Rock of Ages im Test

Xbox Live Arcade

Man nehme ein Lexikon und schlage den Begriff „Rock’n Roll“ nach. Dann nehme man einen Filzstift und streiche die dort zu lesende Definition durch. Man ergänze darunter: „Erklärung siehe ‚Rock of Ages‘“.

Rock_of_Ages_1Die alten Griechen waren immer kreativ, wenn es um die mythologische Bestrafung von Leuten ging, die den Göttern auf die Füße getreten sind. Mal wurden sie an einen Felsen gefesselt, damit Adler sich an ihrer immer nachwachsenden Leber erfreuten. Mussten im Angesicht üppiger Früchte und Wasser Hunger und Durst leiden. Oder waren gezwungen, wie im Falle Sisyphus, einen riesigen Felsen einen Berg hochzurollen, nur um mitzuerleben, wie jener kurz vorm Gipfel wieder herunterrollte. Und letztere Saga nutzen die Entwickler Ace Team, bekannt durch Zeno Clash, als Grundlage für ihr Spiel Rock of Ages.


Die Handlung ist schnell erzählt. Irgendwann hat Sisyphus genug und benutzt den Felsen um aus dem Hades, der griechischen Hölle, auszubrechen. Nun arbeitet er sich durch die Weltgeschichte und bekämpft andere historische Persönlichkeiten, die ebenfalls mit Felsen bewaffnet sind.


Rock_of_Ages_18Rock of Ages lässt sich schwer auf ein Genre einengen. Auf der einen Seite erinnert es an das Tower Defense Genre mit Spielen wie Castle Crashers oder Pflanzen gegen Zombies. In diesem Falle muss man sein Tor möglichst gut vor dem gegnerischen Felsen schützen. Aber andererseits ist es auch ein Geschicklichkeitsspiel, wenn man mit seiner Granit-Kugel einen kurvigen Hügel herunterrollt, versucht Hindernissen auszuweichen, um dann mit hoher Geschwindigkeit das gegnerische Tor zu zerschmettern.

Jeder Level ist in zwei Phasen aufgeteilt. In der Ersten wird der Felsen vorbereitet und man kann die Zeit damit überbrücken, indem man auf seiner Hälfte des Kurses Hindernisse, wie Kriegselefanten, Türme, explodierende Fässer oder Kanonen aufbaut. Wichtig ist es, den Gegner daran zu hindern, das eigene Tor eher zu erreichen, als man sein Tor erreicht. Und dabei auch gleichzeitig jeden möglichen Weg abzudecken. Ganz zerstören kann man die Kugel deines Feindes nicht. Es gilt zu bedenken, dass man nur ein begrenztes Budget zur Verfügung hat und es besser ist, noch ein wenig Geld für die zweite Phase überzubehalten.


Rock_of_Ages_22Denn dann ist Rollen angesagt. Man kann seinen Felsen vor dem Start noch aufrüsten, indem man ihm beispielsweise eine Rüstung verpasst oder in einen Feuerball verwandelt. Und dann geht es los! Parallel zu deinem Feind rollt man einen Hügel hinunter, versucht auf dessen Hindernisse zu reagieren und dabei nicht von der Strecke abzukommen. Zwar wird man wieder auf sie zurückgesetzt, doch kostet dies Zeit. Auch muss man aufpassen, von den gegnerischen Geschützen nicht getroffen zu werden. Sonst geht erst die Aufrüstung flöten und später auch noch die Kugel. Für jedes zerstörte Hindernis erhält man Geld, ebenso dafür, wenn das gegnerische Tor getroffen wurde. Und das wiederholt sich so lange, bis eine Partei gewonnen hat.


Leider muss man sagen, dass die Steuerung sehr fummelig geworden ist. Besonders dann, wenn es darum geht, Hindernisse aufzubauen ertappt man sich beim Fluchen, weil es praktisch unmöglich ist, direkt neben dem einen Turm einen weiteren zu setzen. Denn egal, wie fein man den Analogstick bewegt, man landet nicht direkt im angrenzenden Feld, sondern zwei, drei Felder weiter entfernt. Das nervt! Man kann auch nicht überall Hindernisse aufbauen, sondern nur in den speziellen, hellen Gebieten.


Rock_of_Ages_58Auch kann man das Gefühl nicht abschütteln, dass der Computer-Gegner den Weg schon kennt. Während man den richtigen Pfad erst während des Rollens finden kann, kennt der Rivale den besten Weg, den er zu nehmen hat. Das ist unfair und fördert die Entstehung von Frust.


Überall im Spiel gibt es goldene Schlüssel verteilt, mit deren Hilfe man im späteren Verlauf Level freischaltet. Ebenso begegnet man auch unregelmäßig Endgegnern, wie beispielsweise einem Drachen. Doch die sind einfach zu besiegen, wenn man nur auf das Pflaster zielt.


Wer darauf keinen Bock hat, kann sein Glück auch in zwei anderen Spiel-Modi ausprobieren. Je nachdem, welchen Level man schon abgeschlossen hat, stehen diese in den Anderen zur Verfügung. Dann heißt es entweder innerhalb kürzester Zeit auf einer Strecke ins Ziel zu kommen, oder im Skee-Ball-Modus eine möglichst hohe Punktezahl erreichen. Dazu muss man viele Zielscheiben zerstören und das Loch mit dem höchsten Multiplikator erreichen.


Rock_of_Ages_76Was man im Single-Player erleben kann, ist auch im Multiplayer-Modus möglich. Entweder via Split-Screen oder über Xbox Live kann man sich gegen einen menschlichen Gegner messen. Dies macht mehr Spaß, als wenn man sich alleine durchschlagen muss. Es ist schließlich ein Vergnügen, wenn man das Tor eines Freundes zerstört und miterleben darf, wie dessen Spielfigur wie ein Mädchen quiekt. Es ist ein Zeichen dafür, wie wenig ernst die Atmosphäre des Spiels ist. Die ganze Geschichte wird mit einem Augenzwinkern präsentiert. Anspielungen auf die Pop-Kultur und Videospiel-Geschichte gehören zum Alltag. Beispielsweise ein Vampir-Jäger, der sich mit einer Peitsche bewaffnet dem Schloss von Vlad Dracul nähert, nur um im letzten Moment von einem Felsen überrollt zu werden. Diese Komik zieht sich durch das gesamte Spiel. Dabei erinnert die Art und Weise der Animation an die bekannten Monty-Phyton Trickfilm-Sequenzen.


Rock_of_Ages_9Grafisch ist Rock of Ages sensationell. Die Entwickler haben sich für das Level-Design an verschiedenen Kunst-Epochen orientiert. Das antike Griechenland, das Mittelalter, die Renaissance, Roccococo und Goya waren die Inspiration für die unterschiedlichen Stages sowie den historischen Gegnern, mit denen man es zu tun hat. Die Musik ist treibend, jedoch nie nervend. Man hat das Gefühl, das sie zum jeweiligen historischen Umfelde passt. Es wurden anscheinend nur klassische Instrumente benutzt und zum Abschluss eines jeden Levels ertönt Mozarts „Dies Irae“.






Götz meint:

Götz

Rock of Ages ist ein gelungenes Geschicklichkeitsspiel. Das Spiel-Design mit dem Ziel, das gegnerische Tor zu zerstören, ist motivierend. Allerdings ist die Steuerung beim Aufstellen der Hindernisse sehr fummelig geworden. Und der Computer-Gegner weiß schon von vorneherein, welcher der perfekte Weg ist. Dennoch macht der Titel sowohl im Single- als auch im Multiplayer-Modus jede Menge Spaß, nicht zuletzt dank der sensationellen Grafik.

Positiv

  • Abgedrehte Spielidee
  • Lustige Anspielungen auf andere Games
  • Grafisch sensationell

Negativ

  • Fummelige Steuerung
  • KI Gegner kennt den Weg
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  • von Civilisation:

    Rock of Ages Man nehme ein Lexikon und schlage den Begriff „Rock’n Roll“ nach. Dann nehme man einen Filzstift und streiche die dort zu lesende Definition durch. Man ergänze darunter: „Erklärung siehe ‚Rock of Ages‘“. Zu unserem Test ...

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