Lemmings im Test

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» ♫,,,..♪,,, ..Wir werden alle Sterben, ♪,,, haltet euch bereit…♫,,,...“ Wenn die Band Knorkator schon Ende der 80er existiert hätte, wäre dies die Hymne von zahlreichen Spielern auf der ganzen Welt gewesen. Aber nicht etwa weil Computer Gamer chronisch suizidgefährdet sind, wie wir ja aus diversen TV-Nachrichten wissen. Nein, der Grund war eine Art Ungeziefer Plage. 1990 war das Jahr, ab dem die Lemminge Festplatten und Floppys unsicher machten. Dank DMA Design und Psygnosis blieb natürlich auch der Atari ST nicht verschont.

Lemmings_11Lemmings ist ebenfalls auf dem Atari ST top, Test Ende. Muss man zu den kleinen Wesen sonst noch irgendetwas sagen? Na gut, es soll ja noch immer Leute geben die das Spiel nicht kennen.

Also, in DMAs Megahit geht es darum, eine Horde von Lemmingen sicher durch ein Level zum Zielort zu geleiten. Oder anders gesagt, bis zu 100 dümmliche Tiere fallen aus dem Himmel und laufen stur geradeaus. Ob da jetzt ein Flammenwerfer im Weg steht oder sich ein tiefer Abgrund auftut stört die kleinen dabei herzlich wenig.

Obwohl, „Tiere“ ist im Prinzip nicht korrekt. Die Troll ähnlichen Figuren hier haben nur den Name, sowie den legendären Todesdrang, mit den echten Nagern gemeinsam. Ansonsten sind es rein fiktive Figuren.

Jetzt muss der Spieler eingreifen und durch geschickte Manipulation einzelner Lemminge die kleine Horde an Hindernissen vorbei navigieren. Dabei stehen verschiedene Fähigkeiten zur Auswahl, wie z.B. Treppen bauen oder Tunnel graben. Ja, selbst als Fallschirmspringer lassen sich die „Tierchen“ ausbilden. Damit das Ganze nicht zu leicht wird, sind die Fähigkeiten natürlich begrenzt. Oft reichen sie ebenso so aus, um ein Level zu beenden. Man sollte sich allerdings beeilen, denn während man noch überlegt, wandern die Lemminge gnadenlos dem Tod entgegen.

Lemmings_12Die Level selber wiederum sind zahlreich und clever angelegt. Einige sind einen Bildschirm groß, andere umfassen 2-3 Screens. Gelegentlich wird man auch getäuscht, indem man meint, einen riesigen Level durchqueren zu müssen, der Ausgang aber nur 1 Klick neben dem Startpunkt ist. Loben muss man ebenfalls die Kreativität der Entwickler.

Die gut 150 Areale haben unterschiedliche Settings und selbst nach Stunden wird man wiederholt von dem ein oder anderen Rätsel überrascht. Nicht selten braucht man in den höheren Spielstufen mehrere Anläufe, um überhaupt erst das Lösungskonzept zu begreifen.

Auch in Sachen Bedienung gibt es fast nichts zu bemängeln. Die Maussteuerung arbeitet präzise und zuverlässig. Jede Aktion lässt sich durch das Anklicken entsprechender Fähigkeitssymbole und den einzelnen Lemmingen auswählen. Die dafür vorgesehenen Symbole befinden sich alle dezent im unteren Bildbereich, wo sie niemanden stören. Gegenüber späteren Versionen vermisst man aber die Funktion das Geschehen zu beschleunigen. So dauern manche Level unnötig lange, was ungeduldige Spieler stören mag. Um für jeden Spieler das optimale Erlebnis zu bieten, darf man zudem von Anfang an aus mehreren Spielstufen wählen.

Lemmings_4Angeboten wird auch ein 2 Spieler Modus. Hier kämpfen zwei Gamer gleichzeitig im Splitscreen Modus darum, wer am meisten Lemminge sicher ins Ziel bringt. Dieses Duell findet dabei auf der gleichen Karte mit farblich unterschiedlichen Figuren statt. Die Idee dahinter ist lobenswert, allerdings stört der kleine Bildausschnitt in der Realität sehr.

Unverständlich ist auch der Verzicht auf eine Speicherfunktion. Für jedes absolvierte Level erhält man hingegen ein umständliches Passwort. Bei einem Umfang von 120 Solo und 30 Duell Level gibt das schon eine hübsche Liste. Da fragt man sich doch, wofür so eine Diskette gut ist.

Das Lemmings kein grafisches Feuerwerk abbrennt, dürfte klar sein. Schließlich ist eine gute Übersicht bei diesem Spielprinzip mit das Wichtigste. So erklärt es sich von selbst, dass es keine richtige Hintergrundgrafik gibt. Dem Vordergrund sieht man aber die Mühe der Entwickler an, dennoch eine hübsche Präsentation abzuliefern. Viele kleine Randdetails und Animationen, wie Feuer oder brodelnde Säure, lassen die Grafik lebendig wirken.

Auch die als witzige Comic Figuren präsentierten Lemminge besitzen viel Charme. Und das, obwohl man aufgrund der niedrigen Auflösung im Grunde nur ein paar Pixel erkennen kann. Das dürfte die größte Schwachstelle des Spiels sein. Zeitweise würde man eine höhere Auflösung durchaus begrüßen. Vor allem die Texte wirken für verwöhnte Augen manchmal zu pixelig um angenehm gelesen werden zu können. Dennoch kann sich Lemmings auf Atari ST und Amiga seinen Zauber erhalten und überzeugt mit einem bunten, abwechslungsreichen Design und weitestgehend flüssigen Spielablauf.

Lemmings_5So weit so gut also. Kommen wir jetzt zum Ton: Und dieser ist in der von mir getesteten Atari ST Version leider weniger gelungen. Zwar werden Unmengen an verschiedenen Melodien geboten, doch die technische Umsetzung ist bescheiden. Die meiste Zeit über kann man die einzelnen Tonkanäle des Atari ST perfekt raushören und der Sound klingt dünn und schrill. Nicht selten gehen einem daher die Stücke mit ihrem Dudelsound mehr auf die Nerven, als das sie zum Mitsummen animieren würden. Kein Vergleich also zum kraftvollen Sound der Amiga Version.

Was im Prinzip schade ist, da man um Abwechslung bemüht war, und sich einige bekannte Melodien einschlichen. Zwar kann man auch auf reine Sound FX umschalten, doch hat man danach ständig das Gefühl das etwas fehlen würde. Hört man zum Beispiel beim kollektiven Selbstmord anderer Versionen noch ein nettes Sample, so bleibt der Atari ST hier stumm. Keine "oh no" oder "let's go" samples wie in der Amiga Version. Eventuell ein Zugeständnis an den geringen Speicherplatz von nur etwa 700KB. Doch das ist Spekulation.




Nils meint:

Nils

Ok, die Atari ST Version ist nicht die beste Inkarnation der dusseligen Lemminge, aber das tut dem Spielspaß keinen Abbruch. Auch auf dem Atari Computer macht das Spielprinzip süchtig, die Steuerung ist gelungen und der typische Lemming Charme mit seiner hübschen Grafik überzeugt. Hier kann man also bedenkenlos zugreifen. Ein zeitloser Klassiker halt.

 

(Minimum Anforderungen: TOS 1.00, 512 KByte RAM, Farbmonitor)

Positiv

  • abwechslungsreich
  • gute Steuerung
  • Zweispieler Duell Modus

Negativ

  • schwacher Sound
  • nur Passwortspeicher
  • Splitscreen etwas klein

Sebastian meint:

Sebastian
Die Atari ST Version ist gut, die Amiga Version besser! Meiner Meinung nach zumindest. Denn die legendären Soundsamples (die einen bis in den Schlaf verfolgen) sind nur am Amiga zu hören, zudem empfand ich allgemein Farben und Sound als kraftvoller auf meinem Amiga 500. Übrigens sind beide Versionen der DOS-Fassung überlegen, die nicht einmal einen 2-Spielermodus bietet, aber das ist ein anderes Thema ...
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  • von Civilisation:

    Nils und Sebastian haben den Todesmarsch der Lemminge beobachtet. Hier ihre wissenschaftliche Abhandlung. Lemmings » ♫,,,..♪,,, ..Wir werden alle Sterben, ♪,,, haltet euch bereit…♫,,,...“ Wenn die Band Knorkator schon Ende der 80er existiert hätte, wäre dies die...

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