Yakuza: Like A Dragon - Der Beginn einer neuen Ära im Test

Die Yakuza-Reihe hat es mit der auslaufenden Konsolengeneration endlich geschafft, auch außerhalb von Japan erfolgreich zu werden. Jeder war auf die neusten Abenteuer von Kazuma Kiryu, dem sogenannten Drago of Dojima gespannt, der wiederholt in die Angelegenheiten der Yakuza involviert wurde, um sich und die seinen zu schützen. Doch mit Teil 6 endete seine Geschichte. Und mit Like a Dragon, dem siebten Teil, beginnt ein neues Kapitel in der Serie.

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Der neue Protagonist hört auf den Namen Ichiban Kasuga. Und genau wie der frühere Hauptcharakter der Reihe geht auch er für eine Tat ins Gefängnis, die er nicht begangen hat. Er tut dies, um jemanden zu schützen, der ihm nahesteht. Womit allerdings die Parallelen zwischen den beiden Figuren aufhören.
 
Denn wo Kazuma ein stoischer, emotional eher verschlossener Typ war, ist Ichiban Kasuga komplett anders. Er ist sehr emotional, teilweise etwas naiv, aber fest davon überzeugt, dass er ein Held ist. Er sagt seine Meinung und wenn er das Gefühl hat, dass Leute unterdrückt oder in Gefahr sind, greift er ohne Rücksicht auf Verluste ein. Da er in einem Soapland, einer Art japanischem Freudenhaus aufwuchs, schlägt sein Herz vor allem für diejenigen, die am unteren Rand der Gesellschaft leben. Kurzum: Er ist der perfekte Heroe. Und durch seine chaotische Art und Weise wirst du ihn von Anfang an mögen.
 
Seine Geschichte wird spannend erzählt. Wie gesagt, geht er für seinen Boss Masumi Arakawa, für seine Familie in den Knast. Doch nachdem er 18 Jahre später wieder herauskommt, muss er feststellen, dass ihn anscheinend alle vergessen und sich die Dinge verändert haben. Seine Yakuza-Familie wurde von seinem Chef aufgelöst, der zu einer anderen überwechselte. Als er später diesen, zu dem er wie zu einem Vater aufgesehen hat, wiederfindet und konfrontiert, wird er von ihm angeschossen und wie Müll entsorgt. Von da an hat er das Ziel, herauszufinden, wieso sein Boss ihn und seine Familie verraten hat.
 

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Entwickler Ryu Ga Gotoku Studio haben den Protagonistenwechsel auch dazu genutzt, um allgemein das Gameplay der Yakuza Reihe umzukrempeln. Was sie vor allem veränderten, war das Kampfsystem. Vorbei die Zeiten des Live Action Brawlings mit seinen verschiedenen Stands, wo du den Charakter jederzeit kontrollieren konntest. Es lebe die Zeit des rundenbasierenden Gameplays, in dem du eine Aktion auswählst und dann auf den weiteren Verlauf kaum Möglichkeiten der Beeinflussung hast.
 
Die Notwendigkeit dieser Veränderung ergibt sich aus einer simplen Tatsache. Anstatt wie früher nur eine Figur zu steuern, lenkst du dieses Mal gleich die Geschicke einer ganzen Party. Richtig gelesen: Die Yakuza-Reihe macht einen weiteren großen Schritt Richtung Rollenspiel und baut eines der bekanntesten Elemente dieses Genres mit ins Gameplay ein. Du lenkst nicht nur die Geschickte von Ichiban. Sondern noch von bis zu sechs anderen Charakteren, von denen drei maximal aktiv mit in der Party sein können.
 
Und die Partymitglieder können unterschiedlicher nicht sein. Du hast den obdachlosen Krankenpfleger Nanba, der zum Pessimismus neigt. Den ehemaligen Polizisten Koichi Adachi. Oder die Leiterin einer Hostess-Bar, Saeko Mukoda. Jede der Charaktere ist verschieden, nicht nur von ihrer Geschichte, sondern auch von ihrer Persönlichkeit her.
 

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Dabei handelt es sich nicht um Abziehfiguren, sondern um lebendige Figuren. Was du merkst, wenn du mit ihnen gemeinsam Essen oder Trinken gehst. Und so kommt man ins Gespräch, was sich auch für die Party positiv auswirkt. Denn je besser das Band zwischen den Charakteren, desto mehr kann es passieren, dass sie im Kampf einen unterstützen, ohne selber gerade die aktive Spielfigur zu sein.
 
Gemeinsam mit diesen Figuren zieht Ichiban ins Gefecht. Und auch hier macht sich der starke Rollenspieleinfluss bemerkbar. Denn jeder Charakter hat zwei Leisten, einem TP, für die Lebensenergie und ein Mal MP, für die Skills. Damit sind besondere Angriffe gemeint, wie Tag Team-Attacken, wo alle aktiven Partymitglieder einen Gegner attackieren. Oder das beispielsweise Nanba ein Mitglied heilt. Auffüllen kannst du die verbrauchte Energie entweder damit, dass die jeweilige Figur im Level aufsteigt oder aber durch bestimmte Items, die du kaufen kannst.
 
Hier zeigt sich allerdings ein gewaltiges Manko, dass die Entwickler hoffentlich zum nächsten Teil in den Griff kriegen. Dadurch, dass du während eines Kampfes nicht kontrollieren kannst, wie sich die Charaktere bewegen, kann es leicht dazu kommen, dass die Figuren bestimmte Angriffsmöglichkeiten nicht nutzen. Es ist, wie du es auch aus den vorherigen Yakuza-Games her kennst, möglich, herumstehende Gegenstände im Kampf zu gebrauchen. Doch ist es zufallsbedingt, ob der jeweilige Charakter ein Objekt nutzt oder nicht, eben abhängig davon, wie er sich bewegt, bzw. ob beispielsweise ein Fahrrad zufälligerweise griffbereit in der Nähe ist.
 

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Die Geschichte mit all ihren Wendungen wird spannend und abwechslungsreich erzählt. Doch nicht minder vielfältig sind die zahlreichen Nebenmissionen, die du vorfinden kannst. Diese lassen sich anhand von Sprechblasen auf der Karte identifizieren. So hilfst du Leuten, die von der Yakuza bedroht werden. Lernst neue Skills. Oder machst eines der vielen spaßigen Minigames.
 
Denn von diesen gibt es, typisch für Yakuza, enorm viele. Mit Dragon Kart existiert ein Mario Kart-ähnliches Minispiel, wo du Ringe einsammelst und andere Fahrer rammst. Es gibt ein Immobilienminispiel, wo du dich gegen wütende Anleger mit Argumenten zur Wehr setzen musst, ähnlich wie Phoenix Wright. Und natürlich sind da auch noch die klassischen SEGA-Spiele, die mit eingebaut wurden. 
 
Und so läufst du durch die Straßen von dem Yokohama-Distrikt Isezaki Ijincho. Einem Stadtteil, der vor allem in der Nacht zum Leben erwacht. Du triffst Leuten, führst ab und an Gespräche mit Partymitgliedern und begegnest regelmäßig Gruppen von Gegnern, die du zum Glück schon auf der Minimap sehen und so ggf. ausweichen kannst. Falls nicht, kommt es zum Gefecht. Ein netter Effekt: Je nach Imagination von Ichiban verwandeln sich die Feinde.
 

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Allerdings ist es so, dass die Kämpfe höchst unterschiedlich ausfallen können. Es gibt solche Auseinandersetzungen, die gewinnst du locker. Entweder weil du wesentlich höherlevelig bist oder ein besseres Equipment hast. Und dann existieren solche Gefechte, an denen beißst du dir förmlich die Zähne aus. Wo jeder Sieg hart erkämpft ist. Das Problem ist, dass du nie im vorneherein sagen kannst, was dich erwarten wird.
 
Solltest du dennoch sterben, kannst du wiederbelebt werden. Das kostet allerdings InGame-Geld, japanische Yen, um genauer zu sein. Je nachdem, wie viel du bereit bist zu investieren, wirst du mit voller Lebensenergie wieder belebt oder darfst den Kampf so wiederholen, wie beim ersten Versuch.
 
Gegen Realgeld kannst du dir Boosterpacks oder Kostüme besorgen. Vor allem ersteres ist ärgerlich, weil die Yakuza-Reihe so etwas nicht nötig hat. Es wird zwar längst nicht so intensiv beworben, wie es bei Ubisoft teilweise der Fall ist. Aber man kann gut darauf verzichten.
 

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Was du nicht unterschätzen darfst, ist das Grinding in diesem Game. Es kann oft genug geschehen, dass du nicht weiterkommst, weil du erstmal ausreichend Geld erkämpfen musst, um neue Ausrüstungsgegenstände und Items kaufen zu können. Oder aber, um auf einem Level zu sein, mit dem sich die Gegner leichter besiegen lassen. Das sind dann die Augenblicke, in denen das Gameplay zum Stillstand kommt, bis du das Benötigte erlangt hast.
 
Grafisch ist Yakuza: Like A Dragon eine Wucht. Es gibt nur wenige Stellen, wo du schwammige oder grob aufgelöste Texturen vorfindest. Ansonsten sieht das Spiel fantastisch aus, besonders auf der Xbox Series X, wo es ein Launchtitel ist. Im Vergleich zu der auslaufenden Konsolengeneration lädt das Game wesentlich schneller und bietet opulente Lichteffekte, die einfach nur atemberaubend sind.
 
Musikalisch ist das Spiel ebenfalls nicht schlecht. Was die Sprachausgabe angeht, empfiehlt es sich schon allein aus atmosphärischen Gründen auf Japanisch zu wechseln. Da das Game in Japan stattfindet und detailliert die entsprechende Kultur wiedergibt, wäre alles andere eine Beleidigung für den Titel.
 
Für mich ist der Neustart gelungen. Yakuza: Like A Dragon ist ein famoses Game, dass von der ersten bis zur letzten Minute Spaß macht. Und wer sich nach den alten Haudegen sehnt? Die machen im Laufe des Spiels ein paar Gastauftritte. Nicht so viele, dass sie Ichiban und seinen Freunden das Rampenlicht stehlen. Aber immer noch ausreichend, um zu zeigen, dass sie auch nach dem Ende der Kazuma-Ära noch da sind.

 
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  • von CD-i:

    Oha. Bin Mal gespannt wie sich das auf die Serie auswirkt. Wobei ich natürlich nicht weiß wie viel direkten Einfluss er noch auf die Games genommen hatte

  • von 108 Sterne:

    Toshihiro Nagoshi hat SEGA verlassen. Das Ryu Ga Gotoku Studio hat nun eine neue Führung. ryu-ga-gotoku.com/studio/en/...

  • von Cormac:

    Ich bin jetzt mittlerweile im achten Kapitel und bin absolut fasziniert. Es passt einfach alles, der Humor, die Charaktere, besonders Ichiban, das Kampfsystem, die Nebenquests und die Hauptquest. Die Grafik auf der Series X ist beeindruckend gut, ich spiele im Performance Modus und es ruckelt nichts...

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