Crypt of the Serpent King im Test

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Am Anfang stand: das Rollenspiel. Mit Stift und Papier (Pen and Paper) begab man sich in Fantasyreiche. Findige Geschäftemacher gestalteten schöne Verpackungen, detaillierte (und teure) Miniaturen. Natürlich gab es alsbald erste Umsetzung für Computer. Sehr abstrakt, die Grafik bot nicht viel mehr als ein paar Striche. Doch auch hier war die Fantasie der Spieler schier grenzenlos. Das bisschen genügte für zig vergnügte Stunden.

Crypt_2Fast 40 Jahre später sieht die Welt, Wort wörtlich, anders aus. Rollenspiele, kurz RPG, gibt es in zig Varianten. Angefangen beim rundenbasierten „top down“ Vertreter, über klassische Dungeon Crawler in Ego Ansicht, bis hin zum Action-RPG ala Diablo & Co.. Neben Fantasywelten kämpfen sich die Helden auch durch Sci-Fi und Horrorszenarien. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Ein Uralter und im Grunde simpler Vertreter ist zwischenzeitlich Namensgeber für ein eigenes Untergenre. Das „rogue like“ RPG! Welches seinen Namen, wie überraschend, von Rogue anleitet.

 

Crypt_3Hier durchstreift in der Regel ein einzelner Abenteurer Dungeons. Sammelt Geld und Ausrüstung, verbessert Attribute und versucht das Ziel des Spiels zu erreichen. Stirbt er, so ist die Figur unwiderruflich verloren und man beginnt von vorne. In eben jene Kerbe schlägt „Crypt of the Serpent King“. Etwas ungewöhnlich hierbei: Alles geschieht in Egoperspektive. Spieler und Gegner bewegen sich flott in Echtzeit durch die Dungeons. Kämpfe laufen ebenfalls in Realzeit ab. Knöpfchendrücken ist angesagt und erinnert eher an einen Egoshooter denn an ein RPG.

 

So kämpfen wir uns Stockwerk um Stockwerk in die Tiefe, plündern die zahlreich vorhandenen Kisten, um Gold oder Lebensenergie zu erhalten und verprügeln umherschleichende Schergen. In jedem Stock gilt es eine vorgegebene Zahl von Schlüsseln zu sammeln. Erst mit diesen kann die Treppe zum nächsten Geschoss geöffnet werden. Diese wird allerdings von einem etwas stärkeren Obermotz bewacht. Gestorben wird, genretypisch, häufig. Die Gegner sind (zu Beginn) recht stark. Wenige Treffer genügen, um euch ins Nirvana zu schicken. Noch schneller springt man über die Klinge, wenn man in einen der zahlreichen Gräben plumpst. Lava, Speerspitzen und andere fiese Spielereien sorgen für den verhassten Instant Death. Leider ist jeder Schlüssel von einem solchen Graben umgeben. Einmal falsch gesprungen bedeutet dies dann auch: Neustart. Erhaltene EXP und Gold dürft ihr jedoch behalten und in neue Waffen und das Verbessern eurer Fertigkeiten investieren. Wobei Neustart nicht ganz richtig ist. Denn man startet nicht am Anfang des Spiels. Statt dessen geht es auf der zuletzt betretenen Ebene weiter.
 

Alles steht bereit für viele Stunden im Zeichen des Dungeon Erforschens und Monster Verkloppens!

 

Crypt_4Könnte man meinen. Doch was als modernes Heretic oder Hexen mit RPG Anteil hätte enden können, entpuppt sich bereits nach kurzer Spielzeit als schnell hingewurschteltes, langweiliges Machwerk. Die Dungeons sind allesamt gleich aufgebaut. Kleine, quadratische Räume wechseln sich mit engen Gängen ab. Pro Stockwerk gibt es exakt einen einzigen Gegnertyp und um mehr als einzelne Vertreter gleichzeitig anzutreffen, muss man schon extrem schnell und hektisch durch die Gänge hetzen. Egal, in welchem Stock ihr euch befindet, die Kämpfe laufen (bestenfalls) stets nach dem gleichen Schema ab: ran an den Gegner, bis er zum Schlag ausholt, flott nen Schritt zurück und nachdem er seinen Schlag ausgeführt hat, wieder ran, um ihn zu schlagen. Ob Standardgegner oder Levelboss, diese Taktik klappt immer. Wenige Schläge später  liegen sie am Boden. Dank Automap muss man nichts suchen. Räume und Flure werden zwangsweise abgelaufen. Schließlich benötigt man alle Schlüssel, um den nächsten Stock zu erreichen. Also sammelt man hier und da, völlig uninspiriert, Gold und Lebensenergie auf.

 

Hat man den Bossgegner besiegt oder doch ins Gras gebissen, kann man die Errungenschaften in Levelups und Waffen investieren. Aber auch hier gibt es nicht viel zu entscheiden. Gerade mal drei Fertigkeiten sind vorhanden. Stärke, Beweglichkeit und Schadensresistenz. Das wars. Jeder Levelup kostet 100 EXP. Levelt man schlicht der Reihe nach die Attribute eine Stufe auf, fährt man am besten. Für Gold kauft man Equipment. Mehr als verschiedene Waffen gibt es jedoch nicht. Schilde? Rüstung? Fehlanzeige. Immerhin unterteilen sie sich in Fern und Nahkampfwaffen mit unterschiedlicher Reichweite. Doch auch dies hat nicht viel Auswirkung, denn im Grunde beschafft man die Waffen in der Reihenfolge, in welcher sie im Shop angeboten werden. Ganz davon abgesehen, dass es nur sehr wenige gibt und alle von Beginn an verfügbar sind. Es hapert lediglich am Gold.

 

Crypt_5Wer hofft, im weiteren Verlauf Große Überraschungen zu erleben, der irrt. Im Grunde hat man nach der ersten halben Stunde alles gesehen. Als ob das nicht schon ärgerlich genug ist, stimmt auch die Technik nicht. Diese stammt scheinbar aus den 90`ern. Grobe Pixel sucht man zwar vergeblich. Alles ist komplett glatt gebügelt. Der Detailgrad ist jedoch frech. Die Dungeons karg. Sämtliche Gegner eines Stockwerks sehen gleich aus, ebenso Wände, Böden sowie die (wenigen) Dekoobjekte. Die Musikuntermalung ist hingegen recht passabel und passend zum düsteren Setting. Dafür sind die Soundeffekte nicht nur eine Beleidigung für jedes Ohr, sondern dazu noch unpassend. Prallen Schwerter aufeinander oder Pfeile auf Körper klingt das definitiv anders.

 

Alexander meint:

Alexander

„Crypt of the Serpent King“ fehlt nicht der Feinschliff, es fehlt schon am groben rohen Rahmen. Grafik und Sound, Levelaufbau und Gegnerdesign, Fertigkeitenbaum und Itemmanagemente sowie die Vielfalt sind, für das Jahr 2016, eine Frechheit. Das haben ähnliche Spiele bereits vor 20 Jahren wesentlich besser gemacht. Zwar ist das Spiel keine Katastrophe, immerhin lässt es sich trotz aller Kritik problemlos spielen, aber es gibt keinen Grund, warum man seine Zeit damit verschwenden sollte…es sei denn man schreibt einen Test darüber….verdammt, die Zeit gibt mir niemand zurück….
 

Positiv

  • vollkommen unkompliziert
  • theoretisch gut für ne kurze Runde
  • nette Titelmusik

Negativ

  • hässlich wie die Nacht
  • leider langweilig und öde
  • grauenhafte Sounds
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Forum
  • von Azazel:

    Habe es zwischenzeitlich sogar beendet. Immerhin gibt es am Ende ein gutes Musikstück. Man kann das ganze dann natürlich noch auf einen härteren Schwierigkeitsgrad beginnen und startet wieder komplett bei null. Ist aber leider dann noch immer exakt genauso öde und neue Gegenstände gibt es auch...

  • von Civilisation:

    Alexander hat sich in die Gruft des Schlangenkönigs gewagt und es sogar überlebt! Crypt of the Serpent King Am Anfang stand: das Rollenspiel. Mit Stift und Papier (Pen and Paper) begab man sich in Fantasyreiche. Findige Geschäftemacher gestalteten schöne Verpackungen,...

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