Avatar Running im Test

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Laufen ist anstrengend. Zum Glück nehmen uns in der Welt der Videospiele die virtuellen Protagonisten den Großteil der Arbeit ab. Mario, Sonic und Konsorten sind echte Hochleistungssportler, die stundenlang über den Bildschirm rennen können und trotzdem keinen Muskelkater kriegen. Auch die Stars im Indie-Game Avatar Running kennen keine Grenzen. Für gerade mal 80 MS-Points lassen sie sich von bis zu vier Spielern gleichzeitig über gefährliche Hindernisparcours scheuchen und klagen nie über ihr hartes Leben. Wir haben das kurzweilige Spiel des japanischen Entwicklerteams Alonesoft für euch unter die Lupe genommen.

avatar_running_1Bevor ich mit dem eigentlichen Bericht beginne, muss ich ein paar Worte über die Programmierer schreiben. Selten hatte ich schon vor dem Testen so viel Spaß. Offensichtlich ist niemand im Hause Alonesoft der englischen Sprache mächtig. Trotzdem haben es die Mitarbeiter mit Hilfe von Übersetzungsprogrammen irgendwie geschafft, meine Mails zu lesen und mir innerhalb kürzester Zeit zu antworten. Selbst zu einem Interview erklärten sie sich sofort bereit. Ich bin mir sicher, dass sich die Macher von Avatar Running tatsächlich samt Headset und Wörterbuch stundenlang vor den PC gesetzt hätten. Allerdings konnte ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, den engagierten Spiele-Designern so viel Zeit zu stehlen.

Avatar Running ist kein klassisches Jump 'n Run. Hier werden keine Sterne eingesammelt, keine Prinzessinnen befreit und keine Feinde durch Sprungattacken geplättet. Wie der Name bereits vermuten lässt, treten die Xbox-Avatare in einem Wettrennen gegeneinander an. Eine entfernte Verwandtschaft zum XBLA-Game Dorito´s Crash Course, das übrigens auf jede Festplatte gehört, ist unverkennbar. Allerdings ist Avatar Running deutlich simpler als der durch Werbung gesponserte Gratis-Download. Zwar sind die Levels ebenfalls mit allerlei Hindernissen gepflastert, aber Trampoline, Seile und weitere Verrücktheiten sucht man vergeblich.

avatar_running_2Es gehen immer vier Kontrahenten an den Start, die wahlweise von echten Menschen oder der künstlichen Intelligenz gesteuert werden. Wer sich direkt ins Geschehen stürzt, ohne sich die kurze “How to play“-Sequenz anzusehen, wird völlig überfordert sein und das Rennen garantiert als Verlierer beenden. Die Tastenbelegung ist nämlich gewöhnungsbedürftig und es werden einige Aktionen gefordert, die in regulären Jump´N´Runs niemals vorkommen. So muss beispielsweise die Körperhaltung der sportlichen Protagonisten immer wieder der Steigung bzw. dem Gefälle des jeweiligen Untergrunds angepasst werden, um die maximale Geschwindigkeit zu erreichen. Dies geschieht mit Hilfe des linken Analogsticks. Zusätzlich werden noch Ausweichmanöver, Schubsattacken gegen die Mitstreiter und kurze Tempo-Boosts koordiniert, während sich der Daumen ständig auf dem Y-Knopf befindet, der für das Laufen zuständig ist. Es gibt also eine Menge zu tun und eine fest eingeplante Lernphase ist Pflicht.

avatar_running_3Wer sich dem Game allein stellt, durchläuft verschiedene emotionale Zustände. Zunächst kommt die Verwirrung, die der Freude weicht, sobald die Steuerung verinnerlicht wurde. Leider hält dieses Hochgefühl nicht lange an. Avatar Running bringt zwar etwa eine halbe Stunde lang Spaß, aber dann macht sich der Mangel an Modi und Überraschungen unangenehm bemerkbar. Immer wieder geht es nur darum, ein einzelnes Rennen auf einem zufällig generierten Parcours zu gewinnen. Etwas umfangreichere Spielvarianten wie Meisterschaften oder Zeitherausforderungen hätten hier wahre Wunder gewirkt. Es gibt zwar drei Schwierigkeitsgrade, aber die Computergegner stellen für geübte Zocker selbst auf dem höchsten Niveau nur kurzzeitig eine Herausforderung dar. Darum wird die Sache auch schnell langweilig. Anders sieht es aus, wenn mehrere menschliche Kontrahenten zum sportlichen Duell antreten. Das Game bietet einen 4-Spieler-Modus, der wahlweise auf einem Bildschirm, über Xbox Live und sogar via System-Link bestritten werden darf. Wie so häufig bei simplen Geschicklichkeitsspielen, ist die Langzeitmotivation deutlich höher, sobald ein paar Freunde mitmischen.

Als kleines aber feines Bonus-Feature erweist sich der Level-Editor. Die Bedienung ist innerhalb von Sekunden verständlich und anschließend dürfen nach Herzenslust neue Strecken gebastelt werden. Das Aneinanderreihen von Hügeln, Hindernissen, Tempofeldern und allerlei anderen Objekten ist eine sehr entspannende Beschäftigung. Wenn die eigenen Werke im Multiplayer-Rennen zum Einsatz kommen und sich als gut spielbar erweisen, ist die Freude groß. Ausdauernde Zocker können nach dem Baukasten-Prinzip sogar Strecken erstellen, deren Bewältigung mehr als eine halbe Stunde in Anspruch nimmt.

avatar_running_4Das Spiel läuft flüssig und die Optik gewährt jederzeit den vollen Überblick. Auf technische Effekthaschereien wurde großzügig verzichtet. Die Grafik ist so zweckmäßig, dass tatsächlich nur die Hälfte des Bildschirms benötigt wird, um die Rennen in Szene zu setzen. Der gesparte Platz bleibt aber nicht leer, sondern dient dazu, eine Vorschau des kommenden Streckenabschnittes zu zeigen. Ich persönlich war zwar nicht dazu in der Lage, dies zu meinem Vorteil zu nutzen, aber multitaskingfähige Menschen dürften ihren Spaß daran haben. Der Soundtrack wirkt passend, hätte aber durchaus mehr Songs beinhalten dürfen. Während in den Menüs erwartungsgemäß ruhige Töne angeschlagen werden, erklingt in den Rennen immer wieder die gleiche lustige und hektische Melodie. Avatar Running ist eins dieser Games, die dazu einladen, MP3-Dateien von der Xbox-Festplatte auszuwählen, statt die Nerven von den Kompositionen des Entwicklerteams strapazieren zu lassen.




 

 

Tim meint:

Tim

Obwohl nur ein einziger Euro fällig wird, können sich Einzelgänger diesen Download getrost sparen. Es sind einfach nicht genug Herausforderungen vorhanden und das Gameplay ist zu simpel, um langfristig für Unterhaltung zu sorgen. Wer allerdings häufiger mit Freunden vor der Konsole sitzt oder einige Online-Bekanntschaften davon überzeugen kann, ein paar MS-Points zu investieren, wird gut bedient. Das Indie-Game entpuppt sich als kurzweiliger Spaß für zwischendurch und der durchdachte Level-Editor lädt dazu ein, immer neue Strecken für Multiplayer-Partien zu basteln.

Positiv

  • Multiplayer für bis zu vier Spieler
  • Guter Level-Editor
  • Kostet einen Euro

Negativ

  • Nur eine Spielvariante
  • Solisten langweilen sich schnell
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  • von Civilisation:

    Tim hat sein virtuelles Alter Ego über die Pisten gejagt. Avatar Running Laufen ist anstrengend. Zum Glück nehmen uns in der Welt der Videospiele die virtuellen Protagonisten den Großteil der Arbeit ab. Mario, Sonic und Konsorten sind echte Hochleistungssportler, die stundenlang...

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