Der Bauernhof im Test

Nintendo DS

Das ein Leben auf dem Bauernhof ein echter Spaß sein kann, weiß jeder, der mal eine Horde fauler Kühe auf die Weide treiben durfte. Aber wie sieht es aus, wenn alle Vorgänge und Arbeiten auf einem Bauernhof in einem Videospiel simuliert werden? Macht das immer noch Spaß?

der_bauernhof9Ich, als geborener Stadtjunge, kam im Jahr 1985 zu einer tiefgreifenden Erfahrung, die mein Leben positiv wie negativ beeinflussen sollte. Denn im heißen Sommer zogen meine Familie und ich aus dem staubigen Ruhrgebiet in die landwirtschaftlich geprägte Umgebung des Westerwalds. Dort, in einem 1000-Seelen-Dorf, umringt von hunderten von Bauernhöfen, verlebte ich einen Teil meiner Jugend. Kein Smog, viel Natur und eben das Leben auf dem Bauernhof.

Zu der damaligen Zeit war ich gerade sieben Jahre alt und alle Kühe, Schweine und Hühner auf den nahegelegenen Höfen hatten etwas Faszinierendes an sich. Als Stadtjunge verbrachte jede freie Minute an der Seite der Bauern und übte alle Tätigkeiten aus, die ein Junge mit sieben Jahre so tun kann. Als ich älter war, nahm mich mein Lieblingsbauer an die Hand und zeigte mir das wahre Leben in der Landwirtschaft.

der_bauernhof6Ihr könnt euch vorstellen, dass dies nicht mehr aus Streichelzoo-Aufgaben bestand, sondern harte Arbeit mit sich brachte. Kühe melken, Tiere versorgen, Tonnen von Gülle beseitigen und mit dem Traktor Felder bearbeiten. Jahre später sitze ich jetzt wieder in einer Stadt, ohne Landwirtschaft in der Umgebung. Glaubt ihr, dass ich sie vermisse? Überhaupt nicht! Doch wie es im Leben so kommt, holt jeden die Vergangenheit früher oder später ein. In meinem Fall bedeutet das, dass ich eine Testversion von der Bauernhof für Nintendo DS in meinem Postfach vorfand ...

Der Bauernhof, der kleine Bruder des Landwirtschaftssimulators für PC, beginnt wie jedes Spiel dieser Sparte: Ihr erstellt ein Profil und wählt einen Schwierigkeitsgrad. Dieser ist sehr stark an eure Ausgangssituation gebunden. Während im einfachen Schwierigkeitsgrad das Startkapital mit 500 Talern, zwei Schweinen, Gänsen, Kühen, Schafen und Hühnern noch reichhaltig zu sein scheint, ist dies im höchsten Schwierigkeitsmodus nicht mehr so. Hier ist von Beginn an der Traktor und Mähdrescher kaputt und die Anzahl der Tiere auf eurem Hof wurden auf vier begrenzt.

der_bauernhof5Sobald ihr euch mit eurem virtuellen Bauern auf eurem Hof bewegt, werdet ihr merken, dass das Spiel von Astragon eins richtig gemacht hat, denn das Spiel ist wirkliche Arbeit. Eure Tiere wollen versorgt, Beete bewirtschaftet und Einnahmen mit geernteten Produkten müssen eingefahren werden. Hier heißt es oft von Punkt A nach Punkt B rennen, um eine wichtige Tätigkeit auszuführen. Zum Füttern der Tiere solltet ihr zum Beispiel erst in den Schuppen gehen und euch mit Eimern bewaffnen.

Diese füllt ihr mit Futter oder Getreide. Wasser wird aus dem hauseigenen See, in der Mitte eures Bauernhofs, entnommen. Bewaffnet mit all diesen Dingen geht es in die Scheune, wo das starre und oft schlecht gelaunte Getier auf sein Futter wartet. Dann geht es auf die Felder um Unkraut zu entfernen oder eure Ernte einzufahren. Jede Tätigkeit wird mit dem Stylus ausgeführt und läuft (abgesehen von der Steuerung des Bauern) recht gut. Während die Harvest Moon-Serie mit charmanten Minispielen punktet, sind alle Tätigkeiten in Astragons Bauernsimulation frei von Spaß.

der_bauernhof4Das kann daran liegen, dass die Spielgrafik im Vergleich zu Harvest Moon realistischer wirkt. Aber wenn ich sage ’’realistischer’’ meine ich nicht gleich ’’schöner’’. Das virtuelle Leben auf dem Bauernhof wird oft in hässlichen Standbildern präsentiert, die wenig Animationen bieten. Die Pixelgrafik mit ihren kleinen, teilweise schwer zu erkennenden Objekten macht euch die Arbeit auch nicht wirklich leichter.

Da ihr oft nicht erkennt, wo sich die Gegenstände gerade befinden, artet die Suche in ein wildes Rumgeklicke mit dem Stylus aus. Recht trocken präsentiert sich der obere Bildschirm des Handhelds, der euch mit Informationen über eure Rohstoffe auf dem Laufenden hält oder euch anzeigt, welches Tier welche Bedürfnisse hat. Das alles wirkt leider recht dröge und extrem unattraktiv!

Umsätze macht ihr natürlich, wenn ihr Produkte in der Stadt verkauft. Hierzu nehmt ihr euch euren "Porsche" und heizt in das nächste Kaff. Dort könnt ihr auch euer erwirtschaftetes Geld im Jobcenter für neues Personal ausgeben, beim Maschinenservice eure Hardware reparieren lassen oder euch im Saat- und Futterhandel mit Ressourcen eindecken. Beim Kaufmenü haben die Entwickler von Astragon viel vor gehabt, was aber nur halbherzig umgesetzt wurde, denn hier wird der Spieler mit einer undurchsichtigen Struktur verunsichert. Was bleibt als Letztes? Der Sound! Tja, dieser ist mit einer schwachen Soundabmischung und billigem Soundcodec, qualitativ so schlecht, dass sich selbst Handygames besser anhören!




Dominic meint:

Dominic

Theoretisch ist die Idee einen Bauernhofsimulator auf einen Handheld zu bringen eine gute Sache. Aber wenn sich der Spielspaß schon nach der ersten Minute verflüchtigt, läuft etwas schief. Der Bauernhof von Astragon ist ein ambitioniertes Projekt, das aber schlecht umgesetzt wurde und für das kein Nintendo DS-Besitzer Geld ausgeben sollte.

Positiv

  • Verschiedene Tätigkeiten des Hoflebens
  • Tiere mit unterschiedlichen Bedürfnissen

Negativ

  • Langweiliger Spielablauf
  • Trocken präsentiert
  • Nicht einsteigerfreundlich
Userwertung
0.0 0 Stimmen
Wertung abgeben:
0.0
senden
Mehr zum Thema