Destiny: Meinung eines Redakteurs

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Was bin ich froh, dass der Hype vorbei ist. Destiny ist endlich in den Verkaufsregalen angekommen und ich glaube, dass nach einigen Spielstunden Katerstimmung bei vielen Spielern entstanden ist. Denn sie werden wohl oder übel die Makel des 500 Millionen Dollar teuren Projekts entdeckt haben.

Destiny_6Zumal am Ende dieser Rechnung, die den Namen Destiny trägt, ein mittelmäßiger Ego-Shooter herauskommt, der wertungstechnisch wohl auch nicht zu den besten Werken der Firma Bungie zählt. Doch schaut man sich die zahlreichen Testartikel im Internet an, merkt man, dass bei diesem Game betroffene Fachleute gerne einen Bungie-Bonus einbauten, welcher natürlich manche Wertungen beflügelte. Ihr werdet euch fragen, wieso ich mir eine nüchternere Meinung bilden kann. Meine Person hat sich zum Launch, wie viele andere auch, auf den Weg gemacht, ein Hüter zu werden. Zuvor möchte ich aber berichten, dass ich mich absichtlich, was Informationspolitik bzw. Hype um das Game anging, heraushielt. Ich wollte mir die Chance geben, neutral an die Sache ranzugehen.

In den ersten Spielstunden standen viele Fragezeichen über meinem Kopf, was die Historie bzw. die Welt von Destiny betraf, da Bungie es von Anfang an verpasste, eine Geschichte zu erzählen. Für meinen Geschmack wurde mir zu oft eine Texteinblendung präsentiert, die darauf verwies, dass für mehr Hintergrundinformation die Bungie Website besucht werden soll. Waren die Entwickler zu faul oder hatten sie keine Zeit, um Storyfetzen in das Spiel zu streuen? Als Folge dieser Informationspolitik zeigt sich mir die Welt als unzureichend dargestellt und die wenigen Informationsfussel als nichtssagend. Gleichwohl die Programmierer versuchten, diese kleinen Häppchen so „episch“ wie möglich herüberzubringen. Als moderner Videospieler absolvierte ich natürlich auch die Halo-Serie und war erschrocken darüber, wie Destiny diesem spieltechnisch gleicht. Es fängt schon bei dem Protagonisten und seinem Sidekick, dem Geist, an, der wie Cortana nie von seiner Seite weicht. Gespräche, wenn sie denn mal stattfinden zwischen den beiden, sind genau wie bei Bungies einstiger Erfolgsserie kurz, damit der Hüter wie der Master Chief nichts von seiner Coolness verliert.

Destiny_4Aber das „Kopieren“ geht noch weiter. Von der Bildschirmanzeige (Stichwort Schutzschild) bis über die Wurfanimation von Granaten, dem Nachladen der Waffe sowie dem Handling wurde wohl der komplette Entwicklercode von Halo in Destiny eingebetet. Und vergessen wir nicht den Mehrspielermodus, der von Anfang bis Ende nach Halo „stinkt“. Doch dazu gleich mehr. Ihr dürft mich nicht falsch verstehen. Ich habe kein Problem mit Halo und mag dessen Spielgefühl. Ich finde es viel mehr erschreckend, dass man bei einem Budget von über 500 Millionen Dollar nicht in der Lage war, ein neues Spielgefühl zu schaffen. Dies wirft einige Fragen in mir auf. Können die Entwickler nur Games programmieren, die sich wie Halo anfühlen, oder hatte man zu sehr Angst, sich vom Altbekannten zu entfernen?

Das fundamentalste Problem ist aber, dass Destiny nicht weiß, ob es Fisch oder Fleisch sein möchte. Für einen „normalen“ Ego-Shooter sind das Missionsdesign und das Storytelling dürftig. Feuergefechte laufen nach folgendem Muster ab: Ihr landet auf einem Planeten und eure künstliche Intelligenz schickt euch zu Punkt A. Dort wird etwas gehackt, während ihr Wellen von Feinden abhaltet. Dann geht es zügig zu Punkt B, wo selbiges nochmal geschieht mit einem finalen Endkampf. So vollziehen sich 80 % der Storymissionen. Hinzu kommt noch die Austauschbarkeit der Gegner. Diese tauchen nämlich dank kurzer Respawnzeit schon nach wenigen Sekunden wieder auf, noch bevor ihr das Weite suchen konntet.

Für ein MMORPG bietet Destiny als Plattform ein zu verwässertes Bild. Die fabelhaften Welten sehen zwar optisch blendend aus und auch ihre Größe lädt zum Erkunden ein. Tatsächlich trifft man in den meisten Fällen auf leere Höhlen. Und wenn man doch mal auf eine Schatztruhe stößt, liegt größtenteils ein bisschen Geld drin. Im Turm, der letzten Stadt der Menschen, wo man alle Händler und dergleichen antrifft,  herrscht Belanglosigkeit, da besagte Shop-Eigentümer und NPCs wie blasse Abziehbildchen wirken. Eigentlich haben sie nichts zu sagen. Itemjagd und Charakterentwicklung steht bei einem MMORPG an oberster Stelle. Was ersteres betrifft, ist Destiny eine Ernüchterung, weil das Spiel einem zu wenig Items bzw. Waffen überlasst. Oft durchläuft man eine ganze Storymission und als Belohnung bekommt man am Ende nur ein paar abgelaufene Stiefel. Feinde lassen selten Loot fallen.

Destiny_1Der Skilltree glänzt auch nicht gerade durch Flexibilität. Die ersten Stunden gibt euch das Spiel vor, welche Fähigkeiten ihr entwickelt. Nach einer längeren Zeitspanne wird der Individualismus, was die Fertigkeiten angeht, ermöglicht, reizt aber nicht mal ansatzweise das aus, was möglich wäre. Das dritte Standbein von Destiny ist der Mehrspielermodus. Die sogenannten Strikes sind Koop-Abschnitte, die mit maximal drei Playern bestritten werden und am Ende in einem großen Endkampf münden. Diese machen ganz besonders mit Freunden Spaß, doch gibt es wieder zwei Knackpunkte. Das Klassensystem, für das ihr euch zu Anfang entscheidet, lässt kein Teamplay aufkommen. Charaktereigenschaften greifen nicht ineinander und außerdem wird das Wiederbeleben von Teamkollegen nicht belohnt. Das andere entscheidende Problem ist das Finale mit dem Endgegner. Dieser punktet mit einem laaaangen Energiebalken und einer dicken Haut. Hierdurch ziehen sich die Koop-Scharmützel hin und die immer wieder schnell spawnenden Feinde um euch herum machen die Sache zudem nicht einfacher.

PvPs werden im Schmelztiegel ausgetragen. Als Spielmodi stehen Kontrolle (Einnahme von Zonen), Konflikt (6 vs. 6 Team Deathmatch), Rumble (Deathmatch) sowie Gefecht (3 vs. 3 Team Deathmatch) auf der Speisekarte. Für Bungie, deren Steckenpferd der Mehrspielermodus darstellt, ist das erschreckend rückständig. Die 10 Mehrspielermaps könnten dank netter Scharfschützenpositionen auch „Campers Paradies“ heißen. Was das Spielgefühl hier angeht, sage ich nur: Halo lässt grüßen. Nicht vergessen darf man die Waffenauswahl, die für einen potenten Mehrspielershooter als „normal“ schon unter Bungies Niveau liegt.

Und am Ende frage ich mich jetzt selbst. Was ist Destiny? Eine neue glänzende Zukunft des Ego-Shooter-Genres? Nein! Ein wegweisendes Produkt, welches andere Programmierer für Jahre eine Inspiration wird? Nein! Meine Meinung hierzu ist sehr einfach: Destiny war eine dreistöckige Torte, die durch Erwartungen, Hype und vielleicht Selbstüberschätzung der Entwickler zu einem Pfannenkuchen gestaucht wurde.




Forum
  • von Nognir:

    also ich hab seit dem One X Update auch schon mal Destiny wieder angeworfen und hab nichts dergleichen gesehen. Kann es sein, dass vielleicht noch was von der Installation fehlt?

  • von cd32:

    Ich habe destiny auf der One vor Längerem durchgespielt. Mittlerweile auf Die One x upgegradet und alle Pakete wieder geladen (war ein digitaler Kauf damals), auch mein alter Charakter ist da. aber es kommt immer die Meldung es handelt sich um eine Demo-Version und das wird auch im Startbildschirm...

  • von Darkshine:

    Danke. Hatte ich mit der blöden Suchfunze nicht gefunden.

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