Saints Row: The Third im Test

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Grand Theft Auto 3 öffnete anno 2001 die Tore für das neue Lieblingsgenre der Zocker: die Sandbox-Games. Es gab unzählige Versuche den König vom Thron zu stoßen, doch alle scheiterten kläglich. Es sollte Volition Inc. sein, die mit ihrer Saints Row Reihe Paroli bieten. Die Erfolgsformel: Während GTA trotz des schwarzen Humors versucht der Geschichte einen ernsten und seriösen Touch zu geben, pfeift Saints Row auf jegliche Form von Realität und konzentriert sich auf das, um was es in Open-World Titeln wirklich geht - dem Spaß! Ob den Entwicklern das auch mit The Third gelang, oder es langsam zu einer Lachnummer mutiert, haben wir für euch herausgefunden!

Explosions_FINAL.jpgAbermals dreht sich die Story um die Saints, eine mittlerweile populäre Gang, die sich nicht davor scheut ihren großen Namen auf Plakatwände, Energy-Drinks, Geschäften und Kinofilmen zu heften. Sie stellen ein Popkultur-Phänomen dar, die sich mit Hilfe von Schmiergeldern die Polizei vom Leib schaffen. Natürlich nur so lange, bis ihnen eine andere Gruppe wahnsinniger Krimineller einen Strich durch die Rechnung macht. In diesem Fall ist es das Syndicate mit dessen Anführer Phillipe Loren. Der Belgier fordert 66 Prozent der Einnahmen der Saints, auf deren unfreundlichen Ablehnung er beschließt den Ruf der violetten Straßengang zu zerstören, ebenso wie ihr Bankkonto zu plündern. Auf dem Boden der Tatsachen angekommen, machen sich erneut skurrile Banden über die einstigen Local Heroes her. Der einzige Ausweg: Der Stadt, und vor allem dem Syndicate zeigen, wer die größeren Eier besitzt - und das, wie ihr schon an meiner Ausdrucksweise seht, auf Saints Row Art!

5585sr3-06_PCwithHSvsCOPS.jpgNach dem erneut vorbildlichen Charaktereditor, der den Spieler förmlich dazu animiert eine hässliche Spielfigur zu kreieren, wird der geneigte Action-Fan im weitläufigen Steelport ausgelassen. Fortan kann unternommen werden, was einem beliebt, wahlweise auch im Online-Coop mit einem Freund. Sei es die Haupthandlung zu verfolgen, Nebenaktivitäten zu absolvieren, Vehikel auszubauen, in Immobilien zu investieren oder die Bezirke der Stadt nach und nach von anderen Gangs zu befreien. Dem Spieler stehen alle Türen offen.

Doch egal, für welchen Weg man sich entscheidet, Saints Row: The Third macht von Anfang an unmissverständlich klar, dass man nichts von alledem ernst nehmen sollte. Menschen werden mit riesigen Dildos verprügelt, die Physik der Vehikel lässt diese durch die Luft schießen und die Charaktere könnten nicht klischeebehafteter sein. Doch macht dieses over-the-top Spielgefühl, zusammen mit der bunten Comic-Grafik, die Faszination von Saints Row aus. Die Hauptstory führt den Spieler von einer schäbigen Wohnung im Ghetto zu einem gepimpten Gangsterpalast, natürlich nicht ohne dabei eine ordentliche Blutspur zu hinterlassen. Für gewöhnlich enden die Missionen, so verschieden sie auch klingen mögen, in wüsten Ballereien gegen die dämlich agierenden Kontrahenten, gespickt mit lustigen Zwischensequenzen. So werden »Homies« per Scharfschützengewehr verteidigt, Deals abgeschlossen, Kurierfahrten erledigt, sowie die Behausung der rivalisierenden Gangs in kleine Stücke geschossen. Das Spielgeschehen gestaltet sich dabei so amüsant und abwechslungsreich, dass man trotz ständig gehaltener Schuss-Taste nie den Spaß verliert. Dazu trägt auch das Respekt-System bei. Jede Aktion versorgt den Spieler mit Respekt, mit dem sich der Charakter verbessern lässt. Sei es ein größerer Gesundheitsbalken oder die Möglichkeit mit Beidhand-Schusseisen umzugehen.

SR3_Furries_Gone_Wild.jpgWie im Vorgänger sind wieder massig Nebenaktivitäten mit von der Partie. Macht mit einem Panzer möglichst viel Schaden, eskortiert Straßenschwalben, zockt eine virtuelle Tron-Nachmache oder nehmt an einer japanischen Gameshow teil. Der Slogan »Murder Time - Fun Time!« ist hier Programm. Die Entwickler nahmen sich offensichtlich zum Ziel, das Skurrile noch skurriler zu gestalten - und das ist ihnen durchaus gelungen. Man drücke dem Spieler einen Raketenwerfer mit unendlich Munition in die Hand und der Spaß ist vorprogrammiert. Oft fühlt man sich dabei wie ein schlecht erzogenes Kleinkind, dem man eine Zwille und einen Wellensittich zum Geburtstag schenkt. Es würde das totale Chaos verursachen, doch ist die Neugier zu groß, um die Gelegenheit links liegen zu lassen... Das einzige Problem: Die Nebenaktivitäten werden zum Teil in die Hauptstory eingebunden. Zudem starten sie oft ohne große Einführung und Zwischensequenz. Dadurch schlängelt der Anfang von Saints Row: The Third den Spieler nicht mehr so souverän wie im Vorgänger den Handlungsstrang entlang, sondern zerrt ihn von einer Kuriosität zur nächsten. Hierbei handelt es sich natürlich um Geschmackssache.

sr3_vtol_flyby.jpgGrafisch zeigt sich Saints Row: The Third für ein Open-World Spiel mehr als solide. Lediglich bei zu schneller und brachialer Action kam die getestete PlayStation 3 Version etwas ins Stottern. Genre-typisch tauchen auch gerne Popups auf, doch fallen diese nicht negativ ins Gewicht. Steelport hätte allerdings abwechslungsreicher gestaltet sein können. Es gibt die üblich prunkvoll aussehenden Hochhäuser, schmale Gassen, kleine Wohnhäuser und natürlich die dubiosen Geschäfte. Zwar ist alles liebevoll gestaltet, doch mangelt es der Stadt an Wiedererkennungswert, so dass man sich ohne Blick auf die Karte schnell verläuft. Die Synchronsprecher leisten abermals einen hervorragenden Job, auch ist der Soundtrack nicht von schlechten Eltern. Aus den Boxen dröhnen die Deftones, Deadmau5, Kanye West, Marylin Manson, Motley Crue, Run DMC und einige Klassikstücke - warum auch immer. Die deutsche Version von Saints Row: The Third kam nur in einer zensierten Form in die Händlerregale. So landet der Spieler schneller auf der Fahndungsliste, sobald er sich an unschuldigen Passanten vergeht. Zudem sind diese nicht als menschliches Schutzschild zu benutzen. Ein deutlich größeres Problem stellt die Online-Kompatiblität dar, denn Besitzer der deutschen Version können nur untereinander zusammen zocken.




Tobias meint:

Tobias

Saints Row: The Third bringt den Wahnsinn an die Grenze des Zumutbaren - und verpasst ihm anschließend einen Roundhouse-Kick auf die andere Seite. Die Entwickler hörten offensichtlich den Fans zu, denn sie nahmen die Stärken des Vorgängers und bauten diese weiter aus. Das neue Gangster-Epos präsentiert sich spielerisch noch abgedrehter und technisch deutlich runder. In welchem anderen Spiel kann man als muskelbepackte, glatzköpfige Frau Ninjas mit Dildos verprügeln?  Zugegeben, für Saints Row: The Third benötigt man erneut diesen gewissen Humor. Doch wer sich damit anfreunden kann, bekommt abermals ein hervorragendes Sandbox-Game serviert, das sogar im Online-Coop spielbar ist!

Positiv

  • Abwechslungsreiches Gameplay
  • Online-Coop
  • Hervorragende Synchronisation

Negativ

  • Deutsche Version geschnitten
Userwertung
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