
Der Trailer sprach mich an. Eine düstere Atmosphäre gepaart mit einigen netten Sprüchen. Ich meldete mein Interesse an und erhielt kurz darauf den Key. Und stürzte mich daraufhin ins Game.
The Drifter ist allerdings jetzt kein brandneues Game im eigentlichen Sinne. Denn es kam im Juli letzten Jahres ursprünglich für den PC heraus. Ehe es nun für die Switch 2 und die PS5 noch mal neu herausgebracht wird.
Von Anfang überzeugt das Spiel mit einer Pixeloptik, die an das Goldene Zeitalter dieses Genres erinnert. Also an die Zeit Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre, als Lucas Games mit Spielen wie Monkey Island, Manic Mansion oder The Loom die Charts bestimmte. Wobei die Spielekategorie wie keine andere unter dem Aufkommen der 3D-Games litt. Versuche, sich an die neue Zeit anzupassen, konnte man getrost überwiegend als nicht ganz so gelungen bezeichnen. Mit der Konsequenz, dass das Genre an Beliebtheit extrem verlor.
The Drifter selbst spielt in einem Australien, das äußerlich an die Jetztzeit erinnert. Du steuerst Mick Carter, der eher widerwillig zurück in seine Heimatstadt kommt. Doch seine Mutter ist gestorben und die Beerdigung steht bevor. Seine Ankunft endet allerdings darin, dass er zunächst miterleben muss, wie bewaffnete Leute einen unbewaffneten Obdachlosen vor seinen Augen niederknallen. Nur um anschließend kurz darauf mitzuerleben, wie vermummten Leute eine Reporterin, die andere Obdachlose befragt, entführen, ihn niederschlagen und gefesselt und mit einem Gewicht an den Beinen ins Wasser schmeißen. Er selbst stirbt bei dem Versuch, sich zu befreien, nur um dann anscheinend in der Zeit zu dem Moment zurückzukehren, wo er wieder zu sich gekommen ist. Und dieses Mal sich befreien kann.

Mick Carter selbst bleibt zu Beginn rätselhaft. Erst nach und nach erhalten die ganzen Andeutungen, die zu seiner Vergangenheit fallen gelassen werden, Sinn. Und man lernt einen komplexen Charakter mit einer tragischen Vergangenheit kennen, der im Prinzip weggelaufen ist. Er ist allerdings jemand, der zwischen der Welt der Obdachlosen und der „normalen“ Zivilisation hin- und herwechselt. (Daher auch der Titel: Drifter) und damit quasi in beiden Welten zu Hause und dann doch wiederum nicht.
Die Geschichte entwickelt nach und nach auch SciFi-Elemente. Der oben beschriebene vermeintliche Tod ist dazu der Ansatz. Es ist nicht das einzige Mal, wo die Figur ins Gras beißt, nur um dann wieder zurück zum Leben zu kommen und es noch mal zu probieren. Das verhindert natürlich frustrierende Game Over Passagen, zieht aber gleichzeitig dem Spiel von der Schwierigkeit her auch ein wenig den Zahn. Denn dieser ist jetzt nicht sonderlich hoch.
Man kann mit wenig Mühe die schwierigsten Rätsel lösen. Mit ein wenig Nachdenken oder Trial & Error findet man so beispielsweise heraus, wie man einen kaputten Wagen wieder zum Laufen bringen kann. Oder wie man ein kleines Feuer entzündet, um sich zu erwärmen. Die nötigen Items sind problemlos zu finden.

Das ist insofern schade, als dass das Game eine wunderbare Optik hat. Sie ist deutlich an der Grafik der Adventures der 1980er und 1990er Jahre orientiert, was man sowohl positiv, wie ebenso negativ verstehen kann. Denn es gibt durchaus Passagen, wo man sich ein paar mehr Details, auch in Sachen Farbe wünschen würde. Trotzdem entsteht hier eine wunderbare Atmosphäre.
Die dann auch durch die Sprachausgabe geteilt wird. Das Game ist komplett vertont! Alles, wirklich alles wurde eingesprochen und ist ebenfalls zu hören. Das ist selbst heutzutage keine Verständlichkeit.




The Drifter ist ein wunderbares Point and Click-Adventure, das überwiegend großartig an die Konsolen angepasst worden ist. Die Story ist fantastisch, der Schwierigkeitsgrad annehmbar und die Steuerung durchaus gelungen. Zwar würde man sich stellenweise mehr Details und mehr Farben wünschen, um auch wirklich besser Objekte zu erkennen. Aber das ist kein Beinbruch.