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All-Star Baseball 2002 im Test

PlayStation2
Aus Baseball, der wohl amerikanischsten aller Sportarten, ein ansprechendes Videospiel zu machen, dürfte zu den schwierigsten Aufgaben der Gamedesigner und Programmierer zählen. Die Liste der Softwareschmieden, die an dieser Königsdisziplin gescheitert sind, beinhaltet einige große Namen, und selbst “EA Sports“ haben mehrere Versuche gebraucht, bis ihre “Triple Play“-Serie ein angemessenes Niveau erreicht hatte. Nun setzen sich auch die Experten von “Acclaim“ mit der Thematik auseinander und bringen mit “All-Star Baseball 2002“ die erste Baseball-Simulation für die PS2 auf den europäischen Markt.
Es ist schon ein kleines Wunder, dass wir überhaupt in den Genuss kommen, dieses Game spielen zu dürfen. Da die Sportart hierzulande noch wesentlich unbekannter ist als American Football, sparen sich die meisten Entwickler den Release einer PAL-Version und konzentrieren sich lieber auf die Fangemeinde in Japan und den USA. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten stehen Sportspiele immer sehr hoch in den Charts. Es ist zwar kaum zu erwarten, dass “All Star Baseball“ in Deutschland Rekorde bricht, aber sicherlich gibt es auch hier ein paar Fans, die sich darauf freuen, den ein oder anderen Homerun zu schlagen. Und diese Freude ist durchaus berechtigt, denn “Acclaim“ liefert einen Titel ab, der sowohl technisch als auch spielerisch zu den Besseren seines Genres zählt.

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"Du schaffts es!!"

Dank offizieller Lizenz findet sich im Spiel so ziemlich alles wieder, was es auch in der “Major League“ zu sehen gibt. Bei 30 Teams samt ihrer Stadien und mehr als 700 Spielern hat der Zocker die Qual der Wahl. Auch die Anzahl an Modi und Optionen kann sich sehen lassen. Neben dem schnellen Spiel für Zwischendurch gibt es noch eine Reihe anderer kurzweiliger Variationen wie Freundschaftsspiele, ein All-Star-Game oder das hilfreiche Schlagtraining. Aber natürlich wäre eine Baseball-Simulation nicht komplett, wenn man nicht auch eine ganze Saison spielen dürfte. Wer nicht Wochen vor der Konsole verbringen will, hat die Möglichkeit, die Anzahl der Begegnungen auf ein entsprechendes Maß herunter zu fahren. Auch in allen anderen Bereichen lässt sich das Spiel an die persönlichen Wünsche anpassen. Sollen die Sportler nachts bei Schnee oder Regen um den Sieg kämpfen? Kein Problem! Ein paar kurze Änderungen in den übersichtlichen Menüs und schon kann die Begegnung unter erschwerten Bedingungen stattfinden. Durch drei Schwierigkeitsgrade ist garantiert, dass man sehr viel Zeit mit “All-Star Baseball 2002“ verbringen kann, bevor man sich einen Meister aller Klassen nennen darf.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, sein eigenes Traumteam zusammenzustellen. Einige Gimmicks wie Trikots längst vergangener Jahre und die Legenden der Sportart laden hier zum Experimentieren ein. Deutlich misslungen ist leider der Editor. Man darf zwar 25 Sportler selbst kreieren, aber die Möglichkeiten sind im Vergleich zu anderen Simulationen ziemlich dürftig. Vor allem das Aussehen kann nur geringfügig beeinflusst werden und die eingetragenen Werte scheinen sich nicht richtig auf die Spieler auszuwirken. Selbst wenn man sich einen Pitcher mit einer Körpergröße von 150 cm und einem Gewicht von 300 Pfund zusammenstellt, hat er immer noch eine recht unauffällige Figur. Muss wohl an den schweren Knochen liegen...

Da Baseball nun mal eine Sportart ist, bei der die eigentliche Action im Hintergrund steht und immer wieder durch spannende aber ruhige Momente unterbrochen wird, ist es so unglaublich schwer, ein wirklich interessantes Videospiel daraus zu machen. Aber “Acclaim“ haben es geschafft und die Sekunden kurz vor dem Schlagversuch des Batters extrem nervenaufreibend gestaltet. Das ausgeklügelte System von Wurf- und Schlagmöglichkeiten sowie die individuellen Fähigkeiten des jeweiligen Sportlers sorgen dafür, dass man viel Zeit investieren muss, um seinen ersten Homerun zu schlagen.

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"Am meisten Spaß macht All-Star Baseball 2002 gegen menschliche Gegner"


Auch sonst ist die Steuerung recht anspruchsvoll. Zwar sind die einzelnen Knöpfe logisch belegt und erlauben gut durchdachte Aktionen, aber das Spiel bleibt einfach zu komplex, um einen schnellen Einstieg zu ermöglichen. Im Feldspiel werden auch noch nach Stunden dumme Flüchtigkeitsfehler unterlaufen, die es dem gegnerischen Team erlauben zu punkten. Immer wieder wirft man in besonders nervenaufreibenden Situationen zum falschen Base. Selbst wenn man den niedrigsten Schwierigkeitsgrad wählt, agieren die computergesteuerten Spieler sehr intelligent und lassen sich nicht mit billigen Tricks aus dem Konzept bringen. Wer überhaupt keine Ahnung von Baseball hat, sollte sich zweimal überlegen, ob “All-Star Baseball 2002“ der richtige Einstiegspunkt ist, denn die Regeln werden weder in der Anleitung noch im Spiel selbst erklärt. Das Handbuch empfiehlt doch tatsächlich, sich ein Buch auszuleihen oder auf der englischsprachigen Website vorbei zu schauen, um alle Fachausdrücke und das Regelwerk verstehen zu können.

Das Spiel macht eindeutig am meisten Spaß, wenn man es gegen einen menschlichen Kontrahenten spielt. Erst dann kommt der Schadenfreude-Faktor beim Stehlen eines Base richtig zur Geltung und durch plötzliche Änderungen der Wurftechnik lässt sich Verwirrung stiften. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass auch ein Freund eine längere Trainingsphase durchlaufen muss, bis er Spaß an dem Spiel hat und zu einem ernstzunehmenden Gegner wird. Leider gibt es keine Möglichkeit, eine komplette Saison mit mehreren menschlichen Spielern zu bestreiten, was lange und spannende Zocknächte garantiert hätte.

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"Ausholen...und schlagen"

Grafisch macht das Spiel einen guten Eindruck, obwohl in einigen Bereichen geschlampt wurde. Beispielsweise sehen die Stadien toll aus und wurden mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Wenn die Kamera aber mal das Publikum aus der Nähe einfängt, zeigt sich “All-Star Baseball 2002“ von seiner hässlichen Seite, denn die Ränge sind voll besetzt mit etwas unscharfen Gestalten, deren Animationsphasen man problemlos an einer Hand abzählen kann. Die Spieler machen natürlich eine wesentlich bessere Figur. Dank Motion-Capturing-Verfahren wirken viele der Bewegungsabläufe butterweich. Leider wurden die Animationsphasen nicht ganz gerecht verteilt, denn während die Schlagsequenz immer wieder realistisch aussieht, gibt es im Feldspiel ein paar unschöne Übergänge zu bemängeln. Die Gesichter der Stars haben zwar einen gewissen Wiedererkennungswert, aber andere Spiele haben auf diesem Gebiet bereits wesentlich mehr gezeigt. Durch einige schöne Effekte, wie dampfendem Atem bei kaltem Wetter, wirkt das Spiel sehr lebendig.

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"Es stehen viele Stadien zur Auswahl."

Soundtechnisch wird voll auf Altbewährtes gesetzt. Jubelnde Zuschauer und glaubwürdige Soundeffekte sorgen für Stadionatmosphäre und die guten, wenn auch manchmal etwas müde wirkenden englischsprachigen Kommentatoren können von Zeit zu Zeit die Illusion einer Fernsehübertragung erzeugen. Wirklich bahnbrechende Neuerungen sucht man allerdings vergebens.
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