Until Dawn im Test

PlayStation 4

Acht Freunde, eine tiefschwarze Nacht, sämtliche denkbaren Horrorfilm-Klischees und ein waschechter Psychopath – fertig ist Until Dawn. Einst als sehr viel harmloserer PlayStation Move-Titel für PS3 geplant, nun düsterer PS4-Vorzeigetitel. Wir sind in die Gondel gestiegen und haben die Nacht auf Blackwood Mountain überlebt.

nexgam_until_dawnDie kanadischen Wälder ziehen nicht nur europäische Auswanderer magisch an, sondern auch euphorisierte Jugendliche, die hoffen, dort die perfekte Idylle und Einsamkeit für ihre wahnwitzigen Parties zu finden. Die achtköpfige Gruppe von spielbaren Charakteren in Until Dawn kehrt nach einem weniger lustigen Trip im Vorjahr auf den Berg zurück, auf dem die Eltern eines Gruppenmitgliedes nicht nur ein Ferienhaus gebaut sondern ein ganzes Areal besiedelt haben. Einst Abbaugebiet mit tiefen Mienen, heruntergekommenem Sanatorium und dunkler Geschichte, werden die leichtsinnigen Bergbesucher von der Vergangenheit dieses Schauplatzes eingeholt. In kleinen Häppchen erleben wir die mal mehr, mal weniger miteinander verbundenen Geschichten aller Bergbesucher und lassen dabei gerne mal das Licht an.

 
nexgam_until_dawn_10_Until Dawn ist ein spielbarer Horrorfilm voller Teenie-Slasher-Klischees und erinnert den Spieler sofort an die Größen dieses Filmgenres, die uns in den letzten 15 Jahren auf der Couch oder im Kinosaal zusammenzucken ließen. Das Ganze wird dem Spieler dabei allerdings nicht plump um die Ohren gehauen, sondern richtig clever und gezielt in relativ kurzen Kapiteln bis zum Morgengrauen serviert. Wir sollen bestimmte Charaktere der spielbaren Gruppe ganz offensichtlich möglichst schnell furchtbar finden – um dann über kurz oder lang vor die Entscheidung gestellt zu werden, wie es mit ihnen weitergeht. 
 
nexgam_until_dawn_5_‚Entscheidung’ ist das große Stichwort in Until Dawn. Wie viele Spiele vorher, verspricht das Horrorspektakel von Supermassive Games, dass getroffene Entscheidungen enorme Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Spieles haben. Im Klartext heißt das, dass jeder der acht Charaktere sterben kann. Genauso kann aber auch jeder überleben. Sehr viel wahrscheinlicher ist es aber zumindest im ersten Durchgang, dass irgendwas dazwischen stattfinden wird. Spannend ist die Aufmachung dieser Schlüsselszenen, die vom Spiel durch den sogenannten Schmetterlingseffekt an die Chaostheorie verknüpft werden. „Geringfügig veränderte Anfangsbedingungen können im langfristigen Verlauf zu einer völlig anderen Entwicklung führen“, erklärt uns Wikipedia die Idee dahinter und nachdem wir unsere erste Nacht auf dem Berg verbracht haben, neigen wir dazu zu behaupten, dass Until Dawn dieses Gameplayelement besser umgesetzt hat als die meisten anderen Spiele, die in den letzten zehn Jahren ähnliches versucht haben.
 
nexgam_until_dawn_9_Das liegt nicht zuletzt daran, dass es keinen Weg zurück gibt – eine Kapitelauswahl oder ähnliches ist nicht vorhanden. Mit euren Entscheidungen werdet ihr wohl oder übel bis zum Abspann leben müssen. Entsprechend groß fällt zumindest nach dem ersten Durchspielen die Motivation aus, das Gespielte sofort ein zweites Mal zu erleben und einen anderen Weg zu gehen. Ein Durchgang dauert, je nachdem wie lange man selber nach Sammelgegenständen suchen will, um die 10-15 Stunden. Diese Gegenstände wie z. B. Zeitungsartikel, Fotos oder andere stille Zeitzeugen flicken die Geschichte zusammen und füllen die Lücken, die von den eigentlichen Spielpassagen hinterlassen werden, geschickt und zufriedenstellend aus.
 

 


Gregory meint:

Gregory

Until Dawn ist einerseits ein Liebesbrief an klischeebehaftete Teenie-Horrorfilme, andererseits ein wirklich beengender und dunkler, spielbarer Thriller. Dem ein oder anderen sehr konservativen alten Zocker-Hasen mag es unter Umständen an wirklichem Gameplay mangeln – wer jedoch schon auf Heavy Rain und ähnliche Titel stand, wird auch hier alles andere als enttäuscht. Dank starker Autoren wachsen dem Spieler, egal ob man es will oder nicht, selbst die nervigsten Klischee-Eulen früher oder später ans Herz, wodurch die Schwere der zu treffenden Entscheidungen erst so richtig durchscheint. Nicht zuletzt helfen die professionellen Schauspieler (unter ihnen übrigens Hayden Panettiere und ein ganz fantastischer Peter Stormare) verbunden mit dem sehr schön anzusehenden technischen Gerüst des Spiels für eine hervorragende Atmosphäre, wie man ihr nicht allzu oft begegnet. 

Positiv

  • Tragweite der Entscheidungen wird bedeutend in Szene gesetzt
  • Acht spielbare Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein könnten
  • Hoher Wiederspielwert dank enorm vieler möglicher Szenarien

Negativ

  • Manche Charaktere kommen zu kurz
  • Kameraperspektiven nicht immer vorteilhaft gewählt
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7.9 8 Stimmen
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Forum
  • von Onkelpsycho:

    wenn du mich fragst, reicht die normale. Der Unterschied zur extended ist wirklich minimal...

  • von Caine:

    ich möchte mir das spiel kaufen, soll man die normale oder extended edition kaufen? ...

  • von JasonX:

    bitte löschen

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