Far Cry Primal - Wenn aus Skepsis Begeisterung wird im Test

PC WindowsPlayStation 4Xbox One

53 Stunden und 27 Minuten. Bei diesem Stand blieb mein Zähler von Far Cry Primal stehen, denn ich hatte sowohl das Spiel durch als auch 1000 Gamerscore auf dem Konto. Und dabei war ich beim ersten Trailer, den man uns auf der Ubisoft X-Mas Tour 2015 in Köln zeigte doch extrem skeptisch.

Far-Cry-Primal-neXGam-02Die Videospielserie begleitet mich seit Erscheinen von Far Cry auf dem PC im Jahre 2004. Was für ein Spiel für damalige Verhältnisse, das mich satte zwei Aufrüstungen meiner Hardware kostete, nur um auch die Fische im Wasser sehen zu können. Ok, ich gebe zu, dass ich den zweiten Teil trotz dreier Anläufe nie zu Ende gebracht habe. Aber was uns Ubisoft seit Far Cry 3 serviert, entlockt mir jedes Mal einen großen Batzen meiner knappen Freizeit. Natürlich ist dies eine subjektive Sache, denn wie wir Kölschen gerne sagen, ist „jeder Jeck anders“. Aber ein Far Cry 10.000 Jahre vor Christus? Ich glaube mein Kollege Patrick hat es an jenem Tag in meinem Gesicht ablesen können, dass das nach den tollen Ausflügen auf der Karibikinsel mit Vaas und dem Abenteuer in den Bergen Kyrat´s nicht gelingen kann. Und so schleppte ich mich die erste Stunde auch recht unbeholfen durch die ungezähmte Wildnis im Land Oros. Aber es dauerte nicht lange und das Setting zog mich immer tiefer in seinen Bann.

Far-Cry-Primal-neXGam-16Mit wachsendem Alter wird man ruhiger und lässt den Blick auf die schönen Dinge des Lebens wie zu Kinderzeiten erneut erwachen. Hier muss ich neben Far Cry 3 und Far Cry 4 auch Ubisoft´s Assassins Creed IV: Black Flag nennen, das mich gleichfalls 100 Stunden wunderbar unterhalten hat. Ich ziehe an dieser Stelle meinen Hut vor den Entwicklern, denn was sie hier auf den Bildschirm zaubern, lässt mich etliche Male einfach innehalten und die wunderschöne Landschaft genießen. Kein Vergleich zu den beiden weißen Balken und dem eckigen Punkt, mit dem Mitte der Siebziger meine Videospielkarriere begann. Wer hätte damals gedacht, jemals solche Pracht auf einem Fernsehschirm erleben zu können. Gepaart wird das Ganze jedes Mal mit einer tollen Geräuschkulisse, die gerade bei Far Cry Primal noch mehr zur Stimmung beiträgt, da störende Autos, Fluggeräte oder Maschinen gänzlich fehlen. Wer sich hier auf das Spiel einlässt bekommt fast schon einen erholsamen Urlaub in der Natur serviert. Und das, obgleich es an jeder Ecke vor Gefahren nur so wimmelt. Vor allem in der der Anfangszeit wird euch dies recht schonungslos gelehrt, denn nur mit Speer und Fell bekleidet, seid ihr für viele der 80 integrierten Tierarten ein willkommener Appetithappen. Einmal konnte ich gar meinen Augen nicht trauen, als ein großer Adler vor meinen Augen eine komplette Ziege griff und mit dieser an den Krallen emporstieg. Ja, damals waren manche Tiere noch erheblich größer und so gab es zum Beispiel einen kräftigen Adrenalinausstoß, als mir eine große, wütende Mammutherde an den Fersen hing.
 
Far-Cry-Primal-neXGam-07Aber warum schaffte das Spiel es am Ende doch, meine Skepsis so in Begeisterung umzusetzen. Grafik und Sound alleine reichen da normalerweise nicht aus. Auch die toll in Szene gesetzte Geschichte mit den üblichen amüsanten Passagen vermochte noch nicht den letzten Zweifel zu beseitigen. Es war am Ende die Tatsache, dass das Schema Far Cry in Primal erstmals glaubwürdig erschien. Natürlich ist es wieder eine Sammelorgie. Aber diesmal macht genau das auch Sinn, da sämtliche Ressourcen permanent im Einsatz sind. Selbst abgefeuerte Pfeile und Speere sammelt man zügig ein, da für die Herstellung neuer Waffen, erst die Grundzutaten vorhanden sein müssen. Keine Kondome und was weiß ich, die man einsackt um sie in Geld zu wandeln. Hier gibt es keine Verschwendung und alles kann irgendwie gebraucht werden. Klar seid ihr wieder das „Mädchen für alles“, besorgt den Figuren was sie brauchen, helft ihnen wo es geht und begebt euch auf lange Wege, um euer Dorf aufzubauen. Im Gegenzug gibt es dafür neue Fähigkeiten, die erworben sein wollen. Und wenn man dann mit dem Zähmen von Tieren loslegen kann, ist das Überleben gerade in der Nacht doch deutlich sicherer. Weite Wege verlieren nach ein paar Stunden ihre Qual, da es auf eurem Renntaxi, äähm ich meine natürlich gezähmten Säbelzahntiger, doch erheblich einfacher und schneller voran geht. Und durch das rüber kopieren des tierischen Begleiters aus den Schangri-La Mission in Far Cry 4 zum permanenten Einsatz mit Angriffsbefehl, macht die Jagd auf Tier und Gegner noch mehr Spaß. On Top gibt es diesmal eine Eule, die am Ende neben Bienenstöcken auch Feuer oder Faulgiftbomben (aka Berserkergift aus Assassins Creed) abwerfen und die Feinde für Euch vorab auf der Map markiert.

Far-Cry-Primal-neXGam-47Ein dickes Lob gibt es zudem für die intensive Recherche, die Ubisoft jedes Mal an den Tag legt. Egal ob Fauna und Flora, Größe und Aussehen der damals ansässigen Tierarten oder den Kleidungsstücken und Waffen. Hier wird kein bisschen aus dem Hut gezaubert, sondern sorgfältig geprüft und hinterfragt, um dann ein authentisches Erlebnis auf die Beine zu stellen. Wenn ich dann lese, dass irgendjemand bemerkt haben will, dass man die Grundzüge der Flussverläufe aus Far Cry 4 kopiert hat, fällt mir manchmal nichts mehr ein. Natürlich nutzt man Ressourcen und teils vorhandene Tiere aus dem Vorgänger, aber ohne Satelliten wird das auf etlichen Quadratkilometern verteilte und selbstverständlich angepasste Flussdesign kein Mensch dieser Erde bemerken. Und einen orbitalen Beobachter gibt es weder in Far Cry 4 noch Far Cry Primal. Andere sind unzufrieden, dass sie ein Far Cry Spiel erhalten, obgleich doch Far Cry auf der Hülle steht. Sorry, aber da vergeht einem manchmal alles und man hat das Gefühl, das niemand mehr ohne die Suche nach einem Grund zu meckern, ein Spiel in das Laufwerk legen würde. Ist es wirklich so weit? Ich glaube nicht! Ich sage, wer die beiden Vorgänger mochte, wird Far Cry Primal lieben. Der Jägerblick, die Waffenupgrades, die Missionen und die Tierwelt ergeben einen soliden Guss, welcher noch nie so konsequent und schlüssig war, wie in Far Cry Primal. Der einzige Wermutstropfen ist die Frage, wie man dies nochmal hin bekommen will. Aber mit dieser Frage beschäftige ich mich, wenn es so weit ist. Ich habe nichts über den Inhalt erzählt? Stimmt - das sollt ihr auch schön selbst herausfinden, denn ich möchte keine der Überraschungen, besonderen Charaktere oder amüsanten Eastereggs vorab erzählen. So und nun viel Spaß im Lande Oros!


Userwertung
0 0 Stimmen
Wertung abgeben:
senden
Forum
  • von Yamazaki:

    Jo eine richtige Story gibt es in dem Sinner eher wenig. Hat mich aber auch nicht so richtig gestört.....

  • von bbstevieb:

    Gestern beendet, mit allen Achievements ausser 2 die mir zu zu zeitaufwendig wären (alle Skills upgraden und 80 Collectibles suchen). War ein netter Ableger des FC Franchises mit ein paar netten Ideen (bspw. Tiere zähmen, Eule, Dorf Upgrades). Insgesamt hat mir ein bisschen der FC typische...

  • von bbstevieb:

    Habe es jetzt ein paar Stunden gespielt. Hatte schon gehofft dass das Setting ein bisschen mehr Einfluss auf die bekannte Far Cry Formel gehabt hätte aber im Prinzip ist es OK. Einige der Ideen (z.B. Viecher zähmen, Siedlung aufbauen) sind auch nett und spassig. Nicht so richtig warm geworden bin...

Insgesamt 260 Beiträge, diskutiere mit
Follow us
Anzeigen
neXGam YouTube Channel
Anzeigen