Screenshot gehabt. ...

  • von Phill XVII:

    Schön das mein Gehate mit ins Review eingeflossen ist. ...

  • von Civilisation:

    Daniel hat sich ein modernes Full Motion Video Game angesehen. Late Shift Full Motion Video Games. Nach einer Boomperiode in den 90ern aufgrund trashiger Qualität lange verschrien und beinahe vergessen geglaubt feiert das Genre in letzter Zeit ein kleines Revival. Mit Late Shift...

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