Paper Mario: Color Splash im Test

Nintendo Wii U

Intelligent Systems ist einer der wichtigsten Mitentwickler von Nintendo und vom selben Farb-Virus wie diese infiziert, anders kann man sich die momentane Affinität von Farben wie nun auch bei Paper Mario: Color Splash nicht erklären.

Paper_Mario_Color_Splash_4Wie in Splatoon ist Farbe das große Thema beim neusten Paper Mario. Während aber das eine einen flotten Mehrspielershooter darstellt, bleibt Intelligent Systems jüngste Arbeit weiterhin dem RPG-Genre treu. Die Geschichte spielt sich auf der Insel Prisma ab, wo aus unerklärlichen Gründen Farbsterne aus dem Regenbogen-Brunnen entnommen wurden und so das ganze Eiland langsam an Farbe verliert. In der Haut von Papier-Mario bekommt ihr auch schon früh euer wichtigstes Werkzeug in Form des Farbhammers in die Hand gedrückt. Diesen könnt ihr am besten dazu nutzen, um die farblosen Kleckse mit neuem Farbstoff zu füllen. Hierbei solltet ihr immer ein Auge auf euer Inventar werfen, denn das Bunte Mittel ist nicht endlos verfügbar. Auffüllen lässt sich dies meist indem ihr herumstehende Gegenstände in der Umgebung kurz mit dem normalen Hammer bearbeitet. Dank der Papiermechanik werden diese nur kurz geknittert und nehmen schnell ihre normale Form wieder an, spucken aber die wichtigen Farbsubstanzen aus.

Ein wichtiger Begleiter eurer Reise ist der Farbeimer Farbian, der euch auf der einen Seite immer wieder zur Seite steht, um neue Funktionen aufzuzeigen, oder euch storytechnisch in die richtigen Bahnen lenkt. Dieser ist leider auch eine kleine Nervensäge, weil er euch immer wieder unaufgefordert mit irgendwelchen Texten zumüllt, obwohl euch eine vorher beschriebene Funktionsweise von ihm schon mehrmals erklärt wurde, er aber glaubt, dass ihr aus Dumshausen kommt und ihr eine Vierfacherklärung benötigt. Immer wieder stößt er euch die Info an den Kopf, dass, wenn ihr mal nicht weiter wisst, ihr ihn doch um Rat fragen könnt. Tut ihr das dann mal, sind seine Anregungen meist so oberflächlich, das diese euch in sehr vielen Momenten der Geschichte einfach nicht weiter helfen.

 

Paper_Mario_Color_Splash_1

Paper Mario: Color Splash besitzt wie ein typisches Super Mario-Spiel eine Weltkarte, wo ihr vorher bereiste Gebiete wieder besuchen könnt. Das müsst ihr oft auch, weil euch an bestimmten Punkten entweder ein wichtiges Item fehlt oder ihr noch eine Funktion nicht gelernt habt, um die Geschichte weiter voranzutreiben. Doch oft werdet ihr Momente haben, wo ihr nicht weiter wisst. Diese Sackgassenmomente lassen sich immer wieder bei eurem Abenteuer finden und euer Begleiter Farbian ist dabei nicht immer eine Hilfe, diese zu lösen. Bedauerlicherweise hat Intelligent Systems die eigentliche gute RPG-Mechanik der Vorgänger weiter nach unten geschraubt und sie mit einem unkomfortablen Kampfsystem ausgerüstet. Levelaufstiege wie in klassischen RPGs sind hier sowieso kein Thema. Das einzige, was ihr ausbauen könnt, ist euer Farbvorrat. Dieser lässt sich erhöhen, indem ihr Hammersymbole einsackt. Gekämpft wird wieder rundenbasiert und mit einem Kartensystem, welches jeweils eine Aktion ausführt. Um an diese Karten zu kommen, solltet ihr immer wieder in Shops, um dort eure Goldmünzen gegen Karten einzutauschen. Kommt es zum Showdown wird ausgiebig der Tabletcontroller bedient und das leider in einer Art und Weise, die das Spielgeschehen arg verlangsamt.

Um erst mal eine Aktion auszuführen, müsst ihr auf dem Touchscreen eine Aktionskarte auswählen. Dazu blättert ihr mittels Finger oder Stift durch den Kartenstapel und wählt etwas aus. Ist eine Karte gezogen, könnt ihr sie verstärken, indem ihr sie einfärbt. Nach mehrmaligen Bestätigen, ob ihr auch wirklich sicher seid, das alles nach eurem Wunsch ist, müsst ihr die Aktionskarte in Richtung des Fernsehers schnippen, damit Mario auch die gewünschte Handlung vollführt. So verkommen Standardkämpfe die unter normalen Umständen nur wenige Sekunden dauern würden, zu minutenlangen rumgefummel auf dem Tablet-Controller. Da wünscht man sich als erfahrerner Rollenspieler eine vereinfachte Steuerung ohne Touchscreeneingabe. Leider sind die Scharmützel alles andere als Anspruchsvoll. Alle Attacken lassen sich Blocken bzw. man kann Ausweichen, wenn ihr das Timing der Feinde inne habt. Und selbst wenn die Gegner in der Überzahl sind, können sie nicht gerade mit Stärke überzeugen.

Paper_Mario_Color_Splash_3Was mir wiederrum sehr gefallen hat, ist, wie der Papierstiel immer wieder ins Gameplay mit einbezogen wird. Mittels einer Ausschneidefunktion lassen sich verborgene Wege in den Szenerien immer wieder freilegen, indem ihr auf dem Touchscreen die gestrichelte Linie ausschneidet. Ein kleines Manko bei diesem System ist leider das ihr sehr genau auf einem Punkt mit eurer Figur stehen müsst, damit die Ausschneidefunktion auch richtig funktioniert. Auch lässt sich das Terrain wie richtiges Papier immer wieder manipulieren. Papierbüsche fallen nach einem kurzen Hammerschlag um und bringen zum Beispiel verborgenen Münzen zum Vorschein oder ein zerknülltes Stück Papier, welches ihr vorher glatt streicht, kann als sinnvolle Brücke genutzt werden. Mein Tipp an euch: Egal was ihr seht, versucht mittels Aktionsknopf dieses zu manipulieren. Man weiss nie was dann passiert.

Abgesehen von der sehr farbenfrohen und für Wii U-Verhältnisse gestochen scharfen Papiergrafik sind die Konversationen, die ihr sowohl mit Freund und Feind führt, auf einem sehr putzigen und oft augenzwinkernden Niveau. Und was den Soundtrack angeht, habe ich seit langem keine so ausgezeichneten Ohrwürmer in einem Videospiel gehört.




 

Dominic meint:

Dominic

Paper Mario: Color Splash ist ein wilder Mix aus Frust und Spaß. Auf der einen Seite steht die zauberhafte Präsentation, der grandiose Soundtrack und die lustigen Konversationen. Dem Gegenüber ist das unkomfortable Kampfsystem, das nebenbei erwähnt, einen zu niedrigen Schwierigkeitsgrad besitzt. Und die sehr frustigen Momente, wo ihr einfach storytechnisch nicht mehr weiter kommt und euer Begleiter Farbian nicht kooperativ zu sein scheint. Unterm Strich ist Paper Mario: Color Splash der schwächste Vertreter einer guten RPG-Serie.

Positiv

  • Bunte Papiergrafik
  • Fantastischer Soundtrack
  • Witzige Konversationen

Negativ

  • Verkompliziertes Kampfsystem
  • Viele Sackgassen
  • Farbian oft nervig und wenig hilfreich
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5.8 9 Stimmen
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Forum
  • von suicider:

    Kann man eigentlich noch irgendwas freispielen wenn man 100% hat?

  • von Sirius:

    Habe es jetzt auch erstmal durch. Spielzeit ca 38 1/2 Stunden. Mit hat das Spiel sehr gut gefallen, deutlich besser als z.B. Sticker Star auf dem 3DS. Gab eigentlich wenig was wirklich genervt hat. Insgesamt schöne, abwechslungsreiche gestaltet Level. Viel Humor und Anspielungen. Das Kampfsystem...

  • von Civilisation:

    Dominic hat einmal tief in den Farbeimer geschaut. Paper Mario: Color Splash Intelligent Systems ist einer der wichtigsten Mitentwickler von Nintendo und vom selben Farb-Virus wie diese infiziert, anders kann man sich die momentane Affinität von Farben wie nun auch bei Paper Mario:...

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