The Lost Files of Sherlock Holmes: The Case of the Serrated Scalpel im Test

Wenn man ein Szenario für Adventure sucht, liegen ein Krimnalfall oder eine Dektektivgeschichte sehr nahe. Dementsprechend wenig verwundert es, das auch der vermutlich berühmteste Detektiv der Welt, Sherlock Holmes, schon oft als Vorlage für ein Adventure diente, angefangen von Textadventures in den 80er Jahren bis zu Frogwares langjähriger Reihe an Holmes-Abenteuern. Ende 1992, grob 10 Jahre vor dem ersten Spiel in Frogwares Reihe, entwickelte Mythic Software für Electronic Arts ein Point-and-Click-Adventure rund um den Mann mit dem Tweed-Hut und der Pfeife, und zwar »The Lost Files of Sherlock Holmes: The Case of the Serrated Scalpel«.

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Holmes und Watson sitzen gerade gemütlich zu Tisch, da erreicht den Detektiven eine Botschaft. Inspektor Lestrade vom Scotland Yard bitte um Hilfe bei einem Fall. Die Schauspielerin Sarah Corroway wurde beim Verlassen des Theaters brutal ermordet. Der Polizist ist, wie er Holmes am Tatort wissen lässt, überzeugt, dass Jack the Ripper erneut zugeschlagen hat. Ein Detail veranlasst den Meisterdetektiven jedoch an dieser Theorie zweifeln. Die Wunden des Opfers deuten nämlich auf eine gezackte (serrated) Klinge hin, was beim Ripper bisher nicht auftrat. Der Detektiv gibt sich mit Ripper-Erklärung nicht zufrieden, und so starten die Ermittlungen.
 
Lost Files of Sherlock Holmes ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure, das die detektivische Arbeit aus den Fällen von Sherlock Holmes einzufangen versucht. Auch wenn es Objektpuzzles gibt, liegt der Schwerpunkt eher auf Ermittlungen, wie Hinweise in den (umfangreichen, aber gut geschriebenen) Gesprächen finden, um weitere Spuren und Objekte zu entdecken oder Gesprächspartnern Informationen entlocken, um bestimmte andere Personen zu identifizieren. Nach und nach kommt man so an weitere Schauplätze, Personen, und dementsprechend Hinweise. Die sich so entfaltende Geschichte ist spannend und hält die Motivation oben. Leider sind wird eine ganze Reihe von Handlungsorten nicht groß genutzt, manchmal spricht man dort nur mit einer Person oder löst ein, zwei Rätsel, dann ist alles getan.
 

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Grafisch weiß das Spiel zu gefallen. Die Entwickler haben sich sichtbar Mühe gegeben, Optik und Atmosphäre des viktorianischen Londons einzufangen. Ein Nachteil der stimmungsvollen Grafik ist leider manchmal eine gewisse Farbarmut bzw. Brauntonlatsigkeit. Dafür entschädigen viele nette Details im Hintergrund, wie flackernde Gaslampen oder Dampfschiffe auf der Themse. Die Animationen der Figuren sind leider ab und an etwas hölzern, insbesondere bei den Charakterporträts in den Gesprächen.
 
Bei der Bedienung lehnt sich das Spiel eindeutig an LucasArts-Titel wie Monkey Island II oder Indiana Jones and the Fate of Atlantis an. Am unteren Bildschirmrand ist eine Reihe von Verben, die man anklicken kann, um damit Befehle zu bilden wie »untersuche Pulver« oder »nimm Eisenstange«. Das Inventar wird leider nicht permanent eingeblendet.
 
Auf einer Karte von London, die sich über mehrere Bildschirme erstreckt, kann man alle bekannte Schauplätze ansteuern. Leider kann man die Droschkenanimation, mit der man sich von A nach B bewegt, nicht überspringen.
 

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Viele berühmte Elemente und Protagonisten aus den Geschichten von Conan-Doyle finden sich auch im Spiel wieder, seien es die Straßenjungen, die für Holmes Suchaufträge erledigen, Holmes chemische Analysen oder Holmes‘ Hadern mit den Ermittlern von Scotland Yard. Auch Watsons Angewohnheit, seine Erlebnisse mit Holmes schriftlich festzuhalten, hat seinen Weg in das Game gefunden. Unter dem Menüpunkt »Journal« kann man Watsons Eintragungen sehen, die aus einer Aufzeichungen sämtlicher Gespräche (minus Wiederholungen) bestehen. Da diese erwartungsgemäß oft genug Hinweise enthalten, wo man suchen sollte, ist diese Funktion sehr hilfreich.
 
Die Musik passt zum Geschehen, ist aber oft eher belanglos. Dafür entschädigen die Soundeffekte. Mythic Software hat sich nicht Lumpen lassen, und neben vielen Digi-Effekten gibt es ein voll vertontes Intro und sogar mehrere gesprochene Zwischensequenzen, auch bei der Disketten-Version.



Dennis meint:

Dennis

Mit dem ersten der verschwundenen Fälle von Sherlock Holmes ist den Entwicklern ein solides, unterhaltsames Adventure geglückt. Gestaltung und Sprache werden meiner Ansicht nach der Vorlage gerecht. Leider verbringt man etwas wenig Zeit mit klassischen Adventure-Rätseln, und den gebotenen Puzzles fehlt ein Schuß Genialität. Zum Ende hin wird das Spiel zudem sehr linear, auch wenn es für einen Krimi Sinn macht, dass man am Ende nur noch einer Spur folgt. So kann Lost Files of Sherlock Holmes nicht ganz zu den Genre-Primussen aufschließen. Dennoch gibt es eine glasklare Empfehlung an alle Adventure-Spieler und Freunde des Meisterdetektivs.

Positiv

  • stimmungsvolle Grafik und Atmosphäre
  • saubere Umsetzung der Sherlock-Holmes-Geschichten
  • spannende Geschichte

Negativ

  • recht linear
  • weniger gute Musik
  • sehr gesprächslastig
Userwertung
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