Dreamfall Chapters im Test

PlayStation 4Xbox One

Lange ist es her, seit Zoe Castillio in Dreamfall: The Longest Journey der WATI Corp. Und ihrem mysteriösen Produkt der „Dream Machine“ auf die Schliche gekommen ist. Knappe 10 Jahre nach dem Vorgänger erschien Dreamfall Chapters, finanziert über Kickstarter, für den PC. Nun ist die PS4 und die Xbox One an der Reihe.

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Konsoleros mussten sich noch zweieinhalb weitere Jahre gedulden. Doch umsonst war das Warten nicht, so plagten doch die PC-Version einige technische Mängel inklusive einem Wechsel der Game-Engine, die nun mit den Konsolen-Versionen der Vergangenheit angehören sollen. Kommen wir direkt zum Offensichtlichen: Auch nach einem Engine-Wechsel und 2,5 Jahren Feintuning sind die PS4- und Xbox-Versionen keine Schönheiten. Die Bildrate stottert, die Animationen wirken teils unfreiwillig komisch und dem Detailgrad merkt man sein schmales Budget an. Doch wer sich darauf einlässt, den erwarten einfallsreiche Kulissen, die dank unterschiedlicher Protagonisten, Jahrhunderte und Locations abwechslungsreicher nicht sein könnten.

 
Die Geschichte des Titels spielt in zwei parallelen Welten. Die zukünftige Cyberpunk-Version der Erde namens Stark in der Zoe in der Stadt Europolis lebt und die Fantasiewelt voller magischer und ungewöhnlicher Kreaturen mit Namen Arcadia. Ihr startet als Zoë, welche im Koma ans Bett gefesselt ist, nachdem sie versucht hat eine Verschwörung um die „Dreammachines“ der WATI Corp. aufzudecken. Sie werden als Unterhaltungssysteme vermarktet, wurden aber tatsächlich entworfen, um die Bevölkerung zu versklaven und ihre Erinnerungen zu stehlen. Zoë beginnt ihre Suche damit, sich an die vergangenen Ereignisse zu erinnern und die Pfad zu wählen, den sei einschlagen will. Dieser Pfad bestimmt auch das grobe Spielgeschehen, denn Entscheidungen die man trifft wirken sich in Dreamfall Chapters auf die Entwicklung der Geschichte aus, ein Plotaspekt den auch andere Adventures wie z. B. Die Telltale-Games mehr oder weniger gut nutzen.
 

nexgam_dreamfall_chapters_003Dreamfall Chapters ist absolut storygetrieben. Serienneulinge könnten sich anfangs etwas verloren vorkommen. Viele Geschehnisse aus den Vorgängern nicht gänzlich erklärt werden, so dass erst im Laufe des Spiels etwas klarer wird, um was es geht und warum die Protagonisten so handeln, wie sie eben handeln. Dabei hat Autor Ragnar Tørnquist auch wert auf das Schaffen einer dystopischen Zukunftsgesellschaft gelegt, die immer auch wieder die großen kulturellen und gesellschaftlichen Fragen wie Rasse und Sexualität thematisiert, ohne den Spieler aber dabei belehren zu wollen.

 
Ein Großteil des Spielgeschehens im Spiel verbringt man mit Gesprächen. Diese sind teilweise sehr ausufernd und auch etwas ermüdend, so dass ungeduldige Naturen manchmal Probleme bekommen könnten, der Story aufmerksam zu folgen. Man merkt, dass der Fokus von Dreamfall Chapters auf dem Erzählen einer vielschichtigen, tiefgründigen Geschichte liegt. Hier hätte es dem Spiel gut getan die häufig langen Dialoge etwas interaktiver zu gestalten und auch durch Handlungen zu unterbrechen. So ertappt sich der Spieler zu oft als tatenloser Zuschauer, der teils emotionslos dreinblickenden Charakteren beim Parlieren zuschaut. Lediglich die eingangs angesprochenen Entscheidungen, die den Plot mehr oder weniger beeinflussen bringen hier ein wenig Interaktivität ins Geschehen.
 

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Der andere Part des Spiels ist das Erkunden der Welt und das Lösen von mehr oder minder logischen Rätseln alter Adventure-Schule. Hier ergibt sich das Problem, dass Vieles nur unzureichend erklärt wird und man viel mit Trial and Error beschäftigt ist. Teilweise müssen auch bestimmte Personen in vorgegebener Reihenfolge angesprochen werden, so dass man nicht immer auf die Lösung kommt. Oft ist auch das Pacing eher Mittel zum Zweck. Man rennt quer durch die Stadt zum Gesprächspartner, nur um dann wieder zurück zu rennen und das Gespräch fortzusetzen.
 
 
Auch der Synchronisation, wenn lobenswerterweise komplett auf Deutsch, merkt man das schmale Entwicklerbudget an. Hier wirken viele Dialoge hölzern oder aufgesetzt, hier sollte man die Sprachausgabe auf Englisch beibehalten, will man sich nicht an eine Seifenoper erinnert wissen. Der Soundtrack hingegen ist spärlich, aber atmosphärisch und bringt sich super ins Geschehen ein.
 

Heiko meint:

Heiko

Ich habe so lange gewartet und auf einen Nachfolger gehofft. Als ich dann auf der Gamescom 2014 die Gelegenheit hatte mit Ragnar Tørnquist persönlich zu sprechen, kannte mein Hype keine Grenzen mehr. Zu sehr bin ich in den tiefgängigen Storys der Vorgänger versunken. Selten hat ein Videospiel eine so tiefgründige und vielschichtige Geschichte zu erzählen gehabt. Selten wurden Science-Fiction, Fantasy und Dystopie so passend in eine Form gegossen. Leider ist dabei am Ende wirklich wenig Spiel bei rum gekommen. Eigentlich wurde ein „Interaktionsgerüst“ rund um umfassende Dialoge gestrickt. Trotzdem sollte sich jeder Adventure-Fan Dreamfall Chapters gönnen, es warten viele Stunden voller spannender Geschichten. Durch die Möglichkeit Entscheidungen zu fällen die den Spielablauf beeinflussen entwickelt das schon umfangreiche Adventure einen gewissen Wiederspielwert

Positiv

  • herausragende Story
  • tolle Locations

Negativ

  • technisch etwas altbacken
  • sehr dialoglastig, wenig Interaktion
  • deutsche Synchro nicht optimal
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  • von Civilisation:

    Hier sind übrigens Heikos Eindrücke zum Spiel. Dreamfall Chapters im Test Lange ist es her, seit Zoe Castillio in Dreamfall: The Longest Journey der WATI Corp. Und ihrem mysteriösen Produkt der „Dream Machine“ auf die Schliche gekommen ist. Knappe 10 Jahre nach dem...

  • von CD-i:

    is ja kein point and click. spiels seit ner woche ca. macht schon Spaß. technik is natürlich holperig

  • von Retrozocker:

    Gerade bestellt! Teil 1 ist und bleibt eines der atmosphärischsten Adventures aller Zeiten und Teil 2 bot eine starke Geschichte. Schauen wir mal, wie der dritte Ableger sich macht. Die Technik kann man bei Point & ClicK sowieso immer vergessen.

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