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Dragon Quest - Die Reise des verwunschenen Königs im Test

PlayStation2
Dragon Quest oder kurz "DraQue" - Das ist im Land der Sonne sowas wie die zweite Staatsreligion! Noch vor dem ersten Final Fantasy reformierte Enix Vorzeige-Rollenspiel in den tiefsten 80ern das Genre, viele prägende Gameplay-Elemente blieben in zahllosen Vertretern der RPG-Zunft bis heute erhalten. Während die Popularität der Dragon Quest-Games in Japan regelmäßig höher als die der konkurrierenden Final Fantasy-Episoden war, traute sich Enix nie so recht in westlichen Gefilden Fuß zu fassen,,, So blieb die Eroberung Europas Squaresoft vorbehalten. Im Zuge des Firmenzusammenschlusses der ehemaligen Erzfeinde macht die Globalisierung aber auch nicht vor "DraQue" halt, mit Part Acht wird die Saga erstmals weltweit vermarktet!
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"In den gigantichen Ebenen gibts viel zu entdecken"


Aber ist so ein japanisches Original überhaupt mit transeuropäischen Geschmäckern kompatibel? Das Gameplay vergangener Drachensuchen war stets recht konservativ ausgelegt, wirkliche Neuerungen wurden nur zögerlich implementiert. So wurde Dragon Quest VIII für die Erschließung westlicher Märkte einer Frischzellenkur unterzogen,,, Wichtigen Dialogen ist jetzt eine Sprachausgabe vergönnt, die beängstigend hohe Rate an Zufallskämpfen wurde gedrosselt, gleichzeitig die gewonnenen EXP erhöht. Gelegenheits-RPGler, von zahllosen Final Fantasy-Episoden weichgespült, werden Dragon Quest - Die Reise des verwunschenen Königs trotzdem als bockschwer empfinden.

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"Die fantasievollen Widersacher glänzen mit flüssigen Animationen"


"Do not underestimate your jester - he could try to kill you" Diese leidvolle Erfahrung musste König Trode machen. Der widerspenstige Hofnarr seines Schlosses, Dhoulmagus, angelte sich eines Tages den königlichen Schatz in Form eines Zauberstabes, mit dem er anschließend munter sämtliche Hofbediensteten mit grünen Dornenranken überwucherte. Auch vor ihrer Majestät persönlich machte der Schurke nicht halt, Trode fristet seitdem ein Schicksal als hässlicher Gnom, seine ehemals liebliche Tochter Medea erwacht in Pferdegestalt aus diesem Alptraum. Mit der letzen verbliebenen Leibwache machen sich die beiden auf Dhoulmagus zu stellen und ihn für seine Untaten zu bestrafen. Im Laufe des Abenteuers schließen sich noch drei weitere Recken der ungleichen Truppe an, wirkliche Storywendungen und Square'sche Gedankenakrobatik solltet ihr im bodenständigen Dragon Quest-Plot aber nicht erwarten.

Das Kampfsystem geht keinerlei Experimente ein und präsentiert sich leicht angestaubt. Angriff, Magie, Fähigkeiten oder das rudimentäre Benutzen eines Gegenstandes - alles schonmal da gewesen. Gleichzeitig präsentieren sich die rundenbasierten Kämpfe in Dragonquest wunderbar ausgeglichen und stimmig im Design, zumal sie recht flott über den Bildschirm flimmern. Für das erfolgreiche Abschlachten bitterböser Widersacher erhaltet ihr neben den obligatorischen EXP und Münzen auch Talentpunkte, diese lassen sich je nach Gusto auf verschiedene Fähigkeiten wie Äxte, Schwerter, Zauberstäbe oder Peitschen verteilen, wodurch ihr euch im Laufe vieler Fights eure eigenen Spezialisten zurecht trainieren könnt.

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"Da euer Inventar begrenzt ist, wollen die mitgeführten Items klug gewählt werden"


Auch das Drumherum ist eher "rustikal": Wen die Monsterhatz erschöpft, sucht Entspannung in einer Schänke, am nächsten Morgen werden dann im örtlichen Waffen-, Rüstungs- und Itemshop die Vorräte aufgestockt und der nächste Dungeon anvisiert. Speichern könnt ihr im übrigen nur in der Kirche oder einer äquivalenten sakralen Einrichtung, wer also kurz vor dem Endboss abnippelt, darf den Kerker erneut durchforsten. Der aufmerksame Leser kombiniert also vollkommen richtig, viele Aspekte dieses Rollenspiels entsprechen den Genre-Standards anno 1993. Wo liegt also der Reiz des vermeidlich antiquierten Epos? Ganz einfach: In der optischen Verpackung, sowie den zahllosen Sidequests und charmanten Extras die ihren Weg auf die DVD gefunden haben!

In der weitläufigen Welt Dragon Quests gibts fernab der Storyline unendlich viel zu entdecken. Durchforstet die Wälder und Haine nach besonders heimtückischen Monstern und verscherbelt anschließend deren kostbare Monstermünzen, betätigt euch in einem der rauchigen Casinos bei einer Runde Roulette oder Bingo, tretet mit eurer selbstgefangenen Untoten-Riege gegen Konkurrenten in der Monsterarena an oder bastelt im Alchemiekessel seltene Waffen und Rüstungen. Wer alles sehen und erleben will, wird üppige 100 Stunden lang unterhalten.

Wie ging der neunmalkluge Spruch noch gleich? Du sollst ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen? Totaler Quatsch! Ein Dragon Quest ohne den künstlerischen Beitrag des Dragonball-Erfinders Akira Toriyama würde nur halb soviel Spaß machen. Der Mastermind zeichnet sich für das Charakter- sowie das komplette Monsterdesign verantwortlich, was man den fantasievollen Kreaturen bei jedem Pinselstrich auch anmerkt. Zudem kommt dank der Emotion Engine der guten alten PS2 Torijama-Sans Genialität erstmals richtig zur Ausprägung: Dank perfektioniertem Celshading wirken Helden, Statisten und das feindliche Fußvolk wahrlich einem Anime entsprungen. Überhaupt gewinnt die dezent stupide Geschichte durch die liebevoll ausgearbeiteten Akteure enorm an Tiefe, die Dialoge (Vor allem die göttlichen Konversationen mit den Endgegnern) sprudeln nur so vor Witz und Charme!

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"Die zahllosen Kämpfe gehen flott über die Bühne"


Auch ansonsten kann das Epos grafisch überzeugen, die Kontinente sind wunderbar weitläufig und einem stetigen Tag- und Nachtwechsel unterworfen. Leider ließ der Einfallsreichtum der Grafiker hier etwas nach, meist erwarten euch grüne Wiesen mit vereinzelten Bäumen, teils auch Wälder mit vereinzelten grünen Wiesen drin. Nichts zu mäkeln gibts hingegen bei der akustischen Untermalung - Altmeister Koichi Sugiyama liefert den (komplett (!!)) orchestralen Soundtrack, der mit der absolut professionellen englischen Sprachausgabe perfekt harmoniert. Zwar sind gesprochenes Wort und deutsche Untertitel nicht immer deckungsgleich, dennoch ist es Square Enix gelungen eine überzeugende deutsche Übersetzung zu liefern, die viel vom Witz des Originals einfängt.
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