Utawarerumono: Mask of Truth - Ein Fehler

PlayStation 4
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Ich befürchte, ich habe einen Fehler begangen. Denn als das Rezensionsexemplar zu Utawarerumono Mask of Truth in der Redaktion eintrudelte, meldete ich mich. Womit für mich eine… interessante Erfahrung begann.

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Normalerweise bin ich jemand, der sich nicht einfach so blindlings als Tester anbietet. Doch in diesem Fall dachte ich mir, es wäre vermutlich nur ein normales, durchschnittliches J-RPG. Evtl. ganz interessant, mehr aber auch nicht. Ein großer Fehler, sehr großer Fehler!
 
Utawarerumono ist der Name einer in Japan sehr bekannten und beliebten Visual Novel-Serie. Die bereits seit 2002 existiert. Dabei sind die Wurzeln der Reihe im Eroge-Bereich zu verorten. Sprich, es ging, vor allem zu Beginn, teilweise heiß her. Im Laufe der Zeit wurden diese Elemente, bis auf ein paar Anspielungen und Charaktermodelle, allerdings stark zurückgefahren.
 
Die Geschichte spielt in einer Fantasy-Welt. Hauptsächlich steuert man den Protagonisten Haku, welcher sich in einer, für ihn alles andere als komfortablen, Situation wiederfindet. Er muss die metallene „Akuraka“-Maske an sich nehmen, vorgeben, jemand anderes zu sein, und so das Imperium von Yamato schützen. Letztendlich, indem er Kronprinzessin Anju als rechtmäßige Herrscherin etabliert. Zum Glück hat er viele Freunde, die ihn dabei unterstützen.
 
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Das Hauptproblem, das ich mit Utawarerumono: Mask of Truth hatte war, dass ich den Vorgänger Mask of Deception nicht gespielt habe. Zwar gibt sich der Nachfolger redlich  Mühe, die Gesichte des Vorgängers für die Spieler des aktuellen Titels zusammenzufassen, doch das gelingt nur bedingt. Viele Anspielungen wird man nicht verstehen, oder man ist angesichts der schieren Masse an Figuren fast überfordert.
 
Es ist nicht so, dass die Story langweilig wäre. Im Gegenteil: Bereits der Prolog, in dessen Verlauf die eben erwähnte Kronprinzessin Anju die Hauptfigur darstellt, weiß durch gute Charakterisierungen zu gefallen. Das Blaublut ist einem sympathisch, vor allem, weil sie zunächst nicht weiß, was mit ihr im vorherigen Spiel geschehen ist. Zu sehen, wie sich das im Laufe des Prologs ändert und wie die anderen Figuren mit ihr umgehen, hat Charme.
 
Wenn da nur nicht das übliche Problem solcher Visual Novels wäre, was mich auch daran hindert, dieses Genre zu akzeptieren: Es gibt zu oft inhaltsleere Dialoge, die die Spieldauer künstlich aufblähen! Zu oft ertappt man sich dabei, dass man ständig den X-Knopf drückt. Texte werden allerhöchstens noch überflogen, bis man an einen Punkt kommt, an dem man eine Entscheidung treffen darf und es danach weitergeht.
 
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Immerhin bietet Utawareumono: Mask of Truth ein Spielelement, das auch für normale Gamer interessant ist. Dann nämlich wird aus der Visual Novel ein Strategiespiel, nicht unähnlich Titeln wie Final Fantasy Tactics oder Fire Emblem. Die Präsentation von diesem Teil des Spiels ist episch und durchaus ansprechend. Natürlich gibt es entsprechende Elemente, wie Coop-Angriffe, wenn zwei Figuren, die einander gut kennen, gemeinsam attackieren. Das wird dann auch dementsprechend visuell präsentiert.
 
Leider fehlt dem Titel hier etwas, dass zahlreiche SRPGs auszeichnet: die Gnadenlosigkeit der eigenen Entscheidung. Wo man bei anderen Games mit den selber gemachten Fehlern leben muss, falls man nicht unbedingt den ganzen Kampf wieder von vorne machen möchte, gibt es in Mask of Truth eine Rückspulfunktion! Was diesem Gameplay-Element dann doch stark den Zahn zieht und damit belanglos wirken lässt.
 
Das Endergebnis ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Ich habe die SRPG-Elemente durchaus als willkommene Abwechslung vom Visual Novel-Trott empfunden, mir allerdings auch gleichzeitig gewünscht, ihm wäre mehr Raum im Spiel zugewiesen worden. Noch besser: Als eigenständiges Game wäre es fantastisch gewesen. 
 
Umgekehrt gilt es ebenso für die Visual Novel-Momente. Mit einer getrimmten Story und ohne die SRPG-Elemente wäre es für Fans dieses Spielgenres sicher ein Must-Have gewesen. Doch so wirkt es halbgar und nicht vollständig überzeugend.



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