Kane & Lynch: Dead Men im Test

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Ein unberechenbarer Psychopath und ein gescheiteter Söldner sind die Hauptpersonen im neuesten Spiel der Hitman-Macher, IO-Interactive. Diesmal steht harte Action anstatt gediegenem Meuchelmord auf dem Programm. Doch ist der Titel so gut gelungen wie es die Vorzeichen vermuten lassen?
Was gab es nicht schon Wirbel um den Titel und das nur wegen einem Tester, der angeblich entlassen wurden, weil er dem Titel nicht die geforderte Bewertung zukommen lassen hat. Petitionen, Hassmails, Boykotaufrufe usw... - Tage lang hat das Thema die Foren beschäftigt, aber im Internet sollte man solchen Gerüchten nicht blind glauben schenken, denn nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird und oft verselbstständigt sich so etwas und wird aufgebauscht ohne Ende. Deshalb werde ich jetzt ganz subjektiv an diesen Test herangehen und hoffe das die geehrte Leserschaft dies auch tut, denn der Titel hat es absolut verdient, immerhin hat der Entwickler nur wenig mit dem Gebaren des Publishers zu tun.

Wie der Titel des Spieles schon andeutet sind die zwei Hauptpersonen Kane und Lynch, wobei Kane ein ehemaligen Mitglied der Söldnergruppe „The 7“ ist und Lynch ein gewalttätiger Psychopath. Beides sind Gefangene, die im Knast auf die Vollstreckung ihres Todesurteils warten. Das Schicksal lässt sie zusammen in einem Gefängnistransporter verweilen, als genau dieser ziemlich gewaltsam überfallen und die zwei befreit werden. Doch das ist vor allem für Kane kein wirklicher Grund zur Freude, sind es doch seine ehemaligen, tot geglaubten, Kameraden von „The 7“, die ihn für seinen angeblichen Verrat bestrafen wollen und ihn verstehen lassen, das sie seine Familie umbringen, wenn er nicht genau das tut, was sie von ihm verlangen. Lynch spielt dabei den Aufpasser, der ein Auge darauf werfen soll, das alles nach Plan verläuft und Kane sich an die Spielregeln hält.

Die so geschaffenen Figuren und Hintergründe sind doch schon einmal gutes Ausgangsmaterial für einen Actiontitel und meiner bescheidenen Meinung nach, ist die Umsetzung derer auch wirklich gelungen. Schon alleine die Streitgespräche der beiden und die teilweise sehr bissigen Kommentare sind großartig und unterhalten prächtig, genauso ist die spätere Verbittertheit und die Rachegelüste von Kane, alles sehr gut umgesetzt, wahre Charaktere mit Profil. Die deutsche Synchronisation steht zum Glück auch nicht im Wege, ist sie doch durchgehend auf einem hohen Niveau. Genauso gefallen die abwechslungsreichen Level, egal ob es in einer übervollen Disco, einer Bank einem Gefängnis oder auf einem Busbahnhof zur Sache geht, die jeweilige Atmosphäre wird gut vermittelt und die Action perfekt eingerahmt. Wobei die Qualität der Level stark schwankt, fängt das ganze ziemlich durchschnittlich an, findet es beim Gefängniseinbruch, meiner bescheidenen Meinung nach, ihren Höhepunkt und flacht dann wieder etwas ab, aber bleibt auf hohem Niveau, man sollte sich also vom trägen Anfang nicht abschrecken lassen.

Ein richtiger Höhepunkt stellt dagegen, von Anfang an, die Multiplayer-Modi da, es gibt nicht nur einen zwei-Spieler-Coop-Modus, sondern auch noch den so genannten 'Fragile Alliance'-Modus, bei dem man mit den Mitspielern eine Bank überfallt und am Ende die Beute brüderlich teilt. Aber wie es der Name schon vermuten lässt, sollte man seinen Kollegen nicht zu viel Vertrauen entgegenbringen, denn ein Gedanke schwebt doch jedem Bankräuber im Kopf herum, „warum teilen, wenn man auch alles haben kann?“. So muss man ständig auf der Hut sein, das sich die Verbündeten nicht zu Feinden entwickeln und man auch selber nicht zu habgierig wird. Wobei ein solcher Verrat auch schnell in die Hose gehen kann, denn die ehemaligen Kollegen werden gnadenlos Jagd auf einen machen, macht es das Spiel ihnen doch einfach, indem es den Verräter auffällig markiert. So ist dann nicht nur die Wachmanschaft hinter ihm her, sondern auch die eigenen Kollegen.

Doch lasst uns jetzt zu den Dingen kommen, die IO-Interactive nicht gerade ruhmreich gelöst hat, diese betreffen vor allem das Kampfsystem, zum einen wären da die nicht immer nachvollziehbaren Trefferzonen der Gegner. Manchmal begräbt man zwei Magazine in einen selbigen und dieser spring immer noch durch die Deckungen, wie Bambi durch den Wald. Ein anderes Mal dagegen reicht ein Schuss in den Fuß und er fällt tot zu Boden. Nun könnte man natürlich damit kommen, das es auch im Unterwelt-Mileau, Schattenparker und schmerzresistente harte Kerle gibt, die unterschiedlich viel einstecken können, aber irgendwie ist mir die Erklärung zu weit her geholt. Aber wie auch immer, dieser Punkt fällt, zum Glück, mit den späteren Waffen nicht mehr stark ins Gewicht, da diese genug Durchlagskraft haben, auch den stärksten Gangster schnell auszuschalten, so funktionieren dann auch endlich Kopfschüsse, wie sie sollten.

Aber leider lässt sich das Problem mit der Zielsicht nicht so schnell umgehen, es wird einem dabei nämlich oft vortäuscht das man freies Schußfeld auf den Gegner hat, das ist aber oft nicht der Fall und die Schüsse vergraben sich so unerwartet im Hindernis vor uns, anstatt im Gegner. Das passiert vor allem, wenn man aus einer Deckung heraus schießt. In dem Fall, muss man erst aus der Deckung raus, um überhaupt treffen zu können, was das ganze System fast schon unbrauchbar macht.

Dazu kommt dann noch die etwas hakelige Steuerung, die vor allem in Nahkämpfen zum tragen kommt. So ist es, vor allem anfangs, fast unmöglich den Gegner anzuzielen ohne mehrmals, mit dem Fadenkreuz an ihm vorbei zu rauschen, zwar bekommt man, mit etwas Gewöhnung, auch dies recht schnell, in den Griff, aber eine Lock-on-Funktion hätte das ganze um einiges erleichtert. Was noch stört, ist das Fehlen von gescheiten Anzeige für Munition und Gesundheit, zwar verfärbt sich der Bildschirm bei Verletzungen rot, aber in den schnellen Gefechten ist das kaum eine Hilfe, und sorgt das ein oder andere Mal für ein unnötig schnelles ableben der Spielfigur, zum Glück ist das aber nicht so dramatisch, da die Checkpoints zahlreich und fair verteilt sind.

Die KI ist dabei ganz passabel gelungen, die Gegner reagieren meistens direkt auf Sichtkontakt und füllen geschickt die Luft mit einer Menge Blei, sogar für das nutzen von Deckungen hat es gereicht. Es kommt zwar ab und zu mal vor, das sie etwas träge oder gar nicht reagieren, das ist aber dann eher die Ausnahme. Genau so sieht es auch bei unseren Kameraden aus, denen wir rudimentäre Befehle erteilen können, sie schießen zwar ab und zu mal gegen Wände, oder vergessen in Deckung zu gehen, aber insgesamt erfüllen sie ihren Zweck, vor allem wenn sie unsere Spielfigur, nach deren ableben, mit Adrenalin versorgen und sie so, zurück ins Leben holen, könnte man sie knuddeln. Bei den Negativpunkten muss ich leider auch die Spielzeit nennen, zwar hören sich 16 Kapitel viel an, aber bei 5-6 Stunden Spielzeit ist das Wort doch etwas fehl am Platz, zum Glück reißen die Multiplayer-Modi noch ein bisschen was raus, so das man auf ein akzeptables Maß kommt.

Carsten meint:

Carsten

Hier haben wir es wieder mal mit einem Spiel zu tun, das mehr zu bieten hat als auf den ersten Blick scheint, was vor an dem etwas trägen Einstieg liegt, hat man den aber erstmal überwunden hat man einen wirklich guten Actiontitel vor sich, der bei Abwechslung und Atmosphäre einiges zu bieten hat. Klar hat er unnötige Schwachpunkte und ist sicherlich kein Meilenstein, aber Spaß macht es, vor allem in der zweiten Hälfte.

Positiv

  • Geniale Figuren
  • Abwechslungsreiche Locations
  • Gute deutsche Synchro

Negativ

  • Lahmer Einstieg
  • Singleplayer sehr kurz
  • Zielprobleme
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Kane & Lynch: Dead Men Daten
Genre Action-Adventure
Spieleranzahl -
Regionalcode PAL
Auflösung / Hertz 60 Hz
Onlinefunktion Ja
Verfügbarkeit 22.11.2007
Vermarkter Eidos
Wertung 8
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neXGam YouTube Channel
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