Final Fantasy XV: Ein Final Fantasy für Fans und Neueinsteiger?

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Und wieder hängt alles von einem Final Fantasy Game ab. Genauso wie einst bei Teil I, so ist auch Teil XV von enormer Bedeutung für Square Enix. Denn wenn dieses Spiel scheitern würde, dann wäre die Marke „Final Fantasy“ auf lange Sicht beschädigtes Gut, dass wohl nur für das eine oder andere Nebenspiel brauchbar wäre.

Final_Fantasy_XV_neXGam_100Final Fantasy in Nöten? Wie konnte es denn dazu kommen, dass diese berühmte und bekannte Spielemarke in eine solche Lage gekommen ist? Die Schuld kann man vor allem bei der umstrittenen Lightning-Trilogie suchen. Vor allem der erste Teil, Final Fantasy XIII, hatte mit seinen schlauchförmigen Leveln, den fehlenden Städten und einer selbst für Final Fantasy-Verhältnisse unerträglichen Protagonisten viel dazu beigetragen, dass der Ruf enorm litt. Zwar wurde versucht, das Ruder mit den Nachfolgern XIII-2 und Lightning Returns nochmal rumzureißen. Doch diese Mühen kamen ein wenig zu spät. Wohl verkauften sich diese Spiele durchaus erfolgreich. Aber die Euphorie war dahin.
 
Also soll XV es jetzt richten. Und Square Enix warf alles in die Waag-Schale, um das zu erreichen. Es wurde eine umfangreiche PR-Kampagne gefahren. Es gab einen fünfteiligen Anime, der die Vergangenheit der vier Hauptpersonen näher beleuchtete. Es gab mit Kingsglaive einen computeranimierten Trickfilm, der die Ereignisse während des Spiels detailliert darstellte. Es gab diverse Demos, in denen das Game und das Gameplay ausführlich vorgestellt wurden. Und das waren nur die wichtigsten Aspekte des Unterfangens, Final Fantasy XV zu einem Erfolg zu machen.
 
Dabei hatte das Spiel zuvor schon eine lange Vergangenheit hinter sich. Ursprünglich war es als Versus-XIII geplant, als ein weiterer Teil der Fabula Novis Crystalis-Serie, zu der auch die XIIIer-Spiele gehörten. Das war noch 2006. Doch bald entschied man sich, davon Abstand zu nehmen und es in XV umzubenennen. Ebenso wurde geplant, dass der Release auf den neuen Konsolen stattfinden würde und nicht auf den Plattformen der Generation Xbox 360.
 
Final_Fantasy_XV_neXGam_105Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob sich dieser Aufwand überhaupt gelohnt hat? Ist XV zu dem Erfolg geworden, den Square Enix sich erhoffte? Geht man von den Verkaufszahlen aus, dann ja. Und inhaltlich? Ist der Gesamteindruck gemischt.
 
Alles fängt damit an, dass man mit dem Heldenquartett bestehend aus Prinz Noctis, Prompto, Gladiolus und Ignis sich auf den Weg macht, die künftige Ehefrau des Thronfolgers des Reiches, Lunafreya, abzuholen und zu heiraten. Doch dann hat das Auto eine Panne und um es zu reparieren, muss man erstmal Geld durch erfolgreiche Nebenaufträge zusammensammeln. 
 
Was auch gleichzeitig die Gelegenheit ist, das Gameplay näher kennenzulernen, so denn man das gute Tutorial noch nicht durchlaufen hat. Denn die Spezialität von Final Fantasy XV besteht darin, dass man nur Noctis lenkt. Die anderen Kampfgefährten man nur insofern beeinflussen, als das man ihnen spezielle Befehle geben kann, mit denen man besondere Aktionen durchführen kann. So beherrscht Ignis beispielsweise „Sammeln“, mit der sich die Gruppe um ihn herum versammelt und heilen kann.
 
Doch nicht immer ist es empfehlenswert, einen solchen Befehl immer ausgewählt zu lassen. Je höher man im Level steigt, desto mehr neue Fähigkeiten kann man freischalten. Und da gibt es auch durchaus einige davon, die den Sammeln-Befehl ersetzen könnten. Und dann muss man sich auf die KI verlassen, die allerdings nicht immer zuverlässig agiert, sondern lieber angreift, anstatt Noctis zu heilen. Und wenn der stirbt, ist das Spiel Game Over.
 
Final_Fantasy_XV_neXGam_126Trotzdem kann man den Kameraden nicht sauer sein. Denn es gelingt Square Enix jeden dieser Protagonisten mit Persönlichkeiten auszustatten. Sie führen ständig Gespräche miteinander oder liefern sich nette Wortgefechte. Und so erhält man ein Gefühl für die Figuren, für Prompto, der der Spaßvogel des Teams ist und gleichzeitig wunderbare Fotos schießt. Für Gladioulus, der eine Art Ersatzbruder für Noctis darstellt. Oder für Ignis, dessen Intellektualität und Kochkünste bestechend sind.
 
Das Kampfsystem dreht sich darum, immer das richtige Gegenmittel parat zu haben, um die Schwachstelle des Feindes zu nutzen. Und dafür kann Noctis zwischen verschiedenen Waffen und magischen Sprüchen umschalten. Gleichzeitig kann der Prinz sich auch hin und her warpen, und so zum Beispiel aus der Distanz einen niederschmetternden Warpangriff durchführen. Das Kampfsystem mag auf dem ersten Blick simpel erscheinen, weil es nicht viele Knöpfe braucht. Doch es hat, wie man es aus der Final Fantasy-Reihe nicht anders her kennt, mehr als genug herausfordernde Elemente, die eben dafür sorgen, dass die nötige Herausforderung durchaus vorhanden ist.
 
Woran man sich erstmal gewöhnen muss, ist die Tatsache, dass das Aufleveln nicht mehr nach jedem Kampf geschieht. Vielmehr passiert dies erst dann, wenn die Figuren sich irgendwann die Zeit nehmen zu campen oder in einem Hotel unterzukommen. Dann werden die gewonnenen XP verteilt und die Charaktere leveln auf und man kann neue Fähigkeiten freischalten.
 
Final_Fantasy_XV_neXGam_129Jetzt wurde lang und breit über das Kampfsystem geschrieben, doch wie sieht es mit dem restlichen Gameplay aus? Was für ein RPG ist Final Fantasy XV? Geschlossen, wie XIII? Oder Open World, wie ungefähr einst XII? Es ist vor allem zu Beginn mehr Letzteres.
 
Die Welt Eora, in der das Spiel stattfindet, ist in verschiedene Bereiche unterteilt. Man erfüllt Missionen, bis man irgendwann weiterreisen kann. Und sobald dies geschehen ist, wird quasi der Kartenabschnitt abgeschlossen, in dem man war. Immerhin kann man immer noch später zurückkehren, um diverse Sidquests zu machen.
 
Wobei die das eigentliche Salz in der Suppe sind. Man kann sich in diesen nämlich verlieren. Klar, die meisten dieser Missionen sind die typischen Jagd oder „Bring Gegenstand A nach B“-Aufträge. Trotzdem reicht das aus, um dem Charme des Spiels zu erliegen. Man kann fast jeden Winkel der Landmasse erforschen, solange man nicht zu sehr versucht, das letzte Fitzelchen der Karte zu erkunden. Denn manche Ecken kann man erst dann erreichen, wenn man das entsprechende Upgrade für den Regalia, das königliche Gefährt, hat!
 
Und es reicht aus, um irgendwann die Hauptstory nahezu zu vergessen. Was allerdings nicht empfehlenswert ist. Denn man kann locker überleveln. Die Hauptmissionen sind nämlich auf eine bestimmte Erfahrungsstufe konzipiert, den man problemlos überschreiten kann, falls man wirklich jede nur mögliche Sidequest annimmt. Wobei der Verzicht darauf nicht leicht fällt.
 
Final_Fantasy_XV_neXGam_21Doch das liegt eben daran, dass die Hauptstory nicht interessant ist. Es mag zwar sein, dass diese Bruderschaft, deren Geschicke man steuert, einem ans Herz wächst. Dennoch ist die Geschichte an sich in der ersten Hälfte langweilig. Es wird einem nur wenig erklärt bzw. ebenso nur unzureichend charakterisiert. Vor allem die Nebenfiguren wie zum Beispiel Lunafreya werden nur notdürftig dargestellt. Hinzu kommt auch noch, dass man, um einiges zu verstehen, am besten die vorhin erwähnten Tie-Ins Brotherhood und Kingsglaive sieht. 
 
Erst ab der zweiten Hälfte wird das Spiel wirklich gut! Erst dann nimmt die Story an Fahrt auf. Was ironischerweise der Moment ist, in dem das Game beginnt, sich in Sachen Sidequests immer mehr einzuschränken.
 
Immerhin wird einiges an Post-Game Content geboten. Dann nämlich, wenn man nach dem Finale die Möglichkeit hat, Bereiche zu erforschen, die man zuvor nicht erreichen konnte. So kriegt man Zugriff auf einige Dungeons, die nochmal eine besondere Herausforderung darstellen. Und zwar vor allem für höherlevelige Charaktere.
 
Graphisch ist das Spiel sehr solide. Die realistische Welt des Spiels wird glaubwürdig rübergebracht. Und immer wieder kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus, etwa wenn man einige riesige Kreaturen sieht oder ein paar wunderschöne Landschafen. Klar, man kann sich über das teilweise übertriebene Characterdesign amüsieren, besonders das von der Mechanikerin Cidney. Aber abgesehen davon wirkt das Game wirklich sehr gut und faszinierend. 
 
Final_Fantasy_XV_neXGam_75Leider sind die Ladezeiten heftig. Es können mehrere Sekunden vergehen, bis der letzte Spielstand geladen ist. Oder bis man via „Schnellreisefunktion“, die dadurch natürlich ein Witz ist, zu einem anderen Punkt auf der Karte reisen kann.
 
Square Enix fängt das Game immer mit dem Satz an, dass dies ein Final Fantasy für Fans und für Neueinsteiger ist. Das ist keine hohle Phrase, sondern entspricht durchaus der Wahrheit, da es viele Dinge gibt, die sich auch an die Leute richten, die quasi mit der Final Fantasy-Reihe aufgewachsen sind. So gibt es in einigen Läden Soundtracks zu kaufen, die man unterwegs anhören kann. Und diese enthalten den Score vieler vergangener Final Fantasy-Spiele. Ebenso kann auch man auch den Wagen, mit dem man fährt auf eine Weise aussehen lassen, die eine Hommage an die 16-Bit-Ära der Serie ist.
 
Und außerhalb des Games? Gibt es viele Einstellungsmöglichkeiten, vor allem was die Sprache angeht. So kann man die nicht ganz so gut gewordene Deutsche Synchro jederzeit durch die Originalsprache mit deutschen Untertiteln ersetzen. Oder Englisch mit japanischen Untertiteln. Es existieren keine Einschränkungen, was natürlich auch die Puristen erfreuen dürfte, die auf den „unverfälschten“ Eindruck schwören.
 
Übrigens wird sich vermutlich am Spiel in Zukunft einiges ändern. Square Enix hat bereits angekündigt, das wohl Patches folgen, in denen zusätzlicher Inhalt, wie zum Beispiel Cutscenes für Nebenfiguren, nachgeliefert werden. Das gibt dem Kauf des Spiels ein gewisses Geschmäckle!
 
Ist also Final Fantasy XV der erhoffte Segensbringer geworden? Trotz aller berechtigten Kritik würde ich sagen ja. Denn ich hatte meinen Spaß an diesem Game. Und freue mich jetzt schon auf die zukünftigen Inhalte.
 
 
Forum
  • von aldi404:

    Beim sprinten bekomm ich ganz komische Grafikfehler. :(cloud.tapatalk.com/s/5ca048701c258/20190331_040543_001.mp4 Gesendet von meinem SM-T580 mit Tapatalk...

  • von aldi404:

    Ahja, das kann sein. Bei der Royal Edition ist ja so viel Zeug dabei, u.a. geile Lackierungen fürs Auto und ein Mariachi-Kostüm für Noctis..... ...

  • von 108 Sterne:

    Ist wohl einer der DLCs, der dir Rabatt auf Sachen gibt. Normalpreis -> dein Preis.

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