Golden Axe im Test

WonderSwan

Das der Großteil des WonderSwan Spieleangebots aus Titeln mit unaussprechlichen japanischen Namen besteht, ist eine Binsenweisheit. Ein Modul sticht für Europäer aber aus der Masse hervor: Golden Axe! Spätestens seit den drei Auftritten auf dem SEGA Mega Drive Anfang der 90er Jahre  ist Golden Axe auch hierzulande eine feste Größe bei Beat 'em up Freunden. Und weil der WonderSwan wenig Prügler zu bieten hatte, besorgte sich Bandai die Lizenz von SEGA ...

goldenaxe8Was erwartet WonderSwan Besitzer? Ein Remake des Originals? Ein völlig anderes Spiel unter bekanntem Namen? Eine simple Konvertierung des Originals? Am ehesten trifft Letzteres zu. Bei der Charakterwahl vor Spielbeginn hat sich jedenfalls nichts geändert - wie anno dazumal wählt der Spieler zwischen Barbar, Amazone und Zwergenkrieger, ehe es ins Hau-und-Stech Abenteuer geht. Auch die Story überstand den Transfer unbeschadet: Bösewicht Death Adder hat furchtbar schlechten Mundgeruch und terrorisiert die Nachbarschaft. Unter seiner schlechten Laune hat vor allem das hiesige Königshaus zu leiden, dessen Oberhaupt mittlerweile im Kerker vor sich hin rottet. Also macht begibt sich der Spieler auf den Weg, um den Bösewicht Richtung Nirwana zu befördern.

Kennern wird nach wenigen Schritten im Spiel klar, dass sie es hier mit einer recht akkuraten Umsetzung des Originals zu tun haben. Als Besitzer der Mega Drive Version fand ich eine Miniaturausgabe eben jener Fassung vor. Das Fehlen des dritten Buttons bemerkte ich zunächst gar nicht, die Buttons A + B sind auf dem WonderSwan für Springen und Zuschlagen zuständig und lassen sich zu einer Luftattacke kombinieren. Auch Magie lässt sich je nach magischer Begabung des Charakters einsetzen und variiert in der Stärke entsprechend der Menge der eingesammelten Elixiere. Negativ fiel mir aber das „unglückliche“ Steuerkreuz des WonderSwan auf, dass für diese Art Spiele nicht geschaffen ist. Dadurch wirkt die Steuerung etwas hakelig und nach längerer Spielzeit freut sich der Daumen über kurze Unterbrechungen.

goldenaxe4Was Golden Axe in meinen Augen schon immer von der (ganz billigen) Genrekonkurrenz abhob, war eine gewisse Erwartung hinsichtlich Geschick und Taktikgespür des Spielers. Nicht immer ist es klug, sich mit erweiterten Pupillen jähzornig auf den Gegner zu stürzen. Gerade wenn die KI-Gegner den Spielercharakter so umzingeln und in die Mangel nehmen können. Das Kunststück vollbringen sie nämlich mit großer Vorliebe. Vorsicht ist auch bei den berittenen Gegnern geboten, die ordentlich austeilen. Habt ihr den Reiter allerdings mit einem kräftigen Hieb Richtung Boden geschickt, dürft ihr selbst aufsatteln.

Im Vergleich zur Mega Drive Version schien mir die WonderSwan Fassung eine etwas großzügigere Kollisionsabfrage (zu Gunsten des Spielers) zu besitzen. Das gilt auch für Attacken mit den Hauptwaffen, die auch schon mal Gegner in einer Distanz erwischen, von der man es nicht gedacht hätte. Ein leichtes Spiel ist Golden Axe deswegen aber auch auf dem WonderSwan nicht geworden. Insbesondere zum Ende hin wird es unbarmherzig fies.

goldenaxe6Wer dafür gewappnet sein will, der legt erstmal ein paar Runden im „Beginner Mode“ des englischsprachigen Hauptmenüs ein. Hier geht es sanfter zur Sache, dafür allerdings auch nur in einer Handvoll Level. Für Neulinge dennoch erste Anlaufstation. Ebenfalls einen Blick wert ist der „Battle Mode“, bei dem ihr euch in One-on-One Kämpfen gegen einen CPU-Gegner prügelt - mit steigendem Anspruch selbstverständlich. Zu guter Letzt lässt sich Golden Axe über das Communication Cable sogar zu zweit kooperativ genießen. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass zwei WonderSwan Besitzer sowie zwei Golden Axe Module am selben Ort zusammentreffen.

Optisch sieht der 80er Oldie natürlich etwas angestaubt aus. Insbesondere einige Animationen fand ich „unglücklich“ und langsam. Man kann den einzelnen Animationsphasen fast zusehen. Dafür präsentiert das heute um ca. 20 Euro gehandelte Modul blühende Fantasy-Landschaften und ein sehr sauberes Scrolling. Auch die Soundkulisse ist trotz der gefürchteten Fähigkeiten des WonderSwan in diesem Bereich gelungen. Kennern des Originals womöglich aber zu „piepsig“ - mich störte es zu keiner Zeit.




Sebastian meint:

Sebastian

Bandai war klug genug sich die Lizenz von SEGA zu besorgen und ein fähiges Team an die Portierung zu lassen. Unterm Strich ist ein guter WonderSwan Titel herausgekommen, der trotz japanischer Story auch für Europäer uneingeschränkt genießbar ist. Definitiv ein WonderSwan Titel, den man sich ohne Reue geben kann!

Positiv

  • Adaption des Klassikers
  • Ohne Japanischkenntnisse spielbar
  • Ko-op Multiplayer

Negativ

  • 8-Bit Sound seeehr piepsig
  • Steuerung hakelig
Userwertung
8.8 5 Stimmen
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Forum
  • von bstea:

    Wie ist denn der aktuelle Preis? Früher waren das ca. 70€ + Versand.

  • von Slainte:

    Hab das auch seit einigen Jahren hier liegen .Allerdings nur kurz den ersten Level gespielt.Soweit machte es aber nen guten Eindruck ...

  • von atari_afternoon:

    Ist nur leider eins der teueren für Wonderswanverhältnisse ...

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