Evolution Worlds im Test

GameCube

Man traut seinen Augen ja kaum. Da verirrt sich doch ein Rollenspiel für unseren GameCube in die Händleregale. Alten Dreamcast Veteranen wie mir kam der Name beim ersten Blick auf der Releaseliste verdächtig vor. Evolution - war da nicht mal was? Genau. Und im Prinzip setzt man uns nichts anderes als eine aufgebohrte SEGA Dreamcast Version vor.

Evolution_Worlds_11Der Spieler springt in die Stiefel von Held Mag Launcher, der aus einer alten Abenteurerfamilie stammt und dessen zukünftiger Beruf ihm damit in die Wiege gelegt wurde. Ihm zur Seite steht die junge und unscheinbare und stumme Linear Cannon. Was Mag von den Jugendlichen der Stadt unterscheidet, ist seine Fähigkeit einen Cyframe zu benutzen. Ein altes Relikt vergessener Zeiten, mit dem verschiedene Attacken und Techniken ausgeführt werden.

Dennoch steht es in Evolution Worlds nicht gut um die Familie Launcher. Nachdem Mags Eltern auf mysteriöse Weise bei einem Abenteuer verschollen sind, ruhen alle Hoffnungen auf dem jungen Mag. Der hat bei seinen Wagnissen zumeist viel Pech und verfehlt sein Ziel in letzter Sekunde. Und an dieser Stelle, nach einer weiteren missglückten Expedition, übernimmt der Spieler die Kontrolle über Mag und seine Kumpanin Linear. Wie es sich für eine Heldentruppe gehört, schließen sich im späteren Spielverlauf von Evolution Worlds weitere Personen der Truppe an, die ihr teilweise selbst auswählt. Allerdings dürfen sich nie mehr als drei Charaktere in der Party befinden, weil das gegen irgendeinen japanischen RPG-Grundsatz zu verstoßen scheint.

Die neuen Kampfkumpanen finden im Laufe des Abenteuers selbst zum Spieler oder werden in Städten angetroffen. In den Orten könnt ihr überflüssige Gegenstände verticken bzw. deponieren oder aber nützliche Items und Cyframe-Upgrades ersteigern. Und wer keinen Auftrag hat, kann eine neue Mission auftun. Nach klassischem RPG-Vorbild geht es dann nach dem Ausrüsten ab in den nächsten Dungeon. Diese werden - altbekannt - in mehrere Ebenen aufgeteilt, die wie schon bei der Dreamcast Version von Evolution zufallsgeneriert werden. Bei jedem Neustart von Evolution Worlds ist der Aufbau des Verlieses ein wenig anders.

Evolution_Worlds_6Primär ist es Ziel, in jedem Dungeon die oberste Ebene zu erreichen und dem ansässigen Endgegner das Lebenslicht auszublasen. Die endlosen Gänge der Kerkeretagen zeichnen sich durch öde Texturen und einfallslose Gestaltung aus - zufallsgeneriert halt. Dem Auge wird nichts geboten. Auch spielerisch wird simple Kost offeriert: Zumeist wartet in jedem Gang/Raum ein Feind, den ihr immerhin seht und notfalls umgehen könnt. Zufallskämpfe sind in Evolution Worlds die Ausnahme.

Trefft ihr auf einen Gegner, so schaltet der GameCube in einen klassischen, rundenbasierenden Kampfmodus. Nacheinander dürft ihr Gegner angreifen, ausweichen, Techniken einsetzen etc. etc... das System sollte zu Genüge bekannt sein. Eigene Ideen Fehlanzeige. Ärgerlich zudem, dass diese Gefechte gefühlt ca. 80% des Gameplay ausmachen und so wirklich nervig werden können. Denn obwohl sich Gegner umgehen lassen, ist der Spieler gezwungen, seine Charaktere durch im Kampf zu gewinnende Tactical Points und Fight Points aufzupowern.

Insgesamt ist das Durchwandern der Dungeons und den dazugehörigen Feindbegegnungen nur für geduldige Rollenspielfreunde interessant. Die meisten Spieler langweilt es, sich mal eben durch 25 Stockwerke metzeln. Immerhin lässt sich beim Betreten einer neuen Etage speichern - es muss also nicht immer der ganze Kerker durchlaufen werden, um abspeichern zu können. Das war bei der Dreamcast Version damals nämlich eine echte Tortur.

Evolution_Worlds_4Optisch motzte man Evolution Worlds GameCube auf, ohne jedoch über den Durchschnitt hinauszukommen. Die Dungeons wirken uninspiriert und monoton, die Texturen schwach, die Animationen kärglich. Ein wenig entschädigt die hochwertige Sprachausgabe, die (wie das gesamte Spiel) in Englisch gehalten ist. Sprachkenntnisse sind für das Lösen des Abenteuers vorteilhaft.

Der Rest vom Fest, die Musikuntermalung, klingt wie auf Dreamcast ordentlich und ist aufs Szenario angepasst. Allerdings derart 08/15, dass ich den Soundtrack niemals unter fünf anderen 08/15 Fantasy Themes heraushören könnte.






Sebastian meint:

Sebastian

Insgesamt wirkt Evolution Worlds GameCube arg »recycelt« für mich. Vermutlich stellte man bei Ubi Soft den Rollenspielmangel auf GameCube fest und entschloss sich, etwas dagegen zu unternehmen. Statt ein neues (teures) Projekt zu starten, kramte man im Archiv und mixte die beiden Dreamcast Evolution Rollenspiele, bohrte das Ergebnis etwas auf und fertig. Ich würds nur Fans japanischer RPGs empfehlen - und auch nur, wenn diese viel Sitzfleisch mitbringen.

Positiv

  • Neues Rollenspie für GameCube
  • Tolle engl. Sprachausgabe
  • Zufallsgenerierte Dungeons

Negativ

  • Im Prinzip nur recycelte Dreamcast RPGs
  • Wenig innovativ
  • Durchschnittliche Grafik
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5.6 4 Stimmen
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Forum
  • von Civilisation:

    Natürlich wurde Evolution Worlds auch bei uns getestet? Und wer war der Autor? Natürlich Sebastian. Evolution Worlds Man traut seinen Augen ja kaum. Da verirrt sich doch ein Rollenspiel für unseren GameCube in die Händleregale. Alten Dreamcast Veteranen wie mir kam der Name...

  • von Patricia:

    Also mir hat der erste DC Teil auch schon nicht gefallen, Rpgs mit zufallsgenerierten Dungeons sind halt stark Geschmackssache. Eine Wertung kann schlecht allen Meinungen gerecht werden, ich würde auch vom Kauf der DC Version abraten ...

  • von KeVernichter:

    Naja, wenn man bedenkt, das sich Leute die die DC version kennen sich ev. die GCN Version kaufen, dann sind die ganz schön angepisst. Immerhin, werden sich jetzt einige wie ich noch einige nette Cube Ttel hohlen wollen, und wenn man sich auf die Wertungen von NexGam verlässt, kann man manchmal...

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