Rule Of Rose im Test

PlayStation2

Eine tragische Geschichte über ein junges, unglückliches Mädchen sollte es werden. Allerdings ist nicht nur sie unglücklich, sondern auch für den Entwickler verlief die Geschichte etwas unglücklich. Zahlreiche Probleme mit Presse und anderen Neunmalklugen sollte einen Release in Europa verhindern. Ganz Europa? Nein, denn Frankreich und Italien wurde noch mit Rule of Rose beglückt. Und wie der Zufall es so will, kann man die Sprache des Spiels auf Deutsch einstellen, womit es hierzulande ebenso spielbar wird. Fraglich ist nur, ob sich die Suche nach dem Game auch lohnt ...

Rule_of_Rose_11Es erinnerte fast an die Diskussion über die Killerspiele vor ein paar Monaten: Nachdem die japanischen Entwickler angaben, dass das Setting bewusst verstörend gehalten werde, mit teils sadistischen Inhalten, hatte man schon die Befürchtung, dass Rule of Rose niemals über den großen Teich kommen würde. Als das Spiel der PEGI (Pan-European Game Information) vorlegt wurde, peilte man ein Rating ab 16 Jahren an. Das ja im Prinzip nichts Böses vermuten lässt.

Der Kleine, aber uns wohlbekannte Publisher 505 Gamestreet übernahm die Lokalisierung des Spiels. Doch kurz vor dem UK-Release kam es zu Problemen: Englische Zeitungen wie die The Daily Mail und The Times berichteten über einige pikante Szenen des Games. Das rief natürlich Politiker auf den Plan und so bekam der Publisher kalte Füße und verschob den Release auf unbestimmte Zeit. Scheinbar erschien Rule of Rose allerdings vor dem UK-Release bereits in Frankreich und Italien, wo es auch heute noch teilweise aufzufinden ist.

Aber zum Spiel selbst: Rule of Rose spielt in den 30er Jahren und erzählt die Geschichte der jungen Jennifer, die durch den tragischen Unfall eines Luftschiffs ihre beiden Eltern verlor. Da sie noch nicht volljährig ist und scheinbar auch keine Verwandten hat, kommt sie in das Rose Garden Waisenhaus, welches sie mit dem Bus erreicht. Bereits im Bus kommt ein kleiner Junge auf sie zu und bittet sie aus dem Buch vorzulesen. Dieses ist allerdings leer und als sie aufblickt verschwindet der Junge aus der offenen Bustür.

Rule_of_Rose_16Jennifer folgt dem Kleinen durch den Wald und erreicht so nach einiger Zeit das Waisenhaus. Bereits da ereignet sich die nächste sonderbare Szene: Als sie durch das Eingangstor blickt, sieht sie mehrere Kinder mit Tüten über dem Kopf, die mit Besen auf einen Sack einprügeln. Das Blut auf dem Boden lässt auf ein Lebewesen in dem Behältnis schließen. Ein Grund lieber den Hintereingang in das düstere Gemäuer zu nehmen.

Gespielt wird in klassischer Survival Horror Manier: Man bewegt sich mit dem Analogstick durch eine Landschaft mit fester Kameraperspektive. Dabei ist die Grafik düster gehalten und mit einem grafischen Effekt versehen, der alles wie einen alten Film wirken lässt. Auch bei der Untersuchung von Gegenständen wird ein kleiner Erzähltext eingeblendet, welche Erinnerungen an alte Schauermärchen wach werden lässt.

Beim Betreten des Waisenhauses wird man völlig in die Atmosphäre des Spiels gezogen. Die düsteren Gänge des verwinkelten Gemäuers sind nur schwach beleuchtet und mit jedem Schritt hört man das Kichern von Kindern, was vermuten lässt, dass man permanent beobachtet wird. Gänsehaut. Die Atmosphäre wird vor allem durch die gute Visualisierung und den grandiosen Soundtrack hervorgerufen.

Rule_of_Rose_8Meist irrt man durch die verschiedenen Räume, auf der Suche nach dem, was man im Grunde tun soll. Erst nach etwa einer Stunde wird klar, was zu tun ist. Nachdem man in ein Luftschiff verschleppt wird, erfährt man von der Aufnahme in den Aristokratenclub. Die Aristokraten des Roten Stifts ist eine Vereinigung von eben solchen Waisenkindern, die untereinander eine Rangordnung haben. Ziel ist es jetzt, durch monatliche Geschenke an das Prinzenpaar in der Hackordnung aufzusteigen und so womöglich seine Freiheit wiederzuerlangen.

Jeder dieser Monate stellen ein Kapitel in der Geschichte des Spiels dar und werden meist von ausschweifenden und gut in Szene gesetzten Cutscenes eröffnet und abgeschlossen. Schade ist allerdings das die Interaktion zwischen den Personen nahezu nicht möglich ist, denn diese verhalten sich, vor allem zu Beginn abweisend und sind meist auch nicht auffindbar.

Was man allerdings nach der Einführung in die Verhältnisse zwischen den Personen genug bekommt, sind Gegner. Diese wären zwar im Grunde recht harmlos, jedoch treten sie meist im Rudel mit bis zu 12(!) Mitgliedern auf. Das eigentliche Problem liegt aber bei Jennifer selbst: Sie bewegt sich behäbig und bei ihren planlosen und verhaltenen Attacken trifft sie nur selten ihre Gegner. Man muss dabei den Feinden schon sehr nah sein und meist klammern die sich an ihr fest, um ihr zu schaden.

Rule_of_Rose_9Deshalb sollte man den Kämpfen aus dem Weg gehen, was bei den Bosskämpfen  leider nicht möglich ist. Diese verkommen deswegen zu einer wahren Geduldsprobe, da man meist schon nach vier Treffern niedergestreckt wird und man mit einem Game Over ins Hauptmenü katapultiert wird. Dieser Umstand sorgt für einen hohen Frustfaktor bei Rule of Rose. Leider muss man dem Publisher ankreiden, dass auch bei der Übersetzung geschlampt wurde: So erhielt ich beim Spielen der italienischen Version in der deutschen Sprache schon mal einen Dialog, der komplett auf Italienisch war. Natürlich ist es da schwierig den Text zu entschlüsseln, da die englische Sprachausgabe nur in den ausgedehnten Cutscenes zu hören ist.

Allein das Manko mit den Kämpfen raubt dem Spiel einiges an Spielspaß. Die Geschichte verwirrt anfangs mehr und mehr, trieb mich jedoch an, noch mehr herauszufinden. Leider ist die Übersichtskarte, falls man sie findet, nicht so aufschlussreich, wie sie sein sollte. Dafür findet man nach einiger Zeit einen Hund namens Brown, welcher treu zur Seite steht. Dieser stellt sich als sehr wichtig heraus, da man ihm Kommandos geben kann, um Gegenstände zu finden. So kann man ihm beispielsweise an einer Keksdose schnüffeln lassen, damit er Kekse aufspürt, die etwas Lebensenergie auffrischen.




Michael meint:

Michael

Mit Rule Of Rose hätte man den großen Wurf landen können. Doch durch einige grobe Designpatzer entstehen teils gewaltige Frustmomente, die das Spielvergnügen arg trüben. Dabei vermitteln die gut inszenierten Zwischensequenzen und vor allem der großartige Soundtrack eine gute Atmosphäre. Fans von Survival Horror Games werden sich durch das Spiel winden, wobei alle gewarnt sein sollten, die ein actionreiches Spiel erwarten. Durch die mehr als zahlreichen Rätseleinlagen und die ansonsten eher als statisch agierenden Gegner stellen kaum Herausforderung dar; eher das Kampfsystem selbst durch die vermurkste Steuerung! Schade, dass hier so viel Potential verschenkt wurde.

Positiv

  • dichte und verstörende Atmosphäre
  • grandioser Soundtrack

Negativ

  • zähes Kampfsystem mit Frustmomenten
  • kaum Interaktion mit Personen
Userwertung
8.3 17 Stimmen
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Forum
  • von Civilisation:

    War Rule of the Rose für Michael das erhoffte Horror-Spiel? Lest es am besten in seinem Review selbst nach. Rule Of Rose Eine tragische Geschichte über ein junges, unglückliches Mädchen sollte es werden. Allerdings ist nicht nur sie unglücklich, sondern auch für den...

  • von Pandemonium:

    Original von k-0z Gab es nicht noch ein PS2-Spiel, bei dem man als Sidekick einen Hund hat (der in irgendeinem anderen Spiel auch vorkommt? Haunting Ground ...

  • von k-0z:

    Gab es nicht noch ein PS2-Spiel, bei dem man als Sidekick einen Hund hat (der in irgendeinem anderen Spiel auch vorkommt? Was heißt eigentlich das NT neben dem Titel bei amazon.fr?...

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