Harvest Moon: Eine Welt - Ich will zurück!

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Ich träume. Von weiten Feldern und tiefen Höhlen. Von Möhren und Sonnenblumen. Von Nachbarn und meiner heimlichen Liebe. Ich wache auf. Und muss enttäuscht feststellen, dass ich nicht in dem Sternentaub Tal bin. Sondern bei Harvest Moon: Eine Welt.

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Ich muss gestehen, ich habe noch nie zuvor in meinem Leben ein Harvest Moon-Spiel gespielt. Weder von der alten Reihe, noch von der neuen. Aber Stardew Valley, das habe ich gerne gezockt. Und es hat in mir den Wunsch geweckt, auch mal andere Farmspiele auszuprobieren, so lange es nicht der Landwirtschaftssimulator ist. Naiv, wie ich manchmal sein kann, habe ich dann entdeckt, dass im April sowohl Story of Season als ebenfalls Harvest Moon: Eine Welt herauskamen und habe mich, ohne großartig zu recherchieren oder nachzudenken, für letzteren Titel entschieden.
 
Was ein großer Fehler war! Denn zu keinem Zeitpunkt hatte ich Spaß gehabt. Stattdessen haben mich viele Sachen aufgeregt. Dinge, die bei Stardew Valley deutlich besser und spaßiger waren.
 
Fangen wir mit der Story an. Du spielst einen Charakter (Geschlecht und Aussehen sind frei wählbar), der in einer Welt aufwächst, die das Farmen vergessen hat und stattdessen mühsam die Nahrung aufsammelt, die in der freien Natur wächst. Bis du einen Erntegeist entdeckt, der dir von der gefangenen Erntegöttin erzählt, die du selbstverständlich befreien willst. Ach ja, und als Dank erhältst du die Gabe, selber Pflanzen anzubauen und zu ernten.
 

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Also packst du deine Farm zusammen und machst dich auf, in die große, weite Welt. Immer im Bemühen, weitere Erntegeister zu entdecken und zu befreien. Und so am Ende auch die Göttin freizukriegen.
 
Wer jetzt bei der Story auf eine nette Geschichte hofft, die einen entsprechend in den Bann ziehen wird, der wird enttäuscht sein. Denn im Prinzip läuft alles darauf hinaus, dass du, limitiert von deiner Energie, farmst, Tiere züchtest und nebenbei in die weite Welt hinausgehst, um sie zu erkunden. Zusätzlich verkaufst du deine Feldfrüchte, um Geld für weiteres Viech oder bestimmte Samen zu erhalten.
 
Stichwort „Samen“: Hier haben sich die Entwickler von Natsume etwas Interessantes einfallen lassen. Es gibt niedere Erntegeister, die überall in der Welt in Form kleiner Lichtpunkte verstreut sind. Interagierst du mit ihnen, ploppen sie auf und schenken dir ein zufälliges Saatgut. Und die Betonung liegt auf „zufällig“. Sprich, falls du beispielsweise eine Quest absolvieren musst, in der du einem bestimmten Bewohner zwei Sonnenblumen geben musst, bist du gearscht, wenn die Geister dir alles geben, nur kein Sonnenblumensaatgut. Denn du kannst dieses auch nicht im Laden kaufen. Dort sind erstmal nur diverse Baumsprösslinge zu erwerben. Also musst du im Prinzip die ganze Weltkarte absuchen, um endlich einen Erntegeist zu finden, der dir die gewünschte Saat gibt.
 

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Zwar hat Harvest Moon: Eine Welt ein Lexikon, wo drinnen steht, was für Voraussetzungen eine bestimmte Saat hat, bzw. zu welcher Jahreszeit sie am besten wächst. Aber es fehlt eine essentielle Info, wo du, unter welchen Umständen am besten, welche Samen kriegst!
 
Nun ist es so, dass deine Energieleiste mit jeder Bewegung abnimmt. Ernten kostet Energie, Pflanzen kostet Energie, Steine zerhauen kostet Energie, sogar das Laufen an sich kostet Energie. Mit der Konsequenz, dass dein Bewegungsradius zu Beginn des Spiels ziemlich eingeschränkt ist. Zwar kannst du dir ein Pferd kaufen, doch das kostet! Immerhin kannst du, je mehr du von der Weltkarte entdeckst zu bestimmten Punkten schnellreisen. Doch mitunter ist da Laufen schneller.
 
Übrigens kommt Harvest Moon: Eine Welt komplett ohne Feinde aus. Und auch hier muss ich an Stardew Valley denken, wo je nach Karte oder Ort dir Gegner ans Leder wollen. Hier? Nicht der Fall. Was mich vor allem in den Höhlen enttäuscht hat. Denn die sind einfach nur ein simpler Ort, wo du Erze und Kristalle abbauen kannst. Mehr nicht! Du kannst zwar immer tiefer hineinreisen, doch abgesehen davon, dass die Räume irgendwann größer werden, sehen sie alle gleich aus und sind abwechslungsarm.
 

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Dabei ist die Welt des Games in vier Klimazonen unterteilt, die alle zusammenhängen. Jede besitzt eigene Pflanzen und eigene Bewohner, die ihre eigenen Quests haben. Und manchmal musst du, wenn du für eine bestimmte Mission gewisse Gewächse abliefern sollst, erst in das entsprechende Klima reisen, um sie dort zu erhalten. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Zonen hat übrigens interessante Auswirkungen. So kann es sein, dass es in der einen gerade regnet, in der anderen aber damit auf ein Mal aufhört, was natürlich sehr merkwürdig wirkt.
 
Man merkt dem Spiel richtig an, dass die Entwickler sich Mühe gegeben haben, nicht! Alles wirkt eingeschränkt, eingedampft. Du kannst keine eigenen Felder anlegen, du musst die nutzen, die bereits vorhanden sind. Deiner Gießkanne geht nach einer gewissen Nutzungszeit das Wasser aus. Doch wann genau, siehst du nicht, da fehlt eine entsprechende Anzeige. Auch ist die Steuerung manchmal verdammt unpräzise. Auf einmal erntest du das Feld ab, das neben dem ist, dass du eigentlich anvisiert hat. Was die Bewohner der Oberwelt angeht, wurde hier ebenfalls nur der Minimalaufwand gemacht. Die meisten haben Namen wie beispielsweise „Plumper Mann“ oder „Aufmerksame Frau“, bzw. Mann oder Frau aus dem Ort, aus dem sie stammen. Auch ihr Design ist nichtssagend bzw. wiederholen sich Details.
 
Natürlich wurde sich bei den wichtigen NPCs mehr Mühe gegeben. Die kannst du im übrigen auch befreunden und heiraten. Allerdings gibt es ein paar Einschränkungen: Gleichgeschlechtliche Beziehungen sollen wohl später nachgepatcht werden und man kann erst nach dem Ende des Spiels den oder die Holde ehelichen. Wieso nicht vorher, erschließt sich einem nicht.
 

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Kommen wir zum eigentlichen Aufreger, der Grafik. Denn ehrlich gesagt? Hier haben die Entwickler einen kapitalen Bock geschossen. Die Optik ist detailarm und leblos. Ebenso findet man wiederholt grobpixelige Elemente, die sich nicht erklären lassen. Denn die Darstellung wirkt jetzt nicht so, als ob sie die Switch massiv belastet. Vielmehr hat man den Eindruck, als ob die Entwickler eine Engine nutzen, die zuletzt bei der Generation GameCube oder den frühen Smartphones verwendet wurde. Alles wirkt detailarm, flach und mit minimalsten Aufwand erstellt. Und trotzdem kommt es immer wieder zu nicht erklärbaren Rucklern, umso mehr, wenn man die Nintendo Konsole in der Docking Station hat.
 
Die Hakler gibt es übrigens nicht nur bei der Grafik. Auch bei der Musik kommt es wiederholt zu kleinen Momente, wo sie für einen kurzen Augenblick lang stoppt. Nicht, dass das irgendeinen Unterschied macht, denn die Melodien sind grandios belanglos, wie das gesamte Spiel.
 
Gibt es dann Harvest Moon: Eine Welt nichts positives zu berichten? Doch, die Darstellung der Tiere ist süß geworden. Und es gibt ein exzellentes Menü, das zeigt, welche Aufträge du aktuell hast bzw. wie dein Beziehungsstatus zu den einzelnen Personen ist. Doch das rettet das Game nicht davor, eine grandiose Katastrophe zu sein. 
 
Und es gibt Konkurrenz: Story of Seasons, die alte Harvest Moon-Reihe, ist vor kurzem rausgekommen. Und nach dem ersten Eindruck, den ich aus dem Internet habe, scheint es Eine Welt deutlich überlegen zu sein. Vielleicht werde ich da mal reinschauen. Wobei ich natürlich ebenfalls zurück nach Stardew Valley kann. Ich habe da noch eine Farm, die ich beackern will.


Forum
  • von Undead:

    Naja, der Name alleine zieht bei den meisten immer noch. Gibt ja sogar Fans, die es wegen dem Namen kaufen (Harvest Moon Sammler) Würden sich die Harvest Moon Games immer schlechter verkaufen, würde die Sparte ja vom Markt wegfallen, aber soviel Impact wie ein IP Name hat, kommen manchmal die...

  • von _2xs:

    Undead schrieb: Sry für das im Vorfeld über das Game herziehen, aber: da kann doch nur Mist bei rumkommen. Wer eine Frechheit von "Licht der Hoffnung" auf die Switch als reinen Fan Cash Grab portet, der macht es wieder mit einem...

  • von Phill XVII:

    Licht der Hoffnung war einfach widerlich. Mal schauen was hierbei rumkommt....

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