Lamborghini American Challenge im Test

GameBoy

Rennspiele gehören seit jeher ins Repertoire jeder halbwegs erfolgreichen Videospielekonsole. Selbst das Atari VCS 2600 hat einige vorzuweisen. In den 80ern und frühen 90ern dominierten zwei Varianten das Genre: Top Down Racer und „pseudo“ 3D (Scaler) Racer. Sogar auf dem monochromfarbenen Gameboy sind sie zahlreich vertreten. Den einen oder anderen wird es wohl überraschen, das Nintendos Kleinster mit einigen Hochkarätern im Genre punkten kann.

lamgorghini_american_challenge_6Bei dem Namen TITUS stellen sich Kennern der damaligen Zeit aber die Nackenhaare auf. Vor allem im Racerbereich sorgten die Mannen eher für Kopfschmerzen, Angstschweiß und,  bei Homecomputerspielern, für den ein oder anderen zerbröselten Joystick. Sei es nun Crazy Cars 1 / 2 oder eine der beiden Fire & Forget Episoden. Alle Vertreter „trumpften“ mit einer kruden Steuerung, miesem Fahrverhalten und langweiligem Gameplay auf. Dennoch genügte der Erfolg scheinbar, um 1993 mit der Crazy Cars Reihe in der Konsolenwelt aufzuschlagen. Neben Amiga, ST und C64 erschien Teil 3 nämlich auch auf Nintendos SNES und Gameboy. In weiser Voraussicht (bzw. eher aufgrund des zweifelhaften Rufs) benannte man das Spiel auf Konsolen in LAMBORGHINI – American Challenge um.

Das man keinen 08/15 Racer vor sich hat, wird bereits in den ersten paar Minuten klar. Nachdem wir uns zwischen einem neuen Spiel oder der Eingabe eines Passworts (speichern ist nicht) entschieden, sowie zwischen Mono und Stereo Sound gewählt haben, suchen wir uns einen coolen Fahrer aus. Drei an der Zahl, zwei Männer und eine Frau, stehen zur Auswahl. Auswirkungen auf das Spiel hat es jedoch nicht. Ihr fahrt immer das gleiche Auto, spezielle Fähigkeiten können die Fahrer nicht vorweisen.
 
lamgorghini_american_challenge_1Danach geht’s ins Menü. Auf einer Übersichtskarte entscheidet ihr selbst, welches Rennen ihr als nächstes angeht. Kurz angewählt, seht ihr die Stärke der anderen Fahrer sowie die anfallenden Startkosten und das mögliche Preisgeld für einen Sieg. Ansonsten könnt ihr, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, euer Fahrzeug tunen und reparieren lassen. Neben üblichen Tuningmöglichkeiten, wie bessere Reifen und Motoren, gibt es sogar Radarwarner (dazu später mehr)!

Hier hört das Besondere des Spiels jedoch nicht auf. Habt ihr euch für ein Spiel entschieden, wird zunächst gewettet. Jahre vor Need for Speed hielt also die Coolness Einzug ins Genre. Wer all zu forsch die Scheine in den Pott schmeißt, guckt jedoch in die Röhre. Behutsames bieten ist angesagt, damit die KI Fahrer nicht vor lauter Schreck keinen Wetteinsatz bringen. Wer klug agiert, sichert sich so einen zusätzliche Pott am Ende. Das Ergebnis? Schnelles tunen und mehr Power!

lamgorghini_american_challenge_2Startet das Rennen gibt es aber Standartkost. Euren schicken Boliden, dem namensgebenden Lamborghini nachempfunden, seht ihr von hinten während die Strecke auf euch zuscrollt. Im Hintergrund gibt es die eine oder andere nette Skyline, am Wegesrand ist abgesehen vom ein oder anderen Schild oder Baum nicht viel los. Auf der Strecke selbst begegnen euch leider immer die gleichen Fahrzeuge. Selbst die drei anderen Fahrer stechen nicht groß hervor. Viel wichtiger ist aber, logischerweise, das Geschwindigkeitsgefühl. Und das ist tatsächlich sehr gut! Zudem lässt sich das Auto gut steuern und spricht auf jeden Tastendruck gut an.
 
Kommen wir nochmal zum Radarwarner zurück. Dieser warnt vor der, ebenfalls vorhandenen, Polizei. Habt ihr diese nämlich auf euch aufmerksam gemacht, ertönt zunächst deren Sirene. Alsbald überholen sie und versuchen euch auszubremsen. Rast ihr in den Streifenwagen, verliert ihr zum einen einiges an Speed, zum anderen nimmt euer Gefährt schaden. Zwar geht ihr daran nicht gleich Game Over. Hohe Reparaturkosten sorgen aber regelmäßig dafür, dass ihr nicht genug Kohle für notwendige Upgrades habt. So sorgt die Polizei für etwas Abwechslung im Racer Alltag.

lamgorghini_american_challenge_6Das alles klingt also, nicht nur für einen Titus Titel, positiv. Grafisch ist Lamborghini hübsch und sticht vor allem die zahlreichen Formel 1 Renner locker aus. Der Sound hingegen ist eine Qual. Die Musikstücke im Titelbildschirm und Menü sind ganz ok, wer aber nicht frühzeitig einen Tinitus erhalten möchte, dreht spätestens beim Rennen den Lautstärkeregler auf Null. Zwar hört man so die, ebenfalls nervende, Polizeisirene nicht, ist gesundheitlich aber aus dem Schneider. Gameplaytechnisch reist man keine Bäume aus. Zwar ist das Spiel flott, gut spielbar und vor allem mit seinen Wetten sowie der Polizei nicht so bieder wie die meisten Spiele dieser Art, dennoch ist es auf Dauer etwas eintönig. Vor allem zu Beginn rast man problemlos von Sieg zu Sieg.  Selbst ohne auch nur einen einzigen Dollar in Tuning zu investieren. Dabei laufen die Rennen leider immer gleich ab. Vom Start weg rast man, fast nonstop, mit Höchstgeschwindigkeit über die Piste. Die wichtigen KI Gegner kommen erst relativ spät, mit einem Punkt gekennzeichnet, ins Bild. Sind sie überholt, ist das Rennen kurz darauf vorbei. Hin und wieder rollt die Polizei an, lässt sich aber meist relativ simpel umfahren.

lamgorghini_american_challenge_4Hinzu kommen ein paar ärgerliche Schnitzer. So ist es möglich sich in eine Sackgasse zu manövrieren. Während man zu Beginn, wie erwähnt, problemlos von Sieg zu Sieg fährt, ändert sich das Schlagartig…sofern man nicht getunt hat. Von jetzt auf nachher seht ihr kein Land (sprich Gegner) und beendet als letzter das Rennen. Immerhin: ein Sieg ist kein Muss. Denn auch die Plätze zwei und drei bekommen Geld. Wer aber nicht siegt, dem geht irgendwann  die Kohle aus und so kann man früher oder später das nötige Startgeld nicht zahlen. Was im Übrigen auch durch Tuning geschehen kann. Nicht selten kam es vor, dass ich im Shop ein Upgrade gekauft habe und hinterher feststellen musste, dass ich nicht mehr genug Geld in Petto hatte. Neustart mit anschließender Passworteingabe war die Folge. Hier hätte ein Hinweise im Tuningshop für Abhilfe schaffen können.

Dominic meint:

Dominic

Titus Interactive hat sich anscheinend vor der Programmierung von Lamborghini American Challenge genauestens informiert, wie es auf amerikanischen Straßen aussieht. Abgesehen davon, dass sich die Natur dort offenbar erst wieder nach einem kürzlichen nuklearen Holocaust regeniert und durch die Explosion alle Tunnel und Berge hingerafft wurden, fielen wohl auch die Skylines der Megametropolen dem sauren Regen zum Opfer. In Sachen Geschwindigkeitsgefühl und Grafik ist das GameBoy Spiel raus. Und die Spielbarkeit lässt sich mit "Need for Speed Underground light" + interessantes Wettsystem + anspruchslose Fahrten + unfaire Renngegebenheiten beschreiben.

 

 

Positiv

  • Wettsystem
  • Tuningsmöglichkeiten
  • Großer Umfang

Negativ

  • wenig Abwechslung
  • Death Ends
  • Mieser Sound

Alexander meint:

Azazel
Zu meinem Erstaunen muss ich gestehen: Lamborghini – American Challenge ist im Großen und Ganzen gut gelungen. Das Spiel ist schnell und gut spielbar. Es ist eine willkommene Abwechslung zum ansonsten fast ausschließlich im Formel 1 Bereich zu findenden Racer Feld des Gameboy. Der wirklich grauenhafte Sound, auf Dauer fehlende Abwechslung sowie die paar angesprochenen Ärgernisse verwähren dem Spiel aber die höchsten Wertungsspähren.
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Forum
  • von Azazel:

    Unser Test bekam ein „kleines“ update und zeigt bei den Fazits auf, wie unterschiedlich Meinung sein können: Nexgam schrieb: Rennspiele gehören seit jeher ins Repertoire jeder halbwegs erfolgreichen Videospielekonsole. Selbst das...

  • von Retro:

    Wieder so ein Titel, den man als Rennspiele-Fan damals eben gezockt hat. So viele gute gab es auf dem GB ja nicht- Lamborghini ist ebenfalls nur Mittelmaß. Aus heutiger Sicht gibt es eigentlich keinen Grund, das Game nochmal zu zocken......

  • von Civilisation:

    Es wird heiß! Denn Dominic hat sich in einen heißen Schlitten gesetzt, natürlich einem Lamborghini, und hat sich heiße Rennen geliefert. Ob die Hitze auch auf dem GB zu finden ist? Lamborghini American Challenge Amerika - ein Land voller Möglichkeiten! Amerika im Rausch der...

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