| Genre: | Action-Adventure |
| Spieleranzahl: | 1 |
| Regionalcode: | PAL |
| Auflösung / Hertz: | - |
| Onlinefunktion: | - |
| Verfügbarkeit: | 27. Januar 1994 |
| Vermarkter: | Enix |
Wertung |
Auf der persönlichen Liste der Dinge, die unbedingt erledigt werden müssen, stand kürzlich noch ein Punkt unter vielen: Soul Blazer durchspielen. Irgendwie hatte es sich dieser Autor seit Jahren vorgenommen, doch nie umgesetzt. Wann immer er das Modul einlegte, erschien es schlicht zu langweilig: Durchschnittliche Optik, durchschnittlicher Sound, durchschnittliche Story (Du bist ein auserwählter Held bla bla). Doch manchmal ist es mit Games wie mit der Liebe - es knistert erst auf den zweiten Blick, dann aber so richtig ...
Grund für meine fehlende Euphorie war zunächst die Story: Es gibt einen Bösewicht (Überraschung!) und einen trotteligen König (ach nee!). Der Bösewicht Deathtoll überlistet den trotteligen König (...), erhält Macht über die Welt und lässt kurzerhand alles hübsche, nette, freundliche, gute verschwinden. Puff. Weg. Doch der „Meister“ im Himmel hat Einsehen und schickt ein Ein-Mann-Rettungskommando los. Genau, euer Part...
Entsprechend startet ihr in einem Portal, auf dem Weg nach Grass Valley. Nicht eine Maus ist noch dort zu finden, wo einst die Stadt stand. Ausgerüstet mit einem Schwert (später kommt noch Magie hinzu) macht ihr euch auf den Weg, um den nahegelegenen Dungeon von Deathtolls Schergen zu säubern. Diese Dungeons sind durch das gesamte Spiel recht linear und simpel aufgebaut. Und puzzlearm. Kein Vergleich mit z. B. Legend of Zelda. Jeder Dungeon verfügt über Monsterhöhlen, die Monster generieren. Hat eine bestimmte Anzahl an Monstern Bekanntschaft mit eurer Klinge gemacht, verwandelt sich die Monsterhöhle in einen Schalter, der Passagen / Schatztruhen zugänglich macht. Oder aber Lebewesen befreit und sie plötzlich wieder an ihrem Ursprungsort auftauchen lässt. So baut ihr quasi in Echtzeit die Stadt wieder auf, da nach und nach ihre Bewohner samt Häuser zurückkehren.
Dabei seid ihr nicht nur auf Grass Valley beschränkt, sondern durchreist im weiteren Spielverlauf per Portal noch weitere Orte der Welt, um sie wiederherzustellen. Originelle Spielidee. Weniger experimentierfreudig war man beim Kampf- / Levelsystem. Alle Kämpfe finden in Echtzeit statt. Soul Blazer ist folglich am ehesten mit Legend of Zelda & Konsorten zu vergleichen, besitzt aber seinen eigenen Stil. Für erledigte Gegner erhaltet ihr (wie könnt‘s anders sein!) Erfahrungspunkte (EXP), die bei ausreichender Zahl schließlich zum Level-up führen. Ergänzt wird das System durch die Magiefähigkeit, welche sich im Laufe des Abenteuers entwickelt, jedoch nie mehr als ein Schattendasein fristet. Für den Einsatz von Magie benötigt ihr außerdem Juwelen, welche wiederum getötete Gegner hinterlassen. Der Schwierigkeitsgrad ist allgemein recht niedrig, so dass auch ungeübte Spieler problemlos vorankommen. Dafür sorgen fair verteilte Speicherpunkte, an denen nebenbei kostenlose Heilung gespendet wird.
Klingt alles nicht so toll? Und doch hat Soul Blazer ein gewisses Etwas. Anfangs war ich unmotiviert, aber mit der Zeit änderte sich dies. Gameplay wie Story gewinnen an Tiefe. Später müsst ihr z. B. in Träume eintauchen und könnt über Taten dort neue Wege in der Realität freischalten. Außerdem beginnt das Spiel immer stärker menschliche Züge wie Gier und Geltungsdrang, aber auch Voraussicht und Liebe zu betonen. Etwa ab der Mitte des Spiels musste ich mich, Mr. unmotiviert, dann wirklich vom Controller loseisen, was nur schwer gelang. Soul Blazer kommt zugute, dass die Geschichte vollständig mit deutschem Bildschirmtext glänzt.
Überrascht war ich außerdem, dass Soul Blazer der erste Teil der Enix-Trilogie war, zu der auch Illlusion of Time und Terranigma zählen. So gibt es im Spiel immer wieder Querverweise - nicht nur, dass bei Soul Blazer und Terranigma die Wiederherstellung der Welt das Spielziel ist. Auch kleine Details sind identisch, so z. B. Firebird/Phoenix als ultimative Waffe. Oder ein Gegner-Sprite, der sich als „Mondvolk“ in Illusion of Time wiederfindet. Und Hund „Turbo“, der in allen drei Spielen auftaucht. Jeder Teil der Trilogie hat zudem eine gewisse düstere, melancholische Grundstimmung, was sie z. B. vom eher humorigen Secret of Mana abhebt.
Übrigens - wer sich schließlich bis zum Tempel Deathtolls durchschlägt und diesen besiegt, sieht zur Belohnung einen mehrminütigen, toll gemachten Abspann. Die Mühe lohnt sich! Er schreibt nicht nur die Story fort. Er regt auch zum Nachdenken an. Und hebt sich erfreulich von den stellenweise etwas banalen Dialogen während des Abenteuers ab.
Sebastian meint:
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Anfangs war ich unmotiviert, aber mit zunehmender Spielzeit fesselte mich Soul Blazer an den Controller. Man muss der Geschichte Zeit geben. Ich bereue es nicht, die ca. 30-40 Spielstunden bis zum Abspann investiert zu haben. Vielleicht eines der am meisten unterschätzten Action-Adventures auf dem SNES. Wer von klassischen 16-Bit Action-Adventures nicht genug kriegen kann, darf Soul Blazer jedenfalls nicht auslassen!
Positiv
Negativ