Das schwarze Auge: Schicksalsklinge HD im Test

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Wer Anfang der 90er Jahre auf den Heimcomputern dem Rollenspielboom erlegen war, dem dürfte die Nordlandtrilogie des Schwarzen Auges nicht unbekannt sein. Mit der Veröffentlichung der dritten Edition des Pen & Paper Rollenspiels hatte die deutsche Spieleschmiede Attic ein passendes Rollenspiel dazu parat. Unter dem Titel „Die Schicksalsklinge“ startete die Trilogie, die fortan eine riesige Fangemeinde um sich scharen sollte. Nicht nur das, denn es war eines der wenigen deutschen Rollenspiele, dass auch weltweit erfolgreich war.

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Nachdem es im Laufe der Jahre auf diversen Compilations vertreten war, kündigte man vor einigen Jahren ein HD-Remake des Titels an. Zwar nicht mehr vom originalen Attic Team, aber von Liebhabern der Reihe, die den Spirit des Originals auch in der neuen Version einfangen wollten. 2013 erschien Die Schicksalsklinge HD auf dem PC und wurde von den Medien förmlich zerrissen. Leider war der Titel zu früh veröffentlicht worden und hatte einige Bugs, die zwar schnell mit zusätzlichen Patches behoben wurden, allerdings lag das Spiel dennoch hinter den Erwartungen zurück. Doch mit dem Fleiß der Entwickler, die innerhalb eines dreiviertel Jahres über dreißig (!) Patches veröffentlichten, war das Spiel ordentlich spielbar und die Fans waren halbwegs zufrieden gestimmt. Doch seither sind drei Jahre vergangen und nun halte ich die Konsolenfassung in den Händen und bin gespannt, was mich dort erwartet.
 
Zur kurzen Erläuterung: Ich war und bin immer noch ein großer Fan der Reihe. Es war für mich eine der großen Rollenspielserien neben den SSI Rollenspielen, mit denen ich Wochen und Monate verbracht habe und keine Minute davon bereue. Manchmal wünschte ich mir, dass auch heutige Rollenspiele in diese Kerbe schlagen würden. Glücklicherweise wurden diese Wünsche mit Pillars of Eternity erfüllt, doch das ist ein anderes Thema.
 
Die Geschichte von Die Schicksalsklinge HD blieb glücklicherweise unverändert und man hat sogar den Wortlaut der Einleitung gleich gelassen. Sie handelt von einem Krieger namens Hyggelik, der mit seinen Mannen als einer der ersten Menschen die Orklande erkunden und kartographieren wollte. Dazu ließ er ein mächtiges Schwert namens Grimring schmieden, das ihn auf seiner Reise begleiten und vor Heerscharen von Orks beschützen sollte. Doch leider konnte selbst diese Wunderwaffe ihn nicht auf ewig behüten und sie ging mit seinem Tod irgendwo im Orkland nahe Phexcaer verschollen. Die Geschehnisse von damals sind mittlerweile einige Sonnen her und das Schwert geriet nahezu in Vergessenheit. Allerdings zieht ein Schatten aus dem Osten auf, den man kaum übersehen kann. Es gibt Berichte, dass sich die Orks zusammenrotten und einen Angriff auf Thorwal und die anderen Kleinstädte planen, um diese zu plündern und einzunehmen. Deshalb sind tapfere Recken gesucht, die nach Möglichkeit die legendäre Klinge ausfindig machen und die drohende Gefahr der Orks abwenden können.
 

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Genauso wie damals beginnen wir im Traviatempel in Thorwal unsere Reise mit einer Heldengruppe von bis zu sechs Charakteren. Wahlweise kann man sich mit einer vorgefertigten Truppe ins Abenteuer stürzen oder erstellt nach eigenem Gutdünken seine Heldenriege. Im Tempel werden die eigenen Spielfiguren erstellt, je nach Voreinstellung im einfachen Modus für Einsteiger der Reihe oder im Expertenmodus für die erfahrenen DSA-Spieler. Natürlich zähle ich mich zu letzterem, deswegen nutze ich die ausführliche Variante der Charaktererstellung und diese macht ihrem Namen alle Ehre. Insgesamt hat man die Auswahl zwischen elf unterschiedliche Heldentypen, die dem Spieler einige Möglichkeiten bieten, eine ausbalancierte Truppe zu basteln. Dabei stehen klassische Fantasycharaktere wie Krieger, Magier oder Zwerge zur Verfügung, aber auch Hexen, Druiden und drei verschiedene Elfenarten. Jeder Charaktertyp hat seine speziellen Vor und Nachteile, die sich in den jeweiligen Charakterwerte äußern. Neben den üblichen Eigenschaften wie Mut, Körperkraft oder Geschicklichkeit hat jeder Charakter ebenso negative Charakteristika wie Goldgier, Raumangst oder Jähzorn. Diese mögen auf den ersten Blick nicht tragisch erscheinen, doch haben sie durchaus Spielrelevanz. Ein Spielcharakter mit hoher Raumangst etwa hat Probleme in engen Räumen, kann also schon mal in Panik geraten, wenn ihr einen Dungeon betretet. Ansonsten besitzen Charaktere eine Vielzahl von Talenten, die auch wohlüberlegt verteilt werden sollten.
 
Diese sind in verschiedenen Gruppen eingeteilt wie Gesellschaft oder Natur und werden mit einem Talentwert angegeben. Je höher der Wert ist, desto versierter ist derjenige in seinem Fach, wobei die Werte auch ins Minus gehen können. Im Gegensatz zum Original, wurde die Erstellung etwas vereinfacht. So könnt ihr eure gewünschte Klasse vorab angeben und es werden nach und nach die Werte ausgewürfelt. Diese müsst ihr dann auf die verschiedenen Eigenschaften verteilen, wobei die erforderlichen Eigenschaften vorab angezeigt werden. Allerdings ist auch vom Würfelglück abhängig, welche Werte denn noch kommen, von daher kann die Charaktererstellung schon einige Zeit in Anspruch nehmen. Vor allem, wenn man viel Wert darauf legt, dass der Charakter auch die passende Gottheit anbetet, mit der man zusätzliche Boni einheimsen kann. Zum Beispiel hat ein Magier, der unter Hesinde seine Zauber wirkt, zusätzliche Boni auf Magiekunde. Genauso bekommt ein Charakter, der unter dem Segen Rondras geboren ist, einen Bonus auf die Schwerführung mit dem Zweihänder. Übrigens hat die Konsolenfassung bereits den DLC der PC-Fassung integriert. Das bedeutet, dass ihr bei der Charaktererstellung noch zusätzlich den Skalden auswählen könnt, der beim ursprünglichen Spiel nicht enthalten war.
 
Wie ihr seht, kann man in die Schicksalsklinge HD sehr viel Mikromanagement betreiben und das beginnt bei der Charaktererstellung und geht im Spiel weiter. Grundsätzlich hat jeder Gegenstand im Spiel eine Bedeutung und sei es nur das kleinste Utensil. Beispielsweise solltet ihr in Dungeons stets ein paar Fackeln mitführen, sofern ihr keinen Magier mit dem Zauber Flim Flam in der Truppe habt. Allerdings bringen euch die Fackeln nur wenig ohne einen Zündstein, um diese zu entzünden. Es geht aber noch viel weiter. Nehmen wir als Beispiel das Schuhwerk. Natürlich könnt ihr auch barfuß durch die Welt laufen, jedoch lauft ihr dann Gefahr, dass sich eure Helden erkälten oder sogar verletzen, wenn ihr mit ihnen durch das Dickicht des Waldes lauft. Apropos Erkältung: Habt ihr vergessen für eure Helden jeweils eine Decke einzukaufen, könnt ihr durchaus des Nachts Dumpfschädel oder schlimmeres einfangen. Hier helfen dann nur noch diverse Heilkräuter, sofern ihr diese dabei haben solltet.
 

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Das alles mag auf den ersten Blick erschreckend klingen, ist aber eine angenehme Abwechslung und wurde zum Großteil auch so vom Originalspiel übernommen. Wem das alles zu komplex ist, der kann den Realitätsgrad ganz einfach über da Optionsmenü anpassen. Wollt ihr euch nicht um mitgeführten Proviant oder erwähnte Krankheiten kümmern, so schaltet ihr diese einfach im entsprechenden Menü ab. Allerdings nimmt dies auch einiges der Atmosphäre, so dass ich euch empfehlen würde, diese aktiviert zu lassen und euch auf das Gameplay einzustellen. 
 
Ihr beginnt das Spiel in der Stadt Thorwal und erkundet die Hafenstadt in der Egoperspektive. Eine Karte wird dabei automatisch mitgezeichnet, die ihr über einen Tastendruck aktivieren könnt. Technisch ist Schicksalsklinge HD natürlich klar moderner als das Original, hat allerdings nicht ganz den Charme des Pixellooks und auch optisch hinkt man der aktuellen Technik deutlich hinterher. Optisch würde ich das Spiel etwa im Bereich eines Morrowind oder Oblivion einordnen, was aber vom Spielgefühl her nicht so tragisch ist. Mit den meisten Personen kann interagiert werden und es gibt viele Häuser, die man betreten und die Bewohner befragen kann. Bereits nach kurzer Zeit erhält man den Auftrag vom Hetmann Tronde nach dem lang vergessenen Schwert zu suchen, jedoch muss man erst den Spuren nachgehen und betreffende Personen finden, die darüber Bescheid wissen könnten. Diese sind quer über das Land in diversen Dörfern verteilt, die man über eine Übersichtskarte bereisen kann. Was ihr mit eurer Zeit anstellt, bleibt allerdings völlig euch überlassen, jedoch rückt der Orkenansturm immer näher, der nach rund zwei Monaten über die Westlande einbrechen wird.
 
Glücklicherweise hat man auch einige Errungenschaften der Moderne mit einfließen lassen. Zwar gab es ein Automapping in Städten auch im Original, doch nun werden auch die Namen der Läden oder wichtigen Bewohner angezeigt. Genauso können wir auch in Dungeons auf die Übersichtskarte zugreifen, solange man eine Fackel oder einen Lichtzauber aktiviert habt, ansonsten bleibt die Umgebung dunkel und ihr müsstet sogar fürchten, dass abergläubische Charaktere in Panik geraten. Zeitweise kommt es sogar vor, dass ihr auf euren Reisen auch Begleiter findet, die sich euch für eine begrenzte Zeit anschließen können. Diese haben ihre eigenen Motive und bleiben nur solange bei euch, bis sie ihr Ziel erreicht haben. Diese werden auch im Kampf nach eigenem Gutdünken agieren.
 

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Apropos Kampf, dieser ist wie in jedem Rollenspiel einer der großen Bestandteile auch von der Schicksalsklinge HD. Trefft ihr auf euren Reisen durch die Lande oder in Dungeons auf feindliches Gesindel wechselt das Spiel in eine isometrische Ansicht in der auf einem schachbrettartigen Areal die Charaktere und Feinde platziert sind. Von nun an könnt ihr rundenbasiert eure Helden steuern. Jeder Held hat insgesamt 7 Aktionspunkte, die er pro Runde verbrauchen darf. Für einen Angriff werden drei dieser Punkte benötigt, für einen Zauberspruch fünf Punkte. Die Zahl der Aktionspunkte variiert jedoch, je nachdem wie hoch die Last ist, die ein Charakter zu tragen hat. Ein Kampf wird so lange ausgetragen, bis eine der Parteien flieht oder stirbt. Wer keine Lust hat selbst im Kampf zu agieren, der kann diesen auch der KI überlassen, wahlweise mit oder ohne Zauber. Meist ist es aber besser, selbst Hand anzulegen, da die KI dazu tendiert, die Magiepunkte zu schnell und komplett einzusetzen.
 
Grafisch ist auch hier der Titel eher rückständig. Vor allem in Nahaufnahme sind die Charaktermodelle klobig und schlichtweg hässlich für ein aktuelles Spiel. Hinzu kommt noch, dass das Aussehen eines Charakters zufallsgeneriert ist bei der Erstellung. Zwar kann man das Avatarbild frei wählen, Name und Aussehen werden zufällig ausgewürfelt, was echt schade ist. Einen großen Pluspunkt erhält allerdings der Soundtrack, der ist sehr stimmig, auch wenn es relativ kurze Stücke sind, die sich schnell wiederholen, was vor allem bei besagter Heldengenerierung auffällt, da man hier längere Zeit im Tempel verweilt. Wahlweise lässt sich sogar eine remasterte Version des ursprünglichen Soundtracks aktivieren für nostalgische Gefühle.



 

Michael meint:

Michael

Es ist wie so oft bei solchen Spielen. Bei Remastern ist es schwer in die großen Fußstapfen eines erfolgreichen Vorläufers zu treten. Bei Schicksalsklinge HD ist der Spagat aber durchaus passabel gelungen. Spielerisch ist der Titel sehr Old School, was mich persönlich aber nicht stört. Auch die magere technische Umsetzung kann man ankreiden, doch wer hinter diese Fassade blickt wird ein tiefgründiges und wirklich offenes Rollenspiel wiederfinden mit einem fantastischen Spielsystem und einer spannenden Spielwelt. Wer so wie ich das damalige Spiel gespielt hat und kein Problem mit der Technik hat, der kann ruhig noch mindestens einen Punkt für die Technik draufpacken, wer aber moderne Rollenspiele liebt, der sollte eher einen großen Bogen um die Schicksalsklinge HD machen. Für euch ist das Spiel aber auch nicht gedacht. Es ist ein Titel von Fans für Fans.

Positiv

  • Tiefgründiges und offenes Rollenspiel

Negativ

  • Magere technische Umsetzung
Userwertung
6.5 2 Stimmen
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