Sonic the Hedgehog im Test

Mega Drive

1988 sah es für SEGA nicht gerade rosig aus. Ihre neue Konsole SEGA Mega Drive, in Amerika bekannt als SEGA Genesis, war zwar in technischer Hinsicht dem damals aktuellen Marktführer Nintendo meilenweit überlegen, doch die Verkaufszahlen blieben weit hinter den Erwartungen. Die Marketing-Abteilung des japanischen Konsolenentwicklers hatte sich zu sehr darauf beschränkt große Stars, wie Michael Jackson und Football-Spieler Joe Montana, in das Software-Portfolio aufzunehmen. Doch während weltweit das NES mit dem fantastischen Super Mario Bros. 3 für Furore sorgte, blieb der brandneue 16-Bitter von SEGA in den Händlerregalen liegen. Es wurde Zeit etwas zu ändern!

Sonic_The_Hedgehog_15SEGA erkannte, dass ihnen ein Maskottchen fehlte. Ein Gegenspieler zum italienischen Klempner, der diesen in allen Bereichen übertrumpfen sollte. Viele Konzeptzeichnungen später entstanden nicht nur erste Ideen für das Mega Drive exklusive Jump'n'Run Ristar, sondern auch Mighty the Armadillo, der später in Knuckles' Chaotix für das gefloppte 32X Verwendung fand. Das Rennen machte allerdings der von Naoto Oshima entworfene Mr. Needlemouse, mittlerweile bekannt unter dem Namen Sonic the Hedgehog. Der Turboigel erhielt die SEGA-typische Farbe blau, die rot-weißen Sportschuhe, die Michael Jackson zu dieser Zeit in seinem Musikvideo zu "Bad" trug und besaß die Charaktereigenschaften von Bill Clinton, denn der amerikanische Ex-Präsident vereinigte alle westlichen Ideale, die die Japaner mit den USA verband: Schnelles und spontanes Handeln auf gegenwärtige Probleme mit einer gewissen frechen Souveränität. Endlich hatte SEGA ein Gesicht!

1991 war es nun soweit, denn da erschien das erste Abenteuer des mittlerweile kultigen Igels. Sein Widersacher, der verrückte Wissenschaftler Dr. Ivo Robotnik, oder auch Dr. Eggman genannt, hält die in Sonic's Heimat South Island lebenden Tiere in gefährlichen Robotern, sogenannte Badniks, gefangen, um mit deren Hilfe die Weltherrschaft zu erlangen. Das Spiel demonstrierte hervorragend die Leistung und Geschwindigkeit SEGAs neuer Konsole, was sie auch über-deutlich in ihren Werbespots zeigten, Stichwort: Genesis does what Nintendon't. Schon das erste Level der mittlerweile obligatorischen Green Hill Zone zeigte gleich, was das Sonic-Gameplay ausmachte: Mit einem Affenzahn flitzt der blaue Igel über Stock und Stein, sammelt Ringe, findet dabei alternative Routen zum Ziel und zerstört währenddessen durch Saltos seine Gegenspieler.

Sonic_The_Hedgehog_05Essentiell waren dabei die bereits angesprochenen goldenen Ringe, die sich im Level verteilt befanden. Wird Sonic von einem Gegner erwischt, verliert er alle, doch hat er die Möglichkeit einige davon wieder einzusammeln. Wird er einmal erwischt ohne Ringe in seiner Tasche zu haben, muss er leider ins Gras beißen. Zur Hilfe standen ihm außerdem TV-Monitore, deren Zerstörung mit verschiedenen Boni winkte. Unter anderem gab es Turboschuhe, ein Schutzschild, sowie ein kurzer Unverwundbarkeits-Bonus. Die Steuerung bestand nur aus den Richtungs- und der Sprungtaste, die das Navigieren des Helden nicht einfacher machen konnten. Durch die butterweiche Steuerung war es ein Leichtes Alt und Jung für das rasante Gameplay zu faszinieren. Für Abwechslung sorgten die Special-Stages, in denen sich Sonic durch ein buntes und sich drehendes Labyrinth bewegt um den dort ansässigen Chaos-Smaragd einzusammeln. Werden alle sieben Smaragde bis zum Ende des Spieles gefunden, bekam der Spieler ein alternatives Ende zu Gesicht.

Technisch sorgte Sonic the Hedgehog für offene Kinnläden. Solch einen Geschwindigkeitsrausch erlebte man sonst nirgendwo, ja nicht einmal in Super Mario World für das Super Nintendo, was nur wenige Monate vor dem ersten Sonic-Ableger in Japan erschien und heute als eines der besten Videospiele aller Zeiten gilt. Der blaue Blitz wird durch die Levels katapultiert, dreht sich durch Loopings, entflieht Lavaströmen und schwimmt in beängstigender Tiefe um sein Leben, alles nahezu flüssig, während im Hintergrund der verschiedenen Level über mehrere Ebenen hinweg allerlei bunte Animationen vor sich gehen. So etwas hatte man in solch einer Perfektion noch nicht erlebt und wurde zurecht von Fans und Kritikern hochgelobt. Auch der Soundtrack nutzte den Bass-lastigen Soundchip des Mega Drive's in vollen Zügen und brachte einige Ohrwürmer hervor, die auch heute noch in diversen anderen Sonic-Spielen Verwendung finden.

Sonic_The_Hedgehog_07Das Spielgefühl, die Technik, aber auch Sonic selbst sorgten dafür, dass SEGA in aller Munde war und der Großmacht Nintendo strotzen konnte. Sonic the Hedgehog war der Grundpfeiler vieler weitere Ableger der Serie, die sich nicht nur auf Jump'n'Runs beschränkten, sondern sich auch an anderen Genres bedienten, wie beispielsweise Sonic's Spinball oder Dr. Robotnik's Mean Bean Machine. Allerdings werden die sieben Jahre, die Sonic auf dem Mega Drive verbrachte, als die beste Zeit des blauen Igels bezeichnet. Wer also den Start dieser wundervollen Serie noch einmal erleben möchte, kommt um Sonic the Hedgehog nicht herum.

Sebastian meint:

Sebastian

Ich kann mich noch genau erinnern, wie mein Vater damals ein SEGA Mega Drive samt Sonic the Hedgehog für mich und meinen Bruder kaufte. Man konnte ja nie wissen, was für furchtbare Spiele ich auf des Nachbarn's NES zockte. Monatelang spielte ich auf der neuen Konsole nur ein einziges Spiel: Das erste Abenteuer von Sonic. Nicht, weil es bis zu meinem Geburtstag kein weiteres Spiel gab, sondern weil mich der Titel als (Ex-)NES-Süchtiger mit den vielen bunten Farben und der perfekten Spielbarkeit völlig in den Bann zog. Auch heute noch landet Sonic the Hedgehog gelegentlich in meinen alten Mega Drive. Nicht nur der Nostalgie wegen, sondern auch, weil es für mich eines der besten 2D Jump'n'Runs ist.

Positiv

  • Der Auftakt einer großartigen Serie
  • Perfekte Steuerung
  • Technisch beeindruckend für damalige Zeit

Negativ

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