Defender of the Crown im Test

Atari ST

Großbritannien zur Zeit der Kreuzzüge: Der König ist tot, lang lebe der König! Als Cinemaware 1986 mit Defender of the Crown ihr erstes Strategiespiel für den Amiga veröffentlichte, staunten Spieler und Fachpresse gleichermaßen. Nie zuvor gab es solch eine hochwertige Grafik bei einem Computerspiel zu bestaunen. Da verwundert es kaum, dass das Spiel, trotz vorgezogener Veröffentlichung (Die Firma hatte finanzielle Probleme), zum Megahit wurde. Es folgten Umsetzungen auf so ziemlich jedes nur denkbare System. Vom ZX Spectrum, über PC und Philips CDi bis hin zum Game Boy Advance. So natürlich auch für Ataris Heimcomputer Flagschiff.

Defenders_of_the_Crown_11Das Spielprinzip hinter Defender of the Crown ist schnell erklärt. Ähnlich dem Brettspielklassiker Risiko erobert man rundenweise Gebiete auf einer Karte. Wer als Erstes die Insel unter seine Kontrolle brachte, hat logischerweise gewonnen. Doch der Weg dorthin ist steinig. Zu Anfang hat man die Wahl zwischen 4 Adligen, die sich allesamt in Attributen wie z.B. Schwertkampf oder Führung unterscheiden.

Mit der Auswahl seines Egos besiegelt man auch gleichzeitig die Ausgangsposition auf der Karte. So kann es durchaus von Vorteil sein einen schwächeren Charakter zu wählen, wenn sich dessen Heimatschloss besser verteidigen lässt. Denn das ist von höchster Wichtigkeit. Fällt die eigene Behausung an den Feind, gewinnt dieser automatisch alle Besitztümer und das Spiel ist beendet.

Natürlich gilt das auch anders herum. So baut man also eine Armee auf und kämpft sich Stück für Stück durch das 18 Gebiete umfassende mittelalterliche England. Eroberte Ländereien liefern die dafür benötigten Steuern und Soldaten. Ist man endlich vor einer gegnerischen Burg angekommen, beginnt die Belagerung mit dem Katapult. Es gilt Mauern einreißen und die feindlichen Einheiten mit Gemeinheiten wie griechischem Feuer zu zermürben. Wonach man letztlich mit seiner Armee die Festung stürmen kann. Im Kampf selber hat der Spieler nur eine begrenzte Auswahl an grundlegenden Taktiken, die man aber jederzeit wechseln kann. Ansonsten ist man leider zum zuschauen verdammt. Eroberte Territorien können anschließend mit einer kleinen Garnison gesichert werden, während sich die Hauptstreitmacht weiterhin ihrem Feldzug widmet.

Defenders_of_the_Crown_16Zwischendurch eingestreute Ereignisse wie gestohlene Steuern sind nett, wirken sich letztlich aufgrund der nicht vorhandenen Reaktionsmöglichkeiten aber höchstens auf die Statistik aus. Insgesamt ist das Gameplay daher als eingeschränkt zu bezeichnen. Trotz unterschiedlichen Soldaten Typen und zusätzlichen Gameplay Elementen gegenüber dem Amiga Original ( z.B. Garnisonen, neuer Kampfbildschirm und 3 verschiedene Katapult Geschosse), bleibt es bei einer dezent erweiterten Risiko Variante. Hier ist schnelle Eroberung der Ländereien wichtiger als tiefgründige taktische Planung. Die viel zu kleine Karte sorgt zudem für ein schnelles Ende des Spiels. Was aber durchaus vorteilhaft ist, da man nicht speichern kann.

Wer genug vom Kriegsalltag hat, darf sich in einigen Minispielen versuchen. So kann man ein Ritterturnier aus der ego Perspektive bestreiten, in Raubzügen die nächste Burg plündern oder ab und zu auch mal die obligatorische Prinzessin befreien. Was mit einer hübschen (legendären) Zwischensequenz belohnt wird. Auf diese Weise kann man ebenfalls ohne großes Blutvergießen Land gewinnen. Wer es strategischer mag, schickt Spione ins feindliche Lager, zettelt Revolten an oder bittet Robin Hood eben um Unterstützung. Solche Nebentätigkeiten sind für das eigentliche Spiel zwar nicht zwingend notwendig, erleichtern es stellenweise aber ungemein.

Defenders_of_the_Crown_8Denn der Schwierigkeitsgrad ist eine Sache für sich. Im Prinzip ist das Spiel recht leicht. Doch in einem Moment führt man einen regelrechten Blitzkrieg und überrollt die feindlichen Länder nur so, und zwei Runden später steht man vor einem scheinbar unterlegenen Gegner, der mal eben eine 10fach größere Armee ins Rennen wirft. Da fragt man sich doch wo dieser die Ressourcen dafür her hat.

Auch der Ausgang der Kämpfe selbst ist nicht immer nachvollziehbar. Vor allem dann, wenn erneut die eigene Armee von einer Minderheit abgeschlachtet wurde. So kann es also passieren, dass man einmal das Game in etwa 15 Minuten beendet, ein anderes Mal aber hoffnungslos unterlegen ins Gras beißt. Als konstanter erweisen sich da die Turnier und Fechtkämpfe. Bei ersterem bedarf es generell etwas Glück, um im Pferd sitzen zu bleiben, während bei letzterem ein knappes Timing den Spieler fordert.

In beiden Fällen ist die Steuerung nicht unschuldig. Defender of the Crown wird komplett per Maus bedient, was bei den Menüs nur vorteilhaft ist. Die Handhabung der Lanze bei einem Turnier aber ist etwas ziellos. Und so kann es passieren, das man in einer Endlosschleife von unentschiedenen Duellen stecken bleibt, bis man letztlich aus irgendeinem Grund doch vom Pferd fliegt. Die Fechtkämpfe bei Raubzügen wiederum enden nicht selten in wildem Geklicke. Und dabei gibt es eh nur zwei Aktionen, Schlagen und blocken. Mit ein wenig Übung und dem richtigen Timing sind diese dennoch leicht zu gewinnen, da sich der Ablauf ständig stur wiederholt.

Defender_of_the_Crown_12Eine für viele wichtige Frage stellt die grafische Umsetzung da. Um es kurz zu machen, gegenüber dem Amiga Original muss sich der Atari ST deutlich geschlagen geben. Erstaunlich ist dabei aber, wie gut es dennoch aussieht. Obwohl der ST erneut an der 16 Farben Grenze aneckt, muss man stellenweise schon zweimal hinsehen, um den Unterschied zu bemerken. Kein Vergleich also zu den stark abgespeckten Versionen für PC, NES und Co. Die liebevoll gestalteten Zwischenbilder sind auch heute noch schön anzusehen. Es mag auf dem ST technisch eindrucksvollere Titel geben. Denn immerhin besteht Defender of the Crown fast nur aus sparsam animierten Standbildern. Und die wenigen lassen sich in die 3 Phasen Schublade stecken.

Aber kaum ein Spiel wirkt insgesamt so rund und harmonisch vom Design wie Defender of the Crown.. Weniger erfreulich ist hingegen, das einige Animationen und Zwischenbilder entfernt wurden. Wohl aus Speicherplatz Gründen, denn die ST Version muss sich mit 2 SD Disketten begnügen. Warum man nicht wie beim Amiga zwei DD Datenträger nahm, können wohl nur die Entwickler beantworten. Letztlich wird dadurch die Story stärker in den Hintergrund gedrängt als bei den besser präsentierten Varianten für Amiga, CDi. und Co.

Klanglich war der ST noch nie der Vorzeige-Computer. Und so ist es auch bei Defender of the Crown. Die markante Titelmelodie mit Mittelalter Einflüssen dudelt etwas kraftlos, und die wenigen Kampfgeräusche könnten aus einem Standard Baukasten stammen. Doch passt hier, ebenfalls wie bei der Grafik, erneut alles gut zusammen. Wodurch letztlich eine schöne Atmosphäre erzeugt wird. Kritisieren kann man allerdings durchaus die mangelnde Abwechslung.




Nils meint:

Nils

Für mich gehört Defender of the Crown in die Sparte Grafikblender. Auch nach über 20 Jahren sind die Grafiken noch nett anzusehen. Doch das Spiel dahinter krankt auf Dauer an wenig Abwechslung und spielerischer Minimalkost. Im Strategie Sektor mangelt es nicht an gehaltvollerer Konkurrenz. Aber es ist Kult, keine Frage. Und wer einen ST besitzt sollte es zumindest einmal angespielt haben. Würde man mich fragen ob Amiga oder ST Version, dann würde ich klar die Atari Variante empfehlen. Sicherlich, auf dem Amiga sieht es besser aus. Aber vom gameplay hat die ST Version dank neuen features mehr zu bieten als das Original. Und darauf kommt es doch letztlich an, oder?

Minimum Anforderungen: TOS 1.0, 512 KByte RAM, Farbmonitor

Positiv

  • tolle Präsentation
  • erweitertes Gameplay
  • Abwechslung durch Minispiele

Negativ

  • Strategieanteil schwach
  • unausgewogener Schwierigkeitsgrad
  • kein Speichern möglich
Userwertung
9.5 5 Stimmen
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Forum
  • von Civilisation:

    Cinemaware? Klingelt es da? Wenn ja, unbedingt Nils Test zu Defender of the Crown lesen. Defender of the Crown Großbritannien zur Zeit der Kreuzzüge: Der König ist tot, lang lebe der König! Als Cinemaware 1986 mit Defender of the Crown ihr erstes Strategiespiel für den Amiga...

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