Shadow Of The Colossus im Test

PlayStation2

Langweilen euch die ungezählten 08/15-Adventure, die derzeit zuhauf den Markt überschwemmen? Dann könnte „Shadow of the Colossus“ eine originelle Alternative bieten! Im inoffiziellen Nachfolger zum Kultgame ICO betritt der Held des vorigen Abenteuers zusammen mit seiner toten Geliebten ein verfluchtes Land in der Hoffnung, dass die dort lebenden Götterwesen dem bleichen Körper der Jungfrau neues Leben einhauchen.

 

Bevor die astralen Gestalten eurem Wunsch jedoch nachkommen, müsst ihr 16 Kolosse in den Weiten des Landes aufspüren und vernichten – was auch die Einzigartigkeit des Games ausmacht! Nicht ein einziger gewöhnlicher Widersacher stellt sich euch in den Weg. Auf eurer Suche nach den Riesen hindert euch nicht ein Rätsel am Fortschritt - denn „Shadow of the Colossus“ schöpft seine Faszination aus den ausladenden Reitereien und den Kämpfen gegen die schier unüberwindbaren Giganten.

shadow_of_colossus-0012Den Ausgangspunkt für eure Eskapaden bildet stets eine gigantische Kathedrale. Aus dem Sonnenlicht klingt eine mystische Stimme, die euch – etwas blumig umschrieben – von Fundort und Schwachpunkt des nächsten Kolosses berichtet. Anschließend streckt ihr euer Schwert gen Himmel, dessen reflektierte Lichtstrahlen das Versteck eures kommenden Gegners freigeben, und besteigt euer Pferd, das auf den zeitlosen Namen „Aggro“ hört. Es beginnt eure Odyssee durch weite Ebenen, tiefe Schluchten und über steinige Gebirgszüge, bis ihr schließlich den Hort des Riesen erreicht. Nach einer kurzen einführenden Sequenz kann die epische Schlacht beginnen! Anfangs irritieren euch noch die abstrusen Größenverhältnisse, euer Jüngling wirkt im Vergleich zu den teils 50 Meter hohen Götzen wie eine Ameise.

Jeder dieser Giganten verlangt zudem nach einer individuellen Strategie, um ihn zu bezwingen. So will beispielsweise ein riesiger Skarabäus aus seiner Höhle gelockt werden, tapfer reitet ihr durch das Sichtfeld des Monsters und weicht seinen tödlichen Schüssen aus. Sobald der Käfer einen Geysir erreicht hat, stoppt ihr eure Flucht und hofft, dass die kommende Wasserfontäne seine Unterseite erfasst. Vom feuchten Strahl überrascht, kippt der Gigant unter großem Getöse auf die Seite, woraufhin ihr leuchtende Flächen an den Versen des Monsters bemerkt. Gezielte Schüsse aus eurem Bogen setzten dem Unhold weiter zu, der sich daraufhin komplett auf den Rücken dreht. Jetzt zählt jede Sekunde! Besteigt seinen Bauch und arbeitet euch Richtung Rückenpanzer vor, sobald sich der Käfer aufrichtet.

shadow_of_colossus-0004Nun gilt es, sich vorsichtig über die mannshohen Knochenplatten bis zum Kopf zu balancieren. Halt bieten die vereinzelten Fellpartien, die man, derart perfekt animiert, bis dato nur von der Xbox kennt. Sobald ihr euch festklammert, schrumpft eure Ausdaueranzeige, sollte sie gänzlich zur Neige gehen fallt ihr erschöpft vom Rücken des Kolosses und der Spießrutenlauf beginnt von Neuem – Ort und Zeitpunkt eurer Pausen wollen also gut gewählt werden! Habt ihr den Torso überwunden, ist es auch fast vorüber: Rammt euer Schwert mehrfach in die Schwachstelle des Gegners (in diesem Fall durch ein helles Muster auf dem Kopf markiert) und gebt acht nicht abgeworfen zu werden. Schließlich bricht der voluminöse Götze unter euren Hieben zusammen und ihr werdet zurück ins Schloss gebeamt – der Kampf beginnt von Neuem. Design und Taktik eurer stattlichen Widersacher lassen dabei keine lange Weile aufkommen. Das eine Mal muss ein Stier mit Feuer in eine Klippe getrieben, beim nächsten ein Lindwurm geblendet werden.

Die Präsentation ist – akustisch wie grafisch – schlicht atemberaubend. Zu Beginn des Abenteuers findet sich euer Alter Ego innerhalb einer Kathedrale, weder der Detailgrad des Akteurs noch die Umgebungstexturen vermögen aus dem Tross aktueller Adventures hervorzustechen. Doch sobald ihr Richtung Terrasse schreitet, offenbaren sich die optischen Qualitäten des Titels: Gleißendes Tageslicht blendet euch in den ersten Sekunden, danach erschließt sich dem Auge eine gigantische Steppe, die euch kilometerweit blicken lässt. Neben der Weitsicht sorgen auch die Animationen für Standing Ovations. Vor allem die flüssigen Bewegungsabläufe eures Pferdes sehen absolut realistisch, auch die schwerfälligen Verrenkungen der Kolosse wissen zu gefallen. Jene wurden fantasiereich designt, die Giganten wirken wie Hybride aus Tieren, Maschinen und Gemäuern und passen sich nahtlos in die Settings aus monumentalen Ruinen ein.

shadow_of_colossus-0011Abgerundet wird die visuelle Pracht von den wunderbar stilbruchlosen Übergängen: Unmerklich reitet ihr von einer Graslandschaft in ein Waldviertel, danach erwartet euch eine glühende Dünenwelt. Die menschenleere Tundra wirkt wie ausgestorben, die urbanen Ruinen erwecken den Eindruck, dass dieses verfluchte Land einst ein fruchtbares Paradies war. Leider verhindert die wackelige Framerate die grafische Höchstwertung. Diese rangiert zwischen 18 bis 30 Bildern pro Sekunde, immerhin bleibt das Game stets spielbar. Besitzer entsprechender Mattscheiben zocken das Epos auf Wunsch in 16:9 und Progressive Scan.

Lorbeeren satt gibt s auch für Sound! Die klassischen Symphonien passen sich in Echtzeit dem Spielgeschehen an und rangieren von ruhigeren Klängen bei gemütlichen Ausritten bis hin zu aufpeitschenden Stücken, wenn ihr euch erbitterte Schlachten mit den Riesen liefert. Die Sprachausgabe in atmosphärischem Kauderwelsch wird mit Untertiteln unterlegt, bei jedem Schritt der Kolosse bebt die Erde in eurem Subwoofer.




Kai meint:

Kai

Ohne lang um den heißen Brei zu reden – wer sich „Shadow of the Colossus“ zulegt, erwirbt eines der besten Action-Adventure und PS2-Spiele unserer Zeit. Die aufpeitschenden Kämpfe, die an Dramatik kaum zu überbieten sind und die beschaulichen Ausritte verbinden sich mit der erstklassigen Präsentation zu einer neuen Spielerfahrung! Und die begeistert euch erfreulich lange: Wer die 16 Giganten ins Jenseits befördert hat, freut sich über einen höheren Schwierigkeitsgrad und den motivierenden Time- Attack-Modus, in dem verbesserte Waffen auf ihre Freischaltung warten. Absolute Kaufempfehlung!

Positiv

  • Fullminante Präsentation
  • Bosskämpfe wie es sie nie gab
  • 16:9 & progessive Scan wählbar

Negativ

  • Framerate nicht stabil
Userwertung
8.0 9 Stimmen
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Forum
  • von Flat Eric:

    Das Remastered ist echt eines der besten, spiele es zur Zeit parallel auf PS3 und Vita (Gamestream). Unbedingt hier mal reinschauen, da hat man sofort Bock, weiter zu zocken! ...

  • von 108 Sterne:

    Mann oder Frau ist mir egal. Bei Transgender würde ich wohl auch etwas irritiert sein. ...

  • von bluntman3000:

    Retrorunner schrieb: Muss denn nun jeder Hauptcharacter weiblich sein? Ja, weil alles andere Sexismus wäre. Allein die Frage, Mann .... schäm dich!...

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