Bastian Schick Interview (Lynx Szene)

Lynx
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Im Rahmen unserer Bemühungen alle „Berühmtheiten“ der internationalen Atari-Szene zu Wort kommen zu lassen, haben wir ein weiteres Gespräch geführt. Dieses Mal mit Bastian Schick, dessen Games wie T-Tris oder S.I.M.I.S einige von euch kennen dürften. Ring frei für Bastian!


neXGam: Hallo Bastian, du bist in der Lynx Szene ein echtes Urgestein, stell dich unseren Leser bitte trotzdem mal kurz vor! (sofern nicht geheim: Was treibst du so beruflich und in deiner Freizeit. Außerdem: was liegt im Kühlschrank und wie oft wechselst du die Unterwäsche?)

Bastian Schick: Mein Name ist 42Bastian Schick, wobei die 42 einfach ein Spleen ist, den ich mir im Studium angewöhnt habe, und den ich (auch in Geschäfts-Mails) durchziehe :-)
Meinen Lebensunterhalt verdiene ich mit der Entwicklung und Pflege eines RTOS (Echtzeitbetriebssystem). Dadurch habe ich oft ziemlich coole Hardware auf dem Tisch. Zum Kühlschrankinhalt müsste ich meinen Co-Prozessor befragen, und die Sache mit den Unterhosen lasse ich mal unbeantwortet.
 

neXGam: Wie bist du denn überhaupt zu Atari als Hobby gekommen? Wie verlief der erste Kontakt?

Bastian Schick: Durch den 1040ST. Meine Wurzeln lagen eigentlich beim Z80 (ZX81, Schneider CPC) aber den Atari fand ich cool. Mit den XL hatte ich allerdings nix am Hut. Ich weiß nur nicht mehr, ob ich Lars Baumstark durch den Atari oder den Atari durch den Lars kennengelernt habe. Einzig, Lars war immer etwas weiter. Als ich einen 1040er hatte, hatte er einen 520er mit 2MB RAM, als ich nen 1040STE hatte, hatte er 'nen Falcon. :-)

neXGam: Was steht davon an Geräten noch bei dir daheim herum und mit welchem Atari Klassikern wird gerne mal eine Runde eingelegt?

Bastian Schick: Rumstehen ist leider der richtige Ausdruck. Was ich habe sind zwei Howard-Boards samt Amiga 2000 (offizielles Lynx-Dev.Kit), eine ATW, diverse Lynx, Jaguar, VCS, einen MegaSTE und meinen alten 1040STE. Ach ja, einen demontierten AtariTT habe ich auch noch. Leider alles verpackt und ob es noch läuft weiß ich auch nicht. Zur Zeit spiele ich höchstens mal mit meinem Sohn auf dem VCS.

 

Interview-Bastian-Schick-Lynx-Szene-1neXGam: Damit der Kleine die richtige "Grundausbildung" erhält, wie? :-) Nun aber zu deinen Projekten: Gemeinsam mit Lars Baumstark hattest du damals an P.I.T.S. gearbeitet, kurz darauf kam von dir T-Tris (eine Tetris Version für den Atari Lynx) gefolgt von der Compilation S.I.M.I.S. Wie kamst du aber überhaupt auf die Idee, für den damals schon "tot" geltenden Atari Lynx zu entwickeln?

Bastian Schick: Naja, tot ? Wir, also Lars Baumstark und ich, haben sobald wir einen Lynx hatten damit angefangen ihn zu hacken. Der Zufall (oder das Pech) war eigentlich der Startpunkt. Lars hat nämlich seinen ersten Atari Lynx über den Jordan geschickt und so hatte er einen Stecker für die Lynx-Karten. Was folgte war, dass er die Gauntlet Cart auslas. Wir wussten ja ungefähr, was im Atari Lynx verbaut war, so dass ich einen Disassembler geschrieben habe und wir uns angeschaut haben, was so drin stand.

 

Lars hatte dann eine EPROM-Karte gebastelt und wir haben in Gauntlet eigenen Code eingebaut (das funktioniert übrigens nur mit Gauntlet, weil Atari da einen Bug in der Verschlüsselung hatte). Danach ging es Schlag auf Schlag, Lars machte eine SRAM-Karte und später sogar eine Tastatur für den Lynx. Irgendwann kamen wir auf die Idee dies auch anderen zugänglich zu machen. Aber bis dahin, habe ich ausser Demos nichts programmiert. T-Tris habe ich eigentlich auch nur geschrieben, weil ich es auf dem Lynx spielen wollte.

Zwischenzeitlich haben wir uns auch den Jaguar gekrallt und daher kam dann auch die Idee auf den Lynx-Karten ein EEPROM unterzubringen. Alles in allem war meine Motivation: Freude am Hacken.

 

neXGam: Wo steckt für dich die grösste Schwierigkeit beim Programmieren für den Atari Lynx?

Bastian Schick: Wenige Coder trauen sich heute noch an Assembler und sind von ihren High-End Maschinen in Sachen RAM und Mhz verwöhnt. Das hat der Atari Lynx nicht. Da musst du zusehen, dass du mit 64K auskommst. Aber genau das ist der Reiz.

neXGam: Wie lange hast an deinen Projekten jeweils gearbeitet? Ging das flott in ein paar Wochen oder zog es sich hin?
 

Interview-Bastian-Schick-Lynx-Szene-2Bastian Schick: So ein Projekt hat mehrere Stufen bei mir. Erstmal der Beweis, das es geht. Der war bei T-Tris innerhalb von ein paar Tagen erbracht. Man konnte spielen, fertig. Bei T-Tris kam dann halt der Lars und meinte, wir könnten es doch verkaufen. Allerdings nicht so, wie es damals war. Dann kam der Teil, der mir keinen Spaß macht - also Sound, Design usw. Was richtig tricky war und aber auch Spaß machte war die Comlynx Geschichte. Für S.I.M.I.S. habe ich ca. 1 Jahr gebraucht, da hatte ich aber auch wirklich von vorherein vor ein Produkt zu machen. An meinem dritten Spiel bin ich nun schon seit mindestens 4-5 Jahren.

Mein Problem: In meinem Beruf mache ich genau dass, was mich am Lynx gereizt hat - nämlich auf unterster Ebene coden. Da fehlt dann leider der Antrieb abends den Lynx herauszuholen.

neXGam: Wie waren denn die Verkaufszahlen deiner Projekte?

Bastian Schick: Erschreckend eher. Gerade von T-Tris, was mehrmals böse verrissen wurde, verkaufen wir heute noch ab und an welche. Leider habe ich keine Zahlen im Kopf.

 

neXGam: Was denkst du über die kommende Flash Card für den Atari Lynx? Wird das die Homebrewszene nochmal stärken?

Bastian Schick: Ehrlich? Nein. Alles was man braucht, gibt es schon lange und diese Karte wird bestimmt zu teuer werden, als dass sie zu einem Must-Have wird.

neXGam: Was fehlt denn dann der Atari Lynx Homebrew Szene derzeit? In den letzten Monaten drohte das ja fast etwas einzuschlafen, sieht man mal von einigen unermüdlichen Kämpfern ab.

Bastian Schick: Ich denke, es fehlt eine Szene, wie sie es noch beim Atari ST oder Amiga gibt. Neue Leute, die dem Reiz des Minimalen erliegen. Das Problem ist einfach die Verbreitung des Lynx und das wohl die meisten Lynx-Besitzer in einem Alter sind, wo sie keine 3-Tage-Hacking-Sessions mehr machen. Ich zumindest nicht.

 

neXGam: Wie siehts mit aktuellen Projekten aus? Du erwähntest vorhin schon etwas. Wir hörten da etwas von einem 2D-Puzzler für den Atari Lynx?

Bastian Schick: Ich bin an einem Spiel. Nur, wenn ich sage was, dann kommt mir jemand zuvor :-) Und das will ich nicht. Soviel sei verraten: Es wird eine Umsetzung eines Jaguar Titel.



Danke für das Interview, Bastian! (Oktober 2007)

Forum
  • von Nognir:

    Dann sind wir ja bald beim zehnjährigen Jubiläum von der Entwicklung:)

  • von Chefsessel:

    Erstaunlich fand ich ja, dass Duranik schon 2004 vom DC Engagement sprach (Sturmwind). Gut Ding will Weile haben ...

  • von Slainte:

    ...

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