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Der magische Stift im Test

Nintendo DS
Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht seine eigene Videospielfigur zu entwerfen und mit ihr zahllose Abenteuer zu bestehen. Gerade moderne Rollenspiele bedienen diesen Wunsch bekanntermaßen mit immer ausgefeilteren Charaktereditoren, die mittlerweile zwar einiges an Möglichkeiten bieten, letztendlich jedoch nie aus einer gewissen Beschränktheit ausbrechen können. Mit THQs „Der Magische Stift“ könnten die Zeiten der beschränkien Phantasie nun jedoch endgültig vorbei sein, verspricht es doch völlige Freiheit bei der Charaktererstellung und noch einiges mehr. Ob das Spiel etwas taugt? Nach dem Test seid ihr schlauer.
Nachdem man das gute Stück in seinen Nintendo DS platziert und selbigen angeworfen hat, gilt es erst einmal die Sprachauswahl hinter sich zu bringen. Also flugs Deutsch angeklickt und der Dinge geharrt, die da kommen. Und was da kam war verdammt seltsam. Als nächstes wird man nämlich unter der Überschrift: „Woran erinnerst du dich“ mit diversen Wortgruppen konfrontiert, deren Sinn mir ehrlich gesagt bis jetzt noch schleierhaft ist, von denen man aber nichts desto trotz ein paar mittels Touchscreen auswählen soll.
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,,, Weil ich ja von Natur aus freundlich bin, habe ich dem Spiel den Gefallen getan und mir ein paar Satzfetzen zusammengesucht, die mir irgendwie sympathisch waren. Doch die Verwirrung ging jetzt erst richtig los, denn nun wurde ich aufgefordert, das Erlebte zu zeichnen. Spätestens hier war dann Fragezeichen angesagt. Also wie bitte soll ich etwas zeichnen, dass ich nicht erlebt habe, und für dessen Beschreibung einige mehr oder weniger sinnvolle Sätze auf dem Bildschirm prangen? Ich habe also aus lauter Verzweiflung meiner unfassbaren zeichnerischen Gabe freien Lauf gelassen und eine expressionistische Strichmännchenvariante (ich nenne sie „Sieg des Abstrakten“) auf den Schirm gezaubert.

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Jetzt war ich wirklich gespannt, wie mich das Spiel für diese unfassbare Meisterleistung belohnen würde. Und was kam? Ein kurzer, ziemlich sinnloser Anime-Stummfilm. Hmm ok..Das war schwach! Und was wird aus meinem tollen Bild und meinen Antworten? Ganz einfach. Sie tauchen nie mehr auf. Falls ihr euch jetzt fragt, was zum Teufel das sollte? Genau das frage ich mich auch!

Aber egal. Weiter im Text. Nach dem, wie gesagt ziemlich sinnlosen Anime-Streifen, wechselt das Spiel in die eigentliche ingame Grafik und man bekommt endlich die Vorgeschichte des Spiels zu Gesicht. Kurz gesagt wird der Körper eines Mädchens von einem bösen Wesen namens Wilfre gekapert, doch der Schandtaten nicht genug, klaut das Vieh auch noch alle Farben der Welt nebst der meisten Dorfbewohner. Damit ist die Aufgabe des Spielers dann auch schon ziemlich klar umrissen. Erstens rette die Chica, zweitens befreit die Dorfeinwohner und drittens bring der Welt die Farben zurück. Soweit so gut.

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Um diese Heldentaten zu vollbringen wird euch nun aber kein vorgefertigter Held angedreht, vielmehr könnt ihr selbst euren ganz persönlichen Helden zeichnen. Wenn das mal nicht spannend und genial klingt. Dann schauen wir uns mal an, wie das Ganze funktioniert. Zur Heldenerschaffung öffnet sich euch ein Fenster, welches doch etwas an ein altes Windows Paint erinnert. Links könnt ihr euch diverse Farben sowie einige Malwerkzeuge aussuchen und rechts auf einer Leinwand nach Herzenslust herumpinseln. Lediglich eine grob humanoide Form ist euch vorgegeben, sprich euer Held sollte sowas wie vier Extremitäten plus Kopf besitzen, sonst sind eurer Kreativität keine Grenzen gesetzt.

In der Theorie klingt das alles ja sehr schmeichelhaft. Objektiv betrachtet ist es aber auf Grund einiger Gemeinheiten so gut wie unmöglich einen halbwegs schönen bzw. künstlerisch etwas anspruchsvolleren Charakter zu fabrizieren. Das erste Problem stellt dabei die unheimlich geringe Auflösung der Leinwand da. Um es anschaulich zu machen: Ein Rundbogen sieht aus wie eine Freitreppe, dermaßen pixelig ist das ganze. Hinzu kommt noch, dass nicht am Auftreffpunkt eures DS-Pens gezeichnet wird, sondern 2-3 Pixel darüber. Hier wäre wirklich viel mehr Sorgfalt von Nöten gewesen, gerade weil es sich ja um das zentralste Alleinstellungsmerkmal des Spieles handelt. So verkommt die Malerei leider sehr schnell zu einem lustlosen Gekleckere.

Ich habe mir dann trotz aller Widrigkeiten doch irgendwie einen halbwegs brauchbaren Held zusammengestümpert und wurde nun auch endlich auf die eigentliche Spielwelt losgelassen. Die sieht dann auch gleich recht nett aus. Man beginnt sein Abenteuer in der Mitte eines Dorfes, das sich sinnigerweise auf dem Rücken einer Schildkröte befindet und somit ziemlich mobil ist (also quasi der Traum eines jeden Holländers...-> wie Wohnwagen nur klimawandelsicher). Ihr seht die Spielwelt aus einer wirklich hübschen isometrischen Vogelperspektive und könnt nun eure Umgebung erkunden. Neben einigen Geschäften wird euch hier auch eure erste Mission begegnen.

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Sobald ihr das entsprechende Gebäude betreten habt, wechselt das Spiel in die typische 2D Jump n‘ Run Ansicht und erstaunt musste ich feststellen: So dermaßen nach Picasso sieht der Charakter auf einmal gar nicht mehr aus. Alle Bewegungen sind gut animiert und auch der Rest sieht wirklich hübsch aus. Euer Held steuert sich nun auch ganz klassisch wie jeder andere Held der großen 2-D Zeit. Per Digikreuz wird gelaufen, mit den Knöpfen gesprungen und die Waffe eurer Wahl eingesetzt. Die Steuerung ist dabei butterweich und absolut vorbildlich. Ein dickes Lob an die Entwickler.

Eure Aufgabe ist es nun, das Levelende zu erreichen, stellenweise müsst ihr aber auch bestimmte Gegenstände finden oder auch mal eine „Aktionsmalerei“ genannt Denkaufgabe lösen. Hierbei müsst ihr mit dem Stift und begrenzter Tintenmenge Plattformen direkt in das Spiel hineinzeichnen, um so ein Hindernis zu überwinden. Die Aufgaben sind aber immer fair und durchweg kindergerecht. Auf dem Weg zum Levelende solltet man außerdem möglichst viele Goldmünzen einsammeln, die überall verstreut sind, sowie die Farbtropfen und Farbtöpfe, die einem begegnen. Mit den Goldmünzen kann man dann später in den Geschäften bessere Waffen, Spiele-Tipps oder Schablonen zum Ausmalen kaufen.

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Mit den Farbtropfen hat es dahingegen eine ganz andere Bewandnis. Wieder zurück auf der Dorfkarte, werdet ihr feststellen, dass es nicht möglich ist, die Regionen zu betreten, denen Wilfre die Farben gestohlen hat. Habt ihr aber genügend Farbtropfen gesammelt, könnt ihr besagte Regionen wieder ausmalen und somit neue Regionen auf der Übersichtskarte und damit neue Levels freischalten. Das Spiel setzt sich jetzt prinzipiell nach diesem Schema fort. Jump n‘ Run Level durchspielen, Geld und Farbe einsacken und damit die nächsten Abschnitte freischalten. Das Schildkrötendorf sticht dabei, nachdem ihr einen Landstrich wieder komplett eingefärbt habt, in See und bringt euch zu neuen Herausforderungen, sprich Landstrichen.

Zwischendurch unterbricht man diesen Ablauf stellenweise mal kurz, um das Gold in den Geschäften für neue Waffen einzutauschen. Besagte Waffen kann man übrigens ebenfalls selber zeichnen, wobei man wieder mit den oben beschriebenen Problemen konfrontiert wird. Generell stehen euch drei Arten von Waffen zur Verfügung, ein Schwert, eine Schusswaffe und ein Jojo. Das Jojo ist dabei meiner Meinung nach übrigens witzigerweise wesentlich stärker als das Schwert, das aber nur am Rande.

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Die Schablonen, die ebenfalls dort angeboten werden, bieten euch eine Art von Ausmalmöglichkeit und wollen euch so tollere Charaktere ermöglichen. Wie überall macht hier jedoch die schlechte Maloberfläche einen Strich durch die Rechnung. Im späteren Spielverlauf kann man sich übrigens noch in diverse andere Formen verwandeln, um Gänge oder Hindernisse zu passieren, die man zuvor nicht meistern konnte. Generell ein guter Schachzug was die Langzeitmotivation anbelangt.

Wenn man sich das Ganze so anschaut klingt alles ja ganz geschmeidig und spielt sich auch so. Allerdings muss ich noch einen Kritikpunkt anbringen. Nach so ziemlich jeder gemeisterten Mission konfrontiert euch das Spiel mit einer Cutscene in Spielegrafik, in der die Geschichte weitergesponnen wird. Und diese Geschichte ist dermaßen langweilig und unspannend inszeniert, dass man wirklich am liebsten einschlafen würde. Oft wird wirklich minutenlang über völlig belangloses Zeug gelabert, so dass man nach 3-4 Missionen dazu übergeht, die Zwischenszenen entnervt zu überspringen, was zum Glück möglich ist. Für diese von den Spieledesignern weise integrierte Funktion ein riesen Lob von meiner Seite..Sie wussten aber wahrscheinlich auch, was sie verbrochen hatten...Gerade im Hinblick darauf, dass das Spiel eher für Kinder gedacht ist, hätte ich mir hier deutlich weniger Text und dafür eine spannendere Story gewünscht.

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Ansonsten ist das Spiel durchaus kindergerecht. Der Schwierigkeitsgrad pendelt zwischen leicht bis hin zu ziemlich-entspannt-machbar. Man hat keine Lebensbegrenzung, sondern startet einfach nochmal am Levelanfang. Außerdem verkraftet man 4 Treffer bis man aus den Latschen kippt. Als Erwachsener kommt man also kaum mal in Verlegenheit. Lediglich die häufiger auftauchenden Aktionsmalereien zwingen einen mal dazu kurz nachzudenken, stellen aber auch keine große Schwierigkeit dar. Von der technischen Seite betrachtet ist „Der Magische Stift“ ein wirklich schönes Spiel. Die Grafik ist sehr freundlich und bunt, alle Animationen sind weich und schön anzusehen und auf der soundtechnischen Seite wurde sich ebenfalls keine Blöße gegeben. Hier kann den Entwicklern also völlig zu Recht ein dickes Lob ausgesprochen werden.

Andreas meint:

Andreas Der magische Stift ist ein sehr schönes Kinderspiel. Die Grafik stimmt, der Sound ist ok und die Malerei bringt frischen Wind in das ansonsten klassische Jump and Run. Leider wurde jedoch die Maloberfläche ziemlich verkorkst und die Story ist durch ihre Textlastigkeit und fehlende Spannung auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Wenn man diese Mängel aber bei Seite lässt, hat man ein sehr angenehmes Kinderspiel vor sich, an dem auch erwachsene Erstzocker durchaus Gefallen finden können.

Positiv

  • Schöne Grafik
  • Super Steuerung
  • Erfrischende Spielidee

Negativ

  • Zeichnen höllig ungenau
  • Langweilige Story
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