Tales of Vesperia: Definitive Edition - Was für eine Geschichte!

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Im April diesen Jahres sind drei Jahre seit dem Release von Tales of Berseria, dem bis dato letzten Teil der Tales of...-Serie, vergangen. Es ist nicht die erste längere Pause, die diese populäre JRPG-Reihe einlegt. Und bis zur hoffentlich baldigen Ankündigung eines neuen Spiels erfüllt Publisher Bandai Namco den Herzenswunsch vieler Fans. Mit Tales of Vesperia Definitive Edition präsentiert man die Neuauflage des Titels, der als einer der Besten überhaupt empfunden wird.

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Das originale Tales of Vesperia hat eine interessante Veröffentlichungsgeschichte. Ursprünglich erschien es  2008 exklusiv für die Xbox 360. Erst ein Jahr später kamen auch Besitzer einer PS3 in den Genuß einer eigenen Version des Spiels. Diese war im Vergleich zur Vorherigen umfangreicher, da zwei zusätzliche Spielfiguren mitsamt ihrem Plot ins Gameplay eingebaut wurden. Trotz Anfragen zahlreicher westlicher Fans wurde diese Variante nie außerhalb von Japan releast.
 
Erst jetzt, 2019, ändert sich das. Tales of Vesperia Definitive Edition erscheint für alle gängigen Spieleplattformen, abgesehen natürlich vom 3DS. Sie basiert dabei auf eben jener PS3 Version.
 

Alles Blastia, oder was?
Die Welt des Spiels nennt sich Terca Lumreis. Die Bevölkerung der Welt besteht überwiegend aus Menschen, die in einer für sie lebensgefährlichen Umgebung nur deshalb überleben können, weil ihre Siedlungen hinter Barrieren liegen. Betrieben von sogenannten Blastias halten sie Monster fern. Diese Blastias existieren in vielerlei Art und Weise und können auch getragen werden.

 

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Yuri Lowell lebt in der Stadt Zaphia, in den unteren Vierteln, wo die arme Bevölkerung wohnt. Als eines Tages der Aqua Blastia Kern entführt wird, der es den Bewohnern ermöglicht den Wasserfluss des lokalen Brunnens zu kontrollieren, macht er sich auf die Suche nach dem Übeltäter. Die Spur führt ihn in den Palast, wo nicht nur sein Freund Flynn, der ein kaiserlicher Ritter ist, arbeitet. Ebenso trifft er dort auf Estellise, eine junge Frau, die allem Anschein nach adeligen Ursprungs ist und sich ihm anschließt. Schon bald wird klar, dass der Diebstahl nur die Spitze des Eisbergs ist, als die beiden in ein komplexes Geflecht aus Intrigen und uralten Plänen und Prophezeinungen geraten. Zu ihrem Glück sind sie nicht alleine, sondern lernen im Laufe ihrer Reise jede Menge Freunde kennen, wie zum Beispiel die junge Magierin Rita Mordio oder den undurchschaubaren Raven.
 

Sympathische Charaktere
Es sind die Charaktere, die damals wie heute Tales of Vesperia so spielenswert machen. Es ist eine Mischung aus klischeehaften Persönlichkeiten und Figuren, die eben nicht der Norm entsprechen. Es ist das wahrnehmbare Wachstum, dass die Protagonisten durchmachen. Es ist die Freundschaft zwischen der naiven Estelle und der burschikosen Rita. Es ist die Tatsache, das mit Yuri Lowell ausnahmsweise ein verhältnismäßig erwachsener Mann Hauptcharakter ist. Einer, der das Geschehen auf seine eigene sarkastische Art und Weise kommentiert und zu düsteren Taten fähig ist, die einem schier den Atem stocken lassen.

 

Wer damals Tales of Vesperia auf der Xbox 360 spielte, für den sind diese Figurenkonstellationen so gesehen nichts neues. Umso spannender die Erwartung daran, wie sich die neuen Charaktere ins Ensemble eingruppieren werden. Hier lässt sich die Definitive Edition Zeit. Bei beiden Protagonisten, sowohl dem kaiserlichen Ritter Flynn, als auch der Piratin Patty, dauert es lange, bis sie fester Bestandteil der Gruppierung sind. Ehe das geschieht, spannt das Game den Spieler förmlich auf die Folter, lässt sie immer wiederholt auftauchen und zeitweise spielbar sein, nur um sie anschließend erneut verschwinden zu lassen. Eine Vorgehensweise, die jedoch überzeugt, da auf diese Weise die neuen Figuren besser kennenzulernen sind. Allen voran Patty wird man auf Grund ihrer kindlichfreundlichen lockeren Art, wie sie mit allem umgeht, sofort ins Herz schließen.
 

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Wenn man für ein Gespräch anhält
Nicht unwesentlich zu dieser sympathischen Darstellung tragen die optionalen Dialoge bei, die beim Reisen durch die Welt auftauchen. Es erscheint regelmäßig ein Prompt in der linken unteren Ecke, wodurch auf Knopfdruck die gelungenen Gespräche ertönen. Diese sind zwar nur minimalistisch animiert, was aber in diesem Fall mit dazu beiträgt, dass sie einen gewissen Charme haben.

 
Im Gameplay wird eine Gruppierung von bis zu vier Personen erstellt und durchläuft so die Welt. Wiederholt tauchen Feinde auf, bei deren Berührung es in den Kampf übergeht. Innerhalb von Dungeons hat man dabei den Vorteil, dass mit Hilfe eines Rings Gegner betäubt werden können und ihnen so zeitweise ohne Gegenwehr Schaden zugefügt werden kann. Jedoch dauert diese Betäubungsepisode nie sehr lange, genauso wie es ebenfalls schwer ist, generell mit dem Ring zu treffen. Hier kommt es auf Präzisionsarbeit an, da nur wenige Millimeter Unterschied zwischen zwei Positionen dazu führen können, dass die Schüsse deutlich daneben gehen. Leider ist das eher Standard, als die Ausnahme. Ebenso gilt es zu kritisieren, dass die Oberfläche der Spielewelt bis auf die auftauchenden Monster und den vorhandenen Handlungsorten leer und öde wirkt.
 
Grinden für die Synthese
In den Städten sind die wichtigsten Orte, zu denen es einen wiederholt hinziehen wird, die Gaststätten zum Regenerieren von Energie, sowie die Händler. Bei Letzteren können Items aufgestockt, neue Waffen und Rüstungen gekauft oder synthetisiert werden. Dabei wird jenes im Verlauf des Spiels immer wichtiger, da die besten Waffen und Rüstungen nicht käuflich zu erwerben sind, sondern selbst produziert werden müssen. Um die für die Herstellung benötigten Objekte zu erlangen, wird der Spieler sich oft in bereits besuchte Gebiete begeben, um dort wiederholt gegen Gegner zu kämpfen, bis die benötigten Ingredienzien beisammen sind. Das artet natürlich in einem ziemlichen Gegrinde aus, da manche Bestandteile selten droppen.
 

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Das Kampfsystem besticht durch eine einfach erscheinende Komplexität. Die ersten Kämpfe bestehen daraus, dass im Prinzip auf die Feinde draufgeprügelt und anfallenden Schaden hingenommen wird. Auch die ersten Bosskämpfe fallen in dieses Schema. Irgendwann trifft der Spieler allerdings auf einen Boss, bei dem er das erste Mal sterben wird. Es gibt zwar Lebenstränke, doch können von diesen, ebenso wie von anderen Items immer nur je 15 Stück getragen werde. Zu diesem Zeitpunkt ist es noch möglich, sich irgendwie durchwursteln, bis nach ungefähr der Hälfte der Spielzeit festgestellt wird, dass es jetzt durchaus möglich ist, ebenfalls in normalen Kämpfen ins Gras zu beißen. Spätestens dann sollte der geneigte Gamer in sich gehen und herausfinden, was besser gemacht werden kann. So kann man zum einen die Artes, Spezialangriffe, deren Einsatz TP kostet, mehr einsetzen und so den Kombozähler in die Höhe treiben. Und die Fertigkeiten, passive Eigenschaften, die für gewisse Boni sorgen, sollten intelligenter ausgewählt werden. Doch das Wichtigste überhaupt ist, dass der Spieler lernen muss, rechtzeitig zu blocken, wodurch entstehender Schaden stark reduziert werden kann.

 

Intelligenz?
Die KI hinterlässt im Kampf einen gemischten Eindruck. Einerseits agieren sie erstaunlich gut und zeigen an, wenn sie Items anwenden wollen und für wen. Dann wiederum gibt es Momente, in denen sie entweder egoistisch vorgehen oder einfach nur dumm, in dem sie ihre TP regelrecht verpulvern, obwohl das unnötig ist. Immerhin lässt sich die Vorgehensweise der AI problemlos mitten im Kampf verändern.
 

Das die Grafik von der letzten Konsolengeneration stammt ist nur an Details zu bemerken. Ansonsten wurde die Darstellung sehr gut dem aktuellen Standard angepasst und läuft absolut flüssig. Auch wenn gerade viel auf dem Bildschirm los ist. Das liegt unter anderem an dem Animelook dieses RPGs, der das Merkmal dieses Games ausmacht.

 

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Viel zu hören!
Übrigens lässt sich hier auswählen, ob die Dialoge in Englisch oder Japanisch ertönen sollen. Beide Sprachausgaben sind mit auf der Disk. Das war in den früheren Versionen nicht der Fall und stellt eine gelungene Neuerung dar. Einige Figuren haben jedoch neue Sprecher erhalten, was einem allerdings nur dann auffällt, wenn man genau hinhört. Leider gibt es Passagen, in denen die Soundabmischung misslungen ist. Dann übertönen Hintergrundgeräusche die Sprache. Ansonsten kann die Musik überzeugen, da die Stücke auch heute noch gefallen. Vor allem das Openinglied geht einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf.
 
Tales of Vespera: Definitive Edition ist eine gelungene Frischzellenkur des Klassikers. Die Adaption ist insgesamt sehr gut geworden, auch wenn das Gameplay an sich ein paar Schwächen hat. Trotzdem ist dies eines der besten J-RPGs des aktuellen Jahres.



Forum
  • von Envy:

    Besten dank für die Antwort. Um den Partyleader zu ändern, musste ich erst ein Item synthetisieren. Was fürn blödsinn. Aber generell ist das Kampfsystem (primär die Bewegungen) extrem "hölzern". Kann mich garnicht erinnern, ob das bei Symphonia und Graces auch schon so übel war. ...

  • von Civilisation:

    Du kannst deine Party ja auch im Menü bearbeiten und so auch den Partyleader auswechseln. Damit müsste es möglich sein, die Kontrolle über eine andere Figur zu übernehmen. Ich weiß jetzt gerade nicht, ob du schon den Betäubungsring hast, mit dem man Feinde temporär lahmlegen kannst. Falls...

  • von Envy:

    Wahrscheinlich bin gerade nur zu blöd, aber ich habe einen größeren Gegener besiegt (Gattuso) und Yuri + Karol sind ko. Ich hab keinen Trank des Lebens mehr und irgendjemand bei Namco kam auf die Idee, dass nach erfolgtem Kampf die Figuren nicht wiederbelebt werden. Besteht die einzige...

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