Yo! Joe! im Test

PC Windows

Ab und zu gibt es schon relativ kuriose Konstellation hinter den Kulissen bei Spielen, wie z.B. bei Yo! Joe!: Anfang der 90er ist Hudson bestrebt, sich breiter aufzustellen, und will daher im PC- und Heimcomputermarkt Fuß fassen. Dazu beauftragen sie zunächst europäische Firmen mit Portierungen einiger ihrer Referenztitel, z.B. Bonk oder Bomberman, geben anschließend aber auch Neuentwicklungen in Auftrag. Eine davon ist das vom deutschen Programmiererteam Scipio entwickelte und weiter noch von Blue Byte vertriebene Yo! Joe!  Kurios ist dabei, dass ein Deutscher für eine japanische Firma programmiertes Spiel ein Szenario benutzt, das in einer amerikanischen Subkultur angesiedelt ist, konkret der Graffitiszene der frühen 90er.

Yo_Joe_neXGam_11Die Hintergrundgeschichte dreht sich um die beiden jungen Graffitisprüher Joe und Nat. Die werden bei ihrem Schaffen von der Polizei aufgescheucht und geraten auf der Flucht in ein unheimliches Haus weit außerhalb ihrer Stadt und dabei in die Quere eines dunklen Syndikats. Dessen Anführer, u.a. ein Minotaurus und ein Vampir, sehen ihre finsteren Pläne durch die zwei gefährdet, und stellen sich ihnen in den Weg.

Yo! Joe! ist ein klassisches Jump‘n‘Run, das für den Amiga entwickelt und auch auf den PC portiert wurde. Der Spieler steuert dabei Joe (Nat kann von einem zweiten Spieler im Koop auf einem Bildschirm gesteuert werden) auf seinem Weg durch sieben riesige Level auf dem Weg zurück nach Hause. Neben Springen kann Joe sich dabei an Rändern festhalten und hochziehen, als ebenso diverse Waffen verwenden. Am Anfang (jedes Level) kann man sich nur mit blanker Faust seiner Gegner erwehren, man findet jedoch Schlagrohre und Nunchaks, sowie Waffen mit begrenzter Munition wie Wurfsterne, Molotowcocktails und als Höhepunkt eine benzinbetriebene Kettensäge. Auf dem mit Fallen gespickten Weg zum Ausgang prügelt man sich damit durch Horden von Feinden, um nach dem standesgemäßen Kampf gegen einen Oberschurken in die nächste Runde zu gelangen.

Bei der Grafik fällt im Vergleich zum Amiga-Original zunächst auf, dass alles weniger farbenfroh aussieht, sondern eine mattere und seltsam gelbstichige Palette benutzt wird. Außerdem wird dem Anschein nach nicht die größere Farbtiefe des VGA-Modus am PC benutzt, was schade ist. Geblieben ist dagegen die schöne, optische Gestaltung. Trotz der enormen Größe der Levels strotzt das Spiel nur so vor feinen grafischen Details (angefangen z.B. bei den verkleinerten Versionen von Joe und Nat, die in der Statuszeile umherwuseln) oder visuellen Gags (Pin-ups in den Sarkophagen der Mumien), und die Umgebungen weisen viel Abwechslung auf. Auch im weit fortgeschritten im Level kommen neue Grafikelemente dazu.

Yo_Joe_neXGam_5Der Steuerung merkt man an, daß sie für Joystick mit einem Feuerknopf ausgelegt war, denn standardmäßig springt man durch drücken von »hoch«, und das Wechseln der Waffe geschieht durch Ducken und Feuer. Letzteres ist der einzige Schwachpunkt an der ansonsten guten Handhabung, denn man kann so leider sein Kampfgerät nicht im Ducken verwenden, vor allem aber geht ein schnelles Umschalten nicht immer glatt. Das nervt etwas, weil man recht häufig auswechseln will, da die Waffen sich angenehm durch verschiedene Vor-und Nachteile unterscheiden. So macht das Stahlrohr z.B. mehr Schaden als die Nunchaks und kann im Springen verwendet werden. Dafür kann man sich nicht mehr an Ränder festhalten und hochziehen.

Die Akustik eine große Stärke von Yo! Joe! . Neben netten Geräuscheffekten von knarzenden Schlosstüren und berstenden Steindeckeln hin zum Knattern der Motorsäge sticht vor allem die Musik hervor, bei der der Komponist zur Höchstform aufgelaufen ist. Alle Stücke liegen auch vielen Durchläufen angenehm im Ohr und machen Laune, was der guten Spielbarkeit des Programms nochmal einen zusätzlichen Schub gibt.

Denn Yo! Joe! bringt zwar nicht viel neues auf den Tisch, macht aber einfach Spaß. Die großen Level sind nicht nur optisch schön gestaltet und bieten optionale Passagen zum Erkunden. Die verschiedenen Waffen sorgen für Abwechslung, und bei methodischem Vorgehen wird das Programm auch nie zu schwer. Ein großes Problem von Yo! Joe! ist allerdings das Fehlen eines Passwort- oder Speichersystems, wodurch ein Weiterkommen langwierig werden kann, sollte man in höheren Levels festhängen. Wenigstens wird man nach Verlust eines Lebens nur ein kurzes Stück zurückgesetzt, Continues gibt es ebenfalls, und wer gründlich sucht, findet ebenso viele Extraleben.




Götz meint:

Götz

Yo! Joe! ist ein unterhaltsames, wenn auch konservatives Jump‘n‘Run. Auch wenn es sich nicht durch viele neue Ideen aus dem dichten Feld der Genre-Konkurrenz der 90er hervorhebt, versprüht viel Charm und spielt sich gut. Im dünner besetzten Feld der PC-Jump‘n‘Runs von damals (verglichen mit Konsolen und Heimcomputern) ist es auf jeden Fall spielenswert.

Positiv

  • tolle Musik
  • 2-Spieler-Koop
  • viel Raum zum Erkunden

Negativ

  • keine Paßwörter oder Speicherfunktion
  • Grafik nutzt Farbpalette nicht aus
Userwertung
7.75 2 Stimmen
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Yo! Joe! Daten
Genre Jump’n Run
Spieleranzahl 1-2
Regionalcode PAL
Auflösung / Hertz -
Onlinefunktion -
Verfügbarkeit 1993
Vermarkter Hudson Soft
Wertung 8
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