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Zaku im Test

Lynx

Atari-Fans haben es gut. Nicht nur der gute, alte VCS wird regelmäßig mit neuer Software versorgt, auch die neueren Atari-Systeme werden mehr oder weniger regelmäßig mit semi-professioneller Software beglückt. Doch was, wenn mal ein Produkt komplett professionell programmiert und vertrieben wird? Im vorliegenden Falle hat sich das Super Fighter Team, welches u.a schon mit Beggar Prince auf dem Mega Drive Erfolge feierte, dazu durchgerungen es auch einmal auf einer Atari-Plattform zu versuchen und zwar mit einem der beliebtesten Retro-Genres überhaupt, dem Shoot em up...

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Zaku heißt es und es ist so gar nicht Shooter-typisch. Kein Weltraum, keine Raumschiffe, keine Lasergefechte, nur ein kleiner Typ, eine Mischung aus Igel und, tja, Comicfigur. Obwohl, nein, auch hier ist es etwas ungewöhnlich: Zaku ist eine Frau. Neben diesem Fakt gibt sich auch die Story äußerst ungewöhnlich und schräg.
 

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Das alles übertrumpfende Programm Rarity 9 sollte es 1987 ermöglichen mittels genialer Programmroutinen Top-Software in Massen zu ermöglichen und den Markt damit zu überfluten. Allein die schiere Masse an Top-Titeln würde jegliche Konkurrenz ausschalten und den Nutzer von Rarity 9 zum Herrscher des Softwaremarktes machen. Doch Captain Bran, Inhaber von Bran Systems stahl die Beta Version von Rarity 9 um sich die Software zu Nutzen zu machen – natürlich ohne auch nur einen lausigen Cent Lizenzgebühren zu löhnen. Doch nicht mit Zaku: Unsere Heldin hat es sich zur Aufgabe gemacht Rarity 9 zurückzuerobern und dem bösen Captain Bran zu entreißen.
 

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Auch wenn Zaku ein Shooter ist, der wahrlich keiner aufregenden Story bedarf, so ist doch allein die Mühe beim Erstellen einer so aberwitzigen und selbstironischen Storyline mehr als eine Erwähnung wert und vermittelt bereits, dass Zaku von vorne bis hinten mit viel Liebe durchdesignt wurde.
 

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Vom Konzept her ist Zaku ein Horizontal-Shooter und beinhaltet vier Haupt-Level, welche in mehrere Unterabschnitte aufgeteilt sind und teils mehr als nur einen Boss bieten. Ein Waffensystem bietet Zaku indes nicht, jedoch hat man die Möglichkeit neben des Standardschuss klassisch via Beam aufzuladen, oder ein Schild zu starten, welches euch kurzzeitig schützt und Gegner angreift. Darüber hinaus kann Zaku hinter sich befindliche Gegner via "Funken" aus den Raketenschuhen abwehren. Zudem hat Zaku die Fähigkeit nach Sammeln von acht Power-Up-Symbolen die Energie einmalig via Option-2-Taste wieder aufzuladen, was in härteren Levels ein nützliches Feature ist. So ergibt sich ein variables Steuerungsschema, was den Spieler jederzeit "Herr der Lage" sein lässt. Die Steuerung von Zaku an sich ist recht leichtgängig und direkt, auch wenn es sich auf einem Lynx 1 deutlich genauer steuern lässt als auf einem Lynx 2, was schlicht dem Steuerkreuz zuzuschreiben ist.
 

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Die Level sind alle unterschiedlich schwer, auch die Bosse benötigen unterschiedliche Taktiken und nicht nur simples Draufballern. Leider zeigen sich hier ein paar Gamedesign-Schwächen: Weder haben die Bosse einen Energiebalken, noch zeigt die Levelwahl einen Schwierigkeitsgrad. Zudem braucht die Großzahl der Standardgegner in den Leveln wahre Massen an Bullets, so dass es schon mal langwierig werden kann und man sich fragt wie Zaku so schwach bewaffnet in den Krieg ziehen kann. Die Bosse sind hier keine Ausnahme und schlucken ebenfalls massig Bullets. Via Charging Beam lässt sich die Zeit etwas verkürzen, ist leider immer noch recht lang. So ist Zaku kein Spiel für Anfänger und fordert Shooter-Fans bereits ab dem "Normal"-Schwierigkeitsgrad. Beim Thema Schwierigkeitsgrad: Dankenswerterweise hat man dem Modul 4 verschiedene Schwierigkeitsgrade spendiert, so dass Anfänger als auf Profis auf ihre Kosten kommen. Weiterhin anzumerken ist, dass Zaku nur ein Leben hat. Ist die Energieleiste am Ende, heißt es Game Over. Zwar hat man unendliche Continues spendiert, doch nervt es trotzdem extrem das gesamte Level nochmal zu spielen, wenn man beim Boss gestorben ist. Leider können Highscores nicht gespeichert werden, aber auch das ist eben nostalgisch, wenn man so will...
 

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Das Design von Zaku ist wie bereits angesprochen äußerst stimmig: Die Grafik ist bunt, die Sprites sind groß, gut erkennbar und das Scrolling wunderbar flüssig. Insbesondere das Charakterdesign ist grandios. Bei den Gegnern haben die Designer aus dem Vollen geschöpft und alles aus der Kiste gekramt was witzig ist und Spaß macht. Seien es nun glübschäuige Fische, Frösche, Scheinwerfer oder sonstiges, gewisse Anleihen an Parodius sind unübersehbar. Die Endgegner setzen dem Spektakel die Krone auf, so müsst ihr gegen Fische im Nadelstreifen-Anzug und riesige Toaster antreten, was die Lachmuskeln ein ums andere Mal strapaziert und das Spielgeschehen auflockert. Insgesamt ist Zaku nicht nur der hübscheste Shooter auf dem Lynx, sondern eines der hübschesten Lynx-Games überhaupt. Wer rein einen optischen Leckerbissen für seine portable Raubkatze sucht, kommt an Zaku nicht vorbei.
 

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Fällt die Grafik noch extrem positiv auf, so müssen sich die Entwickler beim Sound Schelte gefallen lassen: Das Intro quietscht und quäkt dermaßen, dass man es sich nicht öfter als ein Mal anschauen will und bis auf den Titeltrack sind die Musiken in den Levels als "nett" einzustufen, was das Geschehen auf dem Bildschirm nicht unterstützt. Hier hätte man sich ebenfalls bei Parodius "inspirieren" lassen können. Apropos "Inspiration": Zaku hat ebenfalls eine gewisse Ähnlichkeit mit dem PC-Engine-Shooter Air Zonk, was nun aber nicht von Nachteil ist, schließlich ist gut geklaut besser als schlecht erfunden...
 

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Zum Schluss noch ein Wort an die Ausstattung des Spiels: Kommen neue Lynx-Spiele meist in Plastikdosen und auf nackten Platinen, so hat sich Super Fighter Team bei Zaku besonders ins Zeug gelegt. War die Pappbox im Original-Atari-Stil schon bei den Yastuna-Releases am Start, so hat Super Fighter Team als erster Post-Atari-Entwickler ein original Lynx-Modul hergestellt, wie man es von früher kannte. Flache, graue Plastikkarten, mit Label und geschwungenem Ende – so macht Sammeln Spaß. Auch bei der Anleitung gab man sich keine Blöße: Durchgehend farbig und zweisprachig kommt die Papierbeilage daher, hier hätte sich selbst Atari Anfang der 90er eine Scheibe abschneiden können.

Heiko meint:

Heiko

Zaku ist ein tolles Spiel. Insbesondere wenn man bedenkt, dass es ein Spiel ist, welches 15 Jahre nach Ende des Lynx erschienen ist. Leider hat das Spiel einige Schwachpunkte im Gamedesign, welche es nicht zum Überflieger werden lassen. Aber Alles in Allem ist Zaku ein super Spiel, welches jeder Lynx-Besitzer nicht auslassen sollte, insbesondere wenn er ein Faible für Shooter und Cute em Ups im Speziellen hat. Wäre dies ein waschechter Homebrew-Release und stände kein professionelles Team dahinter, wäre die Wertung noch minimal besser ausgefallen, aber auch so heißt es für Sammler und Fans: Zuschlagen, die knapp 30€ sind gut angelegt! 

Positiv

  • top Gegner-Design
  • liebevolle Verpackung, Modul und Anleitung
  • Technisch brilliant

Negativ

  • maue Musikuntermalung
  • mäßiges Balancing
Userwertung
9.2 2 Stimmen
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Forum
  • von Lynxman:

    Wenn der Autor die Rechte nicht ganz abgetreten hat und Lust hätte es selber in die Hand zu nehmen, wäre ja auch noch möglich kleinere Serien mit 50 oder 100 auf Platine zu machen. Wäre es mein Game würde ich es machen um die ganze Spekuliererei nicht aufkommen zu lassen. Es gab ja von z.B....

  • von 108 Sterne:

    Zaku ist jetzt übrigens ausverkauft. 600 Exemplare weg, ne neue Aulage gibt es nur bei starker Nachfrage. Aber ich denke, dass sich das Potenzial des Lynxmarktes mit 600 auch erschöpft haben würde, sprich: Das sich nur schwer nochmal 300 (Mindestauflage bei SFT) verkaufen ließen. Wers verpasst...

  • von Lynxman:

    Seh ich genau so. Zaku = Homebrew Im gegensatz dazu sehe ich Hot Dog als verspätetes Release an....

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