Mit BioShock präsentierte uns 2K im Sommer 2007 einen der packendsten, atmosphärischsten First Person Shooter den die aktuelle Konsolen-Generation zu bieten hat. In BioShock 2 werden wir nun erneut nach Rapture geschickt um die Geschehnisse in der versunkenen Stadt aus der Sicht eines Big Daddy´s zu erleben! Was wir von dem maritimen Abenteuer halten lest ihr auf den folgenden Seiten…
Ein kleiner Rückblick… Als stummer Held strandeten wir in BioShock nach einem Flugzeugabsturz in der mysteriösen Unterwasserstadt Rapture und erforschten eine gefährliche, fremdartige Welt im Stil der 50er Jahre. Die einst schillernde, etwas an die versunkene Stadt Atlantis erinnernde Metropole am Meeresgrund wurde von Visionär Andrew Ryan erbaut, der sich damit den Traum eines Lebens ohne gesellschaftlicher oder kreativer Grenzen erfüllte. Unzählige Wissenschaftler, Künstler und Freidenker folgten Ryan´s Ruf und erschufen ein Utopia fernab der engstirnigen Gesellschaft an der Oberfläche. Forscher konnten endlich ihrer Arbeit nachgehen ohne Gedanken an Ethik oder Menschenrechte zu verschwenden und es entstanden Technologien von denen man „an Land“ nicht einmal zu träumen wagte. Dass ein Leben ohne Regeln und Gesetze auf Dauer aber einfach nicht funktionieren kann merkte Ryan erst als es bereits zu spät war! Die Bewohner Raptures verfielen immer mehr dem eigenen Wahnsinn, veränderten - Gen-Technik sei Dank - ihre Fähigkeiten und mutierten zu gewalttätigen Bestien, den Splicern. In Rapture begann ein Bürgerkrieg der einen Großteil der einst so stolzen Metropole in Schutt und Asche legte. Den Rest besorgte der Ozean, der sich die Stadt langsam aber sicher zurückholte! In BioShock 2 erwachen wir 10 Jahre nach Ryans Tod erneut in der Unterwasser-Metropole und machen uns als hünenhafter Koloss im Tauscheranzug - genauer gesagt Big Daddy - auf die Suche nach unserer Little Sister Eleonor, einem ganz besonderen Mädchen das sich in der Gewalt der neuen Herrscherin Raptures, Sophia Lamb, befindet!
Wie im ersten Teil werden wir mittels Funk-Anweisungen die wir von verschiedenen Verbündeten erhalten durch Rapture gelotst. Genau genommen besteht das Spielziel einfach darin die gesamte Stadt zu durchqueren um unsere Little Sister wiederzufinden! Als Big Daddy-Prototyp der Delta-Serie sind wir alles andere als ein emotionsloser Koloss… Unser Schicksal ist an das der Little Sister gebunden und sind wir zu lang voneinander getrennt schalten sich unsere Systeme ab. Um das zu verhindern müssen wir Elenore retten und Rapture nebenbei von der größenwahnsinnigen Sophia Lamb befreien! Was die Story angeht setzt 2K erneut voll auf Atmosphäre und präsentiert uns ein Erwachsenen-Märchen weit unter dem Meeres-Spiegel. Obwohl wir auf unserer Reise unzählige skurrile Charaktere treffen ist die Stadt Rapture der eigentliche Star des Spiels. Jede Wand, jeder Raum scheint eine eigene Geschichte zu erzählen die wir abseits der optischen Eindrücke anhand überall verteilter Funkaufzeichnungen miterleben dürfen. Dabei ist es sehr interessant zu erfahren was der Auslöser für das Handeln der einzelnen Charaktere war und wie sich Rapture im Lauf der Jahre verändert hat! Im direkten Vergleich zum Vorgänger fällt die Story zwar einen Tick schwächer aus, dafür überzeugen Ambiente und Charaktere erneut auf der ganzen Linie. Das Spielgefühl Rapture mit einem Big Daddy zu durchstreifen hat sich im Vergleich zum „Normalo“-Hauptcharakter aus BioShock auf den ersten Blick nicht großartig verändert. Zwar tragen wir einen gigantischen Bohrer am Handgelenk und fühlen uns ein klein wenig schwerfälliger, insgesamt fallen die Unterschiede – zumindest am Anfang des Spiels – aber eher marginal aus! So dauert es ein wenig bis das gewünschte Big Daddy-Feeling anhand Details wie der Möglichkeiten Little Sisters bei der ADAM-Ernte zu begleiten und Unterwasser-Spaziergänge zu unternehmen aufkommt! Die Rundgänge auf dem Meeresgrund haben zwar keinerlei spielerischen Nutzen und dienen nur dazu verschiedene Stadtteile Raptures miteinander zu verbinden, für die Atmosphäre sind die Ozean-Spaziergänge dank der meist eindrucksvollen Aussicht auf die versunkene Stadt aber förderlich.
Gameplaytechnisch hat sich seit BioShock ebenfalls kaum etwas getan, so durchstreifen wir erneut die unterschiedlichen und ineinander abgeschlossenen Bereiche Raptures, liefern uns packende Kämpfe mit Splicern und werten unsere Fähigkeiten auf. Was die BioShock-Serie von herkömmlichen First Person-Shootern unterscheidet sind die verschiedenen Fähigkeiten unseres Hauptcharakters die in Form von Plasmiden oder Tonica nach und nach erworben werden. Kommen wir als Erstes zu den Plasmiden die sich am besten als eine Art Magie-Attacken bezeichnen lassen! Natürlich gibt es in BioShock und BioShock 2 keine Magie im eigentlichen Sinne weshalb es sich eher um gentechnische Veränderungen handelt mit deren Hilfe wir zum Beispiel Feuerbälle nach unseren Widersachern werfen, sie per Elektroschock unter Strom setzen, kurzfristig vereisen oder ihnen Gegenstände mittels Telekinese gegen die Rübe schmeißen. Im Laufe des Spiels finden wir wie im Vorgänger haufenweise mehr oder minder nützliche Plasmide die neben den „normalen“ Schusswaffen gegen die mordlüsternen Splicer eingesetzt werden. Die meisten davon gibt es noch in verschiedenen Stufen, was ihre Wirkung dementsprechend verstärkt! Die linke Hand unseres Big Daddy´s ist ausschließlich für eben jene Spezial-Attacken reserviert zwischen denen auf Knopfdruck jederzeit gewechselt werden darf. Das ist auch von größter Wichtigkeit! Nicht alle Gegner reagieren gleich auf die verschiedenen Plasmid-Arten, weshalb es sich empfiehlt ausführlich herumzuexperimentieren. Die aus dem ersten Teil bekannten Spielereien wie ein Elektro-Stoß ins knietiefe Wasser der alle Widersacher darin erledigt oder das Anzünden von Öl-Pfützen zum „gemeinschaftlichen Grillen“ sind natürlich auch wieder mit an Bord und machen Spaß wie eh und je!
Plasmide dienen übrigens nicht nur zum schnöden Angreifen eines Feindes, für einige kleinere Ingame-Rätsel sind sie ebenfalls zu gebrauchen. So müssen zum Beispiel vereiste Barrieren mittels Feuerball beseitigt oder Hebel via Telekinese betätigt werden, der Anspruch der Denkaufgaben ist allerdings ziemlich niedrig ausgefallen. Im Grunde genommen dienen sie abseits des Kampfes nur dazu um in neue Bereiche Rapture´s vorzudringen die wir – ohne entsprechende Fähigkeiten – nicht erreichen könnten! Der Einsatz der verschiedenen Plasmide verschlingt EVE, was nichts anderes darstellt als das Mana im Spiel! Unter unserer Health-Anzeige befindet sich die EVE-Anzeige, wobei jede Verwendung eines Plasmids eine gewisse Menge EVE verbraucht. Ist der Balken leer bleibt nur die Möglichkeit uns die kostbare, blaue Flüssigkeit mittels einer hoffentlich in Reserve befindlichen oder zufällig herumliegenden EVE-Spritze zu injizieren. Ist gerade nichts zur Hand muss wohl oder übel auf die Spezial-Attacken verzichtet werden bis unser EVE-Vorrat wieder aufgestockt ist! Das sollte auch absolute Priorität haben, ohne Plasmide sind die Kämpfe gegen die meist im Rudel auftretenden Splicer nämlich kaum zu überstehen. Abseits der Plasmide finden wir das gesamte Spiel über unzählige Tonica die sich auf die Fähigkeiten unseres Big Daddys auswirken in dem sie ihn dauerhaft schneller und wendiger machen, seine Widerstandsfähigkeit steigern oder die Effektivität seiner Angriffe verbessern. Zudem sorgen manche der in verschiedenen Stufen erhältlichen Tonica für Vorteile beim Hacken - dazu später mehr - oder günstigere Einkäufe an den unzähligen Verkaufsautomaten. Auch Spezialfähigkeiten wie ein Elektroschock / Feuerstoß der automatisch abgegeben wird wenn wir von einem Feind getroffen werden oder die bereits aus Teil 1 bekannte, äußerst hilfreiche Möglichkeit mittels „Natural Camouflage“ unsichtbar zu werden sind mit von der Partie.
Neu sind Tonica welche beispielsweise die Produktivität unserer kleinen Schützlinge steigern oder für eine langsame, wenn auch stetige Regeneration der Eve- und Health-Anzeige sorgen, während wir im Wasser stehen. Für Shooter-Experten empfiehlt sich das sogenannte Headhunter-Tonikum mit dem gezielte Kopfschüsse noch mehr Schaden verursachen. Plasmid-Fans & Sammler setzen hingegen auf Tonica die für mehr Platz im Inventar sorgen oder den Eve-Verbrauch der einzelnen Attacken etwas reduzieren! Um Plasmide und Tonica zu erstehen oder zu verwalten gibt es zwei Arten von Automaten. Während an den so genannen Gatherer´s Garden-Automaten Plasmide, Tonica und freie Inventar-Slots gekauft werden dürfen dienen die Gen-Bank-Stationen dazu die neuen Fähigkeiten auszurüsten, auf die freien Slots zu verteilen und aktuell weniger sinnvolle Upgrades einzulagern. Trotz der eindrucksvollen Kräfte die damit freigesetzt werden können ist mit Plasmiden und Tonica allein aber kein Blumentopf zu gewinnen weshalb sowohl Schusswaffen als auch der Big Daddy-Bohrer absolut lebensnotwendig sind! Wie so oft gilt: Die Mischung machts – soll in diesem Zusammenhang heißen dass der Erfolg eines Angriffs sowohl von den Plasmid-Attacken als auch von der Zielgenauigkeit unserer Projektile abhängt. Am sinnvollsten ist es einen unaufmerksamen Widersacher erst mit einem elektronischen Schlag zu schocken oder ihn einzufrieren um dann mit der „Hardware“ in Aktion zu treten! Glücklicherweise verfügen wir neben unserem Bohrer der für den Nahkampf mit ausreichend Treibstoff versorgt werden will auch über eine Schrotflinte, eine Nieten-Pistole, eine Harpune, eine Minigun und einen Granat-Werfer zwischen denen komfortabel hin und her geschaltet werden darf. Wie im ersten Teil lassen sich die Waffen an so genannten Power to the People-Automaten aufrüsten und mit höhere Munitionskapazität, Durchschlagskraft und Features wie brennenden oder elektrisch aufgeladenen Projektile ausstatten. Jeder dieser recht seltenen Automaten darf allerdings nur einmal genutzt werden, weshalb es sich empfiehlt über sinnvolle Verbesserungen und Upgrades nachzudenken, bevor das entsprechende Knöpfchen gedrückt wird. Abseits der Technik ändern die Waffen nach und nach auch ihre Optik und sehen gegen Ende des Spiel zugegebenermaßen recht abenteuerlich aus.
Um wirklich gegen jede Splicer- oder feindliche Big Daddy-Gattung gerüstet zu sein gibt es für die Schießprügel auch noch unterschiedliche Munitionstypen die entweder gefunden- oder an einem Munitions-Automaten gegen Bargeld erstanden werden müssen! Interessant sind hierbei vor allem die Sekundärmunition der Nietenpistole und Harpune mit denen übermütige Feinde in Fallen gelockt werden können. Zu diesem Zweck wird ein Schuss der entsprechenden Munition an einem strategisch sinnvollen Durchgang platziert, der Einschuss erzeugt eine Elektrodraht-Falle oder Lichtschranke welche - sobald sie von einem Splicer durchbrochen wird - auslöst und dem Schurken einen Pfeil vor den Latz knallt. Komplett erledigen wird ihn das zwar nur in den seltensten Fällen, dafür wirkt es sich aber äußerst ungünstig auf seine Lebensanzeige aus. Alles was es jetzt noch braucht ist ein gezielter Schuss oder Schlag mit dem Bohrer und schon ist Ruhe! Insgesamt lassen sich genau so viele Fallen legen wie wir Munition dafür gesammelt haben, so ist es möglich ganze Räume komplett zu verminen was des Öfteren auch bitter nötig ist. Vor allem wenn wir mit einer Little Sister unterwegs sind um das für gentechnische Veränderungen und Upgrades benötigte ADAM zu sameln haben wir kaum eine ruhige Minute! Zwar sitzt das Mädchen meist stillschweigend auf unseren breiten Schultern, finden wir aber eine „saftige“ Leiche lassen wir die Kleine runter und sie macht sich mit ihrer Spritze an die Arbeit – widererwartend dauert es aber nicht lang bis die ersten Splicer auftauchen und versuchen Schwesterchen das ADAM abzuluchsen! Natürlich ist es unsere Aufgabe das zu verhindern und für die entsprechende Verteidigung zu sorgen bis das an einem sich füllenden Balken im HUD ersichtliche Abernten abgeschlossen ist. Danach haben wir entweder die Möglichkeit die Kleine wieder aufzunehmen und weiter nach der wertvollen Substanz zu suchen oder ihr das gesammelte ADAM für unsere eigenen Zwecke zu entreißen. Letzteres vernichtet die Little Sister allerdings, was für die weitere Zusammenarbeit nicht gerade förderlich ist!
Entscheiden wir uns dafür weiter auf ADAM-Suche zu gehen wiederholt sich das „Verteidige das Schwesterchen“-Spiel erneut. Nach insgesamt zwei Ernte-Vorgängen ist unsere Little Sister dann müde und muss zurück in ihr Versteck. Auch hier haben wir noch einmal die Möglichkeit der Kleinen entweder das ADAM abzunehmen und somit ihr Schicksal zu besiegeln, oder sie wohlbehalten ihn ihrem Schlupfwinkel abzuliefern. Dafür gibt es zwar nicht ganz so viel ADAM wie für das Abernten der Little Sister, im Gegenzug erhalten wir ab und an aber Geschenke in Form von Upgrades, Munition, Verbandskästen und - wer hätte das gedacht - ADAM. Um überhaupt an eine Little Sister zu kommen muss ihr bisheriger Big Daddy mit dem sie durch die Stadt zieht dran glauben, erst wenn der Koloss erledigt ist können wir die Kleine aufnehmen! Little Sisters sind im Grunde genommen der einzig lukrative Weg an das heiß begehrte ADAM zu kommen, abseits davon finden wir bei unseren Tauschspaziergängen auf dem Meeresgrund auch einmal eine ADAM-Schnecke oder verdienen es uns im harten Kampf mit einer Big Sister. Ihr habt richtig gehört, passend zur Little Sister hat es in BioShock 2 auch eine Big Sister ins Spiel geschafft, die uns aber alles andere als wohlgesonnen ist und unseren härtesten Widersacher darstellt. Sophia Lamb, die selbst erkorene Nachfolgerin Ryans, schickt uns die Biester in unregelmäßigen Abständen auf den Hals, meist dann wenn wir am wenigsten damit rechnen! Das Problem ist dass diese Kreaturen nicht nur verdammt fies aussehen, sondern dass sie auch wieselflink sind, an Wänden und Decken hin und her klettern und zu allem Überfluss auch noch Plasmide gegen uns einsetzen. Die Big Sisters sind äußerst zähe Gegner und die Auseinandersetzungen erschöpfen unsere Ressourcen meist ziemlich - als Belohnung winken immerhin etwas ADAM und einige wertvolle Ausrüstungsgegenstände die wir ihr nach dem hart erkämpften Sieg abnehmen dürfen.
Wie im Vorgänger dürfen alle Feinde erforscht werden um ihre Schwachstellen aufzuzeigen und so die Wirkung unserer Angriffe zu erhöhen. Zu diesem Zweck bekommen wir recht früh im Spiel eine Video-Kamera spendiert die sich während der Kämpfe auf Knopfdruck aktivieren lässt, allerdings ist das hin- und herschalten zwischen der Kamera und den Waffen samt unterschiedlicher Munitions-Typen zumindest bei der Schnellwechsel-Funktion etwas fummlig ausgefallen. Im Eifer des Gefechts wird so schon mal versehentlich ein falsches Projektil verschossen – hat man sich aber erst einmal daran gewöhnt das Spiel kurz zu unterbrechen um die Waffen oder Plasmide im entsprechenden Kreis-Menü auszuwählen ist auch dieses Problemchen schnell vom Tisch. Trotz gut funktionierende Steuerung und der enormen Angriffs-Stärke unsere Big Daddy´s ist BioShock 2 kein einfaches Spiel! Während der Schwierigkeitsgrad in der einfachsten Stufe noch einigermaßen harmlos daher kommt zieht das Niveau schon ab dem zweiten der insgesamt drei Dificulties merklich an und wartet mit größtenteils intelligenten Gegnern auf, die sich sehr agil bewegen, selbstständig in Deckung gehen und sich sogar - wie wir - an Erste Hilfe-Stationen heilen, sofern sie verletzt wurden! Dem entgegen wirken wir – abseits unserer Waffen und Plasmide - mit einem Hacking-Tool das es uns erlaubt die überall verteilten Health-Stationen, Sicherheitskameras, Geschütztürme und fliegenden Security-Roboter zu hacken und für unsere Zwecke einzusetzen! Um die Elektronik zu beinflussen zielen wir mit dem handlichen und im Spiel recht früh verfügbaren Tool auf den gewünschten Apparat und starten ein Mini-Spiel. Anders als in BioShock müssen wir dieses Mal aber keine Rohre verlegen – ihr wisst genau was ich meine ;-) – sondern anhand eines Reaktionstests einen auf einer Skala hin- und her schwingenden Zeiger im richtigen Moment anhalten.
Ist der Hack gelungen erhalten wir Rabatte und Geschenke an Verkaufsautomaten oder Health-Stationen und das Sicherheitssystem wendet sich gegen unsere Feinde. Dank der Sekundärfunktion des Hacking-Tools können auch weiter entfernte Geräte mittels Pfeilschuss „angezapft“ werden was vor allem in gut bewachten Räumen sinnvoll ist! Das Mini-Spiel an sich ist mit guten Reflexen zwar leicht zu meistern und kaum vergleichbar mit dem kniffligen Röhrchen-Spiel aus Teil 1, dafür pausiert das Spiel während des Hacking-Vorgangs nicht mehr und wir können jederzeit angegriffen werden. Der Vorteil im Vergleich zur alten Hacking-Methode besteht zweifellos in der Zeitersparnis! Wir erinnern uns… Im ersten Teil befanden sich nahezu an jeder Ecke und Ende Raptures Automaten, Systeme oder Tresore die manipuliert werden konnten, das hat sich zwar auch in BioShock 2 nicht geändert, dafür muss nun aber nicht jedes Mal das langwierige Röhrchen-Spiel in Kauf genommen werden. Befinden sich dann zusätzlich auch noch Auto-Hack-Darts im Inventar muss lediglich ein Knopf gedrückt werden um bequem an den Inhalt von Automaten oder Tresoren zu kommen! Um an gehackten, oder nicht gehackten Verkaufsautomaten einzukaufen oder Health-Stationen zu nutzen brauchen wir normales Geld das in Form von Dollars überall verteilt ist und nur aufgesammelt werden muss! Für Sammelwütige ist BioShock 2 ohnehin eine wahre Offenbarung - sei es in alten Registrierkassen oder Schränken, einfach auf dem Boden liegend oder in den Taschen eines erledigten Splicers, ständig finden sich kleine Schätzchen wie Dollar-Scheine, Munition, Eve-Spritzen, Konserven, Getränke, Zigaretten, Verbandskästen oder Öl-Kännchen für unseren Bohrer.
Besonders erwähnenswert sind hier die Genuss- und Lebensmittel, die sich merklich auf unsere Health- und Eve-Anzeigen auswirken! So füllt das Rauchen von herumliegenden Glimmstengeln und Trinken von Hochprozentigem oder Kaffee beispielsweise die Eve-Anzeige auf. Doch aufgepasst, im Gegenzug verlieren wir etwas Gesundheit und speziell der Schnaps sorgt bei übermäßigem Genuss kurzzeitig für Orientierungsprobleme und verschwommen Sicht. „Normale“ Lebensmittel wie Kuchen, Pep-Riegel oder Konserven versorgen uns dafür
mit einem kleinen Gesundheitsschub. Anders als die meisten Genre-Kollegen setzt BioShock 2 wie der Vorgänger auf einen Old School-Lebensbalken, hier ist nichts mit automatischer Regenration – ist der Balken leer heißt es Game Over und wir werden in einer nahegelegenen Vita-Chamber wiederbelebt. Auf Wunsch können diese allerdings ebenso abgeschaltet werden wie der kleine gelbe Orientierungspfeil der uns den Weg zum nächsten Zielpunkt weist. Solltet ihr euch wirklich dazu entschließen die Vita-Chambers abzuschalten denkt bitte daran regelmäßig manuell zu speichern, die automatischen Save-Points liegen nämlich recht weit auseinander und wer vergisst seinen Fortschritt regelmäßig zu sichern könnte unter Umständen eine böse Überraschung erleben! Abseits der gut 20stündigen Einzelspieler-Kampagne hat es auch ein Mehrspielermodus ins Spiel geschafft, der für unterhaltsame Online-Ballereien und Plasmid-Schlachten in sieben verschiedenen Spielmodi sorgt. Was die Modi-Vielfalt und Anzahl angeht gibt es hier zwar nichts was man nicht schon kennen würde, dafür sorgen vor allem die Fähigkeiten der verschiedenen Charaktere - die auch aufgewertet werden dürfen - für kurzweilige Matches. Als Big Daddy darf übrigens nur gespielt werden, sofern ihr dessen Taucheranzug irgendwo auf der Map findet. Der Multiplay-Modus wird als kleiner Prolog zum eigentlichen Spiel präsentiert und kann sich durchaus sehen lassen, an den Spaßfaktor der Solo-Kampagne kommt er allerdings nicht heran!
Optisch macht BioShock 2 einen tollen Gesamt-Eindruck! Die Grafik des ersten Teils wurde noch ein wenig aufgehübscht und die vielen neuen Bereiche Raptures wie etwa ein 50er Jahre Diner, ein Museum, eine Art Westernstadt, ein düsteres Waisenhaus und diverse Maschinenräume, Unterwasser-Bahnhöfe und Tunnelsysteme passen hervorragend zum Stil des Spiels. Die erzeugte Atmosphäre ist nahezu mustergültig und entfaltet ihre Wirkung dank gelungener Schock-Momente und Script-Sequenzen ausgezeichnet! Rapture selbst ist zwar nicht frei begehbar, dafür aber in sehr weitläufige Areale unterteilt in denen sehr viel Liebe zum Detail steckt. Kein Raum sieht aus wie der andere und die gesamte Stadt fühlt sich an wie ein gigantisches Horror-Kabinett. Die Wände sind meist blutüberströmt, überall liegen Leichen herum und man hat irgendwie ständig das Gefühl verfolgt zu werden, was dann nicht selten auch der Fall ist! An vielen Stellen der Stadt hat auch schon der Ozean gewütet - überflutete Bereiche, eindringendes Wasser oder bunt schillernder Algenbewuchs am Level-Inventar sind in BioShock 2 absolut keine Seltenheit. Abgerundet wird das Ganze von den bereits erwähnten gelegentlichen und sehr stimmungsvollen Unterwasser-Ausflügen bei denen wir die „schützende“ Hülle Raptures verlassen und uns am Meeresgrund fortbewegen. Hier bekommen wir zwar nur enge Level-Schläuche vorgesetzt, die Unterwasserwelt sieht aber klasse aus und bietet einen tollen Blick auf die Stadt. Bewohnt wird Letztere von den bereits aus dem ersten Teil bekannten Splicer-Arten, dazu kommen nun noch die Big Sisters, eine neue Big Daddy-Gattung und ein Brute Splicer der trotz vornehmer Blässe nicht von ungefähr an den Hulk erinnert! Die Animationen der einzelnen Figuren, sind sehr gelungen, dennoch hätten ein paar Polygone mehr nicht geschadet und auch die Umgebung ist nicht immer knackscharf texturiert.
Im Hinblick auf die optische Gesamt-Kulisse sind das aber Peanuts, zumal BioShock 2 trotz des teils enormen Gegner-Aufkommens und viel Action auf dem Bildschirm sowohl in der Xbox 360- als auch PlayStation 3-Version absolut flüssig läuft! Für Minderjährige ist der Titel übrigens nichts, es grenzt schon fast an ein Wunder dass die deutschte Version im Gegensatz zum Vorgänger absolut ungeschnitten erschienen ist! Das Blut spritzt nicht zu knapp, Feinde lassen sich via Harpune an die Wand pinnen oder mit dem Bohrer bearbeiten und welche Auswirkungen ein Feuerball auf das ohnehin schon böse entstellte Gesicht eines Splicers hat muss ich wohl kaum erklären – Zitat Little Sister: „Uuuui, Marshmellow“ ;-) Soundtechnisch ist BioShock 2 über jeden Zweifel erhaben! Die Synchronsprecher sind hervorragend besetzt und sorgen sowohl in der deutschen als auch in der ebenfalls auf der Disc enthaltenen englischen Sprachausgabe für ordentlich Stimmung. Herumlungernde Splicer singen oder reden wirres Zeug während ihre Fleischerhaken über den Boden kratzen, Little Sisters kichern und die donnernden Schritte der Big Daddy´s hallen durch die Gänge. Oft herrscht aber auch einfach nur Stille die urplözlich von furchteinflößenden Angst- und Schmerzensschreien durchbrochen wird! Zwischenzeitlich dröhnen typische 50er Jahre-Songs aus den krächzenden Lautsprechern einer Juke-Box oder eines alten Radios und die Kämpfe werden von kurzen aber intensiven Klängen und Geigen-Stücken begleitet. Was die Hintergrundmusik angeht hält man sich bei 2K vornehm zurück und setzt voll und ganz auf die atmosphärische Geräuschkulisse der Stadt selbst – eine absolut richtige Entscheidung!
Optisch kann man zwar nicht mit Grafik-Bomben ala´ Modern Warfare 2 mithalten, das ist aber auch absolut nicht nötig! Die Kreativität der Spielwelt ist ebenso wie die stimmungsvolle Akustik über jeden Zweifel erhaben, beim Gegner-Design hätte ich mir hingegen etwas mehr Abwechslung gewünscht. Neben den Big Sisters, einer neuen Big Daddy-Gattung und den Brute Splicern laufen uns eigentlich nur die bereits aus dem ersten Teil bekannten Kreaturen vor den Lauf. Nichts desto trotz macht es ordentlich Laune die Gegnerscharen mit Plasmiden und Feuerkraft aufzumischen, Little Sisters bei der ADAM-Ernte zu begleiten und jeden Winkel Raptures zu untersuchen. Trotz enthaltenem Multiplayer-Modus ist BioShock 2 nun mal ein Single-Player-Spiel, die Online-Schlachten im Mehrspielermodus sind dank Plasmid-Fähigkeiten zwar ebenfalls recht kurzweilig, neue Spielmodi oder Besonderheiten sucht man hier aber vergebens. Insgesamt ist BioShock 2 genau das geworden was ich erwartet hatte, ein absolut würdiger Nachfolger zu einem genialen Spiel. Kaufen!
Positiv
Negativ