Lootbound im Test

PC Windows

Lootbound ist eines dieser Spiele, die auf den ersten Blick wie eine vertraute Mischung aus bekannten Zutaten wirken, sich beim Spielen aber schnell als etwas Eigenständigeres entpuppen. Entwickelt vom Studio Art Dock, verbindet der Titel rundenbasierte, taktische Kämpfe mit Roguelite-Strukturen und einer gehörigen Portion Dungeons-and-Dragons-Flair. Wer schon einmal einen Pen-and-Paper-Abend hinter sich hat und dabei minutenlang über der Frage gebrütet hat, ob der neue Zauberstab tatsächlich ins Inventar passt, wird sich in Lootbound sofort zu Hause fühlen. Genau dieses Gefühl, aus einem chaotischen Haufen Gegenstände ein funktionierendes System zu bauen, steht im Zentrum des Spiels und macht seinen eigentlichen Reiz aus.

Lootbound-03Grafisch bewegt sich Lootbound in einer düsteren Fantasywelt, die stimmungsvoll in Pixelart umgesetzt wurde.  Die Umgebungen, Gegnerdesigns und Effekte transportieren eine morbide, leicht gotische Grundstimmung, die dem Gameplay einen passenden Rahmen gibt, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Dies hat mich stellenweise ein wenig an Darkest Dungeon erinnert, das ebenfalls eine düstere Stimmung hat, jedoch nicht im Pixelart umgesetzt wurde. Spielerisch übernehmen Spieler die Rolle einer von vier Klassen. Als Krieger, Hexe, Paladin oder Barde zieht man los, um mächtige Wächterwesen, sogenannte Sentinels, zu bezwingen. Wie bei jedem guten Roguelite ist kein Durchlauf wie der andere. Die Kämpfe selbst sind rundenbasiert und setzen stark auf Würfelwürfe, was Erfolg und Misserfolg immer ein Stück weit dem Zufall überlässt. Diese Zufallskomponente ist gleichzeitig eine der größten Stärken und eine der größten Schwächen des Spiels. Sie sorgt einerseits für Spannung und das befriedigende Gefühl, wenn ein riskanter Wurf gelingt, kann andererseits aber auch frustrierend sein, wenn eine sorgfältig geplante Strategie an einer schlechten Zufallszahl scheitert.

Das eigentliche Herzstück von Lootbound ist jedoch nicht der Kampf selbst, sondern die Inventarverwaltung. Statt eines klassischen Kartendeck-Systems setzt das Spiel auf ein rasterbasiertes Rucksacksystem, in dem Gegenstände unterschiedlicher Form und Größe wie in einem Packspiel angeordnet werden müssen. Hier werden Erinnerungen an das klassische Resident Evil 4 wach, als man damals versucht hat, alle Objekte möglichst passend im Gepäck anzuordnen. Waffen, Rüstungsteile und magische Gegenstände beeinflussen sich gegenseitig, wenn sie im Raster nebeneinander platziert werden. Eine legendäre Klinge kann etwa benachbarte Schwerter mit einer Aura verstärken, wodurch sich mit der Zeit ein hochgradig individuelles, fast schon puzzleartiges System aus Synergien ergibt. Dieses Zusammenspiel aus räumlichem Denken und strategischer Charakterplanung ist erfrischend originell und trägt maßgeblich dazu bei, dass sich jeder Durchlauf tatsächlich anders anfühlt.

Die Fortschrittskurve wirkt insgesamt gut ausbalanciert. Auf der Weltkarte navigieren Spieler zwischen verschiedenen Knotenpunkten wie Schmieden, Trainingslagern und Schatzkisten. Hier sackt man allerlei Belohnungen ein, die allerdings nicht einfach automatisch vergeben, sondern oft an kleine Entscheidungen oder Herausforderungen geknüpft werden. Das sorgt dafür, dass man sich ständig mit neuen Möglichkeiten auseinandersetzen muss, anstatt einfach nur denselben optimalen Build stur weiterzuverfolgen. Gerade für Fans von Buildcrafting dürfte das eine der größten Stärken des Spiels sein: Man hat spürbar die Freiheit, seinen eigenen Weg durch die Läufe zu gestalten, welche Verbündeten man rekrutiert, welche Ausrüstung man bevorzugt und welchen Bossen man sich stellt.

Lootbound-17Wo Lootbound merklich schwächer wird, ist die erzählerische Seite. Hier fehlt dem dem Spiel eine tiefere Geschichte oder emotionale Bindung an die Charaktere. Die Welt ist zwar visuell interessant gestaltet, bietet aber kaum Kontext oder Hintergrund, der über das reine Sammeln von Loot und das Optimieren von Builds hinausgeht. Für ein Spiel, das so stark auf Wiederholung und wiederholtes Durchspielen ausgelegt ist, mag das für viele kein großes Problem darstellen, doch wer sich von einem Dark-Fantasy-Setting auch eine fesselnde Handlung erhofft, wird hier eher enttäuscht. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die langfristige Motivation. Nach etwa acht bis zehn Spielstunden beginnt sich die Spielschleife spürbar zu wiederholen, trotz freischaltbarer Inhalte und neuer Kombinationsmöglichkeiten. Das grundlegende Gameplay-Konzept bleibt zwar clever und macht auch nach vielen Durchläufen noch Spaß, doch fehlt dem Spiel die Tiefe, um über hunderte Stunden hinweg zu fesseln. Für den vergleichsweise moderaten Preis von rund 15 Euro wird jedoch ein solides Preis-Leistungs-Verhältnis geboten, gerade für Spieler die kürzere, in sich abgeschlossene Sitzungen von etwa dreißig bis sechzig Minuten schätzen.

Insgesamt zeichnet sich in den bisherigen Reaktionen der Community ein sehr positives Gesamtbild ab. Die Kombination aus tempo-orientiertem, würfelbasiertem Kampfsystem und dem originellen, rasterbasierten Inventarpuzzle sorgt für ein Spielgefühl, das sich frisch und eigenständig anfühlt, obwohl viele seiner Einzelteile durchaus bekannt sind. Gerade das Packen des Inventars entwickelt sich schnell zu einer Art Suchtfaktor. Ähnlich wie das Behalten eines legendären, aber eigentlich zu schwachen Ausrüstungsgegenstands, den man einfach nicht übers Herz bringt wegzuwerfen. Diese kleinen emotionalen Bindungen an die eigene Ausrüstung, gepaart mit der stimmungsvollen Optik und dem knackigen, wenn auch manchmal frustrierend zufälligen Kampfsystem, machen Lootbound zu einem Spiel, das man nur schwer wieder aus der Hand legt.

 

Michael meint:

Michael

Für wen lohnt sich Lootbound also? Wer Roguelites mit tiefgehendem Buildcrafting liebt, wer Freude an räumlichen Rätseln hat und wer sich nicht daran stört, dass Würfelglück eine zentrale Rolle spielt, dürfte hier bestens bedient sein. Wer hingegen vor allem nach einer packenden Geschichte oder anspruchsvoller taktischer Tiefe im Kampfsystem sucht, der sollte die Erwartungen etwas herunterschrauben. Oder womöglich eventuell abwarten, bis weitere Patches erscheinen, die das Kampfsystem weiter verfeinern. Am Ende bleibt Lootbound aber ein bemerkenswert cleveres, stilvoll inszeniertes Spiel, das mit seinem ungewöhnlichen Fokus auf Inventarmanagement eine echte Nische im überfüllten Roguelite-Genre für sich beansprucht.

Positiv

  • Originelles, rasterbasiertes Inventarsystem mit echtem Puzzle-Charakter statt klassischem Kartendeck
  • Stimmungsvolle, düstere Pixelart-Optik
  • Tiefgehendes, flexibles Buildcrafting mit hoher Wiederspielbarkeit dank unterschiedlicher Klassen und Synergien

Negativ

  • Schwache bis kaum vorhandene Story und Charakterbindung
  • Starke Zufallsabhängigkeit durch Würfelwürfe
  • Nachlassende Langzeitmotivation, Gameplay-Loop wirkt nach ca. 8–10 Stunden repetitiv
Userwertung
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Lootbound Daten
Genre Rollenspiel
Spieleranzahl 1
Regionalcode Regionfree
Auflösung / Hertz 4K
Onlinefunktion Ja
Verfügbarkeit 2026-08-14 00:01:26
Vermarkter -
Wertung 8.2
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