Die Geschichte von Strider im Test

ArcadeGameBoy AdvanceGame GearMaster SystemMega DriveNESPC-EnginePC WindowsPlayStation1PlayStation3PlayStation 4Xbox 360Xbox One

Strider: ein Name, der Retro-Fans eine Gänsehaut verpasst. Doch anders als so viele andere Hits von Capcom zog das Actionspiel nicht den gewohnten Rattenschwanz an Fortsetzungen nach sich. Welche Strider-Spiele es gibt, erklären wir euch anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen Reboots...

geschichte_von_strider_1Strider wurde als Kooperation zwischen Capcom und dem Manga-Verlag Moto Kikaku geboren. Als umfassender Angriff auf die Aufmerksamkeit japanischer Kids sollte das Projekt einen mehrteiligen Manga, ein Spielhallenspiel sowie ein Famicom-Titel beinhalten. Ein kluger Plan, und in der Tat avancierte Strider zumindest dank der Arcade-Fassung zur Kultfigur... dennoch ist die Anzahl der Fortsetzungen knapp bemessen.

 

Generell handeln die Strider-Spiele von einem Mitglied der gleichnamigen Einheit, einer Art Ninja-Spezialeinheit. Als solcher Elitekämpfer gilt es, den Diktator einer an die Sowjetunion angelehnten Republik namens Kasach zu stürzen.

 

Hier findet der geneigte Actionliebhaber jedes Strider-Spiel.

geschichte_von_strider_10

 

Strider (1989, Arcade, Master System, Mega Drive, PC Engine CD, Heimcomputer)

 

geschichte_von_strider_6Das erste Spiel der Reihe, und auch der Teil, auf dem die Verehrung der Zockerwelt beruht, wurde 1989 auf Basis von Capcoms CPS-Board entwickelt. Vieles war besonders daran: Die Grafik war für damalige Verhältnisse hervorragend, die Spielgeschwindigkeit hoch und die Story wartete mit kurzen, voll vertonten Dialogen auf ... in verschiedenen Sprachen!
 

In gewisser Weise kann man Strider als spirituellen Vorgänger zu Devil May Cry sehen. Wie in Shinji Mikamis "Stylish Hard Action" Game liegt ein Großteil des Reizes in der Coolness. Der Charakter kann superschnell zuschlagen, am Boden rutschen, klettern und hangeln... und all das wird auch verlangt, denn die Levels gleichen einer Achterbahnfahrt, bei der man nicht weiß, welche Stunts als Nächstes vollbracht werden müssen. Das alles toll animiert und mit epischen Bossgegnern versehen. 16 Jahre vor Shadow of the Colossus hängte sich Strider Hiryu bereits beim Kampf gegen einen Drachen an seinen Widersacher.
 

geschichte_von_strider_9

Von den zeitgenössischen Heimversionen ist die Version für Segas 16-Bitter die bekannteste. Als erstes 8-Megabit-Modul von Sega selbst 1990 umgesetzt, erstaunte es damals Spieler und Presse als nahezu 1:1-Umsetzung. Aber nur fast: kleine Zugeständnisse mussten doch gemacht werden, wie dezent weniger Farben und eine schwarze Statusleiste anstatt einer transparenten.
 

Der Port für die PC Engine punktet mit neuen Cutscenes, lässt jedoch im Game einige Effekte wie das Parallax-Scrolling der Mega-Drive-Variante vermissen.

 

Heute kann Strider in der emulierten Spielhallenfassung in perfekter Qualität im Rahmen von Compilations auf verschiedenen Systemen, von der PSP bis zur Xbox genossen werden.

 

Strider (1989, Nintendo Entertainment System, Gameboy Advance)

geschichte_von_strider_8_jpg_Hiryus NES-Auftritt unterscheidet sich grundsätzlich vom Spielhallenbruder. Nachdem schon zuvor so mancher Hit für die bereits angestaubte NES-Hardware stark verändert werden musste (Rygar, Ninja Gaiden) plante man diesmal von vorneherein eine eigenständige 8-Bit-Variante.
 

Weniger Adrenalin, dafür mehr Erkundung und Abenteuer lautete die Devise. Und um die entspannteren Spielgewohnheiten bei Heimkonsolen zu nutzen (schließlich muss nicht regelmäßig mit Münzen nachgefüttert werden) wurde in diesem Ableger direkt die Handlung der Mangas umgesetzt. Dabei ist das Spiel inhaltlich nach den Ereignissen des Spielautomaten angesiedelt, man darf es also als eine Art Fortsetzung betrachten. Das Ergebnis ist ein gutes Action-Adventure mit Erkundungsfaktor.

 

Ironischerweise zerschlug sich hier aber Capcoms multimedialer Masterplan; denn obwohl in Japan entwickelt, erschien diese Variante letztlich nie im Land der aufgehenden Sonne, sondern nur im Westen ... dem wiederrum die Mangas vorenthalten blieben.

 

Journey from Darkness: Strider Returns (1990, Master System, Mega Drive, Game Gear, Heimcomputer)

 

geschichte_von_strider_7_jpg_Hier wird die Geschichte um den futuristischen Ninja bizarr. In den 80ern und frühen 90ern gaben sich japanische Videospielkonzerne noch weit weniger vorsichtig, was die Lizenzierung ihrer Marken an andere Hersteller anging. So war es Usus, dass nahezu alle großen Arcade-Hits zu jener Zeit in Lizenz von westlichen Firmen für Heimcomputer umgesetzt wurden. Vor allem in Europa erblühten die 8- und 16-Bit-Rechner.
 

Da Japan und die USA bereits den Konsolen verfallen waren und man keine Kapazitäten für in-house-Ports für die Vielzahl der »exotischen« Geräte opfern wollte nahmen sich andere Publisher diese Nische vor. Final Fight, Mega Man, Castlevania, Outrun ... zahllose Konvertierungen made in Europe beglückten die Computerwelt.
 

Und manchmal ging die Lizenzabmachung noch weiter: Mitunter wurde den Portierungskünstlern sogar gestattet, eigenständig Fortsetzungen zu kreieren. Ein Beispiel ist das im Westen als "Renegade" bekannte erste Spiel der Kunio-Kun-Reihe. Exklusiv gab es auf europäischen Computersystemen einen zweiten und dritten Teil, die nichts mit den japanischen Sequels zu tun hatten.

 

Strider erging es ebenso; in Eigenregie ließ U.S.Gold vom Trash-Entwickler Tiertex ein brandneues Strider-Abenteuer entwickeln. Und was dabei rauskam, war ein Schlag ins Gesicht der Fans: Hiryu musste dem neuen Helden Hinju weichen, und aus dem schnellen Action Game wurde ein mäßiger Action-Plattformer mit ödem Leveldesign und enttäuschender Grafik.
 

1990 für Heimcomputer auf den Markt geworfen, wurden ab 1992 zudem alle Sega-Systeme mit Ports gestraft.
 

Capcom selbst behandelt diese Missgeburt, wie ihr es auch tun solltet: Der Titel taucht in keiner offiziellen Aufzählung auf.

 

Strider 2 (1999, Arcade, PlayStation)

 

geschichte_von_strider_12Es dauerte 10 Jahre, bis Capcom sich aufraffte und dem Arcade-Strider die verdiente Fortsetzung verschaffte. "Strider 2" genannt ignoriert es den Euro-only-Titel und macht alles richtig.

 

Strider 2 spielt sich wie Teil 1, wenn nicht sogar besser. Das Spiel ist noch flotter, aber nie zu hektisch. Die Grafik weiß mit einem Mix aus detaillierten und gut animierten Sprites und tollen Echtzeit-3D-Umgebungen und Bossen zu beeindrucken. Dabei findet das eigentliche Spielgeschehen wie früher auf einer 2D Ebene statt. Die polygonale Natur der Szenerie kommt nur dank der Lichteffekte, der Interaktion von Gegner mit dem Background und gekonnten Perspektivwechseln zur Geltung.

 

1999 in der Spielhalle veröffentlicht, gab es ein Jahr später die Umsetzung für Sonys PlayStation. Und trotz der üblichen Probleme der Hardware, wie pixeligen Texturen oder Verzerrungen, wird alles so gut kaschiert und entfaltet eine atmosphärische Wirkung, dass Strider 2 noch immer visuell zu gefallen weiß. Als tollen Bonus liegt der Heimversion auch eine gut emulierte Version des Erstlings bei. Einen vollständigen Review findet ihr hier.

 

Strider (2014, PlayStation 3, PlayStation 4, Xbox 360, Xbox One, PC)

strider_hd_nexgam_1

Capcom hat es nicht eilig, wenn es um Strider geht. 10 Jahre zwischen Teil 1 und 2, ist jetzt nach weiteren 15 Jahren ein Reboot erschienen.

 

Nachdem die schwedischen Entwickler von GRIN schon 2009 mit einem solchen Projekt scheiterten, legte Capcom erneut das Schicksal der Reihe in die Hände westlicher Devs. Double Helix aus Kalifornien, ein junges Studio mit bislang eher durchwachsenem Track Record stellte sich der Herausforderung.

 

Die Neuinterpretation von Strider wirft die 2D-Grafik komplett über Bord. Selbst Held Hiryu besteht jetzt aus Polygonen. Nur beim Gameplay bleibt der Stil erhalten, unliebsame Experimente die Spielmechanik in die dritte Dimension zu verfrachten wagten die Entwickler Gott sei Dank nicht. Das neue Strider ist schnell und cool, wie man es von der Marke erwartet, macht jedoch auch Anleihen an den NES-Sprössling: Den anders als die direkten Vorgänger ist hier nicht nur straighte Action gefragt, das Spiel entpuppt sich als wahres Metroidvania mit großen Welten und Upgrade-Möglichkeiten.

 

Wie genau das Game abschneidet, könnt ihr in unserem Review lesen, aber fest steht: Strider Hiryu ist im 21. Jahrhundert angekommen.

Userwertung
0 0 Stimmen
Wertung abgeben:
senden
Forum
  • von 108 Sterne:

    Hab auf Easy gut 10 Stunden gebraucht und bin an Mejos Turm fast verzweifelt. Für Rogue Legacy braucht man auch im Durchschnitt 20+ Stunden für den ersten Durchlauf ohne Extrabosse, und du hast das Spiel kaputtgemacht.^^...

  • von Phill XVII:

    Wow selbst auf Schwer war das Spiel ziemlich einfach. Sobald man den Flammendrachen benutzen kann haut man eigentlich alles weg. Hab auch unwissentlich die Trophy für unter 4 Stunden mitgenommen. (hab aber auch kaum Zeug gesammelt sondern bin schnurstracks durchgerannt)...

  • von Bitmap Brother:

    Mir gefällt das Spiel bisher sehr, war früher (Teil 1 auf'm MD und das PSX Strider 2) aber nicht so sehr der Strider Fan. Die Retail Fassung ist aufm Weg zu mir ...

Insgesamt 76 Beiträge, diskutiere mit
Follow us
Anzeigen
neXGam YouTube Channel
Anzeigen