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Zaxxon im Test

Atari 2600
Arcade-Portierungen auf dem Atari 2600 gehören spätestens seit Pac-Man zu den kontroversesten Spielen dieser Plattform. Allein schon bedingt durch die technischen Fähigkeiten der Konsole, kann man die Qualität dieser Titel oftmals nur als durchwachsen bezeichnen. Einer dieser Titel, der den Sprung auf den Atari 2600 versucht hat, ist Zaxxon - ein Spiel, welches mit einer, für damalige Verhältnisse, revolutionären, isometrischen Darstellung für Aufruhr sorgte. Folglich fragt man sich natürlich: "Kann man diese Grafik und das Spielprinzip überhaupt auf den Atari 2600 übertragen?" und "Wird das Spiel den Erwartungen gerecht?". Die Antworten findet ihr hier.
Die oben gestellten Fragen lassen sich schon beim ersten Blick auf das eigentliche Spiel beantworten: "Nein". Dies macht das Spiel prinzipiell dennoch keinen Fall für die Tonne, denn hier geht es nicht nur darum, zu erörtern, wie gut die Portierung gelang, sondern ob das Spiel auch eigenständig ein solides Werk darstellt.

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Zaxxon (Atari 2600)


Wie bereits erwartet, konnte man hier die detaillierte isometrische Darstellung des Originals nicht auf der Hardware des VCS realisieren. Doch statt das Zaxxon zu einem weiteren Sidescroller zu machen, wurde hier versucht die Prinzipien von "Tiefe" und "Flughöhen" beizubehalten. So spielt ihr das Spiel aus einem Blickpunkt, der sich hinter eurem Raumschiff befindet. Der "Boden" wird in diesem Falle in einer Fluchtpunktperspektive dargestellt. Leider wurde dies nicht gerade perfekt realisiert, so dass die Perspektive eher das Gefühl vermittelt, einen Berg hoch zu fliegen.

Dass man nun tatsächlich vorwärts fliegt, lässt sich mit der Hardware des Atari 2600 natürlich in dem Falle schlecht simulieren - vor allem wenn man bedenkt, dass der Boden, abgesehen von einigen Hindernissen, komplett einfarbig ist. Dass ihr euch nun überhaupt bewegt, erkennt ihr an den Gegnern, welche sich euch nähern. Da der kleine VCS natürlich auch bei der Skalierung von Objekten Schwierigkeiten hat, sieht diese Annäherung eurer Feinde ziemlich ruppig aus. Mit Hilfe eures Joysticks müsst ihr euch nun vor den Gegnern platzieren, um sie mit euren Schüssen zu treffen. Auch ist die Flughöhe hier natürlich entscheidend. Das klingt jedoch leider einfacher gesagt als getan, denn durch eben all diese angesprochenen Darstellungsprobleme, ist es trotz des Höhenmessers, welcher auf der linken Bildschirmseite angebracht ist, schwierig, die passende Flughöhe zu ermitteln, die ihr benötigt, um einen Feind zu treffen. Da Feinde und euer Schiff Schatten werfen, kann dies auch als Hilfe zur Flughöhe benutzt werden, doch leider auch nur teilweise, bedingt durch die ungenaue Skalierung der Feinde in der Entfernung.

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Zaxxon (Atari 2600)


Selbiges gilt hier leider auch für die Treibstofffässer, welche im Level verteilt sind. Diese müsst ihr nämlich ebenfalls abschießen, um euren Treibstoff zu regenerieren. Hier ist man jedoch mit der geringsten Flughöhe auf der sicheren Seite, dennoch kann es vorkommen, dass man ein Fass zwar nicht trifft, dennoch aber daran zerschellt, sofern man sich nicht absolut korrekt davor platziert hat. Ähnliches gilt leider auch für die Hindernisse, welche euch in Form von Mauern begegnen, welche jedoch lediglich aussehen, wie andersfarbige Bereiche des Bodens. Einige dieser Mauern müsst ihr gekonnt überfliegen, andere haben kleine Öffnungen, welche ihr passieren müsst. Hier könnt ihr die Projektile eures Schiffes verwenden, um eure Höhe anzupassen: Zerfasern eure Schüsse an der Wand, so müsst ihr eure Höhe korrigieren. Am Ende eines jeden Levels erwartet euch der namensgebende Roboter Zaxxon. Diesen müsst ihr mit Treffern auf den Kopf besiegen. Je nach Level, benötigt ihr mehr Treffer zum Sieg. Und natürlich müsst ihr auch hier die richtige Höhe beachten.

In typischer Tradition eines Atari 2600 Spiels beginnt nach der Zerstörung des Zaxxon das Spiel von neuem - in einem erhöhten Schwierigkeitsgrad. Selbiger lässt sich auch in vier Spielvarianten einstellen, welche mittels "Select" auf der Konsole gewählt werden können. Zudem bietet Zaxxon einen 2-Spieler Modus, in welchem abwechselnd gespielt wird. Interessant wäre es gewesen, hier gleich zwei Spieler auf einem Schirm zu haben.
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Zaxxon (Atari 2600)


Zu den bisherigen Problemen im Gameplay, welche soweit durch die grafische Darstellung bedingt sind, kommt leider noch die Tatsache, dass sich euer Schiff relativ träge steuern lässt. Die Betonung liegt hier klar auf den Wort "relativ", denn es bezieht sich auf die Relativität zwischen eurem Schiff und den Gegnern! Oft genug kommt es vor, dass ihr gerade eine Mauer umflogen habt und abtaucht, um einen Gegner zu erledigen, es jedoch nur noch zu einer farbenfrohen Kollision ausreicht. Sicher war es nicht im Sinne der Programmierer, dass ihr euch gleich einem Cola-süchtigen Kaninchen während der Brunftzeit über den Bildschirm bewegt, doch häufen sich im späteren Spielverlauf die Gegnerscharen, so findet ihr euch lediglich dabei wieder, euren Feinden auszuweichen, statt sie in die ewigen Pixel-Jagdgründe zu schicken. Das kann nicht der Sinn dieses Spiels sein.

Dass man bei einem Atari 2600 Spiel nicht allzu viel von Sound und Musik erwarten kann, sollte jedem klar sein. So ist es keine wirkliche Überraschung, dass neben den Soundeffekten von Schüssen und Explosionen, nicht viel übrig bleibt. Doch hat dies den Programmierern wohl nicht gereicht. So hat man zudem noch das Fluggeräusch eures Raumschiffes mit eingebaut. Ein Brummton, der schon zu Beginn des Spiels eine oder zwei Noten zu hoch zu sein scheint. Anfangs ist dies noch relativ erträglich, verwandelt sich jedoch nach einer längeren Spielzeit zu einer richtig nervigen Geschichte. Ich will damit nicht sagen, dass man es mit dem Geräusch eines rostigen Bohrers vergleichen kann, mit welchem euer Zahnarzt, der euch noch nie leiden konnte, eine Wurzelbehandlung durchführt, während die Schwester mit einer Gabel über den Boden eines Kochtopfes kratzt - doch es kommt nahe ran.

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Zaxxon (Atari 2600)


Die meisten der angesprochenen Probleme im Gameplay von Zaxxon ließen sich womöglich mit ein wenig Übung noch ausmerzen, obwohl eine hundertprozentige Flugsicherheit dem tapferen Piloten dieses Arcade-Ports nie gewährt werden kann, da die grafische Darstellung des Spiels auf dieser Hardware nicht akurat genug und so jedes Manöver teilweise ein Fall für den Herrn Zufall ist. Man sollte den Programmieren jedoch in dem Punkt Respekt zollen, dass hier nicht versucht wurde, die isometrische Perspektive des Originals zu kopieren und stattdessen einen komplett anderen, innovativeren Ansatz zu verfolgen. Leider wurden hier, vor allem durch die hardwareseitigen Grenzen des VCS, zu viele Fehler gemacht, so dass man sich unweigerlich fragt, warum man nicht doch zum klassischen Sidescroller-Prinzip ähnlich Vanguard gegriffen hat. Zudem zeigt auch Desert Falcon, dass ein Titel mit isometrischer Spielperspektive möglich ist. So bleibt Zaxxon höchstens ein Titel, der es schafft, mit seinem Cover das Auge zu erfreuen. Fans des Originals werden von dieser Version enttäuscht sein, während Fans des Shoot'em Up Genre zu etlichen Alternativen greifen können.

Christian meint:

Christian Ich war bisher immer der Meinung, dass eine Arcade-Portierung nicht zwingend dem Original entsprechen muss, um eigenständig ein guter Titel zu sein. Daher ging ich vollkommen unvoreingenommen an Zaxxon heran. Leider konnte das Spiel mich in wirklich keinem Punkt überzeugen. Sicher ist der Atari 2600 in seinen Möglichkeiten begrenzt, doch entschuldigt dies weder die dadurch bedingten Probleme, noch dass der Titel in fast allen anderen Punkten in den Sand gesetzt wurde. Sicher gab es zur damaligen Zeit Shoot'em Ups in Hülle und Fülle, wodurch vielleicht, vor allem durch den bekannten Namen Zaxxon, etwas Neues geboten werden sollte, doch wäre der Spieler hier mit etwas "normalerem" wahrscheinlich um Längen besser bedient gewesen. 

Positiv

  • Innovatives Spielprinzip

Negativ

  • Schlechte Skalierung
  • Träge Steuerung
  • Nerviger Sound
Userwertung
4.5 2 Stimmen
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