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Grand Theft Auto: Vice City im Test

PlayStation2
Jeder der eine halbwegs moderne Konsole daheim hat, kennt zwangsläufig das GTA-Fieber. Mich hats zum erstenmal vor Jahren in meinem Stamm-Gameshop ergriffen, gebannt starrte ich auf den flimmernden Bildschirm als ein schwerfälliger Bus über ein hilfloses Pixelmännchen rollte und eine blutige Bremsspur hinter sich her zog. Sofort gekauft und in die heimische PSX geschoben ließ mich die innovative Verbrechersim nicht mehr los. Vom enormen kommerziellen Erfolg des ersten Teils beflügelt schob das ehemals unbekannte Entwicklerstudio DMA Design eine Missions-CD nach, die den Spieler in ein kultiges 60er Jahre Szenario abtauchen ließ.
Anno 1999 erblickte schließlich das rundum erneuerte GTA 2 das Licht der Welt: Die gehörig aufgepeppte (Und auf Konsole endlich ruckelfreie) Optik und viele Detailverbesserungen machten auch Teil 2 der Saga zu einem Verkaufsschlager. Für einen Quantensprung sorgte im neuen Millennium die Power der PS2, erstmals war „Grand Theft Auto“ komplett in 3D, eine riesige lebendige Stadt wurde simuliert, die den Hobby-Psychopathen noch intensiver in virtuelle Welten abtauchen ließ. Dem grafischen Quantensprung folgte ein finanzieller – GTA 3 avancierte zum weltweit meistverkauften PS2 Game und übertraf sogar das erfolgreiche PC Pendant.


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Gauner, Gangster, Mörder und Gangs - Vice City strotzt nur so vor Kriminalität


Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft schickt Rockstar Games (DMA hat sich umgetauft) nun GTA: Vice City ins Rennen um den brillanten Vorgänger nochmals zu toppen und die Fangemeinde weiter auszubauen. Ähnlich wie die London-Episode des ersten Teils ist Vice City jedoch kein richtiger vierter Teil sondern mehr als Addon zum Vorgänger zu verstehen, da ihr dasselbe Flair und Spielgefühl vorgesetzt bekommt – kombiniert mit einer neuen Story und einer gigantischen City die in den Achtzigern angesiedelt ist. Fans des Jahrzehnts kommen dank Hawaii-Hemden +ausgewaschene Jeans-Look, blinkenden Neonreklamen und dem typischen „Sound of the 80s“ voll auf ihre Kosten.

Der (Kennern der Serie bestens bekannte) Forelli-Mafiaclan sucht nach neuen Erwerbszweigen und Tätigkeitsgebieten – was liegt näher seine Fühler ins bisher unangetastete, blühende Vice City zu strecken? Jetzt muss nur noch ein Trottel gefunden werden, der dumm genug ist seinen Fuß in das von Kubanern und Latino-Drogenbossen dominierte Ostküstennest zu setzen. Hier kommt ihr ins Spiel: Ihr mimt den Jackass und Exknacki Tommy Vercetti und seit auserkoren in der sichtlich von Miami inspirierten City einen Deal mit den örtlichen Drogengrößen durchzuziehen. Wie zu erwarten geht der Deal in die Hose, Geld und Koks sind Futsch – eure „Familie“ kocht vor Wut und sinnt nach Rache!

Bei Nachforschungen lernt Tommy Stück für Stück die Szene kennen und verschafft sich durch Gefälligkeiten und Jobs bei Gangsterbossen und anderen zwielichten Gestalten schnell einen Namen. Nach und nach stehen euch ein schmierige Winkeladvokat, die bildschöne Millionärstochter Mercedes und der coole Afroman Lance Vance zur Seite, die euch durch die spannende, wendungsreiche Storyline führen ...

Gegenüber dem dritten Teil finden sich fast an allen Ecken und Kannten der DVD sinnvolle und angemessene Verbesserungen und Gimmicks. Das Spielareal hat merklich zugenommen und präsentiert sich nun mehr als doppelt so groß wie das bekannte Liberty City. Wie zu erwarten gibt es eine Fülle an neuen Fahrzeugen (120 an der Zahl, darunter auch abgespacte Vehikel wie Motorräder und Helikopter) und auch euer Waffenarsenal wurde durch sinnvolle Ergänzungen wie Katana-Schwert und Motorsäge ergänzt. Das Missionsdesign wurde generalüberholt und präsentiert sich eine Spur origineller, komplexer und spritziger als gewohnt. Euer Alter Ego kann jetzt endlich sprechen und trägt so seinen Part zur wesentlich dichteren Story des 3,5ten Teils bei, des weiteren könnt ihr euer schwerverdientes Geld in verschiedenste Immobilien investieren um neue Aufträge freizuschalten und die Metropole langsam aber sicher in eure Gewalt zu bringen.


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Frauen, Bikinis, Sex und Drogen - das leben eines Vice City-Gangsters ist wahrlich bewundernswert


Die Steuerung blieb weitestgehend unangetastet, so das sich Fans des dritten Teils sofort zuhause fühlen werden. Mit dem linken Stick bewegt ihr euren Ex-Mafiosi, mit dem rechten könnt ihr euch in der blühenden City umsehen. Durch beherzten Druck auf die X-Taste setzt ihr zum kurzen Sprint an (Je mehr ihr trainiert, desto länger hält Tommy durch :o), auf dem Viereck überspring ihr niedrige Hindernisse und der O-Button sorgt für krachende Tritte und Box-Combos. Passionierte Ablehner der waffenlosen Kampfkunst schalten sich mit den L/R-Tastern durch das stark aufgestockte Arsenal an Ballermännern, je nach Waffengattung könnt ihr euch mehrere Uzis, Shotguns und MGs zulegen, die sich meist in drei Stufen durch ihre Durchschlagskraft und Feuerpower unterscheiden.

Neben den üblichen Fernkampfwaffen wie Gewehren, Raketenwerfern und Scharfschützen-Equipment gesellt sich eine Fülle an unterschiedlichen Nahkampfwaffen zu eurer Ausstattung – Heimwerker decken sich im Baumarkt (!) mit Hammer, Schraubenzieher oder Motorsäge ein, Killer mit Stil wählen hingegen den klassischen Golfschläger. Leider wurde das Kampfsystem nicht (wie versprochen) verbessert, nach wie vor visiert ihr Passanten eures Vertrauens mit R1 an und pustet ihnen letztendlich durch den O-Button das Licht aus. Grade beim Kampf gegen ganze Gang-Gruppierungen ist ein gezieltes Eliminieren von Widersachern so unmöglich. Auch das Ballern per MG endet schnell in Frust, sobald ihr zielt wechselt das Blickfeld in eine Ego-Perspektive und lässt euch die Bösewichter (ähnlich wie bei Silent Scope) manuell erledigen, was durch die niedrige Framerate deutlich erschwert wird.

Sobald ihr jedoch durch die Dreieck-Taste in eines der zahlreichen Vehikel steigt sind sämtliche Gameplay-technischen Ungereimtheiten vergessen, das Fahrverhalten orientiert sich dabei an den etablierten Racing Games und übertrifft diese teilweise sogar. Selten macht es soviel Spass per Handbremse bequem um Verkehr und Kurven zu driften! Selbst der anspruchvollste und wählerischste Autofan findet auf den Strassen von Vice City das passende – von Oldtimer über Jeep und Sportwagen bis hin zum Golf-Caddy und ultraschnittigen Schnellboot ist alles vorhanden!


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Das schicke Schnellboot erweist sich beim Erledigen mancher Aufträge als überaus nützliches Gefährt


Gegenüber der dritten Episode könnt ihr jetzt zudem auf unterschiedliche Motorräder (Denen ihr nach kurzer Eingewöhnung sogar Stunts und Wheelies entlockt!) und Helikopter zurückgreifen, mit denen sich das Reisen nochmals eine Spur flotter gestaltet. Wie gewohnt unterscheiden sich eure Vehikel nicht nur im Look sondern auch in Gewicht, Beschleunigung, Kurvenlage, Speed &Co.. Die Trefferzonen wurden nochmals aufgepeppt und erlauben jetzt sogar differenzierte Schüsse auf Reifen (Wodurch sich der Grip merklich verschlechtert) und Windschutzscheiben, was euch das gezielte Snipern des Fahrers ermöglicht.

Rücksichtslose Strassenrowdies und Massenmörder ziehen schnell den wehrhaften Arm des Gesetzes auf sich, symbolisiert durch verschiedene Fahndungslevel. Sollte ein blinkender Stern auf der oberen Bildschirmhälfte erscheinen, ist euch ein Cablecar der Polizei auf den Versen, seit ihr unbelehrbar und haltet es nicht für nötig euch ruhig zu verhalten werden aus einer Streife bald 2, wenig später jagen euch dann Swat, FBI und sogar das Militär unaufhaltsam durch die Straßenschluchten. Abhilfe schaffen die altbekannten PayN Spray Shops die euren Wagen umlackieren und eure Nummernschilder austauschen oder ihr zieht euch ganz einfach um! Angesagte Modetempel verkaufen euch modische Miami Vice-Sackos, im Baummarkt bekommt ihr entsprechende Kittel und in eurem Hotel findet ihr das kultige Hawaii-Hemd.
Wie bereits erwähnt gestalten sich die Missionen wesentlich komplexer und abwechslungsreicher als noch in Teil 3.

Von simplen Schutzgelderpressungen und Passanten-Verprügeln über Autorempeleleien bis hin zu Anschlägen mit ferngesteuerten hochexplosiven Helikoptern, Angriffen aus der Luft und gezielten Auftragsmorden per Sniper ist alles dabei, des öfteren aufpeppt durch ein deftiges Zeitlimit oder einen entsprechenden Wanted-Level. Neben den Story-Missionen gibt’s viel in den verwinkelten Gassen Vice-Cities zu entdecken: Helft den Kubanern bei ihrem Drogenkrieg gegen ihre erbitterten aus Haiti stammenden Widersacher, spielt Polizist und geht auf Verbrecherjagd, düst in bester Crazy Taxi-Manier durch die Stadt, liefert Pizzas auf eurer italienischen Vespa aus oder nehmt an illegalen Strassenrennen und Amokläufen teil – Ambitionierte Zocker sind für Wochen beschäftigt!

Bereits Teil 3 war ein optischer Meilenstein auf der PS2. Zwar viel insbesondere dem von Shenmue &Co. verwöhnten Multiformat-Zocker nicht unbedingt die Kinnlade runter, allerdings haben es Rockstar Games verstanden eine riesige Stadt mit unzähligen Wagen und Personen bei angemessener Präsentation in den geringen Playstation-Speicher zu quetschen. Vice City greift auf dieselbe Engine zurück und bietet viele Detailverbesserungen: Die grauen und tristen Häuserfassaden Liberty Cities wurden gegen sonnige und deutlich buntere Pendants im Miami-Style ausgetauscht, die mit Palmen und Neontafeln aufgepeppten Areale wirken wesentlich farbenfroher und poppiger als der kalte Vorgänger und versprühen den typischen Charme der 80er. Auch Fahrzeuge und Figuren-Models wurden zum Schönheitschirurgen geschickt und wirken jetzt wesentlich „runder“ als die klobigen, unter Polygonmangel leidenden Vehikel des dritten Teils.


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Lust auf eine Partie Golf? Die Handlungs- und Bewegungsmöglichkeiten in GTA: Vice City suchen ihresgleichen


Gerade bei heißen Verfolgungsjagden ging der Vorgänger deutlich in die Knie und ruckelte bis zur Unspielbarkeit, superflüssig läuft Vice City zwar immer noch nicht, dafür zeigt sich die konstant in den höheren 20ern angesiedelte Framerate deutlich stabiler. Zur Referenzklasse dürfen sich getrost die brillanten Effekte zählen,,, in den aufregend geschnittenen Zwischensequenzen bekommt die Szenerie durch gesundes Motionblur einen runden Look (Darf wahlweise auch während des Games dazugeschaltet werden), blankpolierte Sportwagenkarosserien spiegeln die Sonne wieder, rast ihr mit einem Speedboot durch die Wellen perlen realistisch Regentropfen von eurem Bildschirm. Untermalt wird die Effektorgie vom stetigen Tag/Nacht-Wechsel mit Regenschauern, klaren Vollmondnächten und romantischen, blendenden Sonnenuntergängen.

Die wuchtige Sounduntermalung übertrifft die stimmige Optik nochmals um Längen und präsentiert einen Soundtrack der wohl zu den besten überhaupt gehört: Neben witzigen Moderationen, Diskussionen und Werbespots fällt aber vor allem die Musik positiv auf, da sie aus mehr oder weniger bekannten Hits aus den 80ern stammt – inklusive Songs zum Beispiel von Michael Jackson, Nena (99 Luftballons :o), Wang Chung, Kim Wilde, Frankie goes to Hollywood, Tears for Fears, Brian Adams, Talk Talk, Yes und Blondie.

Jeder Sender hat seine eigene Musikrichtung, von Pop über Rock bis hin zu Latino-Rhythmen. Auch die englische Sprachausgabe kommt durchweg professionell und gelungen aus euren Boxen, niemand geringeres als Hollywood-Größe Ray Liotta (bekannt aus dem Mafia-Epos Goodfellas) leit dem Antihelden Tommy Vercetti seine Stimme, der stylishen Afroamerikaner Lance wird vom schwarzen Part des original Miami Vice-Duos gemimt. Den deutschen Untertitel gelingt es die Stimmung, Sinnrichtung und den typischen (euch durchs gesamte Game begleitende) Gangsterslang gut einzufangen und bildet mit den Soundschnipseln eine Symbiose auf höchstem Niveau, Glück dem der eine Surround-Anlage (DTS 4.1 wird unterstützt) sein Eigen nennt.
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