Birushana - Winds of Fate im Test

NintendoSwitch

Birushana: Winds of Fate ist eine Visual Novel zum historisch-fantastischen Otome-Titel Birushana: Rising Flower of Genpei, der ursprünglich 2022 von Red Entertainment veröffentlicht wurde. Wer den Vorgänger geliebt hat und sich mehr Zeit mit dem Cast gewünscht hat, bekommt hier genau das: eine liebevoll gemachte Fortsetzung, die bekannte Beziehungen vertieft und die bisher unterrepräsentierten Nebenfiguren endlich eine Bühne gibt, die sie verdienen.

Birushana-Winds-Of-Fate-03Die Handlung spielt weiterhin im Japan des 12. Jahrhunderts, fünfzehn Jahre nach der Heiji-Rebellion, in der die Minamoto (Genji) den Taira (Heike) unterlagen. Protagonistin ist Shanao, die als vermeintlicher männlicher Erbe des Genji-Clans aufgezogen wurde, in Wahrheit aber eine Frau ist und ihre wahre Identität um jeden Preis geheim halten muss, um als legendäre Kriegerin Yoshitsune Minamoto in die Geschichte einzugehen. Diese Prämisse war schon im ersten Teil der Kern der Geschichte, und Winds of Fate baut konsequent darauf auf, ohne sie neu erfinden zu müssen.Vorkenntnisse der Vorgängers sind also fast schon zwingend erforderlich. Strukturell teilt sich das Spiel in zwei Bereiche auf. Zum Einen gibt es die Epilog-Routen zu den fünf ursprünglichen Umworbenen, die dort ansetzen, wo die "guten Enden" des ersten Spiels aufgehört haben, und dem Paar endlich ungestörte gemeinsame Zeit gönnen, garniert mit neuen Konflikten, die die Beziehung auf die Probe stellen. Zum Anderen gibt es vier komplett neue Hauptrouten mit Figuren, die im Original nur Nebenrollen hatten. Diese Routen setzen bereits in der Mitte der ursprünglichen Story an und schlagen von einen eigenen Weg ein. Wer Rising Flower of Genpei nicht gespielt hat, wird hier also ziemlich verloren sein, und die Epilog-Routen sind zudem gespickt mit Spoilern zu manchen Enden des ersten Spiels.

Inhaltlich verschiebt sich der Fokus im Vergleich zum ursprünglichen Spiel spürbar in Richtung Romantik. Während der erste Teil noch stark plotgetrieben war, mit seiner historisch, aber auch fantasy angehauchtetn Rahmenhandlung um Krieg, Verrat und Identität, nimmt sich Winds of Fate deutlich mehr Zeit für die Paare selbst, für ihr Zusammensein und für kleinere Reibungspunkte in bereits etablierten Beziehungen. Die schwereren Themen des Vorgängers fehlen zwar nicht komplett, treten aber merklich in den Hintergrund.  Wer mit den ursprünglichen Charakteren bereits vertraut ist, wird die erzählerischen Verknüpfungen deutlich mehr zu schätzen wissen als jemand, der komplett neu einsteigt. Herzstück des Spiels bleibt weiterhin die Protagonistin selbst. Yoshitsune Minamoto, genannt Shanao, wird durchgehend als kompetente, souveräne Figur beschrieben, deren Pflichtgefühl gegenüber ihrem Clan und ihrer Mission nie in den Hintergrund rückt, obwohl sie sich zugleich liebevoll um ihre Verbündeten und die einfache Bevölkerung kümmert. Diese Mischung aus Stärke, Verletzlichkeit und Zielstrebigkeit macht sie zu einer der überzeugenderen Heldinnen im Otome-Genre. Die Dialoge sind eingängig und jede Figur hat eine markante Persönlichkeit in ihren Ausdrucksweisen, was auch der englischen Lokalisierung gut gelingt, auch wenn diese nicht ganz frei von Schwächen ist.

Birushana-Winds-Of-Fate-05Genau hier liegt aber auch einer der Kritikpunkte: Die Übersetzung ist stellenweise zu locker und modern, gerade für ein historisches Fantasy-Setting, das eigentlich einen gehobeneren Sprachstil verdient hätte. Dies is vielleicht Jammern auf hohem Niveau, fallen aber dennoch auf und trüben die Immersion gelegentlich. Technisch und atmosphärisch punktet Winds of Fate weiterhin mit seinem starken Sound-Design, einer gelungenen Mischung aus traditioneller japanischer Instrumentierung und moderneren Klängen, die besonders in Kampfszenen für Atmosphäre sorgt. Auch visuell weiß das Spiel zu überzeugen: farbenfrohe Charakterdesigns, hübsche CG-Illustrationen und kleine animierte Bewegungen der Charakterkunst während der Kampfszenen sorgen für zusätzliche Lebendigkeit. Das Zuneigungssystem wurde im Vergleich zum Vorgänger vereinfacht, was treue Fans der komplexeren Mechanik des ersten Spiels etwas enttäuschen könnte, seinen Zweck aber weiterhin erfüllt. Wer auf waschechte Otome-Romantik mit viel Herz und Witz steht, kommt hier voll auf seine Kosten.

Michael meint:

Michael

Unterm Strich ist Birushana: Winds of Fate ein gelungene, warmherzige Visual Novel, das genau die richtigen Register zieht: mehr Zeit mit geliebten Figuren, neue Perspektiven auf zuvor vernachlässigte Nebencharaktere und ein insgesamt rundes Paket aus historischem Drama und ehrlicher Romantik. Wer den ersten Teil geliebt hat, sollte hier bedenkenlos zugreifen. Für Neueinsteiger eignet sich das Spiel dagegen kaum, da es ohne die Vorkenntnisse aus Rising Flower of Genpei kaum funktioniert. Jedoch is das kein Grund den Titel auszulassen, aber auf jeden Fall eine Gelegenheitt den Vorgänger nachzuholen.

Positiv

  • Starke, gut geschriebene neue Hauptrouten
  • Überzeugende, vielschichtige Protagonistin
  • Gelungenes Sound-Design und hübsche visuelle Präsentation

Negativ

  • Lokalisierung teils zu modern/locker für das historische Setting
  • Vereinfachtes Zuneigungssystem im Vergleich zum Vorgänger
  • Kein eigenständiges Erlebnis: ohne Kenntnis von Rising Flower of Genpei kaum verständlich, viele Spoiler zum ersten Spiel
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