Kickback Slug Cosmic Courier - keine lahme Schnecke im Test

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Es gibt Spielkonzepte, bei denen man schon beim ersten Hören weiß, ob man dafür gemacht ist oder nicht. Kickback Slug: Cosmic Courier ist so ein Spiel. Ein Weltraum-Schnecke namens Slippy, die als Paketzusteller arbeitet, nach einem Schiffsunglück auf einem fremden Planeten strandet und sich fortan mit Hilfe des Rückstoßes ihrer eigenen Waffen fortbewegt, um verlorene Pakete einzusammeln – das klingt absurd, und das ist es auch. Aber absurd auf die beste mögliche Weise. Das kleine Indie-Studio Kittens in Timespace hat mit diesem physikbasierten 2D-Plattformer etwas Seltenes geschaffen: ein Spiel, das seinen eigenen Unsinn vollständig versteht und daraus ein kohärentes, charmantes Spielerlebnis destilliert.

Kickback-Slug-Cosmic-Courier-02Das Herzstück des Spiels ist sein Bewegungssystem, und dieses ist so eigenwillig wie der Protagonist selbst. Slippy kann sich nicht auf normalem Wege fortbewegen – er ist schließlich eine Schnecke. Stattdessen nutzt er den Rückstoß seiner Waffe, um sich durch die Level zu schleudern. Wer nach links will, schießt nach rechts. Wer nach oben will, feuert nach unten. Das klingt zunächst nach einer absurden Steuerungsentscheidung, entpuppt sich aber als der eigentliche Kern des Spiels: Dieses Umdenken, dieser kognitive Umschwung, bei dem man lernen muss, intuitiv in die entgegengesetzte Richtung zu denken, ist zugleich Frustrations- und Befriedigungsquelle in einem. Sobald das Gehirn die neue Logik verinnerlicht hat, entsteht ein ganz eigener Spielfluss, der durchaus suchtgefährdend sein kann. Neben der reinen Fortbewegung stehen dem Spieler drei verschiedene Waffentypen zur Verfügung, die unterschiedliche Schubkräfte und Wirkungsweisen mitbringen. Das einfache Schießen tötet Feinde, zerstört Barrieren und aktiviert Schalter, erzeugt aber gleichzeitig den physikalischen Rückstoß, der Slippy in Bewegung hält. Diese Doppelfunktion der Waffe – Werkzeug und Fortbewegungsmittel in einem – verlangt ständige Koordination und Vorausplanung. Das Halten des Abzugsknopfes verwandelt das Spiel in etwas, das einem Jetpack-Flug ähnelt, während das gezielte Einzelschießen Slippy präzise über den Bildschirm katapultiert. Das Wechselspiel zwischen diesen Zuständen ist das eigentliche Handwerk, das Kickback Slug vom Spieler erwartet – und es dauert seine Zeit, bis man es beherrscht.

Die fünfzig Level des Spiels verteilen sich auf fünf verschiedene Biome: einen dichten Dschungel, eine vereiste Bergspitze, verlassene Minen, brodelnde Lavafelder und schließlich den Weltraum selbst. Jedes dieser Environments bringt eigene Hindernisse, Feinde und Mechaniken mit. Im Dschungel-Biom lauern Stacheln zwischen den Ästen, in den Minen rollen Dynamitkisten und Loren durch enge Schächte. Diese Abwechslung sorgt dafür, dass das Spiel trotz seines simplen Grundprinzips über die gesamte Spielzeit frisch bleibt – zumindest weitgehend. Jedes Biom endet mit einem Bosskampf, der die bisherigen Fähigkeiten auf die Probe stellt. Diese Bosskämpfe sind ein zweischneidiges Schwert: Einerseits lockern sie den Rhythmus der regulären Level angenehm auf und besitzen eigene HP-Balken, die auch beim Scheitern teilweise erhalten bleiben. Andererseits schleppen sie sich manchmal etwas lang hin und wirken im Vergleich zum flüssigen Tempo der normalen Stages gelegentlich überdehnt.

Kickback-Slug-Cosmic-Courier-04Das Schwierigkeitsniveau ist ein weiterer Aspekt, der je nach Spielerprofil unterschiedlich bewertet werden dürfte. Das Spiel erlaubt keinen Treffer – ein einziger Kontakt mit Gegnern oder Hindernissen bedeutet das sofortige Scheitern und den Neustart des Levels. Das kann, vor allem in den späteren Biomen, frustrierend werden. Wer aber Beharrlichkeit mitbringt, wird belohnt: Die Level sind kurz genug, um schnelle Wiederholungen zu erlauben, und jeder neue Versuch ist eine Gelegenheit, die Mechanik besser zu verstehen. Für Perfektion sorgen zusätzliche Herausforderungen: In jedem Level versteckt sich ein Paket, das eingesammelt werden kann, und wer es eilig hat, darf sich einer Zeitbegrenzung stellen. Diese optionalen Schichten machen das Spiel für leistungsorientierte Spieler deutlich länger und anspruchsvoller, ohne Gelegenheitsspieler zu überfordern. Optisch setzt Kickback Slug auf einen fröhlich-cartoonhaften Stil, der gut zum Ton des Spiels passt. Die Farbpalette ist bunt und abwechslungsreich, die Charakterdesigns haben Persönlichkeit, und die animierte Eröffnungssequenz – die an MS-Paint-Zeichnungen erinnert und das Duo Slippy und Mr. McFly vorstellt – ist ein charmanter Einstieg, der sofort den Tonfall setzt. Die Musik unterstützt das quirky Ambiente des Spiels, ohne aufdringlich zu werden, und die Soundeffekte – allen voran das übermütige Geräusch, das Slippys Fortbewegung begleitet – tragen zur insgesamt verspielten Atmosphäre bei. Sogar Sprachausgabe ist vorhanden, was für ein Indie-Spiel dieser Größenordnung keine Selbstverständlichkeit ist.

Der Humor des Spiels ist dabei eines seiner größten Stärken. Die Geschichte, die Slippy und Mr. McFly als überarbeitete Paketboten eines galaktischen Megakonzerns etabliert, die um den Titel „Mitarbeiter des Monats" wetteifern, trifft einen Nerv. Wer jemals für einen Arbeitgeber gearbeitet hat, der Effizienz über alles stellt, wird in den beiläufigen Kommentaren und der absurden Bürokratic des Spieluniversums eine vertraute Satire entdecken. Das Spiel nimmt sich selbst nie zu ernst, und das ist – wie im Fall von Cilla – erneut eine Tugend. Nur dass Kickback Slug diese Leichtigkeit mit tatsächlichem Spielspaß untermauert. Wo das Spiel an Grenzen stößt, ist die Tiefe des Gameplays über die gesamte Laufzeit hinweg. Das Grundprinzip ist bereits nach den ersten Leveln vollständig etabliert, und obwohl neue Biome neue Hindernisse einführen, bleibt die grundlegende Spielschleife konstant. Wer eine lange, sich stetig entfaltende Spielerfahrung sucht, wird möglicherweise feststellen, dass das Konzept seinen Zenit früher erreicht als die fünfzig Level lang sind. Erfahrene Spieler können das gesamte Spiel in wenigen Stunden abschließen, und die Frage, ob der Wiederspielwert der optionalen Herausforderungen ausreicht, hängt stark vom persönlichen Anspruch ab.

Michael meint:

Michael

Dennoch: Kickback Slug: Cosmic Courier ist ein gelungenes kleines Spiel, das genau weiß, was es sein will, und dieses Ziel mit Charme und Konsequenz verfolgt. Es ist kein Meisterwerk, und es beansprucht auch keins zu sein. Es ist ein schlagfertiger, gut gelaunter Plattformer mit einem einzigartigen Bewegungssystem, der sich für Gelegenheitsspieler ebenso eignet wie für jene, die in Zeitranglisten und perfekten Durchläufen eine Herausforderung suchen. Wer bereit ist, sein Gehirn kurz auf links zu drehen und einer Weltraum-Schnecke beim Paketezustellen zuzuschauen, wird seine Zeit gut investiert haben.

Positiv

  • kurzweilige Unterhaltung
  • freispielbare Extras

Negativ

  • teils sehr viele Rechtschreibfehler
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