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Dance Central im Test

XboxXbox 360
Im Jahr 1998 erfand Konami das Genre der Tanzspiele und konnte sich dank der Endlos-Serie Dancing Stage, in Japan als Dance Dance Revolution bekannt, über klingelnde Kassen freuen. Doch obwohl das wilde Herumgehüpfe auf Sensoren extrem viel Spaß macht und auch Zuschauern immer wieder ein Grinsen aufs Gesicht zaubert, hat das Ganze mit Tanzen nur wenig zu tun. Das soll sich jetzt ändern. Dank Kinect ist die Konsolentechnik endlich weit genug, um wesentlich komplexere Bewegungen erfassen zu können, als es Tanzmatten jemals konnten. Gleich mehrere Entwicklerteams haben die Gunst der Stunde erkannt und schicken ihre Kandidaten ins Rennen. Neben Konami selbst haben auch die Überflieger von Harmonix einen Genrevertreter gebastelt. Ob es der Softwareschmiede, die bereits mit den frühen Guitar Hero Episode und der Rock Band Reihe eine Revolution ausgelöst hat, erneut gelungen ist, die Konkurrenz abzuhängen, verraten wir euch in unserem Dance Central Review.
Schon nach wenigen Minuten ist klar, dass hier niemand wild drauflos programmiert hat, sondern dass viel Zeit investiert wurde, um die Vorteile von Kinect sinnvoll zu nutzen und die Nachteile intelligent zu umgehen. Schon die Menüs sind angenehmer zu handhaben als bei allen anderen Kinect-Games der ersten Generation. Wer den Film Minority Report gesehen hat, wird sich bestimmt noch daran erinnern, wie Ober-Scientologe Tom Cruise die futuristischen Computer bedient hat. Ganz ähnlich funktioniert auch die Auswahl von Modi, Songs und Einstellungsmöglichkeiten bei Dance Central. Lediglich die Hand heben bis die gewünschte Option aufleuchtet und anschließend mit einer raschen Bewegung zur Seite bestätigen, das war auch schon alles. Genial einfach und einfach genial. Warum sonst niemand auf diese Idee gekommen ist, bleibt ein Geheimnis.

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Keine Sorge, Dance Central hat noch mehr Vorzüge als die Menüsteuerung. Auch das eigentliche Spiel funktioniert richtig gut, was für ein Kinect-Game ja leider nicht selbstverständlich ist, wie unsere bisherigen Testberichte zeigen. Dem Tanzspektakel liegt ein geniales System zugrunde, das Probleme wie die Verzögerung bei der Bewegungserkennung elegant umgeht. Durch das Einblenden sogenannter Flashcards am Bildschirmrand, wird der Zocker immer rechtzeitig auf die nächsten geforderten Bewegungen vorbereitet. Gleichzeitig helfen virtuelle Vortänzer dabei, die Schritte und alle weiteren Verrenkungen stilsicher auszuführen. Es war eine gute Entscheidung, die Figuren nicht alles nachahmen zu lassen, was der Mensch vor der Konsole tut. Die insgesamt acht Damen und Herren tanzen perfekt und sind daher eine wichtige Orientierungshilfe. Dance Central erbringt den Beweis, dass Kinect durchaus dazu in der Lage ist, auch komplexe Bewegungsabläufe und unterschiedliche Körperhaltungen korrekt zu interpretieren. Der “Aha!-Effekt“ ist groß, wenn plötzlich klar wird, dass die bemängelten Fehler tatsächlich auf menschliches und nicht auf technisches Versagen zurückgeführt werden können. Oft genug stellt der Zocker mit Erstaunen fest, dass ein Seitenschritt zu klein war oder eine Hand nicht hoch genug in die Luft gehoben wurde, um eine perfekte Wertung zu erhalten. In seltenen Fällen haben die Sensoren zwar auch bei Dance Central Aussetzer, aber es wird nie so schlimm, dass der Spielspaß leidet.

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Jeder der enthaltenen Songs ist in drei Schwierigkeitsgraden verfügbar. Ein Großteil der Menschheit wird irgendwann auf dem mittleren Niveau ankommen und es auch nie wieder verlassen. Um einen Tanz auf höchster Stufe zu überstehen sind neben Beweglichkeit auch viel Ausdauer und ein gutes Erinnerungsvermögen nötig. Nicht nur die einzelnen Aktionen werden komplexer, auch die Wechsel zwischen ihnen kommen in deutlich kürzeren Abständen. Eine hohe Platzierung auf den Online-Highscorelisten ist also eigentlich nur möglich, wenn die gesamte Choreographie aus dem Gedächtnis abgerufen werden kann. Wenn dieser Punkt erreicht ist, dürfen die vollkommen Bekloppten übrigens die Flashcards ausblenden, was der bei anderen Musikspielen weit verbreiteten Kunstform namens “Mit dem Rücken zum Bildschirm zocken“ gleichkommt.

Obwohl es auf den ersten Blick so aussieht wie ein echter Partykracher, ist Dance Central nur bedingt dazu geeignet, einen ganzen Raum voller Zock-Gäste zu unterhalten. Es gibt keinen echten Multiplayer-Modus, da immer nur die Bewegungen eines einzelnen Menschen bewertet werden. Natürlich ist es trotzdem möglich mitzumachen, aber mehr als eine kleine Belohnung in Form eines Achievements gibt es nicht, wenn zwei Personen gleichzeitig vor den Bewegungssensor treten. Statt direkten Duellen gibt es also nur Highscore-Vergleiche. Da grenzt es schon fast an Betrug, “1-2 Spieler“ auf das Cover zu schreiben und das Ganze “Battle-Mode“ zu nennen. Das zweite große Problem ist der Schwierigkeitsgrad, der es verhindert, dass Neulinge und Gelegenheitszocker direkt einsteigen können. Selbst auf dem niedrigsten Level ist es nicht ratsam, einen Song ohne Training in Angriff zu nehmen. Nur wenn die angezeigten Flashcards innerhalb von Sekunden richtig gedeutet werden, kann eine gute Punktzahl erreicht werden. Da es mehrere hundert Stück dieser Objekte gibt, ist die Übungsrunde praktisch vor jedem neuen Lied Pflicht. Nur wenn es gelingt ein paar Freunde um sich zu versammeln, die dazu bereit sind etwas mehr Zeit zu investieren als bei Musikspielen normalerweise nötig, lässt sich mit Dance Central ein spaßiger Abend gestalten.

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Früher oder später wird bestimmt jemand kommen und darüber meckern, dass Dance Central nicht den gleichen Effekt hat wie ein Besuch in einer Tanzschule. Was sich Kritiker bei solchen Aussagen denken (oder ob sie überhaupt denken), ist unbekannt, aber sie werden nicht müde zu betonen, dass ein Fitnesscenter mehr bringt als Wii Fit, dass ein echtes Fußballspiel anstrengender ist als eine Partie FIFA und dass Zombies sich niemals über die ganze Welt ausbreiten könnten, weil sie viel zu langsam sind. Es stimmt, mit Dance Central kann die hohe Kunst des Tanzens mit all ihren Feinheiten nicht erlernt werden. Es ist aber ein richtig gutes Spiel, das Rhythmuslegastenikern und Bewegungsphobikern ein wenig bei ihren Problemen helfen kann. Es hat sich gelohnt, dass professionelle Choreographen engagiert wurden, um die Songs mit passenden Moves zu unterlegen. Das Ergebnis sind Performances, die auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad recht nah an dem sind, was es auch in Musikvideos zu sehen gibt. Nicht wirklich geeignet für den nächsten Discobesuch, aber in den eigenen vier Wänden sehr unterhaltsam.

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Wenn das Verbrennen überschüssiger Kalorien der Hauptgrund für den Kauf von Kinect war, ist die Anschaffung von Dance Central ein logischer nächster Schritt. Das Game ist extrem anstrengend, da während eines Songs der gesamte Körper ständig in Bewegung ist. Obwohl hier keine einzelnen Problemzonen trainiert werden können, wie es mit den diversen aktuelle Xbox-Fitness-Programmen möglich ist, wird relativ schnell klar, dass Tanzen eine ernstzunehmende und schweißtreibende Sportart ist. Wer dafür neben nassen Klamotten weitere Beweise benötigt, kann den Workout-Modus aktivieren und die verbrannten Kalorien zählen lassen.
Ein besser gefülltes Hauptmenü hätte dem Spiel nicht geschadet. Wer sich schon mal durch eine komplette Rock Band Karriere gesungen, getrommelt oder gegitarrt (das Wort lasse ich mit Copyright schützen) hat, weiß wie motivierend so etwas sein kann. Leider wurden Dance Central keine lustigen Zwischensequenzen spendiert und auch sonst geizt das Game mit Überraschungen. Nun gut, Break It Down ist eine interessante Spielvariante, die weit über das hinaus geht, was ein normaler Trainingsmodus zu bieten hat, aber davon abgesehen, gibt es außerhalb der regulären Tanzeinlagen nicht viel zu entdecken. Auch Workout ist eher eine Zusatzfunktion als eine Alternative zum Standard-Modus. Xbox Live wird lediglich für Bestenlisten und als Shop für Downloads genutzt. Momentan ist übrigens noch recht wenig Nachschub verfügbar. Dance Central spielt in einer anderen Liga als Rock Band und darum wäre es auch verwunderlich, wenn eines Tages mehr als 1.500 Songs aus den Tiefen den Internets gezogen werden könnten. Aber es dürfte auch hier gern etwas mehr sein!

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Die Angestellten im Hause Harmonix wissen nicht nur was gutes Gameplay ist, sie haben auch viel Ahnung von Musik. Das haben sie in den vergangenen Jahren mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Statt einfach den Massengeschmack zu bedienen, werden die Songs für Guitar Hero und Rock Band schon immer nach deutlich sinnvolleren Kriterien ausgewählt. Sie müssen zur Spielmechanik passen und möglichst abwechslungsreich sein. Auch bei Dance Central zeigt diese Methode Wirkung. Jeder der 32 auf der Disc enthaltenen Songs ist gut tanzbar und es sind viele unterschiedliche Stilrichtungen vertreten. Von Hip Hop über House bis hin zu eingängigen Pop-Melodien ist fast alles zu finden, was auch in der realen Welt Menschen auf die Tanzflächen lockt. Aktuelle Superstars, legendäre Bands der Vergangenheit und Geheimtipps geben sich die Klinke in die Hand. Durch gut platzierte und herrlich übertriebene Voice-Sampels und andere Soundeffekte wird die Stimmung weiter angeheizt. Verbesserungspotential ist aber dennoch vorhanden. Zwischen Rihanna, den Beastie Boys, Kool & the Gang und den vielen anderen Künstlern wäre durchaus noch Platz für ein paar gewagte Experimente. Es wäre sicherlich lustig gewesen, ein paar Square Dance Schritte zu Country Musik aufs Parkett zu legen oder bei Heavy Metal Hymnen die berühmte Teufelshörnergeste zu präsentieren. Selbst Standard-Tänze könnten lustig umgesetzt werden, wenn sie ohne Partner geübt werden. Aber wer weiß, eventuell werden die entsprechenden Songs irgendwann als Download nachgeliefert. Das Potential ist jedenfalls vorhanden.

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Auch grafisch wird viel geboten. Die virtuellen Tänzerinnen und Tänzer sind sehr gut animiert und im Hintergrund ist ebenfalls immer etwas los. Ob in der Discothek oder auf einem Hinterhof, das Publikum ist anwesend und feuert die Rhythmus-Akrobaten an. Die Lichteffekte wissen zu gefallen. Besonders gelungen ist, dass aufleuchtende Körperteile und Symbole auf dem Boden wichtige Hinweise zu fehlerhaften oder besonders gelungen Bewegungen liefern. Trotz des kleinen Effektgewitters bleibt die Übersichtlichkeit erhalten, was für ein Game dieser Art extrem wichtig ist. Die Flashcards sind gut erkennbar und auch die aktuelle Bewertung kann dank der inzwischen bekannten Sternsymbole jederzeit im Auge behalten werden.

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Tim meint:

Tim Im Gegensatz zu vielen anderen Entwicklerteams hat Harmonix die Kinect-Hardware schon zum Start gut im Griff. Dance Central kitzelt eine Menge Spaß aus dem Xbox-Zubehör, was vor allem an der gut durchdachten Steuerung liegt. Wer sich gern zu Musik bewegt, wird den Kauf kaum bereuen. Genau wie einige der Konkurrenztitel zeigt auch Dance Central, dass eine neue Ära der Tanzspiele begonnen hat, in der endlich der ganze Körper eingesetzt werden muss, um gute Ergebnisse zu erzielen. Für welchen der aktuellen Genrevertreter das schwer verdiente Geld hingeblättern werden soll, hängt stark vom persönlichen Geschmack ab. Konamis Dancing Evolution orientiert sich beispielsweise immer noch recht stark an den früheren Tanzmattenspielen, während Dance Central versucht noch einen Schritt weiter zu gehen und deutlich komplexere Aktionen fordert. Für mich setzt sich das schweißtreibende Spektakel damit an die Spitze des neuen Trends, obwohl noch viel Raum für Verbesserungen vorhanden ist. Mehr Modi und echte Multiplayer-Funktionen könnten Dance Central 2, das mit Sicherheit kommen wird, eine noch höhere Wertung bescheren als dem Erstling.

Positiv

  • sehr gute Bewegungserkennung
  • viele Moves und gute Songauswahl
  • anstrengend und trotzdem spaßig

Negativ

  • kein echter Multiplayer
  • (noch) wenig Download-Songs
  • nicht genug Modi
Userwertung
8.9 1 Stimmen
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