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Defender of the Crown GBA im Test

GameBoy Advance
In den späten 80er Jahren setzte die britische Firma Cinemaware einen ganz neuen, eigenen Stil bei den seinerzeit dominierenden Homecomputern durch: Eben einen cinematischen Stil! Leider waren nicht alle Gamer davon begeistert und so verabschiedete sich die Company im Jahr 1991 mit einem saftigen Batzen Schulden in die Insolvenz. Bis.. ja bis ins Jahr 2000. Da erstanden die Briten nämlich plötzlich wieder auf und wollten erneut von sich Reden machen.
Leider ist es bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt beim "wollen" geblieben und mittlerweile scheint sich beim traditionsreiche Softwarehaus auch nicht mehr allzuviel zu tun. Zumindest drängt sich dies beim Besuch der Firmen-Webseite auf. Zwischenzeitlich wurde das Unternehmen wohl auch aufgekauft und die Interessen verlagerten sich. Immerhin einige Remakes waren kurz nach der Wiedergeburt in Angriff genommen worden und eingedenk dieser Tatsache sind die beiden Klassiker Wings und Defender of the Crown auch für den GBA erhältlich.

Wer sich für die "Verteidiger der Krone" entscheiden sollte und womöglich noch damals am Homecomputer im mittelalterlichen England kämpfte, der wird schon kurz nach dem Einschalten den Nostalgie-Flash kriegen - ertönt doch sogleich die unvergessliche Titelmelodie, die sich in den späten 80ern so tief in die Gehirnwindungen einer ganzen Generation bohrte.

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Nachdem dieses freudige Wiedersehen ein Lächeln auf die Lippen dieses Autors gezaubert hat, macht er sich an die Wahl seines Adligen. Zuvor darf neuerdings aber sogar ein Schwierigkeitsgrad (easy, medium, hard) gewählt werden. Danach tauchen die Porträts der vier angelsächsischen Fürsten wieder auf. Wie gehabt unterscheiden sich diese allesamt in den Fähigkeiten Schwertkampf, Turnierkampf und Führungsstärke, wodurch jeweils eine etwas andere Spielweise bevorzugt wird.

Der spielerische Tiefgang ist trotzdem ungefähr vergleichbar mit dem Tiefgang des Toten Meeres, was vielleicht auch den unzweifelhaften Ruf als "spielbare Grafikdemo" aus den Hochtagen der Homecomputer erklärt. Ein strategisches Schwergewicht war Defender of the Crown jedenfalls schon damals nicht und das ändert sich auch mit dem GBA-Remake nicht, welches ohnehin im Großen und Ganzen lediglich eine Portierung mit leichten Anpassungen darstellt.

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Und selbst diese Änderungen werden nur Vielspielern des Originals ins Auge stechen: So gibts nun eine ganze Reihe von negativen Ereignissen, die euch nicht immer nur die Hälfte der Steuereinnahmen kosten, sondern auch mal z. B. eine Länderei verwüsten (Gebiet geht verloren) oder aber eure Katapulte lahm legen. Gerade letzteres Ereignis birgt ungeahntes Frustpotenzial in sich, wenn wie diesem Autor 2x die Katapulte innerhalb von fünf Runden zerlegt werden. Ohnehin scheinen negative Ereignisse mit der zunehmenden Größe eures Einflusses zusammenzuhängen.

Der Schere zum Opfer gefallen ist hingegen die Möglichkeit friedvoll durch das Land verbündeter Saxon-Lords zu marschieren. Generell ist es mit dem vereinten Kampf gegen das Normannentum nicht mehr so weit her, wird in der GBA-Fassung doch wesentlich mehr untereinander gekeilt. Überarbeitet wurde auch die Belagerung von Burgen: Zum einen richten Griechisches Feuer und Seuchengeschoss merklich weniger Schaden unter der Garnison an, zum anderen ist ein wesentlich besseres Timing als noch beim Original aus den 80ern erforderlich.
Ein Lifting erhielt auch der legendäre Schwertkampf zur Aufstockung der eigenen Goldvorräte oder um ein entführtes Fräulein zu retten - leider wurde hier etwas gepfuscht. Weder kommt die phantastische Atmosphäre des Originals rüber, noch ist es spielerisch so ansprechend. Darüber hinaus ist es selbst bei Wahl von Fürst Geoffrey Longsword (der Kerl heißt nicht nur so, er ist auch Schwertkampf-Gott!) recht schwierig geraten. Was auch daran liegt, dass ihr nun schon vor der Burg gegen euren ersten Gegner antretet, der seine Sache ganz gut macht. Und im Inneren der Burg wartet dann noch ein zusätzlicher Gegner, nach dem finalen Kampf des Originals.

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Grafisch fast eine Liga: GBA Version (links) und Amiga Version (rechts)

Immerhin - das Ritterturnier als eigentliches Highlight von Defender of the Crown ist auch auf dem GBA in voller Pracht enthalten. Von den Fanfarenklängen zu Beginn über die Möglichkeit für Ruhm oder Land zu streiten, bis hin zu den genialen 3D-Reitsequenzen. Sogar der animierte Reiter ("To The Tournament We Go") aus z. B. der Amiga-Version ist wieder dabei. Zwar haben die grandiosen Artworks etwas von ihrer einstigen Strahlkraft verloren (was nicht nur am kleinen Display liegen dürfte), sind aber auch heute noch schön anzusehen. Cinemaware Fans geht da ohnehin das Herz auf.

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Außerdem wurde der Modus des Turniers leicht überarbeitet - statt einem Duell zu Pferde reitet ihr nun dreimal gegeneinander und versucht den Gegner vom Pferd zu stossen, um maximal 3 Punkte dafür einzusacken. Der landauf landab unter DotC-Besitzern gefürchtete Super-Gau beim Turnier, nämlich den Kopf des Pferdes zu erwischen und entehrt auf die Burg zurückzukehren, gehört der Vergangenheit an. Dafür gibt es neben dem Duell Hoch zu Ross wie in der NES-Fassung einen Kampf per Pedes mit dem Morgenstern, bei dem der Sieg mit einem Punkt belohnt wird.

Sebastian meint:

Sebastian Gute Strategiespiele sind zeitlos! Bei Defender of the Crown trifft das leider nicht so ganz zu, allerdings ist der Cinemaware-Klassiker auch nicht per se ein Strategietitel. Der fehlende spielerische Tiefgang fällt jedenfalls spätestens nach 2-3 erfolgreichen Durchgängen negativ auf, zumal die Gesamtspielzeit ohnehin selten höher als 30-60 Minuten je Spiel liegt. Einige sinnvolle Änderungen wechseln sich am GBA mit weniger erfreulichen ab - alles in allem ein ordentliches Remake für unterwegs, dass sich allerdings damit schwer tut, den Reiz des Originals im neuen Jahrtausend einzufangen.

Positiv

  • Ein Klassiker für unterwegs
  • Legendärer Soundtrack
  • Hübsche Grafiken

Negativ

  • Kurze Spielzeit
  • Tiefgang sehr gering
  • Unfaire Zwischenereignisse
Userwertung
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