Extermination im Test

PlayStation2

Capcom ließ die Horror-Fans nach dem Erscheinen der PS2 ziemlich lange warten. Bis das erste Resident Evil für die neue Konsole in Deutschland erschien, vergingen viele Wochen. Zum Glück gibt es aber noch eine kleine Firma namens Sony, die auch von Zeit zu Zeit ein Spielchen auf den Markt wirft. Mit Extermination präsentierte uns der Konsolenhersteller im Jahr 2001 höchstpersönlich ein vielversprechendes Game, das sich anscheinend auf die gleichen Tugenden besinnt wie die beliebten Capcom-Serien Resident Evil und Dino Crisis. Kompromisslose Action, ein cooler Held, eine Story voller Monster und jede Menge Schockeffekte sollen dafür sorgen, dass dem Zocker das Blut in den Adern gefriert.

Extermination_1Die Story des Spiels zeigt, dass man es sich sehr gut überlegen sollte, bevor man sich für lange Jahre bei der Armee verpflichtet. Der Protagonist von Extermination hat jedenfalls Pech gehabt und bereut diese Entscheidung wahrscheinlich. Als Mitglied der Marines-Spezialeinheit Team Rot wird Dennis Riley zusammen mit seinem Freund Roger Grigman in die Antarktis geschickt, um mysteriöse Vorfälle in einer Forschungsstation aufzuklären. Obwohl die Helden schon etliche Missionen überstanden haben, ist dieser Auftrag etwas ganz Besonderes. Eine gute Freundin der beiden Soldaten war nämlich als Forscherin in der Station tätig und hat sich seit Tagen nicht mehr gemeldet.

Der weitere Verlauf der Geschichte ist zwar inzwischen typisch für Videospiele, kann aber dank vieler spannender Situationen und einigen Überraschungen dennoch begeistern. Wer John Carpenters Meisterwerk The Thing (auf deutsch: Das Ding aus einer anderen Welt) mag, wird die Atmosphäre des Games lieben. Natürlich wird nach kurzer Zeit klar, dass etwas Schreckliches in der Eiswüste geschehen ist. Die Basis Fort Stewart scheint zunächst menschenleer, aber schon bei ihrem ersten Rundgang finden unsere Helden nicht nur ein paar Leichen, sondern auch jede Menge Monster, die einen tödlichen Virus übertragen. Für Dennis Riley beginnt ein Alptraum der besonders gruseligen Sorte.
 

Extermination_2Kurz nachdem das Intro beendet ist und der Spieler selbst in die Rolle von Dennis Riley schlüpft, kommt der Verdacht auf, dass der Name der Softwareschmiede auf der Verpackung falsch ist. Dieses Game spielt sich genau so, wie viele bekannte Capcom-Adventures. Sony hat hier nicht nur ein paar Gameplay-Elemente übernommen, sondern tatsächlich einen Titel geschaffen, der problemlos in die Resident Evil-Serie passen würde, wenn die Monster ein etwas anderes Design hätten.

Auch in Extermination steuert man einen Einzelkämpfer durch eine düstere Welt voller Gefahren. Die anfangs harmlosen Gegner weichen später wesentlich schlagkräftigeren Mutanten, die immer mehr Schüsse einstecken können, bevor sie das Zeitliche segnen. Da viele der Ungetüme in Gruppen angreifen und recht intelligent agieren, empfiehlt es sich manchmal, wegzulaufen und eine bessere Position zu suchen, bevor man den Kampf fortsetzt.

Extermination_3Nach einer recht kurzen Einarbeitungsphase entpuppt sich die Steuerung als gelungen. Obwohl unser Held eine Reihe unterschiedlicher Aktionen ausführen kann, muss man sich keine verschiedenen Tasten merken, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Wenn man an der richtigen Stelle steht, reicht immer ein Druck auf den X-Button, um Dennis springen, klettern, Gegenstände untersuchen oder Türen öffnen zu lassen.

Etwas anspruchsvoller ist da schon der Umgang mit der Waffe. Der virtuelle Stellvertreter hat zwei verschiedene Möglichkeiten, seine Feinde anzuvisieren. Entweder zeigt ein Laserstrahl den genauen Weg an, den eine Kugel nehmen wird, oder man schaltet komplett in die Ego-Perspektive, wodurch nur das Ziel markiert wird. Sobald ein Monster anvisiert wurde, zeigt Dennis, dass er beim Scharfschützentraining der Marines nicht geschlafen hat. Er verfolgt den jeweiligen Gegner automatisch und es darf nach Herzenslust geballert werden.
 

Extermination_4Die Unterschiede zu den genannten Capcom-Spielen liegen vor allem in der Balance. Extermination ist noch wesentlich actionlastiger als der dritte Teil der legendären Zombie-Serie und stellt das Lösen von Rätseln ganz klar in den Hintergrund. Wer also sein Hirn fordern will, sollte sich den Kauf gut überlegen. Schießfreudige Zeitgenossen dürfen bedenkenlos zugreifen, wenn sie ihre Fähigkeiten bereits in anderen Ballerspielen perfektioniert haben. Spätestens nach zwei Stunden zieht der Schwierigkeitsgrad nämlich deutlich an. Plötzlich tauchen Monster auf, die eine unglaubliche Standfestigkeit beweisen. Zum Glück ist es möglich, das Waffenarsenal im Laufe der Zeit zu erweitern. Nach einer Weile stehen dem Zocker neben normalen Geschossen auch nette Extras wie ein Flammenwerfer zur Verfügung. Leider darf das Vernichtungswerkzeug nur an fest vorgegebenen Orten aufgeladen werden. Häuig geht mitten im Gefecht die Munition aus und man steht ziemlich doof da Dennis Riley kann zwar auch ein Messer zur Verteidigung nutzen, aber gegen manche Zeitgenossen ist das ungefähr so hilfreich wie ein Zahnstocher. Sehr ärgerlich ist auch, dass nicht jedezeit gespeichert werden darf.
 

Extermination_5Grafisch ist das Game wirklich gelungen. Die Charaktere sind detailliert und überzeugen durch erstklassige Animationen. Dennis Riley bewegt sich superflüssig und realistisch durch die düstere Umgebung. Viele kleine Effekte wie Wasserspritzer, die entstehen, wenn der Monsterkiller durch eine Pfütze läuft, runden den sehr guten Gesamteindruck ab. Eine nette Spielerei ist die starke Bildverzerrung, die auftritt, wenn Dennis besonders viel einstecken muss. Das Spiel zeigt das Geschehen zwar größtenteils aus der Verfolgerperspektive, aber es gibt eine dynamische Kamera, die jede Menge Einstellungen zulässt. Wissend, dass es auf der PS2 selten gelungen ist, ein solches Feature zu integrieren, ohne Probleme mit der Ansicht zu bekommen, haben die Programmierer mitgedacht und erlauben es dem Zocker durch einen simplen Knopfdruck, die Kamera auf Wunsch wieder hinter dem Protagonisten zu positionieren. Die Hintergründe erreichen zwar keine überragende Qualität und vor allem die Texturen wirken schlicht, dennoch wird der gewünschte Effekt erzielt: die Forschungsstation ist ein sehr unheimlicher und bedrückender Ort.

Der Sound passt ausgezeichnet zum spannenden Szenario. Wenn nicht gerade aus vollen Rohren geballert wird, hält sich die Musik meistens zurück und fesselt durch melancholische Melodien. Das führt, dazu, dass der Spieler immer tiefer in den Albtraum hineingezogen wird. Die englischen Sprecher sind spitze und trügen durch ausgezeichnete schauspielerische Leistungen über die manchmal etwas flache Story hinweg. Schade, dass es aus irgendeinem Grund nicht gelungen ist, die Sprachausgabe in den Zwischensequenzen auch nur teilweise lippensynchron zu machen. Hier laufen Bild, Ton und deutscher Bildschirmtext auf drei unterschiedlichen Zeitebenen ab, was störend sein kann. Bei den Soundeffekten gibt es nix zu meckern. Jede Aktion wird mit dem passenden Geräusch untermalt und das Waffenfeuer klingt toll.

 




 

 

Tim meint:

Tim

Obwohl Extermination viele Elemente der Resident Evil Serie übernahm, war es im Jahr 2001 wesentlich mehr als ein Lückenfüller, um die Zeit totzuschlagen, bis Code Veronica endlich nach Europa kam. Freunde von spannenden und teilweise auch schockierenden Action-Adventures kommen auf ihre Kosten. Schade ist, dass sich der Schwierigkeitsgrad nicht gleichmäßig erhöht. Während die ständigen Ballereinlagen kniffliger und teilweise sogar ein wenig unfair werden, gibt es auch nach vielen Stunden vor der Konsole kaum Rätsel, die den Zocker zum Nachdenken bewegen. Die überzeugende technische Präsentation und die gute Steuerung machen Extermination zu einem Pflichtkauf für Actionfreaks.

Positiv

  • Gelungene Steuerung
  • Gut bei Capcom abgekupfert
  • Viel Action

Negativ

  • Rätsel auf Einsteigerniveau
  • Wenig Speicherpunkte
  • Kleinere technische Mängel
Userwertung
5.0 4 Stimmen
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Forum
  • von Civilisation:

    Für dieses Spiel musste Tim Frostschutzmittel schlucken, damit ihm das Blut nicht vor Schock einfriert. Extermination Capcom ließ die Horror-Fans nach dem Erscheinen der PS2 ziemlich lange warten. Bis das erste Resident Evil für die neue Konsole in Deutschland erschien,...

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