Beggar Prince im Test

Mega Drive

Fast zehn Jahre ist es her, seit das letzte Mega Drive Spiel veröffentlicht wurde. Doch plötzlich tauchte eine Neuankündigung auf dem Redaktionsradar auf: Beggar Prince. Das Super Fighter Team nahm sich eines unveröffentlichten Taiwan-Titels an, übersetzte ihn und offeriert der treuen Mega Drive Fangemeinde ein neues 16-Bit Rollenspiel.

beggar-prince_03Ausgeliefert in einer hochwertigen Mega Drive Hülle inklusive einer farbigen Anleitung passt das Spiel hervorragend zur restlichen Sammlung im Regal. Keine Bastellösung nötig. Erfreulich, dass man nicht den Weg anderer Homebrew Releases ging, sondern Beggar Prince wie zu besten Mega Drive Zeiten ausliefert. Es fühlte sich seltsam an, im Jahr 2007 ein *neues* Mega Drive Spiel aus seiner Verpackung zu befreien. Prompt war ich wieder 16 Jahre und mitten in den 90er Jahren.
 

Genug Nostalgie. Beim Rollenspiel Beggar Prince dreht sich die Geschichte um den jungen Prinz Steve. Der hat ein Problem.  Er wollte kurzzeitig der stickigen Palastluft Lebewohl sagen und Freiheit schnuppern. Zu diesem Zweck tauschte der schnöselige Kronprinz mit einem ähnlich aussehenden Bettler die Klamotten. Dumm nur, das der korrupte Katzenminister intriganter als jeder bundesdeutsche Parlamentarier ist und den Prinz auf diese Weise abserviert. Haha, spätestens seit Wing Commander hätte ich dem Prinz sagen können, dass von den Fellknäueln nichts Gutes zu erwarten ist! Jedenfalls begibt sich Hohheit auf eine Rettungsmission für sein Königreich. Alle Amerikanistik Studenten werden nun aufschreien: Halt! Diebstahl! Die Story ist ja sowas von geklaut! Und recht haben sie: Wie war das gleich mit Mark Twains Erzählung über den englischen Monarchen Edward VI. und dessen Doppelleben in dem Roman „The Prince and the Pauper“ ? (deutsch: „Prinz und Bettelknabe“)

beggar-prince_05Weg von klassischer Weltliteratur, hin zum neuesten Mega Drive Abenteuer. Und da hat das Spiel erfreuliche Seiten aufzubieten. Beispielsweise steuert ihr über die komplette Spieldauer ausschließlich das Prinzlein, was die Identifikation mit der Spielfigur erleichtert. Wem es bei Rollenspielen vor trockenen Menüs graut, darf sich freuen - das nervige Gefrickel entfällt nahezu komplett. Upgrades werden automatisch ausgewählt und ersparen lästige Einstellungsarbeit. Lediglich die Items aus eurem Rucksack müsst ihr je nach Spielsituation selbst anwenden.

Das rundenbasierte Kampfsystem verlässt die ausgetrampelten Pfade des Genres und bietet Innovation. Zumindest im Ansatz. Sowohl der Prinz als auch seine Feinde, verfügen zu Beginn der Runde über eine knallvolle Aktionsleiste. Jede ausgeführte Aktion knabbert an selbiger und sind alle Punkte aufgebraucht, dürfen die Gegnerscharen zurückschlagen. Konventioneller wird es bei den Aktionsmöglichkeiten. Neben dem Monsterpieksen mittels Handwaffe könnt ihr aus einer stetig wachsenden Palette an Zaubersprüchen wählen. Das Simsalabim unterteilt sich (mal wieder..) in Elemente. Feuer, Wasser, Erde usw. Natürlich besitzt jedes Element Stärken und Schwächen gegenüber anderen (z. B. Wasserzauber gegen Feuer). Für meinen Geschmack treten die Zufallskämpfe auf der Weltkarte zu häufig auf. Aber ich bin auch Final Fantasy geschädigt und deshalb womöglich überempfindlich. Trotzdem nichts für ungeduldige Zeitgenossen. Manchmal reichen 3-4 Schritte, um in den nächsten Kampf verwickelt zu werden. Wen sowas total abturnt, lässt besser die Finger von Beggar Prince.

beggar-prince_01Gleiches betrifft den unausgewogenen Schwierigkeitsgrad. Anfangs trifft euch dieser hart und unvermittelt. Nur mit viel Milk Candy (heilende Wirkung) im Rucksack zu überstehen. Zum Glück lässt sich in einem Haus in der Stadt der Vorrat immer wieder nachfüllen. So ist die größte Sorge der rechtzeitige Einsatz des zuckerhaltigen Zahnarztschreckens. Fiese Stellen hat das Modul trotzdem. Etwa wenn ihr in einer Mine ohne Vorwarnung von einem rollenden Stein erschlagen werdet und danach den Game Over Screen zu sehen bekommt. Zusehende kleine Geschwister bringen sich besser rechtzeitig in Sicherheit.

Glücklich derjenige, der vorher rechtzeitig an einem der vielen im Spiel verstreuten Speicherpunkte seinen Spielstand gespeichert hat. Vier Speicherplätze stellt die Batterie bereit. Apropos Batterie - wer voller Sorge auf die Lebensdauer der kleinen Dinger schielt, darf bei Beggar Prince beruhigt sein. Wer das Modul öffnet, sieht sofort, wieso - die Batterie lässt sich im Ernstfall leicht und ohne Lötkolben ersetzen.

beggar-prince_04Außerdem muss ich jetzt noch Lob verteilen, nach der Meckerei ein paar Zeilen weiter oben: Die Orte im Spiel sind mit vielen liebevollen Details garniert. Da bemerkte ich seit langem erstmal, wie „kühl“ viele Next Generation Spiele geworden sind. Diese Rollenspiele des 16-Bit Zeitalters strahlten eine gewisse Wärme aus, wie man sie heutzutage nur noch bei einigen japanischen Produktionen findet. Vielleicht komme ich seniler, alter Sack aber auch schon ins „Früher war alles besser“ Alter. Wer weiß.

Unumstritten ist die hohe Qualität der Übersetzung aus dem Chinesischen. Nichts deutet sprachlich mehr auf die fernöstliche Herkunft hin. Angesichts der guten Verkaufszahlen von Beggar Prince und einer konstanten Nachfrage wird eine zweite Auflage bereits produziert. Hier soll das vielgescholtene Bild der Verpackung (Boxart) überarbeitet werden. Die Kritik ist meiner Ansicht nach maßlos übertrieben, aber die SEGA Foren dieser Welt brauchen die Diskussion. Insofern überlasse ich das Urteil dem Leser. Trotz amerikanischer Herkunft läuft Beggar Prince problemlos auf beiden PAL Mega Drive Modellen. Selbst der mobile Nomad wird unterstützt, aufgrund des kleineren Screens sind textlastige Rollenspiele aber nicht sehr angenehm zu spielen. Beggar Prince lässt sich auch aufgesteckt aufs 32X spielen, dann funktioniert allerdings das speichern des Spielstandes nicht mehr.




Sebastian meint:

Sebastian

Immer wieder wurde Beggar Prince verschoben, weil Bugfixing und Übersetzung noch nicht fertig waren. Die Feinarbeit hat sich gelohnt. Abgesehen von der  kurzen Gesamtspieldauer kann Beggar Prince die hohen Erwartungen erfüllen. Wer 16-Bit Rollenspielen etwas abgewinnen kann und einen Mega Drive daheim stehen hat, sollte sich Beggar Prince nicht entgehen lassen. Eine Reise in die eigene Jugend inklusive.

Positiv

  • Liebevolle Optik / Sound
  • Alternatives Kampfsystem
  • Batteriespeicher

Negativ

  • Kurze Gesamtspieldauer
  • Unfaire Stellen
  • Zufallskämpfe
Userwertung
8.1 8 Stimmen
Wertung abgeben:
8.1
senden
Forum
  • von geosnow:

    yep, kann wieder bestellt werden.

  • von alien011:

    Laut einer Mail von Super Fighter Team soll das nächste Release wohl diese Woche ausgeliefert werden, für insgesamt 70 US$, das sind zur Zeit 66,95 Euro. Allerdings bekommt man dafür keine Plastikhülle mehr, sondern eine Verpackung aus cardstock, das ist wohl dünner Bastelkarton. Ich warte wohl...

  • von 108 Sterne:

    Irgendwo hatten wir die News schonmal... leider ist der PReis jetzt höher, und es werden nur noch Pappschachteln geliefert. Release für BP ist auch erst nächstes Jahr, Star Odyssey und Wukong werden gar erst 2017 geliefert....

Insgesamt 340 Beiträge, diskutiere mit
Mehr zum Thema