Disaster - Day of Crisis im Test

Nintendo Wii

Treue Leser kennen und wissen bereits, dass die bessere Hälfte dieses Autors, die schönste Armenierin, kein großer Anhänger von Videospielen und der damit verbundenen »Zeitverschwendung« ist. Die Geschwindigkeit, mit welcher der Autor dieser Zeilen die Schillerscheibe von Disaster - Day of Crisis aus ihrer Verpackung befreite, ließ sie düster ahnen, dass die kommenden Abende vollends der Thematik rund um Katastrophen & Weltverschwörungen gewidmet waren. Und so sollte es in der Tat auch kommen, denn Disaster fesselte vor den Fernseher...

Disaster_Day_of_Crisis_neXGam_11Raymond »Ray« Bryce ist cool. Er ist einer von diesen cTypen, zu denen schon auf dem Pausenhof alle aufsahen, der mit 13 bereits Bartwuchs und 17 3/4 Jahren seinen Führerschein hat. Noch cooler aber ist sein Beruf, denn der Mann ist aktiv beim Internationalen Rettungsteam tätig. Okay, eigentlich war er das. Denn nachdem er bei einem Vulkanausbruch vor einem Jahr seinem besten Kumpel Steve Hewitt beim Badespaß in 900° C Grad heißer Lava zusehen musste, zog er sich an den Schreibtisch zurück. Doch jetzt droht Gefahr von einer Bande durchgeknallter Militärs. Die tarnbefleckten Jungs bringen Blue Ridge City nämlich mit künstlichen Erdbeben zum Husten und stibitzen nebenbei auch noch eine Ladung atomarer Sprengköpfe.

In Ordnung, aber was hat das mit Ray zu tun? Ganz einfach - um die Erde beben zu lassen, entführte Oberfiesling Colonel Haynes den Seismologie-Professor Davies und seine persönliche Assistentin. Na, klingelt es immer noch nicht? Okay - dann zum Namen der jungen Lady: Lisa Hewitt. Genau, die Schwester seines Ex-Kumpels. Und weil Ray außer einem Berg Akten im Moment nichts zu tun hat und das FBI immer fähige Leute sucht, macht er sich in bester Bruce-Willis-Manier als Einzelkämpfer auf dem Weg...

Disaster_Day_of_Crisis_neXGam_16Wer der bis dahin schon ungemein verwirrenden Hintergrundgeschichte geistig folgen kann, der sei vorgewarnt - es wird noch komplexer. In Wirklichkeit gibt Lisa nämlich Ray die Schuld am Tod ihres Bruders und die bösen Buben wollen mit dem Atombomben nicht nur ihr neues Eigenheim schmücken. Kurzum, hier wird beste B-Movie Unterhaltung geboten. Doch stört uns das? Im Prinzip nicht, denn Disaster - Day of Crisis ist derart abwechslungsreich und unterhaltsam, dass ihr der in englischen Cut-Scenes erzählten Story willig folgen werdet.

Statt nämlich einfach nur üblen Übeltätern das Lebenslichtlein auszublasen, beschäftigt ihr euch auch mit der Rettung von Überlebenden. Remember: Blue Ridge City erwischte einen schlechten Tag und sieht ebenso aus. Inmitten der Trümmer trefft ihr an den unmöglichsten Stellen wiederholt Verletzte und verschüttete Personen, die in brenzligen Situationen eure Hilfe benötigen. Mit dem Z-Button könnt ihr ebenfalls den Klassiker aller Horrorfilme loswerden (»Hallo, ist da jemand?«) um so hilfsbedürftige Mitbürger zu lokalisieren. Schon hier wird ordentlich Gebrauch von Wiimote und Nunchuck gemacht: Verschüttete werden aus Löchern gezogen, Felsen zur Seite gehievt und klaffende Wunden erstversorgt.

Disaster_Day_of_Crisis_neXGam_22Dabei bleibt es jedoch nicht, denn die Macher von Disaster - Day of Crisis machten in ihrer unbeschreiblichen Genialität noch weitere Einsatzmöglichkeiten der Wiimote ausfindig: So dreht ihr Türknaufe, schlagt Feuer aus oder lasst Ray schlichtweg um sein Leben rennen. Dazu kommen regelmäßige (und gelungen inszenierte!) Fahrszenen über den örtlichen Highway und umliegenden Bergen sowie die unausweichlichen Schießereien im Lightgun-Style. Weder kann noch will man damit vermutlich Titeln wie Resident Evil: Umbrella Chronicles oder Ghost Squad Paroli bieten, für die dramatisch geschilderte Story sind die geschickt in den Spielablauf eingestreuten Szenen aber durchaus förderlich. Klassisch kauert ihr hier hinter eurer Deckung und wartet auf einen günstigen Moment, ehe ihr den rauen Gegnermengen eine Vorführung eurer neuen Schrotflinte darbietet.

Dabei muss es nicht zwangsläufig die alte Bleibüchse sein, denn standardmäßig stehen auch Maschinenpistolen und Revolver zur Wahl. Wer sich im Speichermenü zwischen den Levels am Schießstand austobt, erhält zudem Gelegenheit noch weitere Waffen (z. B. Armbrust, Gatling Gun, usw.) freizuschalten. Notwendig sind hierfür allerdings in den Levels gesammelte KP, die ihr anschließend ähnlich wie zusammengeraffte HP investieren dürft. Letztere HP übrigens in ein halbes Dutzend Fähigkeiten á la Genauigkeit oder Stoffwechsel. Da insbesondere gerettete Zivilisten fleißig HP auf das virtuelle Konto spülen, lohnt es sich, Verletzte mühselig an sichere Orte zu schleppen. Und da sich einige Opfer derart gut verstecken, dass ihr sie beim ersten Durchgang unter Garantie nicht finden werdet, lohnt es sich auch durchaus abgeschlossene Level noch ein weiteres Mal zu bewältigen.

Disaster_Day_of_Crisis_neXGam_30Ohnehin wird es geübten Spielern bei Disaster - Day of Crisis bis auf wenige Stellen nicht allzu schwer gemacht: Viele der Actionszenen sind bereits im ersten Anlauf zu bewältigen und selbst wenn, lassen sie sich in unbegrenzter Anzahl wiederholen. Zudem liegen in den Levels massenhaft Items verstreut, die sich in Mülltonen, Papierkörben und Kisten verstecken. So realistisch Disaster - Day of Crisis manchmal wirken möchte, hier machen sich die offensichtlich vom Ideengut noch in den kunterbunten Super Mario Welten der 90er steckenden Software-Schöpfer einfach lächerlich. Da läuft links neben Ray die Lava den Berg hinab, während rechts neben euch in einer Mülltonne ein frisch zubereiteter Hamburger von der doppelten Kopfgröße Rays liegt. Öhm, okay, niemand hat gesagt es sei eine Simulation ...

Obwohl manchmal trotzdem der Eindruck einer möglichst realitätsnahen Darbietung erweckt wird. Die Skriptschreiber waren offenbar besessen von Wörtern wie »pyroklastischer Strom« oder »phreatomagmatische Eruption«. Dazu versorgt euch ein Radiosender aus der Tiefe eurer Wiimote regelmäßig mit letzten Meldungen aus dem Katastrophengebiet. Wenn man sich anschließend erschöpft im Regen der schwarzen Vulkanasche zu einem sicheren Plätzchen durchschlagen will, kommt kurzzeitig beklemmende Atmosphäre auf. Was allerdings auch mit dem begrenzten Lungenvolumen des unglücklichsten Rettungshelfers der Welt zusammenhängt. Selbiges hält euch nämlich sowohl von längeren Sprints als ebenfalls einem Leben als Kaminkehrer ab. Ist die Anzeige der Lunge mit beißendem Rauch gefüllt, hat Amerika einen Steuerzahler weniger.

Wirklich beeindruckt hat mich Ray aber mit seinen Bewegungen. Die wirken so, als hätte er noch den Kleiderbügel im T-Shirt stecken. Erinnert ihr euch noch an Jill & Chris aus Resident Evil 1? Ja, ungefähr so. Der Rest der Optik wechselt von brilliant bis hin zu einfach armselig, mit blassen verwaschenen Texturen und sparsamen Animationen. Zwei Minuten später glänzt der Titel von Entwickler Monolith allerdings erneut mit hübschen Charaktermodellen und einer beeindruckenden cut-scene. Dazu gesellt sich ein Soundtrack, wie er einem Roland Emmerich Film entstammen könnte und einer durchweg soliden englischen Synchronisation samt deutscher Untertitel. Jedoch wirken einige der Dialoge im Spiel dermaßen platt, dass selbst die gut gewählten Stimmen eine gewisse Erheiterung nicht verhindern können.




Sebastian meint:

Sebastian

Ich habe einen guten Freund bei der Bergwacht, was mich natürlich direkt als Tester für Disaster - Day of Crisis qualifizierte. Entsprechend der daraus resultierenden geballten Kompetenz kann dieser Autor Disaster - Day of Crisis durchaus einen gewissen Charme bescheinigen. Zudem besetzt er eine Lücke im Wii-Sortiment und lässt euch in einem interaktiven Kinofilm Marke Hollywood mitspielen. Das actionreiche Gameplay unterhält dabei von Anfang bis Ende - besser, ihr stellt allerdings keine großen Ansprüche an die Story, die alle Klischees voll bedient. Dennoch - ganz klar einen Daumen hoch!

Positiv

  • Gelungene Steuerung
  • Gute Wiederspielbarkeit
  • B-Movie Charm

Negativ

  • Klischeehafte Story
  • Unschöne Grafik
Userwertung
6.8 4 Stimmen
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Forum
  • von kueber1:

    Das Spiel hätte definitiv einen 2. Teil auf WIIU verdient. Fand es echt cool und mal was anderes

  • von lumpi3:

    Eher der Wii Fanbase würde ich behaupten.

  • von Crewmate:

    Das Haus im Aschewald bleibt für mich eine der intensivsten Momente der gesammten Wii Laufzeit. Der Nintendo Fanbase ist das natürlich scheiß egal....

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