F1 2010 im Test

PlayStation3Xbox 360

Laut Executive Producer Gavin Raeburn ist F1 2010 nicht weniger als das „beste F1-Spiel aller Zeiten“. Ob Gavin damit Recht behält?

Aufgrund eines Exklusivvertrages war die Formel 1 Lizenz die letzten Jahre fest an Sony gebunden. Inzwischen hat sich die Lage geändert und F1 2010 liegt für Xbox 360, PlayStation 3 und PC in den Händlerregalen. Auf welcher der beiden Traumkonsolen das Rennspiel technisch die Nase vorn hat, verraten wir euch am Ende unseres Artikels. Nintendo Wii Besitzer gehen dieses Jahr übrigens leer aus und müssen nach wie vor mit dem technisch wie spielerisch sehr soliden Formel 1 2009 Vorlieb nehmen.


f1_2010_20.pngAusgestattet mit der exklusiven Lizenz der Formula One Administration Limited, enthält F1 2010 alle offiziellen Fahrer, Teams und Strecken der 61. FIA-Formel-1-Weltmeisterschaft. So dürft ihr euch neben einem Wiedersehen mit Michael Schumacher auf Kurse wie den Korean International Circuit, Circuit Gilles Villeneuve sowie den Hockenheimring freuen. Die 19 Rennstrecken sehen ihren realen Vorbildern dank Codemasters EGO Technology Plattform verblüffend ähnlich und sorgen - wie beispielsweise der Monaco-Stadtkurs - für heruntergeklappte Kinnladen.

 

Das Codemasters dabei auf CAD Daten und umfangreiche Referenzfotografien zurückgegriffen hat, merkt man dem Spiel unmissverständlich an. Nicht weniger eindrucksvoll sind die detailgetreuen Formel 1-Rennboliden, die knackig-scharf texturiert sind und sich aus unzähligen Polygonen zusammensetzen. Dass sich die komplette Umwelt auf ihrem Lack spiegelt, versteht sich von selbst. Neben der bekannten Cockpitperspektive, bei der etwas mehr Fahrgefühl rüberkommt, überzeugt speziell die „Über dem Helm“ Kamera. Bereits hier kommt das Spiel recht nahe an eine TV-Übertragung ran. Dies gilt auch für die rasant zusammengeschnittenen Wiederholungen.


f1_2010_22.pngBesonders tückisch und äußerst beeindruckend ist das authentische Wettersystem: Spielt ihr den Karrieremodus, entspricht das Wetter exakt den realen Bedingungen. Dies ist schön zu erkennen, wenn sich der Himmel in Echtzeit langsam verdunkelt und dicke, schwarze Gewitterwolken aufziehen. In der voll animierten Boxengasse dürft ihr allerdings kurz vorausplanen: Der Bordcomputer zeigt nicht nur Details wie die Live-Zeiten der Konkurrenten, Datum, Temperaturanzeige oder das momentane Fahrzeug-Setup, hier werden auch die aktuellen Wetterdaten abgerufen. Apropos Witterungseffekte: Die Regenfahrten in F1 2010 gehören mit ihren Effekten (aufgewirbelte Gischt, Tropfen auf dem Visier, spiegelnder Asphalt) zum Besten, was man bislang in einem Rennspiel bestaunen durfte! Die Blendeffekte und Reflexionen auf den Rennpisten bei schönsten Sonnenschein stehen den Regenfahrten in nichts nach.

 

f1_2010_24.pngDas Handling und Fahrgefühl wurde schön von dem erfolgreichen britischen Entwicklungsstudio umgesetzt: Die Steuerung via Gamepad oder Lenkrad ist sehr direkt, lässt sich jedoch in nahezu allen Bereichen (bis auf die Vibrationseffekte) einstellen. Schaltet ihr Fahrhilfen wie ABS, Bremshilfe und Traktionskontrolle hinzu, kann so gut wie jede Kurve mit vollem Lenkeinschlag und mit ordentlich Gas genommen werden. Mit ausgeschalteter Traktionskontrolle führt dies mitunter zu unschönen Drehern. Ferner machen Bodenwellen und Curbs das 800 PS starke Monster schnell nervös. Dafür habt ihr eine reelle Chance vorne mitzufahren, egal mit welchem Auto und egal auf welcher Schwierigkeitsstufe.

 

Optional aktiviert ihr die aus Forza 3 bekannte farbige Ideal-/Bremslinie oder nutzt das inzwischen unverzichtbare Rückspul-Feature. Insgesamt ist Codemasters mit F1 2010 den goldenen Mittelweg gegangen. Die Mischung aus Arcade und Simulation dürfte Casual wie Core Gamer gleichermaßen fordern.

 

f1_2010_18.pngDas Herzstück von F1 2010 ist der umfangreiche Karriere-Modus, den ihr entweder in drei, fünf oder sieben Jahren als Jungspund bestreitet. Hier gilt es bestimmte Bedingungen zu erfüllen, euer Team zu managen und Verträge abzuschließen. Eine fesche Agentin steht euch beratend zur Seite. Vor- und nach den Rennen gebt ihr Interviews, die stets nach dem gleichen Muster ablaufen und sogar Auswirkungen auf euren Ruf haben.

 

Ein tolles Teamgefühl entsteht durch das rege Treiben in der Boxengasse. Hier arbeitet ihr eng mit den lebensecht animierten Ingenieuren zusammen. Tüftler werden hier ihre wahre Freude an den zig Einstellungsmöglichkeiten haben und nehmen Änderungen an Aerodynamik, Aufhängung, Bremsen, Getriebe, Motor und Reifen vor. Alternativ steht ein fertiges Setup zur Auswahl.

 

f1_2010_19.pngDie Rennen laufen komplex ab: So spielt der Windschatten wie auch die korrekte Temperatur der Bremsen, Reifen und des Motors eine wesentliche Rolle. Kommt ihr von der Strecke ab, fressen sich winzige Kieselsteine ins Reifenprofil. Das schaut nicht nur toll aus, sondern wirkt sich auch auf den Grip aus. Mittels Boxenfunk erhaltet ihr Feedback über die eigene Leistung und die aktuellen Geschehnisse. Über das Strafsystem lässt sich streiten: Überdurchschnittlich häufig wird der Spieler zur Verantwortung gezogen, wenn die übermäßig aggressive KI völlig unerwartet und ohne Grund von hinten anrempelt.

 

Die Präsentation in F1 2010 ist gut aber keineswegs perfekt. So gibt es weder Siegerehrungen, Grid-Girls oder ein Safety-Car. Ein klares Atmosphäre-Minus. Weiterhin schlummern auf der Disc ein Grand Prix- sowie ein Time-Modus. Im Grand Prix-Modus fahrt ihr entweder ein einzelnes Rennen oder bestreitet ein Rennwochenende – inklusive Training und Qualifying. Hier stehen alle Fahrer, Teams und Strecken der Formel 1 zur Verfügung. Im Zeitfahren-Modus bricht ihr Rekorde und ladet sie in die Online-Tabellen hoch. Ghostcars werden automatisch gesichert. Zu guter Letzt wartet noch der obligatorische Mehrspieler-Modus auf die Gunst der Spieler. Hier messt ihr euch mit anderen F1 2010-Besitzern in Online-Rennen mit bis zu zwölf Spielern. Ihr werdet hierbei automatisch aufgrund eurer Erfahrung passenden Teilnehmern zugeordnet.

 

f1_2010_17.pngTechnisch ist F1 2010 bis auf die oben genannten Bugs wirklich gelungen und überzeugt den Fan mit einer tollen Weitsicht und knackigen Texturen. Zudem läuft das Spiel zum größten Teil wirklich flüssig und dazu noch in einem Höllentempo. Kantenflimmern, Tearing und Pop-Ups sind nahezu nicht vorhanden. So muss ein aktuelles Rennspiel aussehen, zumal auch das Schadensmodell passabel umgesetzt wurde: Bei einem größeren Crash fliegen unzählige kleine Teile durch die Gegend.

 

Für ein authentisches Flair sorgen die dröhnenden Motorensounds der PS-Monster. Die deutschen Sprecher machen ihre Sache gut und nerven nur gelegentlich beim Funkverkehr mit teils albernen oder falschen Hinweisen.

 

F1 2010 ist leider ziemlich Bug-verseucht, was nicht nur den Spielspaß trübt, sondern sich auch in der Endwertung bemerkbar macht. Alle Bugs an dieser Stelle aufzulisten, würde den Rahmen sprengen. Eine Komplettübersicht über alle Mängel findet ihr im offiziellen Codemasters-Forum. Laut dortiger Quelle (Stand: September 2010) wird bereits eifrig an einem Patch gebastelt. Hier nun die wichtigsten Bugs kurz aufgelistet: Pitstop-Bug, Savegame-Bug, gefälschte Rundenzeiten der KI, Freezes (Xbox 360 Fassung).

 

Im Systemvergleich PlayStation 3 vs Xbox 360 zieht die Sony Konsole deutlich den Kürzeren. So sind die Bodentexturen unschärfer und durch den Quincunx-Modus das Bild leicht verschwommen. Die Xbox 360 nutzt stattdessen Full-on 4x Multisampling Anti-Aliasing, was ein gestochen scharfes Bild auf die HD-Glotze bringt. Bei den Witterungsverhältnissen ist die Spiegelung der Umgebung in Wasserpfützen auf der PS3 zudem niedriger aufgelöst als beim MS-Pendant. Zudem müssen Sony-Jünger ca. 1GB an Daten auf der HDD hinterlegen, bevor sie sich hinters Gamepad klemmen dürfen.




Daniel meint:

Daniel

Als Königklasse ist die Formel 1 bekannt. Der Anspruch an Fahrer und Konstrukteure ist entsprechend hoch. Dem sollte auch das zum Test vorliegende Spiel gerecht werden, was es keineswegs tut: Die ärgerlichen Bugs und die zahlreichen unschönen Fehler machen einen Großteil der guten Umsetzung zunichte und hinterlassen einen üblen Nachgeschmack. Dabei hätte den Engländern mit F1 2010 locker der große Wurf gelingen können. Versteht mich bitte nicht falsch. Ein schlechtes Spiel ist  F1 2010 keinesfalls. Allerdings ist noch jede Menge Verbesserungspotenzial vorhanden. Um es kurz zu fassen: Ungeduldige F1-Konsoleros mit Benzin im Blut holen sich das Spiel trotz der Mängel. Alle anderen warten bis zum 2011er-Update, bei dem hoffentlich alle angesprochenen Punkte übernommen wurden. 

Positiv

  • Fotorealistische Optik
  • Dynamisches Wettersystem
  • Motivierender Karriere-Modus

Negativ

  • Viele Bugs
  • Strafsystem, Gegner-KI
  • Präsentation dürftig, Gelbphasen zu kurz
Userwertung
8.5 2 Stimmen
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Forum
  • von Civilisation:

    Daniel hat damals mehrere Runden um den Hockenheimring gedreht. Und hier ist seine Rezi zu F! 2010. F1 2010 Laut Executive Producer Gavin Raeburn ist F1 2010nicht weniger als das „beste F1-Spiel aller Zeiten“. Ob Gavin damit Recht behält? Zu unserem Test ...

  • von Arcadion:

    Jupp. Zulegen werde ich es mir mit ziemlicher Sicherheit noch, aber bestimmt nicht im aktuellen 'Zustand'. Die Liste mit den Meldungen an Bugs ist ja wohl der Knaller ... ...

  • von bbstevieb:

    Traurig wenn das "beste F1 Game auf Konsolen" hoffnungslos verbuggt ist. Wer sich mal totlachen will muss ein paar Beiträge in diesem Forum lesen: community.codemasters.com/foru…bugs-errors-list-231.html Kann Codemasters die 2011er LIzens nicht an ein fähiges Team/Studio verkaufen?...

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